botz,
papae, heute potz
geschrieben, ein nie allein erscheinender, immer noch von einem subst. gefolgter ausruf, der sich scheinbar von botz = bosz,
schlag herleiten liesze, wie z. b. Fischart tonnerbotz
für donnerschlag Garg. 219
b. 270
b (Stieler 206 botz
für bosse)
setzt, und donner!
selbst einen ausruf bildet. doch richtiger wird man botz,
wie bocks
und box (
sp. 202. 203)
für euphemismus oder parodie von gottes
nehmen, wozu auch das gleichbedeutige kotz
stimmt. in manchen formeln tauschen alle diese wörter, z. b. in potz tausend
und kotz tausend, botz blut
und kotz blut,
in bocks marter
und botz marter, bocks leber
und botz leber;
auch findet sich das mit bocks
oft verbundne verbum schende, blende
gleichfalls hinter botz.
nachfolgende aufzählung der üblichsten formeln wird sich aus büchern des 16
jh. vielfach ergänzen lassen. botz angst, wie eben recht, bei dieser farzbüchsen erinnere ich mich eben unsers landwüstiers fest und feldgeschützes.
Garg. 57
a; botz laus, botz angst! Thurneissers
archidoxa 65; botz blut!
s. oben sp. 173; botz bock, heiszt das auf hasen lauszen? Gilhusius 81; botz buszment, wer mir nit frid gbotten. Murners
schelmenz. 10
b; ich schwür botz darm und auch botz lung. 5
b; was bgerst du da? botz bluotigen darm, beger das nit, mein tochter, nit.
trag. Joh. R 2; ei dasz dich denn botz degen! Hoffm.
gesellsch. 282; aber botz duft, diese hudler haben die reben nicht gebawet.
Garg. 204
b; botz eilf bar schock! Hayneccius
drei neue com. 1582
act 5
sc. 6; botz element!; botz elen guckguck!
Garg. 235
b; botz fledderwisch, botz bürlebaus, es ist warlich fürst Hetzerus. Joh. Römolt C 5
a; ei potz glück!
Simpl. 2, 375; potz henker! ei dasz dich denn botz flechte! Hoffm.
gesellsch. 281; botz hirn! botz schweisz! Ruefs
Adam 477; dasz dich botz horn als (1, 229) buben schend! Gilhusius 104; botz hosenlatz und nestelglimpf! es wird alls gredt in ernst und schimpf. Ruefs
Adam 1136; botz Hurt Jemi! du redst war. Ruefs
Heini, vorsp. 237; das uns botz huor schend!
schimpf und ernst (...)
cap. 125; das euch botz jammer schend!
das. cap. 214; botz Koren, wir kommen jetzt zu glück. Gilhusius 45; botz krabaten!
eselkönig 310; ei potz krös und botz milz! H. Sachs I, 232
a; botz angst, botz krös! III. 3, 67
a; aber botz chüwunden, es kost disz göttelkindlein manchen feinen Abbezeller chnaben.
Garg. 110
b; botz lung, botz leber, wo bin ich doch? H. Sachs III. 3, 61
d; sihe botz lung, er ist schon da. Murner
schelmenz. h
a; kein wunder wers, sammer botz lung, das mir vor leid mein herz zersprung.
trag. Joh. L 5; botz leberwürst, ir lieben lüt, die erberen wisen ich nit meinen. A 2;
[] botz lung, botz leber, sacrament, potz marter, potz herstock (
herrgott) wunden, das sacrament flucht man bei pfunden, dein (
Christi) marter, leiden rücken sie dir auf, sie fluchen, schweren gottes tauf, dein lung, leber, dein heiligs sterben, davon sich wol möcht entferben die sonn und mond am firmament, das man dein glieder so lesterlich schendt. Conrad Hase
vom lauf der welt (16
jh.); potz fut, ich ward gar zeitlich wund.
fastn. sp. 387; botz lus! womit kumpst, lieber fründ? Ruefs
Adam 4639; botz laus, botz angst! Thurneisser
archid. 65; botz macht! was wolt der hinkend büntelträger damit gethan haben.
Garg. 244; potz macht!
Simpl. 2, 398; botz marter, thut euch doch bedenken. H. Sachs III. 3, 50
c; botz marter, wo sol wir hinausz? III. 3, 71
a; botz maus, wo kompt ir her so spat? II. 4, 1
b; botz mäusnest, wie müst das zugehn? Fischart
bienenk. 160
b; botz sackermenschenkopf, das ist ein zunselgespenst!
Garg. 231
a; im herzen, o ich han in gern (
den wein) gar usz ists best, botz morgenstern.
trag. Joh. Q 5; ee dwiber schwigend still, botz mus, ee brech es in zum hindren usz. L 3; botz münch, botz nonnentröster!
Pasquillus 1546. B 1
b; botz ofengabel und botz magen! min bar mir thut gen himmel ragen. Ruefs
Adam 1152; botz rinderzan und ochsenhorn, nit einist hett ich darumb zorn. 1200; das dich potz omacht schent! Joh. Römolt E 8
a; muosz ich ontrunken sin, botz sägen? das mirs einkeiner bringen wil.
trag. Joh Q 5; potz schlapperment schänd, haltet bessere ordnung.
bauernstands lasterprobe s. 93; potz tausend!
heute fast die einzige von diesen formeln übrig gebliebne; botz todenbaum!
Garg. 202
a; botz treckigen gestank, so musz er ubel des engelten.
trag. Joh. A 2; aber botz Urbans leiden, was hilfts wann kein kraft hernach folget?
bienenk. 83
b; ei dasz dich all botz Velten! wie ist das geld so theur, und kommt so wunderselten an arme leute heur. Hoffm.
gesellsch. 281; botz Veltenssucht!
eselkönig 310,
vgl. Veltins beulen 1, 1746; was ligt dann dran, botz Verden bluot! der wein ist allen menschen guot. Scheit
grob. G 3
a; Verden bluot! das sein guote mer. Murner
luth. narr 3720; botz Verden blut!
Garg. 154
a; botz Färden darm! vom für der hell ist mir so warm. Ruefs
Adam 477; botz Verden willen, luogend umm, was groszen volks hie zuo uns kumm.
trag. Joh. B 2; botz laus, botz angst, botz Verden krös! Thurneissers
archidoxa 65; potz welt! potz wetter!; ha der potz Velten!
Schlampampe tod 7; ei dasz dich denn botz zähren! was frag ich denn darnach? das geld soll mich nit bschweren, will haben gut gemach! Hoffm.
gesellsch. 282.
noch andere beispiele dieses botz
wurden schon unter alles (1, 229. 230), aller (1, 220), allers (1, 227)
angeführt. die absichtliche verdrehung von herrgott
in herstock,
von Velten
in Verden, Ferden
u. s. w. lassen kaum zweifeln, dasz auch botz
aus gotts,
einigemal vielleicht aus götze (1, 220)
entsprang, wie teufel
in deuxel, deixel
gemildert zu werden pflegte. das heilige oder böse wort sollte damit geschont, verkleidet und unschädlicher werden; auf ähnlichem grund beruht, dasz die hirten den wolf nicht so, sondern wul, feind, ungeziefer
oder hölzing
und graubein,
den bären goldfusz, groszvater
nennen, worüber Reinhart liv—lvi
mehreres gesammelt ist. die Finnen gebrauchen Pekko
d. i. Petrus von jedem thier des waldes, bären oder hase. Was uns heute an der alten ausdrucksweise grob und roh erscheint, gieng gerade aus einem wolmeinenden oder abergläubischen bestreben hervor, die härte und nachtheit kräftiger namen zu mäszigen oder zu verhüllen. die französische sprache hat oder hatte ähnliche euphemismen, z. b. vertubleu!
für vertudien,
gottes macht = botz macht,
und aus diesem vertubleu
liesze sich auch botz verden
leiten, statt aus botz Velden.
vgl.bocks
und box.