stolle,
stollen,
m. ,
fulcrum —
cuniculus. form und verwandtschaft: aa)
ahd. stollo,
mhd. mndd. stolle.
gebildet zu stellen
verb. (
dort die weitere etymologische verwandtschaft),
wie scholle (
th. 9
sp. 1453)
zur wurzel skel-(
findere, s. schellen verb. th. 8
sp. 2496
unter 4
und 5),
und beide mit dem durch assimilation verdunkelten suffix -ln-
gebildet (
also *stulno,
*scolna)
; vgl. noch das verhältnis von knollen (
th. 5
sp. 1464)
zu knellen, knorre (
sp. 1487)
zu knarren
oder knerren
und aus der gleichen handwerklichen sphäre die docke (
verschiedenartige fachfüllung am gestühl, geländer u. s. w. s. th. 2
sp. 1211
unte. 3,
und erst später aus der oft säulchenartigen auflösung solchen gefachs zum begriff '
zapfenartiges holz, kleine säule'
u. s. w. entwickelt, wohl zu decken
verb. als '
das eingedeckte oder verdeckende').
zur indogermanischen verwandtschaft unseres wortes gehört skrt. sthṇā '
säule'
aus *sthūlnā (
vgl. griech. στήλη). —
eine andre begrifflich einleuchtende ableitung giebt Edw. Schröder (Haupts
zs. 42, 61):
ahd. stollo
aus vorgerm. *stud-lón,
also zu got. stautan,
ahd. stōʒan,
unten stoszen
verb. und so etymologisch nahe gerückt dem sinnverwandten stütze,
fem. —
sprachlich völlig einwandfrei (
angesichts anord. stuðill '
stütze'
und styðja '
stützen')
entwickelt Ed. Sievers
ahd. stollo
aus vorgerm. *studh-lón,
urgerm. *stuð-ló (
neben einer þl-
bildung, so erhalten in as. stuthli)
indogerm. forsch. 4, 338
f. so wird denn für die erklärung unseres wortes ein zusammenschieszen sehr verschiedener bildungsansätze anzunehmen sein. bb)
in der form stoll (
wohl in anlehnung an stall 2 f
th. 10, 1
sp. 596)
schon 1440
bei Diefenbach
gloss. 548
a,
bei Alberus Cc 4
a (
fulcimen), Schöpper
syn. e 8
c (
columna), Schottel 277. —
der plural selten mit umlaut, so bei Mathesius, Abraham a S. Clara
und so noch zwölf stöllen
allgem. deutsche bibliothek 53-86, 761
anhang; als '
in den gemeinen sprecharten der bergleute'
bei Adelung.
bedeutung: 11)
stütz- und tragpfosten verschiedener hausgeräte: stolle
fulcrum Diefenbach
nov. gloss. 184
b (
v. 1420); stollen haben
haver piedi ò sostegni Kramer
dict. 2 (1702), 982
b;
auch ebenda auf stollen stehen; stollen an etwas machen
wie unten stollen
verb. 1@aa) stollen am spanbett
sponda Diefenbach
gloss. 548
a (
um 1515); stollen am beth
pedes lecti Dentzler 277
a; da stuond das ledlin mit den kleinaten under dem bett bey ainem stollen
Fortunatus (1509) 31
neudr. (
auf s. 32 in meiner schlaffkamer hinder aym betschranckstollen); er hat zuo machen geben bettlädlin oder tischlin mit eichenen stollen, auff welchen jr sommers zeit an der sonnen trincket (
lectulos in sole ilignis pedibus faciundos dedit) Boltz
Terenz 99
a;
oben hat die seule ein loch, und ist gekerbt
wie ein stolle am himmelbette Aitinger
jagd- und weidbüchlein 195; eine dreischläfrige bettsponde zurichten von starken föhrnen stollen Musäus
volksmärchen 1, 127; auszerhalb der breter, stollen und franzenvorhänge des ehebettes Jean Paul 43, 144; daʒ bette dâ sî ûfe saʒ, wol erziuget was daʒ: die stollen grôʒ silberîn, von guotem gwürhte der schîn
Erec 8956; daʒ bette von dem wunder (
Lît marveile). vier schîben liefen drunder, von rubbîn lieht sinewel, daʒ der wint wart nie sô snel: dâ wârn die stollen ûf geklobn (
d. h. mit besonders ausgeladenem fusz)
Parzival 566, 19; lasz einen krancken mann in seid und sammet liegen, häng allen schmuck umb ihn, dasz sich die stollen biegen, er bleibt doch siech und schwach Opitz
gedichte 3, 286; ein mensch, der in der schwärmerey des liebeswahnsinns einen stollen an seinem bett umarmt, und heilig glaubt, er sey an seiner göttin liebevollen milchweiszen busen, wie die schöne Galathee an Acis hals, in wonne hingequollen Wieland 21, 189.
hierher noch die verblümte rede die hose an den stollen hängen (
d. h. an den bettpfosten)
vom manne '
sich zum liebeswerk bereit machen': wo man hat dbruoch an dstollen ghenckt, da bin ich all min tag gern gsin
schweiz. schausp. 3, 191, 1316,
d. h. im bett des mannes (
vgl. die entsprechende wendung mit beziehung auf ein mädchen gebraucht, welches nicht ins kloster will, ich merk, in welchen orden es denkt: da man bruoch zun houpten henkt Nik. Manuel
Barbali 1048).
auch die pfosten an der wiege (
auch hier über die wangenbretter deutlich hinaufgeführt, so dasz sie auch umgestürzt darauf stehen kann): auch geschach alda zu hant, daʒ die wagen wart umb gewant. do slang und hunt dorumb rungen, do wart die wage umb getrungen. sie bleyb ston auff den stollen Keller
altdeutsche gedichte 55, 9.
als bankstollen (
th. 1
sp. 1113)
und hier oft zugleich unter dem sitz einen truhenartigen kasten in seinen verzapfungen tragend, wie bei der truhe selbst; vgl. weistu, wâ dîniu kleider sint? 'sie ligent in dem vaʒʒe; grif in die kistun bî dem stollen hin ze tal' v.
d. Hagen
minnesänger 2, 77
b.
an der futterlade: dein schenckel wern auch nicht zu lanck zu stollen in eine halmbanck Ayrer 4, 2708
Keller. am stuhl u. s. w.: und dirre stul dô her (
Petrus) zu Rôme ûf gesetzit wart, der ist dâ noch, ... und sîne hindersten stollen sint drîer fuʒe lanc und sîn vordersten sint zweier fuʒe
deutsche mystiker 1, 94, 35; auff sesseln und stuolen sitzen, die krumme fuosz und stollen haben Xylander
Plutarch (1580) 410
b; des groszfürsten stuhl war, hinten an der wand mit drey stuffen von der erden erhaben, so mit vier silbern und vergüldeten, drey zoll dicken stollen oder seulen umbgeben Olearius
reisebeschr. 18; gedrehete stollen, woraus die von stroh oder bintzen geflochtene stüle bestehen
balaustri di sedia Kramer
dict. 2 (1702), 982
c; sitzend auf einem goldnen throne, ... vor sich an den säulen oder stollen des throns zwei prächtige säbel in perlenbesetzten scheiden Ranke
w. 3, 305; (
von einem sessel so schön gearbeitet,) daʒ er was gevieret und alsô gezieret, daʒ man ie ûf dem stollen stân sach ein houbet wol getân Heinzel. von Konstanz 817; vom sessel zuckt er im ein stoln, das er fiel in dem augenblick Hans Sachs 1, 440
Keller; und mit einem kranz von blumen, belladonna, hundsviolen, frauenschuh und eisenhute, kränzet er des stuhles stollen Brentano 3, 118.
am tisch: ein alt eychen tischlein uff stolen
Frankfurter quelle von 1631
bei Diefenbach-Wülcker 866;
sogar: Salomon: vier zeit halten iren lauf.
Markolf: vier stollen halten das scheiszhaus auf
fastnachtspiele 2, 527.
vgl. auch unten stollengehäus,
n. 1@bb)
mehr als selbständiges geräth, etwa wie schrage(n) (
th. 9
sp. 1620): sobald das sälchen quästionis geräumt ist, soll der zimmermann die breter und stollen darinne hobeln (
um bücher darauf aufzustapeln) Göthe IV 16, 38
Weim.; die zimmerleute, die mit stollen, latten und brettern angezogen kamen, um das dramatische gerüst aufzuschlagen 30, 96; zwuo satzten schiere für den wirt die stollen
Parzival 233, 7
vgl. viere die tafeln legten ûf helfenbein wîʒ als ein snê, stollen die dâ kômen ê 30.
wohl geradezu wie schragen 5 (
sp. 1622)
in der bedeutung stollentisch
u. s. w.: wie der heyland Jesus in den schönen tempel zu Jerusalem getretten, und daselbst die juden sehen kauffen und verkauffen, da hat ihn der ernstliche eyffer dergestalten bewegt, dasz er mit vergstaltem angesicht und zornigen augen, all dero tisch, stühl, stöllen und krammerladen umbgestossen Abraham a S. Clara
Judas 1, 307. 1@cc)
in abgeschwächter, ja sich verflüchtigender bedeutung stolle, zierath an gängen und geländern
fulcra ad ornatum Frisch 2, 339
b; stollen,
die kurzen dicken säulen an geländern der treppe u. s. w. Adelung,
also ganz wie docke 3 i (
th. 2
sp. 1212); reyhe von solchen stollen
ordine, fila, filara, corsa di balaustri; balaustrata Kramer
dict. 2 (1702), 982
c; mit solchen stollen zieren
ornare, profilare di balaustrata (
ebenda),
vgl. dazu die einleitung und diu krône was gezieret mit vünf stollen wünneclîch, also schône gezieret mit edelm gesteine rîch ... in dem êrsten stollen lac ein kôrallelîn, in dem andern stollen ein edeler smâract fîn, ob den zweien stollen ein liehter karfunkelstein
Rosengarten D 224. 1@dd)
merkwürdig ist stollen
als einzelne säule (
vgl.stoll
columna Schöpper
syn. e 8
c)
und der verdacht liegt nahe, dasz hier stollen
auch grammatisch für unten storren,
m. (
truncus)
stehe, vgl. wie mancher truncus und stollen ist zu nicht worden, alles zerstäubt und davon geflogen Dannhawer
catechismusmilch 1, 180,
so ganz in der sphäre von 1stock,
m. 4 stollen
als säulenartiger sockel (?)
eines standbildes: (
der götze Reto hat) auf einem stollen gestanden Grote
gesch. von Northeim 7;
auch fuszbalken des kreuzes: ir (
der heiden) panier, die sipera und labara haben stollen und strich des creutzs Franck
chronica (1531) 133
a;
doch vgl. unten stollkreuz, stollenkreuz
und oben stall 2 f (
th. 10, 2
sp. 596). — stollen
auch (?) '
kegel' (
im spiel)
s. oben stollboszen
verb. 22)
begriffliche sonderentwicklungen: 2@aa)
noch immer im bereich der holztechnik stollen
nur der (
oft unförmige)
klotzartige fusz eines geräthes, nachdem besonders mit rücksicht auf schräge leibungen z. b. der truhen ein pfostenartiges hinaufführen der stollen
durch die wandecken als unthunlich aufgegeben werden muszte; er erscheint nun dem gerät nur lose untergelegt, um etwa den schädigenden einflusz der bodenfeuchtigkeit fernzuhalten, so der stollen
am schrank (
s. seine besondere entwicklung unten am stollenschrank),
an der truhe, dem koffer (Jacobsson 4, 303
a),
auch an der totenlade: (
ein sarg,) verquollen durch langes alter, rötlich angestrichen, mit schwarzem kreuz und runden, schwarzen stollen Platen 2, 123.
doch auch an schweren tischen (
und stühlen),
besonders des 17.
jahrhs. (
auf dem lande aber noch länger),
wo bein und fusz (stollen)
zwei völlig getrennte elemente geworden sind (
im gegensatz zum älteren stollen
unter 1). 2@bb)
der absatz am schuh (
zugleich im übergang zum folgenden, s. besonders c
β)
elsäss. ich bin am stolle
n hänge
n gebliwe
n Martin-Lienhart 2, 592
a; Hans
el, mei
n bu
b, mach m
ir e paar schu
h, mach m
ir e paar stolle
n dran, dass ich recht bollere
n kann!
kinderlied ebenda. als eine naheliegende erweiterung des vorigen auch '
vom schnee, eis, auch feuchter ackererde gebildeter ansatz unter dem schuh'
elsäss. d
er schnee ist weich, jetzt gi
bts stolle
n an d holzschue
h Martin-Lienhart 2, 592
b; i
ch ha
be grossi stolle
n bikumme
n, wo-n-ich durch d
er schnee
gegange
n bi
n ebenda; i
ch cha
nn fast ni
t ge
hn, ich ha
b stolle
n unger de
n schue
hen ebenda. 2@cc)
in der metalltechnik: 2@c@aα)
älter als das vorige und im selbständigen ausgang von dem gebrauch unter 1, stollen
kurze starke füsze an einem kochtopf (
dann auch an entsprechenden irdenen gefäszen)
s. auch unten stollhafen: hafe mit stollen
chytropus, olla pedata Orsaeus (1623) 82; 4 crein (ein?) häfen, ainer an ainen stollen Zingerle
mittelalterl. invent. 369
a (
deutlich angelehnt an die vorstellung unter 1 b); benantlich dem der siget ob, ein tigel werden solt mit lob, auff dreyen stollen unversehrt Spreng
Ilias 331
b. 2@c@bβ)
auf dem vorigen beruht wieder stollen
am hufeisen der pferde: stolle
tres partes acuminatae in soleis ferreis equorum Frisch 2, 339
b (stolle am hufeisen Kramer
dict. 2, 982
c),
damit sie mit ihren füszen besseren halt auf dem boden finden: wann junge rosse hinten mit dem stollen auf den schwellen aufstehen, davon krimpffen sie (
die adern) auch zusammen
M. Böhme
roszartzney (1618) 41; vorher musz man aber dem pferde die eisen vornen eines fingers hoch und keine stollen daran machen lassen Pinter
pferdeschatz (1688) 428; wann ein pferd mit den stollen auf einer schwellen stehen musz 395; wann die pferde scharff beschlagen seyn, sonderlich wann sie im frost mit langen spitzigen stollen (vornehmlich der innere) versehen werden 400;
vgl.wanns eysisch und schlipffrig ist, (
soll man) die stollen an den hufeysen (
der pferde) etwas spitzen ... lassen Hohberg 1, 140; die stollen (
an den hufeisen der pferde) ... sollten höchstens zur winterszeit geduldet werden
allgem. deutsche bibl. 4, 2, 313; jetzt hege nun das mädchen keinen andern gedanken, als die leidige reitkünstlerei, spreche nur von striegeln, vom kropfe, von piephacken, spath und stollen Arnim 15, 277; das herabsteigen bis Altenstein ... war etwas schwierig, da mein pferd nur glatte eisen ohne stollen hatte Pückler
briefw. 2, 358. 2@c@gγ)
ähnlich (
und auf grund des vorigen)
werden stollen
auch an wagenrädern angebracht, damit sie bei glatteis besser haften v. Alten
handb. 1, 137. 2@c@dδ) stollen
der absatz bei der angel eines messers Adelung,
an einer gabel Krünitz 174, 471. 2@c@eε) stollen
auch am abzug des mehrladegewehres, gewöhnlich abzugstollen. 33)
in der bergwerksprache '
wagerecht verlaufende grube': ein stolle, gang unter der erden
cuniculus Orsaeus (1623) 182; stollen
fodina, mine, cuniculus Schottel; ein stolle, der am äuszersten fusz des bergs angesetzt ist
cuniculus, cujus ostium in pede montis videri potest Frisch 2, 339
a (
vgl. auch tagstollen,
th. 11
sp. 85,
eigentlich: der zu tage tritt und der zuführung durch einen senkrechten schacht nicht bedarf, dann auch zur ableitung von tagwässern bestimmt)
; doch schon die steinzeitlichen (
nach feuerstein suchenden)
bergwerksbetriebe (
z. b. von Spiennes in Belgien)
beschränken sich nicht auf die einfache anlage des tagstollens,
sondern senken bereits den schacht (
th. 8
sp. 1963
unter 1)
durch unergiebige schichte bis in die an gutem material reiche tiefe, welche dann durch schurfstollen (
s. th. 9
sp. 2044),
überhaupt grubenstollen (
s. oben)
abgebaut wurde; doch stollen
von gröszerer länge kannte auch eine spätere zeit noch nicht; der suchstollen (
s. unten)
fand also vollends keine verwendung, sondern an seiner stelle wurden die senkrechten gruben in geringer entfernung von einander abgeteuft. erst dem jüngeren groszbetrieb gehört der wasserstollen (
s. unten)
und der wetterstollen (
s. unten)
an. 3@aa)
die bedeutungsentwicklung unseres wortes nimmt ihren ausgang von dem unter 1
behandelten gebrauch und gründet sich auf die verwendung des stützenden, tragenden stollen
zur absteifung der grubendecke. um ihren einsturz zu verhindern (
deshalb die stete forderung nahen waldreichthums für den erfolgreichen groszbetrieb eines bergwerks in den zeiten noch ungenügender verkehrsmittel). —
nach vollzogener bedeutungserweiterung (
deren vorgang in den belegen nicht mehr wiederscheint)
entspricht unser wort begrifflich lat. cuniculus (incile),
und aquaeductus (
als aituht
in Munichaituht
in einer steirischen urk. von 1202, als aghetucht
im Goslarer urkundenb. 2, 218
z. j. 1271;
vgl. dazu Zycha im
reallexic. für germ. altertumskunde 1, 252
a)
und spiegelt durch seine selbständige stellung die bedeutung des germanischen bergbaus wieder. —
für das alter der bedeutungsentwicklung ist hervorzuheben, dasz sie als vollzogen bei der übernahme des (
aus dem gleichen kreise der holztechnik stammenden) schachtes (
niederd. für hochd. schaft
s. th. 8
sp. 2049
unter 4 a,
so als xafetus
für scafetus
in einer Trienter quelle bei Zycha
a. a. o.)
vorauszusetzen ist. schwed. stoll
als bergmannsausdruck entlehnt aus dem deutschen Falk-Torp 1173. 3@bb)
den stollen fassen, auszimmern Hertwig
neues bergbuch 386
a;
ihn durch zimmerung gegen einsturz schützen Jacobsson 4, 304
a;
daneben den stollen (
mit holz) verzimmern,
einfacher und weniger kostspielig (
vgl. oben)
als stollen ausmauern (
als notbehelf in holzarmen gegenden 4, 303
b): ein im spitzbogen gemauerter stollen Hartmann-Abele
volksschauspiele 127. 3@b@aα)
einen stollen treiben cuniculos agere Corvinus
fons latinit. 188
a; wie ein schacht von tag nieder perpendiculariter, also wird ein stolln unten am gebürge horizontaliter ins gebürge, wie ein gang getrieben, dadurch man wetter einbringen, wasser benehmen und vorliegende gänge überfahren kan, und das heiszt man: einen stolln treiben Hertwig
bergbuch 37
b;
daneben allgemeiner: stollen treiben, oder stollweise fahren, ist, in dem stolln fortgehen 386
a; würde aber ein stolle in ein zeche oder masz getrieben, und treffe ertzt, hette doch der tieffe nicht, die ein erbstolle haben soll; dasselbig erzt sOell der zech, und nicht den stollnern zustehen Lori
baierisches bergrecht 177 (1521); die frembden bergkleut ... trieben stöllen Mathesius
Sarepta 3
b (
vorr.); darunter (
ist) ein stollen getrieben und undergraben worden Kirchhof
militaris disciplina (1602) 178; dasz er (
der schacht) den rechten stollen, der dahin getrieben wird, erlange Agricola-Bech
bergwerckbuch 2; weil ein landläufer eine wünschelruthe schlagen liesz, trieb man in diesen berg ... einen stollen nach einer goldader Nicolai
reise durch Deutschland 1, 44; gutachten über herantreibung des Meiszner stollens in die Freiberger erzrevier A. v. Humboldt
kosmos 1, 417.
auch: dazumal ist auch des stollen halben zu Lutzen Mansfeld geschlossen worden, das derselbige in alle wege fortgetrieben, und Hans Langen darauff fleiszig achtung zu haben, befohlen werden solte C. Spangenberg
mansfeld. chronica (1572) 408
b;
vgl. daneben den stollen aufnehmen,
ihn weitertreiben Jacobsson 7, 459
b. —
hierher noch: die neger graben dort lange und tiefe stollen in die erde zur auffindung des goldes Ritter
erdkunde 1, 457; einen neuen stollen anlegen (Justi
Winckelmann 2, 1, 372); einen stollen in den berg schlagen Fontane I 6, 147; (
bergleute,) welche, im schoosze der erde, zwei stollen ... gegen einander führen Schopenhauer
w. 3, 204. —
vereinzelt einen (tieferen) stollen einbringen Frisch 2, 339
a; auch haben wir die herren umb das bergkwerck zum Czogmantel also entschaiden: wer den stollen einpringet an dem alten berge, der sol sein stollenrecht behalten, und die herren alle vier sol ein yeczlicher sein bergkrecht daran haben
lehnsurkunden und besitzurkunden Schlesiens 2, 491. —
zuletzt: schwehrlich wird man irgendwo über das geognostische verhalten dieser formation (
der steinkohlenablagerung) deutlichere aufschlüsse erhalten als hier, wo das gebirg durch stollen von mehreren hundert klaftern aufgeschlossen ist K. v. Sternberg
ausgew. w. 6. 3@b@bβ)
sonst noch: den stolln abwägen,
seine tiefe feststellen Jacobsson 7, 459
b. — den stolln lösen,
licht- und luftschächte nach dem stollen
hinuntertreiben ebenda; auch: dem stolln ein lichtloch vorschlagen,
bei schneller erweiterung des stollens (
von dem lichtloch aus wird der stollen
dann gleichfalls in angriff genommen) 4, 303
b. — stolln zuführen heist, wenn er weiter oder höher gemachet wird Hertwig
neues bergbuch 386
a,
vgl. Jacobsson 4, 305
a. — den stolln offenhalten 7, 459
b im gegensatz zu der stolle ist angefüllt worden
cuniculi parietes collapsi sunt Frisch 2, 339
a,
vgl. auch: (
bericht,) dasz die stollen zwar sämmtlich verbrochen seyen, dasz man aber vom tage aus in den berg hineingehe Göthe IV 39, 41
Weim. — den stollen auflassen
deserere fodinam Stieler 2176. —
zuletzt: den stolln aufheben,
einen schon aufgegebenen stollen
wieder säubern und in benutzung nehmen Jacobsson 7, 459
b. 3@b@gγ)
bergrechtlich: der stollen wird enterbt '
wenn ein neuer stollen
sieben lachter tiefer eingetrieben wird, so hat der obere sein recht verloren' Jacobsson 7, 459
b; 4, 304
a;
der tiefere stollen
besitzt nun als erbstollen (
s. th. 3
sp. 741)
das stollenrecht (
s. unten). — (
den) stollen verstuffen,
ein stufenartiges merkmal dem stollen einhauen, zur abgrenzung der arbeitsstrecken verschiedener stöllner Jacobsson 4, 304
b;
vgl. auch erbstufe,
dieses grenzzeichen selbst (
th. 3
sp. 741). —
zuletzt den stollen belegen (
einer belegschaft von arbeitern überweisen Jacobsson 7, 459
b). 3@cc)
verschiedenes: der stollen
hat wände,
die sohle
als untere bodenfläche (
s. unten stollensohle)
und die firste
als decke: wenige tage nach gemachtem durchschlage beleuchtete der steiger die firste des tiefen stollens und entzündete die brennbaren wetter, die sich unterdes gesammelt hatten A. v. Humboldt
gasarten 185 (
s. auch unten stollenfirste,
f.); noch neher, als zween stollen neben einander Paracelsus
opera 1, 649; die schottischen kohlengruben und stollen unter der see Lichtenberg
verm. schr. 5, 537; die Basinskische grube, nur ein stollen mit zwei schachten auf kupferglasur Ritter
erdkunde 2, 1085; (
deutlich als tagstollen): zu den oberen stollen und knappenhäusern (
des salzbergwerks)
hinaufwandern H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 321; noch wie man kommen soll, wohin es schwer geschienen, durch gläser in den mond, ins feuer durch die minen, durchs tauchen in die see, durch thürm in freye luft, durch stollen in den berg, durch schlächt in eine gruft Heräus
ged. (1721) 243; item sie besuchten die müntzbräger ..., fuhren ein in die gäng, schecht, stollen, und geschick, sahen schürffen, weschen, rösten
Gargantua 294 (27)
neudr.; er fuhr mit seinen begleitern in den stollen (
zu Freiberg) Ranke
w. 4, 99; ein pilger wollt ausspüren der erd metallengeist; da hiesz man ihn spazieren, ins bergwerk man ihn weist, ... er glaubts und fuhr in stollen Brückmann
beschreibung aller gebirge (Arnim 13, 234); (
kürzer: in den stollen zum C. A. schacht nach dem Herm. in die höhle Göthe III 1, 18
Weim.)
; auch: da nun ferner seit so vielen jahren berg um berg bestiegen, fels um fels beklettert und beklopft, auch nicht versäumt wurde, stollen und schächte zu befahren (
für das studium einer naturerscheinung) I, 36, 7
Weim.; stundenlang unter der erde, wie in den finstern stollen eines bergwerks herumgehen Becker
weltgeschichte 1, 97; ein ehernes los ist dem bergmann zugefallen, ernst schreiten die hageren, blassen gesellen in den stollen einher Rosegger
schr. 6, 284; wer gold gott nicht zu dienst und ihm zum brauche nützet, hat das, was hat, wer gold im stollen noch besitzet Logau 306 (71); sie nötigen ihre gefangnen zu mühseliger arbeit beym feuer oder in stollen Bodmer
Noah 78 (3, 240); durch der stollen weite länge, durch das labyrinth der gänge wandern wir den sichern weg Körner 2, 10; und so man auf dem stollen kein ertz findt, senck man ein andern schacht S. Münster
cosmographie 532; ihr künstler! bildet euch nicht ein, ihr wüstet alles auszuzieren. des stollens gang und sein gestein weisz schönre farben aufzuführen Zäunemännin
poetische rosen 580. 3@dd)
in gruppenstellung mit entsprechenden begriffen, so neben gang (
th. 4, 1, 1
sp. 1228
unter II 3 b)
und gegensätzlich zum schacht (
th. 8
sp. 1963
unter 1): sucht auch sein gut nicht mit eim liecht im bergwerck, da man gar nichts sicht, da sich die stollen, gäng und schacht verlieren plötzlich vber nacht Fischart
lob des landlustes 45
Kurz; sie führten mich in jhre genge, in die tieff, in die quehr und lenge, durch die stollen, zu dem anbruch, das ich zurisz hosen und schuch Rollenhagen
froschmeuseler L 8
b; der nöthige compasz, der tieffe, breite, länge des schachts gewisz erforscht, und auch das masz der gänge und stollen sagen kan Opitz
w. 1, 135;
so auch: schachte und stollen Mommsen
röm. geschichte 1, 217; darauf (
auf Sanct Annenberg) eins abends ich spacieret, das perckwerck creutzweisz durchrefiret, beschawet die stollen, schech und gruben, wie von steygern, knappen und buben so mechtig arbeyt würd verbracht, beyde tag und die gantzen nacht mit graben, zimmern, pültzen und pawen Hans Sachs 3, 480
Keller; (
er) gibt nicht auffs bergwerck acht, da schach und stoll sich offt verlieren uber nacht Opitz
poemata 26
neudr.; aus den gruben, schechten oder stollen Thurneysser
magna alchymia 18 —
neben strecke (
s. unten): soweit nemlich der stollen, der schacht oder die strecke getrieben Leibniz
deutsche schriften 1, 468;
vgl.: ('
der unterirdische pilger'
in des knaben wunderhorn) müszte in schächten, stollen und auf strecken gesungen und empfunden werden. über der erde wirds einem zu dunkel dabei Göthe 40, 349
Weim.; wenn ich in eine grube hineinfuhr und durch stollen und strecken kroch Steffens
was ich erlebte 4, 51 —
neben rösche (
th. 8
sp. 1163
unter 3): keiser Henrich aber der ander hat groszen fleisz daran gelegt, ... roschen und stoln lassen treiben H. H. Hake
bergchronik 7 —
neben weitung (
dem ausgehauenen raum, welcher von erz entleert ist, s. unten): in den stollen und weitungen der bergwerke A. v. Humboldt
kosmos 4, 243. 3@ee)
in anlehnung an das vorige auch sonst, so kriegstechnisch an stelle von mine,
f. (
th. 6
sp. 2235
unter 1): ihr stollen (oder minen) dasz ihr zur erd macht fallen die bollwerck und die thürn, die mauren ohne streit Treuer
deutscher Dädalus 1, 671: wenn das römische lager so stand, wie wir angenommen, so dürfte der stollen ganz nahebei in der nördlichen schlucht durch die steile, aus weichem tuff gebildete felswand getrieben worden sein. vielleicht kam es nur darauf an, nahe unter der burgmauer durchzubrechen Moltke
schr. 1, 176; die mineure, die ... im wall einen stollen anlegen sollten v. Alten
handbuch 2, 499.
auch: die stollen, schächte und gänge der göttin Cloacina (
d. h. einer kloakenanlage) Lichtenberg
briefe 2, 247. —
im tändelnden spiel gräbt das kind dergl. mit dem löffel durch die (
breiige)
speise auf seinem teller: Anna, welche mir gegenüber sasz, baute ihren hohlweg in die bohnen hinein mit vieler kunst, eine bohne nach der andern herausnehmend, und grub unvermerkt einen unterirdischen stollen Keller 1, 244; das schwesterchen hingegen, welches viel harmloser war, suchte, sobald ihre quellen versiegt waren, durch allerhand künstliche stollen und abzugsgräben die wohlschmeckenden bächlein auf ihre seite zu leiten, und wie sehr sich auch der bruder dem widersetzte und eben so künstliche dämme aufbaute und überall verstopfte, wo sich ein verdächtiges loch zeigen wollte, so wusste sie doch immer wieder eine geheime ader des breies zu eröffnen oder langte kurzweg in offenem friedensbruch mit ihrem löffel und mit lachenden augen in des bruders gefüllte grube 4, 16. —
als gelegentliche übertragung auf eine masznahme der chirurgie, doch ohne sich hier durchzusetzen: viel solcher artzte, tyriakmenner und trödeln ..., die den reichen jre blattern auff gestochen, ... und haben jnen einen stoln oder stein in die seiten getrieben Mathesius
Syrach 2, 215
a. 3@ff)
im erweiterten gebrauch (
aber mit deutlichem ausgang von der bergtechnischen verwendung)
bei einem steinbruch auch das aus einem solchen stollen
zu gewinnende gestein: auch sullen sie (
die steinbrecher) solichen stollen und fels, so sie geraumt haben, zu grunt heraus prechen und hinab komen, als ferre sie können und mugen vor wasser Tucher
baumeisterbuch 81. 3@gg)
sprichwörtlich ein versprechen
u. ä. in den tiefen stollen verschreiben (schreiben),
wie sonst in den ofen
oder schornstein (
th. 9
sp. 1581),
es vorläufig aufgeben, auf das künftige verschieben (
ohne an eine erfüllung überhaupt zu denken)
ernsthaft: was sich darneben bey seinen letzten zeyten inn weltsachen zugetragen, wöllen wir, wie bergleut, zum tieffen stollen verschreyben Mathesius
werke 3, 340,
dann wohl in der weiteren entwicklung auch '
es zum verlornen rechnen'.
vgl. im übrigen noch geld zu stollen legen (
unten 6 a). 3@hh)
bildlich, so im bereich des forschenden menschengeistes: dein niemals satter geist war eiferigst bemüht, durch die erfahrung selbst in stollen, schacht und gründen, der würkung ursach auch nachforschend auszufinden v. König
ged. (1745) 249; im engsten stollen, wie in tiefsten schachten ein licht zu suchen, das den geist entzünde, war ein gemeinsam köstliches betrachten Göthe 4, 15
Weim.; und so gab er sich zur ruhe, wollte nicht mehr weiter fragen, liesz ergeben sich hinunter in der weisheit stollen fahren Brentano 3, 20; (
der mann,) der mit des geistes wünschelruthe, ... ausbeutet manchen stollen und schacht Hoffmann v. Fallersleben
schriften 6, 172;
in litterarischer sphäre: der humorist hat zwar einen närrischen, widerlichen berghabit zum einfahren in seine stollen Jean Paul 20-23, 354;
auch: Musäus war später demüthig genug, in die bleihaltigen stollen der 'allg. deutschen bibl.' seine goldhaltigen zu treiben und ihr rezensionen der romane zu schenken 49-51, 142.
mehr grotesk, vielleicht mit besonderer beziehung auf das hier die benützung erschlieszende actenrepertorium: ein registratur ist ein ding, ... wo sie die acten hinterlegen. und acten sind die papiernen dinger, womit man das ganze churfürstenthum Sachsen regiert ... sie haben einen groszen berg davon erbaut, mit stollen, zum durchspazieren — und ein actuar hält das alles in ordnung Bauernfeld
ges. schr. 5, 175. —
im religiös-mystischem bilde: schliesz auf den stollen deiner liebe, den reinsten schacht, in dem wir baun
Oberharzer schichtsegen (1899)
anhang (
geistl. berggesänge 32, 1).
dem ursprungsgebiet sich nähernd: das paternosterwerk, womit er das wasser aus den stollen seines ruhmes treibt, zerreiszt Brentano 5, 438; ihr könnt verlieren ohne grollen, denn euer seckel kümmert nie, und nie versiegen eure stollen, gut bergwerk ist die simonie Lenau 528
Barthel; zugleich im spiel mit der bedeutung '
mine' (
unter e): die bewegung ist da, und begreiflicher weise die weltlichen und geistlichen politici machen in und unter derselben wenigstens in den dunklen gängen und stollen, welche sie sogleich unter ihr hineingetrieben haben, ihre leisen kreuz- und queerläufe E.
M. Arndt
für und an seine lieben Deutschen 3, 457.
im briefstyl: e. h. werden in dem marckscheidezuge ihres gedächtnisses ganz wohl bemerket haben, dasz ich von dem ersten quartale an, da ich mit dem stollen meiner ergebenheit, in die zeche ihrer angenehmen freundschaft unvermuthet durchschlägig worden, ... Gottsched
neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 294. 44)
übertragungen, welche an den gebrauch unter 1
und 2
anknüpfen. 4@aa)
von einer person bei Fischart
in einer liste von lastträgern u. dergl.: solche vierschrötige, ja sibenschrötige plotzwedel, balckenhotzler, secktrager, trollen, knollen, stollen und babilonische thurnbawer
Gargantua (3) 60
neudr. (
wie in Südhannover stoln
auch ein groszes pferd bezeichnet; en grôt stoln Schambach 212
a)
d. i. '
ein stämmiger vierschrötiger mann'
vgl. dazu den familienname Stolle
und Stoll.
elsäss. jetzt noch als schelte für eine dumme person Martin-Lienhart 2, 592
b,
wozu unten stollen
verb. 6
zu vergleichen ist, eigentlich also wohl '
ein unbehilflicher, schwerfälliger mensch (
der sich wie auf stollen
bewegt.)' 4@bb)
das menschliche bein. elsäss. der het e paar festi stolle
n Martin-Lienhart 2, 592
b; di
e hat awer e paar stolle
n '
dicke waden'
ebenda. 4@cc)
vorspringender knöchel (
mehr an 2
anknüpfend; vgl. auch rolle th. 8
sp. 1140
unter 6 a;
dazu oben die bemerkung unter stollboszen
verb. 1): auch verwundert sie, das der wurm im finger lebt bey dem muly, und am stollen todt ist, und jsset, und niemandts kochts jhm Paracelsus
chirurg. schr. (1618) 525. 4@dd)
wegen seiner ähnlichkeit mit einem stollen '
brodförmig gebackener kuchen' (
wie sonst auch, so in Südhannover, klöben,
eigentlich ein groszes scheit holz, vgl. dazu auf der anderen seite stollen '
schnitthölzer von quadratischem querschnitt' Menge): stollen
semmelbrod Jacobsson 4, 303
a;
elsäss. stolle
n backwerk von mürbeteich von zylindrischer form für die kinder als geschenk von ihren taufpaten zu neujahr Martin-Lienhart 2, 592
b;
doch gewöhnlich im geschlecht angeglichen an semmel
und so s. oben stolle,
f.: mittags kam dein brief und von Odilie noch ein groszer stollen und süsze plätzchen Emma Förster
briefe (1845) 190; ihr stollen ist noch nicht angelangt wegen der schneefälle C.
F. Meyer
briefe 2, 124. ihr stollen, l. freund, schmeckt mir ganz vorzüglich und wird mit jedem tage besser. ich habe diese Leipziger stollen früher nicht nach verdienen gewürdigt
ebenda. als scherzhafter elsäss. neujahrswunsch: gross neujohr, stollen ans ohr, bengel an den kopf, dass s bluet herustropft! Martin-Lienhart
a. o. vereinzelt auch nur ein achtpfennigbrödchen (
ebenda). 4@ee)
entsprechend (
neben stolle,
f., s. oben)
als bergname in Südhannover, so der Hühnenstollen, Hühnstollen,
der Stollen
bei Grosz-Lengden in der nähe von Göttingen. 4@ff) stollen
ein haufen karten (
im karnüffelspiel)
s. unten 6 a. 55)
in der kunst der meistersinger zwei gleichgebaute stollen
als träger des abgesangs, zuweilen wird noch ein dritter stollen
an den schlusz des abgesanges gestellt Jac. Grimm
über den altdeutschen meistergesang 46; Wackernagel
lit. gesch. 2, 45; Plate
in den Straszburger studien 3, 192,
wodurch denn das gesetz (
th. 4, 1, 2
sp. 4075
unter II 10 b
und ursprünglich gewisz das gezimmerte gestell),
in barocker übertreibung des aus der handwerkstechnik unter 1
geschöpften bildes, seinen unterbau erhält: ein gesätz bestehet meistentheils aus zweien stollen, die gleiche melodei haben, darauf folgt das abgesang ... zuletzt kommt wieder ein stoll oder theil eines gesätzes, so der vorhergehenden stollen melodei hat Wagenseil
civit. Noriberg. 521,
vgl. noch: falsche blumen oder coloratur mag man also mercken, wo man einen ton, in reimen, stollen oder abgesange, mit viel andern blumen, coloratur oder leufflin sünge Puschmann
meistergesang 16
neudr.; (
neben einander geordnet:) nicht alleine den ton, weyse und melodia, sondern auch die ordnunge der gesetze, weise, stollen und reimen haltten Spangenberg
musica 33; die stollen im absingen mæʒlîch sich binden vîn
meisterlieder der Kolmarer handschr. 33, 37;
und die houbetrîme teilet, swie ir sie welt behalten, stân ie die stollen mitten 33, 63;
d. h. den haubtreim (
hier aber die ganze strophe, wie sonst bei den meistersingern)
zu tragen und zu stützen; ja auch die zierlichen masze der deutschen minnelieder werden (
um 1300
in Schlesien) bewundert, und wir können entscheiden, wie einer der edelsten Piasten mit den schwierigkeiten der stollen und abgesänge fertig wurde Freytag 18, 168; ein gesetz besteht aus zweenen stollen, die gleiche melodei haben sollen R. Wagner 7, 181;
aus ähnlicher bildsphäre schöpft die altnord. bezeichnung stuðlar (
plur. zu stuðill,
die beiden nebenstäbe der ersten alliterationshalbzeile, im gegensatz zum hǫfuðstafr,
dem hauptstabe der zweiten halbzeile),
ist aber sprachlich mit unserm wort nicht identisch, sondern gehört zu ags. stoðl (?)
as. stuthli '
pfosten' (
vgl. darüber die einleitung unter a).
seit W. Wackernagel
gebraucht die germanische verslehre stollen
auch im sinne von altisl. stuðlar;
vgl. A. Heusler
stabreim § 35 (
im reallexicon). —
den singular stoll
braucht Jac. Grimm
noch in einem briefe vom 4.
mai an Benecke (
s. 63),
wie älter Gottsched (
beyträge zur crit. historie 3, 404). 5@aa)
als gelegentliche begriffserweiterung des vorigen: ihr, meine lippen, sollt nicht mehr erglühen in liedern, laichen, stollen! Immermann
werke 15, 152.
auf wirklichen älteren gebrauch scheint zu führen die Nürnberg. redensart das war ein stollen!
ein schwank, streich, stück Schmeller
2 2, 751; no, Lena, wöi g'fällt dir der stoll'n?
quelle ebenda. die entwicklung macht deutlich: ir herrn, seit still und hort mit fleisz von uns ein hubsche narrenweis! ... darumb dorft ir nit furpas fregen, dan horet zu an spot und lachen, ob man die stollen zu grob wurd machen
fastnachtspiele 224, 11. 5@bb)
merkwürdig auch von einem '
satz'
in prosa: in allen und yeden obverschriben stollen (
d. h. eben angeführten stellen aus der heiligen schrift) wirt lawtter befunden, daʒ dich plosser gelawb allain nit sAelig mach Berthold von Chiemsee
tewtsche theologey 28;
vgl. ebenda die deutliche zugehörigkeit zu unserm wort: der yetz gemelt stoll zewcht sich aigentlich allain awf die selen im fegfewr 561,
vielleicht geradezu '
beweissatz, stützendes zeugnis'
und dann selbständig geschöpft aus dem gebrauch unter 1. —
hierher noch (
im deminut.): wenn zway oder drey stolel aneinander hengen
quum dicola tricolaque ponuntur Aventin
grammat. bei Schmeller
2 2, 751,
denn: in lectione periodus, plena sententia, dicitur ein satz, pas,
cujus partes sunt commata stolel
et cola setzel
ebenda. 66)
bildliche verwendungen auf zweifelhaftem grunde. 6@aa) geld zu loch und stollen legen,
ein capital ansammeln, schätze häufen: wenn disz hett an im eyn wyser bilger, das er do eynen duckaten, do eynen guoten alten güldin, do eyn kron zuo stollen legt, und synen schatʒ also meret, hüt disz, morn ginsʒ, iemermeder zuo loch und stollen leyt, und in also meret und samlet iemermeder und do mit verbirgt Geiler v. Keisersberg
bilgerschaft 1076
c.
die zusammenstellung mit loch
legt nahe, an den erzführenden stollen (
unter 3)
zu denken. doch vgl. auch die stollen
der banktruhe (
unter 1 a
und dort den weiter erhellenden beleg bei v.
d. Hagen
minnes.).
kaum in frage kommt eine bedeutungsentwicklung wie die von stamm (
th. 10, 2
sp. 643
unter II 4 d)
oder stock (
oben sp. 37
unter 5 f).
doch vgl. auch hier westfäl. stollen
ein haufen karten (
im karnüffelspiel) Woeste 256
b;
so oppen stollen leggen
und da liet en ganssen stollen
ebenda. 6@bb) '
geschlechtslinie',
wobei zweifelhaft bleibt, ob das bild der im bergwerk sich verzweigenden stollen (
unter 3)
oder der trag stollen
eines geräts (
unter 1)
dabei zugrunde liegt: und wann also berüerte brüeder und mitverwondten der thailung begern und sich aber derselben güetlich nit vergleichen mügen, so ist von alter der brauch gwest, das der eltist stoll die thailung machen und der jüngst die waal haben soll, und also ainer nach dem andern
tirolische weist. 4, 664, 15; desgleichen in varnus soll gleichwol der eltist, wie gemelt, die erste thailung in aines thails güetern machen, und in den andern überigen güetern die andern stollen ainer nach dem andern, damit sie alle und ein ieder, als vil müglich und mit glegenhait beschehen kann, gleiche waal haben mügen 20; (
möglich, dasz) unter denselben stollen kain füegliche thailung der güeter beschechen kunte, sonder sich die stollen mit gelt davon entrichten lassen müessten, so soll der eltist die güeter schäzen 24; die essende speis und narung sollen am herbst nach der zal der stollen austailt und iedem ervolgt werden 726, 46.