stenzen,
vb. ,
zur wurzel germ. *stent-,
vgl. Falk-Torp 1192, Fick III
4 482;
grundform *stantjan
für die obd. md. form, mit s-
erweiterung *stantisōn
für nd. stenzen< stentsen,
vgl.schupsen neben schupfen, smucksen
neben smucken
u. ä. Wiszmann
nom. postverb. 171;
für die bedeutung '
verkürzen'
sind zahlreiche in ablaut stehende germ. bildungen zu vergleichen wie ags. styntan
stutzen, aschwed. stynta
verkürzen, dän. stynte (
haare)
stutzen, schwed. stynta
verkürzen, mit kurzen schritten gehen, norw. dial. stinta
knapp sein, kaum auskommen, engl. to stint
im wachstum hindern, abknappen, vgl. mhd. stunz
kurz abgestumpft, teil 10, 4, 549, stunze
gefäsz 10, 4, 550,
adän. stunt
kurz, aschwed. stunter
kurz, engl. stunted
verkrüppelt, schwed. dial. stunta
kurzatmig sein; in gleicher ablautstufe schwed. dial. stant
halb erwachsenes mädchen, nhd. stanze
prägstempel (
s. teil 10, 2, 843).
im dtschen ist für stenzen
die bedeutung '
verkürzen'
jedoch nur bair.-österr. belegt, vgl. stenzen decurtare, verkürzen, stutzen Schmeller-Fr. 2, 773; Nicolai
österr. id. 133,
vgl.stenzeln 1;
die heute mundartlich gebräuchlichste bedeutung '
stoszen, schlagen'
hat parallelen nur in dän. dial. stunte
stoszen (
von pferden)
und nhd. stanze
prägstempel, doch ist wie bei stutzen—stoszen
mit einer bedeutungszweiheit von germ. *stent-
zu rechnen. 11) '
stoszen, schlagen': stenzen
stoszen Hertel
thür. 235, Dellit
Kleinschmalkalden (1913) 234, K. G. Anton
Oberlausitzer wörter (1825) 13, 7,
auch als '
stauchen, hart aufstellen': stenze den sack, dasz man noch mehr hineintun kann Fischer
schwäb. 5, 1731;
literarisch selten bezeugt: der Parther sechs knechte sahen, dasz schon drei von ihren herren gestenzet (
mit dem schwerte zu boden geschlagen) wahren A. H. Buchholz
Hercules u. Valiska (1666) 565,
blasser als '
zusetzen, bedrängen': Barac gewapnet wol Azors heer weidlich stentzt (
attaque), das von ertz, eisen, gold, und silber alles gläntzt Tob. Hübner
feldobersten (1619) 55;
ähnlich als schlagen, prügeln Avé-Lallemant
gaunertum (1856) 4, 611, Kluge
rotwelsch 1, 408, Fischer
schwäb. 5, 1731;
durchhauen, verdowacken württ. viertelj.-hefte n. f. 16, 68;
in der schülerspr. Unger-Khull 574
b. 22)
stoszend, schlagend forttreiben, fortjagen, vgl. tirol. einen fort-, weg-, hinausstanzen
ihn durch fuszstösze ... fort-, hinausschaffen Schöpf 700: stenzen
forttreiben, fortjagen Schmeller-Fr. 2, 773;
treiben, nöthigen Loritza
id. vienn. (1847) 126; ich werde dich stenzen
fortjagen Weinhold
schles. 94
a, Müller-Fraureuth 2, 560, stänzen Hertel
thür. 235;
jemanden zum fortgehen zwingen, unter androhung von strafen: ich will di stänzn Danneil
altmärk. 209, stenzen Vilmar
kurhess. id. 399, stentsen Woeste
westf. 254; die eule die da gern in türnen wohnt allein, der schauffhuet, der stets trawrt, und du, der du den schein des hellen tages fürchst, keutzlein, so gern faulenzet und von den vögeln wird gemeiniglich gestenzet Tob. Hübner
sieben tageszeit (1661) 241; gê ham! gê ham! ht anə gsagt, sô hts mə immə gstenzt
aus Iglau in: Frommann
dtsche maa. 5, 121; haben sie dich aus der fabrik gestenzt? Hans Fallada
blechnapf (1934) 337;
specieller '
von der schule wegjagen' H. Meyer
d. richt. Berliner (1925) 172. 33)
im weiteren sinne, ohne den eigentlichen begriff des schlagens '
jemanden quälen, plagen, einschüchtern': wärst du ein junge, ich hätte dich gestenzt und getriezt nach meiner art, welche die leute eine grobe art nennen; du aber bist ein mädchen geworden G. Freytag
ges. w. (1886) 7, 296; ja, wenn ich noch so eine frau wie sie kriegte! aber so ne olle verhutzelte zwetschge is nich ... und die Lisa würde sie auch schön stenzen H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 47;
abgeblaszter: stenzen
bestrafen, abweisen, abtrumpfen Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 560;
herunter machen, increpare Reinwald
henneberg. 156; ich will ihn stenzen
die wahrheit sagen, den kopf waschen Wander
sprichw. 4, 829;
einschüchtern, breitschlagen Müller-Fraureuth 2, 560;
mit zureden plagen, einschüchtern Albrecht
Leipz. ma. 271
a;
durch drohungen und andere derbe mittel einschüchtern: uns kriegsminister excellenzen, de ward jug schön herum fikatzen, un ward jug nüdlich rümmer stenzen Fr. Reuter
werke 1, 256
Seelmann; stenzen
schelten (
mecklenburg.)
nd. korrespondenzbl. 9, 75;
einem vernunft beibringen, ihn überreden H. Meyer
d. richt. Berliner (1925) 172;
jemanden zurechtstellen Mi
mecklenb. 86
b; stenzn
dringen in jemand (
Iglau) Frommann
dtsche maa. 5, 464;
unterweisend zustutzen, drillen, eintrichtern: der rekrut wird gestenzt Frischbier
preusz. wb. 2, 368
b; sien frind, de Luddwig muszt em stenze, wie man als koopmann seck bedräggt, wie man berehkent differenze, on wie man sonst noch kömmt taurecht A. Nowack
plattd. schnurren i. ostpreusz. ma. (1875) 36. 44) stenzen '
stehlen'
ist nicht sicher hierher zu ziehen; Fischer
faszt es als eine scherzhafte form stelenzen
auf schwäb. 5, 1732,
doch ist diese form nicht belegt; besonders vom obststehlen wird stenzen
gebraucht, was doch auf zusammenhang mit schlagen im sinne '
abschlagen, abwerfen'
deuten kann: stenzen
milder ausdruck für stehlen, entwenden (
besonders von obst) Follmann
lothr. 496, Fischer
a. a. o.; Autenrieth
pfälz. 136, 138; äbbel sdänzen
äpfel stehlen, besonders von den bäumen (
es wird fast nur vom obst gesagt) Christa
Trier 198; Hertel
thür. 235 (
der es von einer form *stangezen
herleitet); stönze
werfen (
z. b. obst von den bäumen) K. Albrecht
Leipz. ma. 271
a; wo han dann ihr d birnen hër, die han ihr in unserem garten gestenzt Martin-Lienhart 2, 606; un s Marzolffs garte n au, wo merr als obst han gestenzt Ch.
F. Kettner
d maiselocker (1877) 23;
dann allgemein '
stehlen',
vgl.stenzen scherzhafter oder doch milder ausdruck für entwenden, stehlen Schmeller-Fr. 2, 773, Ruckert
unterfränk. ma. 175, Müller-Fraureuth 2, 560, Vilmar
kurhess. 285: so kam mirs auch trefflich zu statten, dasz man aus zotten (
variante so bequemen) kanden einschenckte, dann ich konte sie stentzen, wan ich wolte Grimmelshausen 2, 374
Keller; was fuselt dort der bue? ah, der stenzt blueme D. Arnold
pfingstmont. (1891)
v. 7; so gitts kein fleisch ze stänze Martin-Lienhart
elsäss. 2, 606; ihr stenzet meinen hafer
setzt ihm stark zu Fischer
schwäb. 5, 1731;
auch in der bedeutung '
naschen' Follmann
lothr. 496. 55)
als weiterbildung zu stehlen im sinne '
betrügen': stenzen
hintergehen, betrügen, bestehlen Avé-Lallemant
gaunertum 4, 611;
betrügen, anführen Schmeller-Fr. 2, 773, Reinwald
henneberg. 1, 156. 66)
gelegentliche anwendungen ohne sichere anknüpfung: umher stenzen '
umhergehen ohne zweck' Jecht
Mansfeld 108
a,
vgl.strenzen, strunzen; '
hinterbringen': det musz ick n vorher noch stenzen H. Meyer
d. richt. Berliner 172,
vielleicht zu stanze
prägstempel wie stempeln (
s. d.) '
jem. bereden'
zu stempel
?; '
keuchen, sich anstrengen': er wurd stenzen, bis er die zein (
korb) voll holz uf der bühn (
speicher) het Martin-Lienhart
elsäss. 2, 606; '
sich ärgern und toben': er wurd stenzen, wenn er erfahrt, dasz sin bueb doch wieder mit dem Jerri geht
ebda.