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stenzen

nhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
9 in 9 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stenzen vb.

Bd. 18, Sp. 2371
stenzen, vb. , zur wurzel germ. *stent-, vgl. Falk-Torp 1192, Fick III4 482; grundform *stantjan für die obd. md. form, mit s-erweiterung *stantisōn für nd. stenzen< stentsen, vgl.schupsen neben schupfen, smucksen neben smucken u. ä. Wiszmann nom. postverb. 171; für die bedeutung 'verkürzen' sind zahlreiche in ablaut stehende germ. bildungen zu vergleichen wie ags. styntan stutzen, aschwed. stynta verkürzen,n. stynte (haare) stutzen, schwed. stynta verkürzen, mit kurzen schritten gehen, norw. dial. stinta knapp sein, kaum auskommen, engl. to stint im wachstum hindern, abknappen, vgl. mhd. stunz kurz abgestumpft, teil 10, 4, 549, stunze gefäsz 10, 4, 550, adän. stunt kurz, aschwed. stunter kurz, engl. stunted verkrüppelt, schwed. dial. stunta kurzatmig sein; in gleicher ablautstufe schwed. dial. stant halb erwachsenes mädchen, nhd. stanze prägstempel (s. teil 10, 2, 843). im dtschen ist für stenzen die bedeutung 'verkürzen' jedoch nur bair.-österr. belegt, vgl. stenzen decurtare, verkürzen, stutzen Schmeller-Fr. 2, 773; Nicolai österr. id. 133, vgl.stenzeln 1; die heute mundartlich gebräuchlichste bedeutung 'stoszen, schlagen' hat parallelen nur inn. dial. stunte stoszen (von pferden) und nhd. stanze prägstempel, doch ist wie bei stutzen—stoszen mit einer bedeutungszweiheit von germ. *stent- zu rechnen. 11) 'stoszen, schlagen': stenzen stoszen Hertel thür. 235, Dellit Kleinschmalkalden (1913) 234, K. G. Anton Oberlausitzer wörter (1825) 13, 7, auch als 'stauchen, hart aufstellen': stenze den sack, dasz man noch mehr hineintun kann Fischer schwäb. 5, 1731; literarisch selten bezeugt: der Parther sechs knechte sahen, dasz schon drei von ihren herren gestenzet (mit dem schwerte zu boden geschlagen) wahren A. H. Buchholz Hercules u. Valiska (1666) 565, blasser als 'zusetzen, bedrängen': Barac gewapnet wol Azors heer weidlich stentzt (attaque), das von ertz, eisen, gold, und silber alles gläntzt Tob. Hübner feldobersten (1619) 55; ähnlich als schlagen, prügeln Avé-Lallemant gaunertum (1856) 4, 611, Kluge rotwelsch 1, 408, Fischer schwäb. 5, 1731; durchhauen, verdowacken württ. viertelj.-hefte n. f. 16, 68; in der schülerspr. Unger-Khull 574b. 22) stoszend, schlagend forttreiben, fortjagen, vgl. tirol. einen fort-, weg-, hinausstanzen ihn durch fuszstösze ... fort-, hinausschaffen Schöpf 700: stenzen forttreiben, fortjagen Schmeller-Fr. 2, 773; treiben, nöthigen Loritza id. vienn. (1847) 126; ich werde dich stenzen fortjagen Weinhold schles. 94a, Müller-Fraureuth 2, 560, stänzen Hertel thür. 235; jemanden zum fortgehen zwingen, unter androhung von strafen: ich will di stänzn Danneil altmärk. 209, stenzen Vilmar kurhess. id. 399, stentsen Woeste westf. 254; die eule die da gern in türnen wohnt allein, der schauffhuet, der stets trawrt, und du, der du den schein des hellen tages fürchst, keutzlein, so gern faulenzet und von den vögeln wird gemeiniglich gestenzet Tob. Hübner sieben tageszeit (1661) 241; gê ham! gê ham! ht anə gsagt, sô hts mə immə gstenzt aus Iglau in: Frommann dtsche maa. 5, 121; haben sie dich aus der fabrik gestenzt? Hans Fallada blechnapf (1934) 337; specieller 'von der schule wegjagen' H. Meyer d. richt. Berliner (1925) 172. 33) im weiteren sinne, ohne den eigentlichen begriff des schlagens 'jemanden quälen, plagen, einschüchtern': wärst du ein junge, ich hätte dich gestenzt und getriezt nach meiner art, welche die leute eine grobe art nennen; du aber bist ein mädchen geworden G. Freytag ges. w. (1886) 7, 296; ja, wenn ich noch so eine frau wie sie kriegte! aber so ne olle verhutzelte zwetschge is nich ... und die Lisa würde sie auch schön stenzen H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 47; abgeblaszter: stenzen bestrafen, abweisen, abtrumpfen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 560; herunter machen, increpare Reinwald henneberg. 156; ich will ihn stenzen die wahrheit sagen, den kopf waschen Wander sprichw. 4, 829; einschüchtern, breitschlagen Müller-Fraureuth 2, 560; mit zureden plagen, einschüchtern Albrecht Leipz. ma. 271a; durch drohungen und andere derbe mittel einschüchtern: uns kriegsminister excellenzen, de ward jug schön herum fikatzen, un ward jug nüdlich rümmer stenzen Fr. Reuter werke 1, 256 Seelmann; stenzen schelten (mecklenburg.) nd. korrespondenzbl. 9, 75; einem vernunft beibringen, ihn überreden H. Meyer d. richt. Berliner (1925) 172; jemanden zurechtstellen Mi mecklenb. 86b; stenzn dringen in jemand (Iglau) Frommann dtsche maa. 5, 464; unterweisend zustutzen, drillen, eintrichtern: der rekrut wird gestenzt Frischbier preusz. wb. 2, 368b; sien frind, de Luddwig muszt em stenze, wie man als koopmann seck bedräggt, wie man berehkent differenze, on wie man sonst noch kömmt taurecht A. Nowack plattd. schnurren i. ostpreusz. ma. (1875) 36. 44) stenzen 'stehlen' ist nicht sicher hierher zu ziehen; Fischer faszt es als eine scherzhafte form stelenzen auf schwäb. 5, 1732, doch ist diese form nicht belegt; besonders vom obststehlen wird stenzen gebraucht, was doch auf zusammenhang mit schlagen im sinne 'abschlagen, abwerfen' deuten kann: stenzen milder ausdruck für stehlen, entwenden (besonders von obst) Follmann lothr. 496, Fischer a. a. o.; Autenrieth pfälz. 136, 138; äbbel sdänzen äpfel stehlen, besonders von den bäumen (es wird fast nur vom obst gesagt) Christa Trier 198; Hertel thür. 235 (der es von einer form *stangezen herleitet); stönze werfen (z. b. obst von den bäumen) K. Albrecht Leipz. ma. 271a; wo han dann ihr d birnen hër, die han ihr in unserem garten gestenzt Martin-Lienhart 2, 606; un s Marzolffs garte n au, wo merr als obst han gestenzt Ch. F. Kettner d maiselocker (1877) 23; dann allgemein 'stehlen', vgl.stenzen scherzhafter oder doch milder ausdruck für entwenden, stehlen Schmeller-Fr. 2, 773, Ruckert unterfränk. ma. 175, Müller-Fraureuth 2, 560, Vilmar kurhess. 285: so kam mirs auch trefflich zu statten, dasz man aus zotten (variante so bequemen) kanden einschenckte, dann ich konte sie stentzen, wan ich wolte Grimmelshausen 2, 374 Keller; was fuselt dort der bue? ah, der stenzt blueme D. Arnold pfingstmont. (1891) v. 7; so gitts kein fleisch ze stänze Martin-Lienhart elsäss. 2, 606; ihr stenzet meinen hafer setzt ihm stark zu Fischer schwäb. 5, 1731; auch in der bedeutung 'naschen' Follmann lothr. 496. 55) als weiterbildung zu stehlen im sinne 'betrügen': stenzen hintergehen, betrügen, bestehlen Avé-Lallemant gaunertum 4, 611; betrügen, anführen Schmeller-Fr. 2, 773, Reinwald henneberg. 1, 156. 66) gelegentliche anwendungen ohne sichere anknüpfung: umher stenzen 'umhergehen ohne zweck' Jecht Mansfeld 108a, vgl.strenzen, strunzen; 'hinterbringen': det musz ick n vorher noch stenzen H. Meyer d. richt. Berliner 172, vielleicht zu stanze prägstempel wie stempeln (s. d.) 'jem. bereden' zu stempel?; 'keuchen, sich anstrengen': er wurd stenzen, bis er die zein (korb) voll holz uf der bühn (speicher) het Martin-Lienhart elsäss. 2, 606; 'sich ärgern und toben': er wurd stenzen, wenn er erfahrt, dasz sin bueb doch wieder mit dem Jerri geht ebda.
7160 Zeichen · 147 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stenzenv., trs

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    † Stenzen , v. trs . im Österreichschen, abkürzen, verkürzen. D. Stenzen .

  2. modern
    Dialekt
    stënzen

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    stënze n II [tansə Horbg. Dü. ] 1. keuchen, sich anstrengen. Ër wurd s., bis er die Zein voll Holz uf d e r Bü h n het …

  3. Sprichwörter
    Stenzen

    Wander (Sprichwörter)

    Stenzen Ich will ihn stenzen. Ich will ihm nach Gebühr die Wahrheit sagen, den Kopf waschen, will ihn zurechtsetzen. Das…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stenzen

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Zerlegung von stenzen 2 Komponenten

sten+zen

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stenzen‑ als Erstglied (1 von 1)

stenzen als Zweitglied (1 von 1)

rümstenzen

MeckWBN

ruem·stenzen

Wossidia rümstenzen mit eindringlichen Worten, Drohungen zurechtsetzen: Uns' Kriegsminister ... ward Jug nüdlich rümmer stenzen Reut. 1, 256…