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spucken

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
11 in 10 Wb.
Sprachstufen
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16

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

spucken verb.

Bd. 17, Sp. 208
spucken, verb. spuere. 11) das wort gehört zu dem verbum speien und seinem kreise (theil 10, 1, 2074 ff.) und fuszt auf der mitteldeutschen form spûgen, die sich neben spûwen für spiuwen, spîwen ergeben hat, und die auch als spûhen, spûchen auftritt: spuere spûgen, spûchen Dief. 548c; spucken erweist sich als intensivbildung davon, wie zucken von ziehen, oder schmücken von smiegen, ags. smûgen, vgl. bd. 9, 1069. 1117. überliefert wird es zuerst bei Rädlein (1711) als spucken, speyen, sputare, cracher. 832a, mit der bemerkung: wie man hier (in Leipzig) nicht gerne speyen oder schneutzen, oder rotz sagen will, sondern haben will, man sage spucken, schnaupen. vorrede 6b; dann von Steinbach: ich spucke, ich habe gespuckt, spuo. 2, 649, der es aber als wort der gemeinen rede, in schriften nicht anwendbar, kennzeichnet; während es Adelung der vertraulichen sprechart in Ober- und Niedersachsen zuweist. zu seiner zeit greift spucken schon über ein weiteres gebiet und wird allgemeines wort der schriftsprache, das sich an stelle von speien in der bedeutung 'speichel auswerfen' festzusetzen beginnt (vgl. theil 10, 1, 2076 unten). 22) spucken ohne nebensinn, von der entleerung des speichels, intransitiv: er spuckt, er musz immer spucken; aber die jungfrau eilte, vom sitz aufstehend, und mühte sich hustend am feuer, dasz sie des vaters pfeif' anzündete, welche dem greise schon in der heftigen red' erloschen war; reichte sie jetzt ihm brennend, und spuckte viel, und macht' ein krauses gesichtchen. Voss 1, 53 (Luise 1, 427); in verbindung mit anderen ausbrüchen aus dem munde: gleich der luftröhre alles fremdartige mit unangenehmen husten und spucken ausstoszen. J. Paul Hesp. 1, vorrede vi; wie er räuspert und wie er spuckt das habt ihr ihm glücklich abgeguckt. Schiller 12, 23 (Wallensteins lager 6); mit örtlichen zusätzen: auf die erde spucken Adelung; an den boden, an die wand spucken; er spuckte ins zimmer; als anzeichen der trunkenheit: er kann nicht mehr über den bart spucken. Lichtenberg 3, 75. 33) in die hände spucken, um sie für eine schwere thätigkeit gefügig zu machen (vgl. in die hände speien theil 10, 1, 2077), auch zeichen des gerüstetseins zur arbeit: der bursch spuckte in die fäuste und nachdem er den ersten sensenschwung gethan, sagte er. Anzengruber 5, 114; auch der weber konnte vor ungeduld nicht mehr sitzen und spuckte schon in die hände (um einen festgefahrenen wagen losmachen zu helfen). Ludwig 2, 23; (Pervonte) schreitet drauf zum werk, spuckt in die hände, kriecht im gesträuch herum und bringt so ziemlich bald sein bündel dürres holz zusammen. Wieland 18, 132. auch sich in die hände spucken: hut und jacke hatte er von sich gelegt, in die hände hatte er sich gespuckt, den spaten angefaszt und zu graben begonnen. Rosegger weltgift (1903) s. 274. 44) spucken, sinnbildlich, zeichen der verachtung, geringschätzung, vgl. einen anspucken, vor einem ausspucken; einem oder einen ins gesicht spucken; frei: er las immer wieder in dem buche und sagte, ein satz spucke dem andern ins gesicht. Jenssen Jörn Uhl (1902) s. 138; das ist das merkwürdige ... dasz die beiden edelsten dinge, die es auf der ganzen welt giebt, diese beiden stolzen und edlen königinnen, nämlich treue und liebe, sich zankten, und sich vor wut ins gesicht spuckten. 499; auf den kopf, den scheitel spucken; die heiden hielten ein groszes gelage, mich aber bestimmten sie zu jämmerlichem tode, weil sie mein geschorenes haupt sahen, und die teufel spuckten mir auf den scheitel. Freytag ahnen 1, 306; als roher spasz eines höhern gegen einen niedern: erzählte ... von dem besuch des czaren Peter, welcher den pagen zum scherz auf die frissur gespuckt hatte. 5, 280; auf einen, etwas spucken: man spuckt auf einen kleinen schelm, aber man kann einem groszen verbrecher eine art achtung nicht verweigern. Göthe 36, 98; das erste produkt, welches in einer zeitung gedruckt wurde, war ein jesuitenlied, dem es aber schlecht erging; denn eine konservative nachbarin, die in unserer stube sasz, als das blatt ... gebracht wurde, spuckte beim vorlesen der gräulichen verse darauf und lief davon. Keller nachlasz 19; als derbe redensart, um verachtung auszudrücken: ich spucke auf den kerl, auf die ganze sache; einem auf den zopf spucken, ihn grob oder herrisch anlassen; 'der forcht sich nit, der spuckt dem feinde auf den hut', fiel mirs ein, als ich dem braven sergeanten ... auf das beiszgesicht sah. D. v. Liliencron zehn ausgewählte novellen s. 30; auch einem in die suppe, in die schüssel spucken, um ihm vor einer sache ekel, abscheu beizubringen; als abergläubische handlung: augenblicklich lief sie aus dem hause, spuckte wie ein bauer auf die schwelle desselben, und lief, wie sie war, ... aus der stadt. Keller werke 7, 54; sie verstanden auch schädliche einwirkung überirdischer gewalten durch beschwörung zu bannen, sie spuckten das schädliche ab oder wiesen ihm die zunge. Freytag bilder 1, 54. 55) spucken, transitiv, mit acc. des durch spucken entfernten: Adam schüttelte den kopf und spuckte das abgebissene auf die erde. Möser patr. phant. 3, 144; er spuckte lauter rosensyrup, er piszte lauter pomeranzenblüthwasser, und seine windeln enthielten die köstlichsten sachen von der welt. Wieland 12, 175; in erweiterter fügung, reflexiv: zu tode müszt' ich mich vor gift und galle spucken. Gotter 3, 238; frei: geld spucken müssen, gezwungen hergeben, auch nur spucken: der alte will nicht mehr spucken. Laube 5, 60; nachdem man goldene funken gespuckt hat, wie eine rakete (goldstücke). Freytag verl. handschr. 2, 142; der ofen spuckt hitze, auch mit verstandenem object: der ofen spuckt.
5666 Zeichen · 71 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Spucken

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Spucken , verb. regul. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches gleichfalls nur im gemeinen Leben und der vertraulichen …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    spucken

    Goethe-Wörterbuch

    spucken [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    spuckenPräp.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    spucken wie im Hd., auch sich erbrechen 1. Rdaa. a. trans.: hüt spuckt hei (der See) uns weck (Spritzer) in de Jack Wa J…

  4. Sprichwörter
    Spucken

    Wander (Sprichwörter)

    Spucken 1. Wohin man oft spuckt, wird es nicht trocken. In Schottland sagt man: Spucke auf den Stein, er wird endlich na…

  5. Spezial
    spucken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    spu|cken vb.tr. / vb.intr. (ausspucken) spodé (spöda). ▬ fortgesetztes Spucken spodamënt m. ; jdm. ins Gesicht spucken t…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit spucken

10 Bildungen · 1 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

spucken‑ als Erstglied (1 von 1)

spucken II

RhWB

spucken II das Wort ist gegenüber mdl. speien, späuen, spauzen, speizen, spieksen durchweg der MA. fremd; wenn es angewandt wird, gilt es al…

spucken als Zweitglied (7 von 7)

Abspucken

Wander

abs·pucken

Abspucken Einen etwas abspucken. ( Nürtingen. ) Wird ausnahmsweise mit hochdeutscher Endung ausgesprochen; an andern Orten auch abspicken, d…

ausspucken

DWB

aus·spucken

ausspucken , exspuere, nnl. uitspugen. blut ausspucken; vor einem ausspucken, zum zeichen der verachtung oder aus aberglaubischer furcht.

henspucken

MeckWBN

hen·spucken

Wossidia henspucken hinspucken: nah 'n Küselwind ward ok henspuckt Wa; Rda.: wo dei (jem., der viel priemt) henspuckt, waßt kein Gras wedder…

inspucken

MeckWBN

ins·pucken

Wossidia inspucken hineinspucken; scherzh. Rda.: willen eens inspucken, ob 't (heiße Speise) noch zischt Sta Stargard@Userin User .

rinspucken

MeckWBN

rin·spucken

Wossidia rinspucken hineinspucken; scherzh. Rda.: dei is so klauk, wenn hei sick 'n Teigelstein unner de Bein leggt, kann hei nah de Dackrön…

Ableitungen von spucken (2 von 2)

bespucken

DWB

bespucken , conspuere, bespeien, nnl. bespugen.

verspucken

DWB

verspucken , verb. zur lautform vgl. th. 10, 2, 208. das compositum fehlt in den wbb.; doch verzeichnet es Fischer 2, 1351 für das schwäb.: …