lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Schulen

mhd. bis Dial. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Herder
Anchors
22 in 19 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
56
Verweise raus
35

Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Schulen

Bd. 5, Sp. 128
Schulen (vom lat. schola), Anstalten zum Unterricht der Jugend, erscheinen überall als Bedürfniß, wo das Volksleben einige Ausbildung erlangt hat. Die Ansicht jedoch, als ob die Tüchtigkeit eines Individuums oder Volks sich nach seiner Beschulung abmessen lasse, ist eine grundfalsche, denn die Ausbildung durch das Leben ist allseitiger und durchgreifender; die Schule gibt nur die Grundlage eines Wissens, das durch das Leben weiter ausgebildet und seine Anwendung auf die Handlungsweise in bestimmten Fällen finden soll. Weil der Unterricht der Jugend ein allgemeines Bedürfniß ist, so muß der Staat dafür sorgen, was theils unmittelbar durch Staatsanstalten, theils mittelbar durch die Schulgesetzgebung und die Unterstützung von Privat-, Gemeinde-, Bezirks- etc. S. geschieht. Centralisirt der Staat das Schulwesen in durchgreifender Weise, so wird die Richtung der Schulbildung dem politischen Systeme angepaßt, dem die Regierung gerade huldigt; wird die Schule dagegen Privaten und Gemeinden allein überlassen, so zeigt sich in der Regel eine einseitige Richtung auf das sog. praktische Wissen mit Vernachlässigung der Grundlagen für die höhere Ausbildung. Daß die Kirche ein Aufsichtsrecht über die Schule zu üben berufen ist, ergibt sich schon aus ihrer Aufgabe, für die sittliche und religiöse Ausbildung des Menschen zu sorgen; sie ist die höchste Erziehungsanstalt, die ihre Wirksamkeit über jedes Lebensalter und jeden Stand ausdehnt, sie muß deßwegen auch darüber wachen, daß in der Schule, welcher Art diese immer sein möge, das christliche Element gefördert und weder durch Vernachlässigung, noch durch feindseliges Lehren od. Handeln beeinträchtigt werde. Ueber die verschiedenen Arten von S.s. Elementarunterricht, Gewerbe-, Real-, polytechnische etc. S., Akademie, Gymnasium, Lyceum, Universität. — Die S., welche in allen Theilen des röm. Reichs eingerichtet waren, gingen in den Stürmen der Völkerwanderung unter und wie die ganze neue Cultur verdankt auch das Schulwesen seinen Ursprung u. seine erste Pflege der Kirche. Die Geistlichen waren Jahrhunderte lang die fast ausschließlichen Träger aller höhern Bildung, die einzigen Lehrer in den Elementarkenntnissen sowohl als in den Wissenschaften; S. fanden sich in den Klöstern, namentlich in den Benedictinerklöstern, bei den Domstiften, bei den Pfarreien der Städte. Das Aufblühen der Städte hatte die Errichtung städtischer Unterrichtsanstalten zur Folge; die Lehrer an denselben waren aber in der Regel Geistliche, wohl auch Studenten, welche auf eine bestimmte Zeit gedungen wurden. In manchen Städten waren die S. dotirt, die Schüler hatten in dem Schulgebäude Wohnung, empfingen etwelche Unterstützung an Lebensmitteln und Gewand, hatten das Recht Almosen zu ersingen und zu erbetteln etc., daher sich an solche S. auch aus der Ferne her viele Schüler sammelten (fahrende Schüler). Derartige S. entsprachen ungefähr unsern heutigen Gymnasien; der Elementarunterricht war noch durchgängig Privatunterricht, der meistens durch Glieder des untern Klerus oder Studenten ertheilt wurde, erst Gerhard Groote (Gerhardus magnus), der Stifter der Brüder des gemeinsamen Lebens (s. d.) errichtete um 1386 eigentliche Elementarschulen für Knaben und Mädchen, für welche letztere jedoch die weiblichen Orden u. Vereine (vgl. Beguinen) hauptsächlich sorgten. Daß für die Entwicklung des höhern und niedern Schulwesens die Erfindung der Buchdruckerkunst Epoche machte, leuchtet von selbst ein, dazu kam bald darauf die gewaltige Bewegung der Geister durch die Reformation, welche in der Schule eine ihrer Hauptstützen suchte und dieselbe eben darum organisiren mußte. Den prot. S. gegenüber entwickelte der Jesuitenorden seine erfolgreiche pädagogische Wirksamkeit (s. Jesuiten) sowie überhaupt die Rivalität der Katholiken und Protestanten um die Früchte und den Ruhm der größeren Bildung das Schulwesen, namentlich auch das Volksschulwesen, außerordentlich gefördert hat. Alle S. trugen auch ein sehr deutliches confessionelles Gepräge, das kein Theil zu verwischen trachtete; erst als der Krieg der neuen Philosophie gegen die Kirche vom engl., namentlich aber vom franz. Boden aus nach Deutschland herübergespielt wurde und Rousseaus Pädagogik ihre Anhänger fand, machte sich eine Reaction gegen den Einfluß der Kirche auf die Schule geltend. Der religiösen Erziehung wurde eine vernünftige (philosophische) entgegengestellt, der Pflicht des Gehorsams von Seiten der Kinder und Schüler die Pflicht der Eltern u. Lehrer, die freie Selbstbestimmung der Kinder und Schüler zu respectiren; gleichzeitig u. folgerichtig wurde auch eine neue Methode des Unterrichts proclamirt, durch welche das Lernen leicht und angenehm werden sollte, während es früher schwer u. mühsam war. (Vgl. Rousseau, Basedow, Campe, Salzmann, Pestalozzi.) Das revolutionäre Princip trug aber in der Pädagogik die gleichen Früchte wie in der Politik, und wenn auch in der Methodik wesentliche Fortschritte gemacht wurden, so entsprachen doch die Leistungen der neuen Schule den Ankündigungen und Erwartungen keineswegs. Die franz. Kriege lenkten die Aufmerksamkeit von der Pädagogik etwas ab, nach denselben aber wurde in Deutschland das Schulwesen von den meisten Regierungen sehr eifrig reorganisirt. Daß sich das höhere Schulwesen gehoben hat, beweisen die Leistungen der deutschen Gelehrten in allen Wissenschaften; ebenso ist durch die Errichtung oder Erweiterung von Anstalten, in welchen die Schüler die wissenschaftlichen Kenntnisse zur Betreibung der verschiedenen Zweige des Gewerblebens erhalten sollen, für den Bürgerstand viel gethan worden. Die Elementar- od. Volksschule hat in Deutschland gleichfalls eine ausgebreitetere Wirksamkeit als in jedem andern europäischen Staate, aber hierin sind auch die größten Fehler begangen worden. Fast überall wird ihr eine zu weite Aufgabe gestellt; die Zahl der Unterrichtsgegenstände ist zu groß, daher wird zu wenig gelernt, vielerlei aber nicht viel, und durch diese mangelhafte Elementarbildung leidet nicht nur die intellectuelle Seite, sondern dadurch wird auch die Ausbildung des sittlichen Charakters beeinträchtigt. Die Bildung der Lehrer krankt, wie es nicht anders sein kann, an den nämlichen Gebrechen; überdies hat das herrschende System, das jetzt theilweise modificirt wird, die Lehrer den Geistlichen in gewisser Weise entgegengestellt, dem Volke (namentlich auf dem Lande) entfremdet, ihnen so eine Art Herrenstempel aufgedrückt u. dabei den Gehalt eines Tagelöhners angewiesen, so daß, wenn man dies alles berücksichtigt, die gegenwärtig unter dem Lehrerstande vorherrschende Verstimmung nicht befremden kann.
6622 Zeichen · 56 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schûlenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +3 Parallelbelege

    schûlen swv. ib. md. verborgen sein, delitere, -tescere, latere (scûlen, schûlen, schullen, schulden, schôlen) Dfg. 172 …

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schulensw. V.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    schulen , sw. V. Vw.: s. schūlen (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schulenv., intrs, trs

    Campe (1807–1813) · +5 Parallelbelege

    2. Schulen , v. I) intrs . in die Schule gehen um zu lernen, und dann überhaupt lernen. »Ih muß noch weiter schulen .« K…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schulen

    Goethe-Wörterbuch

    schulen (aus)bilden, auch: erziehen man hat außer Rom keinen Begriff, wie man hier geschult wird..man sieht auf seine vo…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schulen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Schulen (vom lat. schola ), Anstalten zum Unterricht der Jugend, erscheinen überall als Bedürfniß, wo das Volksleben ein…

  6. modern
    Dialekt
    schulentr. v.

    Lothringisches Wb. · +5 Parallelbelege

    schule n [šûlə Ri. Ha. ] tr. v. jd. in etwas unterrichten, mit dem Nebenbegriff des Aufstachelns, des Anstiftens.

Verweisungsnetz

71 Knoten, 72 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 13 Wurzel 1 Kompositum 48 Sackgasse 9

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schulen

50 Bildungen · 37 Erstglied · 10 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von schulen 2 Komponenten

schu+len

schulen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schulen‑ als Erstglied (30 von 37)

Schulenbeitragssache

DRW

Schulenbeitragssache, f. das Schulgeld betreffende Angelegenheit sollen ... die superintendenten und adjuncti, wenn sie in sachen, die vor s…

schulenbesuch

DWB

schulen·besuch

schulenbesuch , m. : oftmals schicken dieselben ( die unteren geistlichen den obern ) die rollenden kutschen des landes in das städtchen her…

Schulenbleiber

RhWB

Schulen-bleiber -blī:vər Rip m.: verächtl. ein Schulkind, das in der Schule nachsitzen muss. Ziehen die Krähen abends in dichter Schar kräch…

Schulenburg

Meyers

schulen·burg

Schulenburg , von der , altes, ehedem in den Rheinlanden, jetzt besonders in der preußischen Provinz Sachsen, in Brandenburg, Hannover und B…

Schulen (dialektisch)

Wander

schulen·dialektisch

Schulen (dialektisch) Schulen (dialektisch). 1. Nu is god schulen (lauern, lauschen), säd de Voss, un sêt achter'n Bênthalm. ( Hannover. ) –…

schulenfüchserei

DWB

schulen·fuechserei

schulenfüchserei , f. , dasselbe wie schulfüchserei: dein Momus will ich nicht seyn, Momus, noch vernichten dein urtheil, wenn du sprichst: …

schulenfüchsisch

DWB

schulen·fuechsisch

schulenfüchsisch , adj. , dasselbe wie schulfüchsisch: wie aber, dasz das lesen noch giltig bey dir ist, als schulenfüchsich wesen? Logau 1,…

schulenge

DWB

schul·enge

schulenge , f. : es ist mir lieb, dasz ich darin ( im universitätsgebäude zu Padua ) nichts zu lernen hatte. eine solche schulenge denkt man…

Schulengeschirr

RhWB

schulen·geschirr

Schulen-geschirr -šēər Koch-Lutzerath n.: verächtl. 1. dat klän Sch. die jüngsten Sch.kinder. — 2. übertr. en kl. Sch. sehr kleine Kartoffel…

Schulengezirk

DRW

schulen·gezirk

Schulengezirk, m. zu Gezirk (II) in Lorch: Bezirk, für den die Schuljunker zuständig sind so weyt der schullengezirke ... gatt, soll kainer …

Schulenglisch

FiloSlov

schul·englisch

Schulenglisch , n знания , мн английского на школьном уровне

Schulen (hochdeutsch)

Wander

schulen·hochdeutsch

Schulen (hochdeutsch) Schulen (hochdeutsch). Erst schulen, dann stuhlen. – Sprichwörtergarten, 359. Ruhe darf erst auf Arbeit folgen und ist…

schulenläufer

DWB

schulen·laeufer

schulenläufer , m. der ohne grund die schule versäumt Campe, in Ost- und Westpreuszen schulchenläufer, so und in allgemeinerem sinne, der si…

Schulenlöper

MeckWB

schulen·loeper

Schulenlöper m. Schulschwänzer, ein Schüler, welcher den Unterricht unerlaubt und ohne Mitwisser versäumt Ha Lübth ; Wa.

Schulenrath

Campe

schulen·rath

Schulenrath , — es, Mz. — räthe . 1) Eine der Schule oder den Schulen vorgesetzte Behörde, welche sich über das Beste derselben überhaupt un…

Schulenschisser

RhWB

schulen·schisser

Schulen-schisser -es- Neuw-Heimb Weis , Koch-Leienkaul , Wittl-Spangdahlem (-lər-), Saarbg-Winchering , Saarl-Lisd Falschd (-lər-), Saarbr-L…

schulenstaat

DWB

schulen·staat

schulenstaat , m. die schulen eines gemeinwesens als ein geordnetes ganzes Campe : Heinrichs hennebergischer kirchen- und schulenstaat. eben…

schulen als Zweitglied (10 von 10)

afschûlen

MNWB

afschu·len

afschûlen , swv. , aus dem Versteck belauern , im Versteck abwarten.

einschulen

DWB

ein·schulen

einschulen , condocere, condocefacere, abrichten, schulgerecht machen: ein pferd einschulen, dressieren; angewandt auf menschen, oft mit übe…

henschulen

MeckWBN

hen·schulen

Wossidia henschulen sich hinschleichen: ick kem so wit hengeschuult Gü.

ranschulen

MeckWBN

ran·schulen

Wossidia ranschulen heranschleichen: wi hebben uns noch äben (vor dem Regen) rannerschuult Ma Malchin@Gielow Giel .

rümschulen

MeckWBN

ruem·schulen

Wossidia rümschulen herumschleichen: dor hebben wi uns üm rümschuult üm de Arbeit um die Arbeit gedrückt Wa; umherschleichen, sich umhertrei…

rupschulen

MeckWBN

rup·schulen

Wossidia rupschulen refl. sich hinaufschleichen: he schuult sick rup nah 'n Bœhn Sta Stargard@Wulkenzin Wulk .

rutschulen

MeckWBN

rutsch·ulen

Wossidia rutschulen refl. sich hinausschleichen Wa Waren@Hallalit Hall .

underschûlen

MNWB

under·schulen

° underschûlen , swv. : verbergen, „ O ynnighe sele, dit blat sy dy een to vlucht, daer under te schulene, als de snee der tribulacien up dy…

vorschulen

DWB

vorsch·ulen

vorschulen , verb. , vorbereitend ausbilden: fürs theologische studium vorgeschult Gerok jugenderinn. (1890) 210 ; es war ihm nicht möglich …

Ableitungen von schulen (3 von 3)

beschulen

MeckWB

beschulen beobachten Lu Lank .

en(t)schûlen

MNWB

en(t)schûlen , -schûlken , swv. , sich verstecken ( c. D. p. : vor) .

verschulen

DWB

verschulen , verb. , clam se subducere. Stieler 1722 ; nd. ferschûlen, schutz suchen, sich verbergen: wâr ferschûld hê? ten Doornkaat Koolma…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schulen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schulen/herder?formid=S01106
MLA
Cotta, Marcel. „schulen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schulen/herder?formid=S01106. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schulen". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schulen/herder?formid=S01106.
BibTeX
@misc{lautwandel_schulen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„schulen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/schulen/herder?formid=S01106},
  urldate      = {2026-05-10},
}