schmächtig,
adj. ,
die umlautlose form ist der neueren schriftsprache fremd, begegnet dagegen in älteren quellen, s. die stelle aus Mathesius
unter 2: schmachtig,
famelicus Schottel 1403, smachtich,
esuriens Dief.
nov. gl. 157
a,
vgl. mhd. wb. 2, 2, 423
b (Nic. v. Jeroschin,
die stelle s. unten),
mnd. smachtich
und smechtich Schiller-Lübben 4, 255
b, 259
b,
nnd. smagtig
brem. wb. 4, 855. Dähnert 433
a. Schambach 196
b. Danneil 197
a. Stürenburg 225
a. ten Doornkaat Koolman 3, 220
a;
wo daneben in nd. mundarten die umgelautete form gebraucht wird, beschränkt sie sich auf die bedeutung des schriftdeutschen schmächtig,
s. z. b. Danneil
a. a. o. Schambach 197
b. Mi 81
b;
in hochd. mundarten schmächtig,
wie in der schriftsprache Schm. 2, 542. Hunziker 225.
Spiesz 218. Frommanns
zeitschr. 2, 562, 10 (
Elsasz). 11)
im eigentlichen sinne (
s.schmacht und schmachten 1),
hungrig, hunger leidend, vor hunger vergehend, gierig nach speise (
seltener auf peinigendes durstgefühl bezogen) Dähnert 433
a. Danneil 197
a;
nd. de smechtigen syn gesediget.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 259
b; so smagtig as een wulf.
brem. wb. 4, 855; een smagtigen deef,
ein niederträchtiger hungerleider. ebenda; vgl. noch ten Doornkaat Koolman 3, 220
a; schmachtig,
famelicus, fame et sordibus attenuatus Schottel 1403; den kaum genugsam fische die grosze Mittelsee und Nilus hat geschickt, die gehn jetzt schmächtig her. Opitz 3, 41 (die vorhin das niedlichst aszen, verschmachten jtzt auf der gassen.
klagel. Jer. 4, 5);
freier: waʒ vâr, waʒ angist und waʒ nôt sich mit ungemache bôt in smachtigin gebristen den brûdrin und den cristin.
N. v. Jeroschin 15237; de zeven smale are betheken zeven smachtighe iar.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 255
b; et is 'ne smachtige tî
d. Schambach 196
b; 't is hier in der smagtigen harbarge,
hier ist nichts zu beiszen und zu brechen. brem. wb. 4, 856;
wie karg, ärmlich: schmächtig leben,
armselig leben Adelung; ihr nüchternen, die ihr .. das volle leben abtheilt karg und schmächtig. Leuthold
ged. 190. 22)
die bedeutung '
hungerleidend'
leitet über zu: durch hunger, elende umstände geschwächt, dann überhaupt entkräftet, schwach, kraftlos, elend: er ist sehr schmächtig,
vires ejus tenerae sunt et fragiles Stieler 1862; ich bin so schmächtig (
hier also fast wie verschmachtet), dasz ich kaum reden kan,
fauces arent, vixque via vocis in illis Steinbach 2, 456;
übertragen: ob wir wol madt und schmachtig sindt, unnd fülen zittern, zagen, schrecken, banggigkeyt und unruhe in unser betrübten seelen. Mathesius
eine trostspr. für eine betrübte matron (1565) R 3
b;
diese anwendung ist der entwickelten schriftsprache fremd; den übergang zu der heute gewöhnlichen bedeutung des wortes vermittelt die anwendung im sinne von '
abgemagert, schlecht genährt',
vgl. Spiesz 218. Frommanns
zeitschr. 2, 562, 10.
dann überhaupt im sinne von '
mager, schwächlich' Dähnert 433
a. Stürenburg 225
a; een smachtigen junge,
magerer jüngling von schwächlichem aussehen brem. wb. 4, 855; hê is to smachtig (
zu klein oder zu schwach) blefen um dênen to könen. ten Doornkaat Koolman 3, 220
a.
dieser sinn wirkt auch im begriff der schriftsprache nach: Campe
erklärt schmächtig
als schlank, soweit es der person ein ansehen von schwäche gibt: schmächtig werden,
macescere, ad tenuitatem redigi Frisch 2, 203
c; nur dasz sie durch den zwang der kleidung eher schmächtiger, als stärker scheinet. Lessing 1, 378; den zärtlichen magen einer schmächtigen marquisin zu schonen. Schiller 2, 344; dame von 18 jahren. blasz und schmächtig. 3, 8; eine so frische jugend durch inneres und äuszeres leiden so frühzeitig blasz und schmächtig zu denken. Göthe 29, 182; der gelassene war stämmig und stark, der wüthende ... hager, lang, schmächtig und rührig. 30, 186.
freier: ein schmächtiger knabe,
puer gracilis Steinbach 2, 456; der harnisch, der des pygmäen schmächtigen körper zwingt, solte der einem riesenleib anpassen müssen? Schiller
Fiesko 3, 2; ein junges schmächtiges, fast noch jungfräulich aussehendes weib. J. Paul
Titan 2, 52.
der bedeutung von '
schlank, dünn'
sich nähernd: schmächtig wie eine katzenzunge. Wander 4, 253; vielleicht, sprach das pferd weiter, würde ich flüchtiger seyn, wenn meine beine höher und schmächtiger wären. Lessing 1, 132; schmächtige halme, schmächtiges reis; die wenigen blumen, und schmächtigen blumenstöcke. Göthe
briefe 5, 174
Weim. ausgabe. 33)
nach schmachten,
in sehnsucht sich verzehren: und mir ist's wie dem kätzlein schmächtig, das an den feuerleitern schleicht, sich leis' dann um die mauern streicht. Göthe 12, 192;
in dieser anwendung in elsässischer mundart Frommanns
zeitschrift 4, 115, ii, 5.