schelfe,
f. häutige schale von obst, hülse von bohnen, erbsen u. a., weiche baumrinde; von Adelung
als '
der gemeinen sprechart einzelner gegenden'
angehörig bezeichnet. das wort ist der neueren schriftsprache fremd geworden, aber mundartlich lebendig geblieben. zur etymologie vergl. unter schale
oben sp. 2060.
ahd. sceliva Graff 6, 491,
putamen schelffe, schelff
vel heütle Dief. 474
b;
testa de pomo ein schelf 581
a,
nauci schelffen 376
b; schelffe
putamen Dasypodius; schelffe (die) Maaler 349
b; schelfe,
f. putamen, was abgeschelet ist. Schottel 1396,
vgl. Stieler 1719;
bei Steinbach 2, 396
schon als veraltet bezeichnet. mundartlich im hd. allgemein gebräuchlich: Schm. 2, 410. Schöpf 599. Schmid 457. Birlinger 393
a.
wörterbüchlein zum volksth. aus Schwaben 81. Sartorius 107.
Spiesz 209. Vilmar 345;
daneben mit i
in der stammsilbe: schilfe,
cortex Schottel 1398; schelfe
et schilfe Stieler 1719; schilwe (
Simmern auf dem Hunsrücken) Firmenich
völkerst. 1, 529, 88,
mnld. schelffe,
putamen, ramentum Kilian;
gewöhnlicher begegnen im nld. und nd. weiterbildungen wie schelver, schelffer, schilver, schalfer, schulfer, schilber (
vgl. unten schelfer und schelfern).
zu trennen hiervon ist nld. nd. schelpe, schulpe
muschelschale: mnld. schelpe,
concha Kilian,
nnld. schelp,
mnd. schelpeken Schiller-Lübben 4, 67
a, schulpe, scholpe 149
a, schelpe, schulpe
brem. wb. 4, 710, schulpe Dähnert 418
a, schülpe Schütze 4, 80, schulpe, schülpe ten Doornkaat Koolman 3, 156
b. schelben, schelpen,
das von der see auf die watten aufgeworfene muschelwerk. Jacobsson 7, 200
b;
vereinzelt auch in freierer anwendung (
wie hd. schelfe);
nld. schelpe van de not j. notschaele,
lamina nucis. Kilian;
nd. dat saat krigt al schülp,
der rappsamen ist beinahe reif, liegt schon lose in den hülsen. brem. wb. nachtr. 293 (
Dithmarschen).
eigenthümlich ist ferner dem nd. vor dem hochdeutschen eine bildung schelfe, schelf,
die im nld. und engl. sich wiederfindet: ags. scelfe, scylfe,
abacus, tabulatum, scamnum, tectum; engl. shelf,
nld. schelf,
foenile, tabulatum pabulatorium, horreum pensile, meta foeni aut frumenti, promptuarium pabulatorium, tabulatum foenarium. Kilian;
ebenso nd. Schiller-Lübben 4, 67
a, ten Doornkaat Koolman 3, 107
b.
zur etymologie dieses wortes vergl. auch J. Grimm
kl. schriften 7, 464. 11) schelfe
die weiche haut an früchten aller art, von knollen (
kartoffeln, zwiebeln),
die hülsen von erbsen, linsen u. a. bezeichnend, nach Nemnich
von den klappen einer hülse: testa de pomo, ein schelf Dief. 581
a; nuszschelfe,
putamen nucis (
die weiche haut der nusz). Dasyp.; schelffen an nusszkernen innert der schalen,
tunica nuclei Maaler 349
b; obstschelfen,
cortices pomorum Stieler 1719; erbsschelfen,
folliculi pisorum ebenda; so noch mundartlich, s. Spiesz 209. Sartorius 117. Schmid 457. Birlinger
wörterb. zum volksthüml. aus Schwaben 81. Schöpf 599; (
von Adamsäpfeln) hat auch eyn weyche schölff wie die feigen. S. Franck
weltb. 16
b; reiszen sich etwa fünfftzig armer menschen alleyn umb die hingeworffnen (
cucumer) schölfen. 186
a; nicht einer lorischen zwybelschelf oder knoblauchsbutzen werd. Fischart
Garg. 19
b; darzuo die grünen schelffen von viertzig oder 50 wälscher oder baumnussen. Seuter
rossarzn. 1; ihre zwieblechte wurtzel ist ... auszwendig mit einer schwartzen schelffen überzogen. Tabernaemont. (1664) 1008 J; die schelff oder schelet an diesen öpffeln.
anm. weish. lustg. 298; will man nun pomeranzen - schelfen einmachen. Hohberg 1, 217
b; nimm einen citron, der ziemlich grosz ist, schneid die gelbe schelffen alle herab. 233
a; (
das wasser) wafnet sie (
die gewächse) mit schelfen, wider die faulende luft. Butschky
Pathm. 362; in den eussersten enden der citronenschelffe.
Simplic. 2, 226, 25
Kurz; von eierschalen: sie haben ihn mit heiszen ayrschölfen gebrennt, davon blattern aufgefahren.
quelle des 17.
jh. bei Schöpf 599;
nld. schelffe, schubbe van den visch. Kilian.
vereinzelt wie nd. schelpe, schulpe (
s. oben): ein gewisser seevogel, dessen name mir nicht beyfallen will, verschluckt die austern mit samt den schelfen. Reiske
Thucyd. vorrede. 22)
bildlich und übertragen: die schrift nun die schelf, kripp, scheid .. hüll und umbhang gottes worts ist. S. Franck
baum d. lebens 138
a.
die hülle wird gewöhnlich der umschlossenen frucht, dem kern gegenüber gestellt, als das bittere gegenüber dem süszen, das wertlose, äuszerliche gegenüber dem gehaltvollen, wesentlichen. sprichwörtlich: vil schelfen wenig nüsz. Keisersberg
sünd. des munds 73; verstandt des gaists, der ein anders in dem euszern ansehen und schelff hat, und verwendt ein anders im gaist verstehet. S. Franck
parad. vorr. 3
b; daher kompts nu, dasz alle tugend, wie süsz die halt im kern seyn, der schelfen nach unnd ersten anbisz bitter unnd sawr das fleisch gedunckt. J. Nas
warnungsengel 12; dann was du biszher gesehen, ist nur die blosze schelffe und schein. Philander (1650) 1, 57; dem richter gebührt die frucht des processes und den parteien die schelfen. Musäus
volksm. 4, 95
Hempel; doch weil ihr es verlangt, so nehmt die rauhen schelffen von meinen händen an, die keine frucht versüszt. Chr. Gryphius
poet. wälder 2, 216; man tritt den wahren kern, und sättigt sich an schelffen. Günther 504. 33)
von der rinde der bäume (
vgl. Schm. 2, 410. Birlinger 393
a. Spiesz 209): nimb die mittelschelffen von einem ölbaum. Seuter
rossarzn. 32; die hetten jhnen larven oder schönbart ausz rinden oder schelffen von den bäumen gemacht.
anm. weish. lustg. 13. schelfe,
collectiv zur bezeichnung des abblätternden, abfallenden (
s.schelfer):
quisquilia schelff Dief. 480
c; schelffe (die), schelffen, schnitz, abschnitz. Maaler 349
b;
s. auch schelflein. 44)
mit schelfe
bezeichnet Oken 3, 1688
ff. eine reihe exotischer pflanzen.