säubern,
verb. ,
ahd. sûbaran, sûbaren, sûbran, sûpran, sûbiren, sûberen,
mhd. sûbern, siubern,
alts. sûvrôn,
in der zusammensetzung unsûvrôn Heyne
kl. altniederd. denkm. 87, 44,
mnd. suveren Schiller-Lübben 4, 481;
nnd. süvern
brem. wb. 4, 1107,
mnl. suyvern,
mundare, purgare Kilian.
im ältern nhd. kommen auch noch unumgelautete formen vor: saubern, seubern Stieler 1688,
in der neuern sprache noch oberd. saubern Adelung. säubern
wird in eigentlicher und übertragener bedeutung gebraucht; auch mit von,
wenn das zu entfernende näher bezeichnet ist. 11)
in eigentlicher bedeutung. 1@aa)
reinigen, befreien von aller anhaftenden unreinigkeit, purgare, mundare, mundificare Stieler 1688.
oberd. für reinigen in dieser bedeutung sehr verbreitet: süvern, süfern,
sauber, rein machen Stalder 2, 418; den kemich seubarn,
den schornstein fegen Zingerle
lusern. wb. 48
b.
oberd. sagt man auch ein zimmer säubern, wäsche säubern
u. s. w. Adelung; die kleidung säubern,
von flecken und staub befreien; die zähne, ohren säubern; das geschirr, den tisch, stiefel, schuhe säubern; nû ir pharisei thaʒ dâr ûʒʒana ist thes keliches inti thero scuʒʒilûn sûbret.
Tat. 83, 2; sô nezzo ih mîn bette nahtegelîhes ... daʒ ih unreinda daʒ sûbero ih. Notker
ps. 6, 7; si (
die amsel) padet sich gern und saubert sich mit dem snabel und ist doch swarz. Megenberg 206, 3; er (
der sittich) hüett seines swanzes mit grôʒem vleiʒ und saubert sein federn gar mit vleiʒ mit seinem snabel. 222, 14; dasz man das männlin darin höher gehalten, es gesaubert, gebadet, frisch angezogen.
Simpl. 4, 268, 15; fässer saubern,
defricare et eluere dolia. Stieler 1688; den stall saubern,
stabulum everrere. ebenda; schöne freude, sich mit den bälgen tagtäglich zu schleppen, sie zu gängeln, zu säubern, ihre unart und geschrei zu ertragen! Musäus
volksm. 1, 45; wenn ein wehendes lüftlein den staub erhebt, dasz er dein königliches diadem befleckt, sind nicht alsbald hundert hände bereit, es davon zu säubern? 111; Lisbeth ..., welche, sobald sie die hände zu dienstleistungen zu regen im stande war, dem alten baron und dem fräulein wie die geringste magd, aufwartete, kochte, wusch, säuberte. Immermann
Münchh. 1, ...; nâch der nôtdurfte geheiʒe sûberte sie weiʒe, do brach in zwei stucke durch ir ungelucke die mulde.
pass. 217, 42
Köpke; andre, nachdem sie die tische mit aufgelockerten schwämmen säuberten, stellten sie vor und zerlegeten fülle des fleisches. Voss
Odyssee 1, 112. 1@bb)
von fremdartigen, schädlichen oder geringwertigen, beigemischten bestandtheilen befreien: honig saubern,
mel despumare, korn saubern,
ventilare frumentum. Stieler 1688; das getreide säubern durch sieben oder worfeln. Adelung; sie zeigeten jm ein schönen und tieffen brunnen, von schönem gepoliereten steinwerck, dareyn kam das wasser unter der erden, ausz dem Nil durch etliche adern, und säuberte sich durch die subtilen löchlein in den steinen.
buch d. liebe 221
b; dasz wir körner mit unter die spreu würfen, die mehr wert waren, als unsere so rein gesäuberte frucht? Thümmel 1, 163. 1@cc)
in bezug auf den menschlichen und thierischen körper gebraucht, von gesundheitsschädlichem und entstellendem befreien: das blut, den leib, den magen, die brust, die lunge säubern; die haut säubern,
die unreinigkeit der haut (
ausschlag u. dgl.)
entfernen; sich säubern,
sich der nachgeburt entledigen (
vom vieh),
oberd. Schm. 2, 207,
in den alemannischen dialekten meist sich versüfern Stalder 2, 418. Hunziker 265; riob man .. sus quedenti: truhtîn, oba thû wili, thu maht mih gisûbiren.
Tatian 46, 2; der nasen nutz ist auch, daʒ der mensch den âtem zeuht durch die nasen und daʒ er dâ mit niest und sich saubert von der wüestikait des hirns. Megenberg 11, 30; aber ander maister sprechent, daʒ sich daʒ kint fürb und sauber von wäʒʒriger überflüʒʒichait in ainem gänglein, daʒ hât diu nâtûr gemacht zwischen dem pälglein, dâ mit si daʒ kint umbhüllet in der muoter leib. 34, 6; Isidorus spricht, daʒ der vogel sich selber säuber in dem leib mit seinem snabel, alsô daʒ er des meres waʒʒer mit seim snabel in den aftern geuzet und cristiert sich selber. 202, 2; wer seinen munt wescht auʒ kriechenpletern oder in dâ mit saubert, daʒ wert dem flusz auʒ dem haupt in die kel. 342, 15; des paums rind ist sunderleichen guot zuo erzneien und sein sâm und seineu pleter saubernt den leib von der fäuht, diu flegma haiʒt. 348, 9; und da er (
Magis) sein (
des verwundeten Reichardt) eingeweyd reyn geseubert het, er thets jm zur wunden wider in den leib.
Aimon p 3; hie ist aber zemercken, das die unsuberkeit oder der bluom der frouwen nüt anders ist, dann ein überflusz der dritten döuwung, und ein vierwöchige reinigung der natur, heiszt latin menstruum .. dann ein yetlichs wyb so zuo rechtem alter kommen und gesund ist, sol natürlich alle monat von sölichem überflusz gesüberet werden. Ryff
hebammenb. (1554) 6
a; gleicher gestalt gebraucht, reynigen und säubern sie die faulen unreynen schäden und geschwer. Tabernaemont.
kräuterb. (1588) 96 B; die gemeldte wurtzel reynigt und säubert das unreyn und faul geblüt. 406 F; er (
der syrup) löset ab den koder und zähen schleym der brust und lungen, reyniget und säubert dieselbigen glieder, und machet leichtlich auswerffen. 558 E; die imme saubert sich, ist eben so viel, als auswittern. wenn nach dem winter an einem hellen frühlingstage, und da das wetter gelinde ist, die immen sich hauffenweise herausmachen, und vor den stöcken fliegen, so pflegen sie sich von dem unflath, der in ihren leibern ist, im fliegen zu reinigen. denn man findet, dasz sie ihre nothdurft nicht in stöcken verrichten, ob sie gleich viel wochen lang darin sitzen müssen. Overbeck
bienenwörterb. 71; besser als durch ader-lassen, kan man saubern sein geblüte, wann man kan die sorgen meiden, und sich freuen im gemüte. Logau 2, 232, 139; wie der honig das geblüthe kräfftiglich zu säubern pflegt. Rist
Parnasz 848. 22)
in freierem gebrauch. 2@aa)
in übertragung auf das geistes- und seelenleben: jemandes meinung, ansichten, denkungsart
u. s. w. säubern,
vom falschen, unrichtigen befreien: auch säuberte ich unterwegs die denkungsart meiner leute über die ohrfeigen (
klärte sie auf). J. Paul
lit. nachlasz 4, 196; die seele säubern,
sie läutern, von unreinem, von lastern, sünde und schuld befreien: aber so ein mensch von lastren erleert und gesaufert wirt. Keisersberg
seelenparadies 193
b; was wolt ihr wann gott durch diesen weg (
durch solches leiden) uns säubert und zugleich probiert? Schuppius 692; beides ist dem geistlichen stande eigen (
seelenruhe und mäszigkeit), ihm, der sich von tage zu tage läutert und säubert bei einfacher kleidung oder kost. Hippel
werke 12, 29; dein hinzug saubre dich von überhäufter schuld, damit du dich beflecket. A. Gryphius (1698) 1, 220. 2@bb)
allgemein von nicht dahin gehörigem, störendem, schädlichem und feindlichem befreien: beume saubern,
arbores expurare (
dürre äste, moos, wilde zweige u. s. w. entfernen). Stieler 1688; einen garten, die gänge eines gartens säubern,
von steinen, unkraut, gras u. s. w. befreien. Campe; unter einem andern vorwand liesz daher Eduard den rasen unter den platanen von gesträuch, gras und moos säubern. Göthe 17, 153; die wiese säubern,
steine, holzstücke u. s. w. von derselben entfernen; in gewissen theilen der Schweiz hat säubern
ohne nähere bestimmung schon diese bedeutung. Hunziker 265; sich säubern,
sich von dem ungeziefer befreien. Adelung; das feld von den toten, das land von den feinden säubern: do zwüschent süferten sü daʒ velt von den toten und verbrantent die doten libe.
d. städtechr. 8, 292, 6; er hat Granaten erobert und das reich von den Saracenen gesaubert. Chr. Weise
politischer zeitvertreib vorrede 3; dasz er von räubern eine gegend säubre. Göthe 9, 86; denn seine majestät will Regensburg vor ostern noch vom feind gesäubert sehn. Schiller 12, 121 (
Piccol. 2, 7). 33)
in besonderer technischer anwendung. 3@aa)
bergmännisch, das zerstreute grubenklein in den bauen zusammentragen und fortschaffen; vor ort säubern,
vor ort die berge oder gänge wegräumen, stollen säubern,
dieselben schlämmen, sinkwerke säubern,
den laist oder säuberberg aus denselben entfernen. Veith 394. 3@bb) säubern,
im tabaksbau, wie ausgeizen,
die untersten gelben blätter und schöszlinge der pflanze ausbrechen. Jacobsson 3, 522.