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Roman

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Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Roman

Bd. 4, Sp. 759
Roman, altfrz. romant, bezeichnet ursprünglich eine in r.ischer Mundart und in ungebundener Form abgefaßte poetische Erzählung aus älterer Zeit, zum Unterschied von der Novelle od. derjenigen Art prosaischer Erzählungen, welche in Italien hauptsächlich durch Boccaccio ausgebildet wurde und ihre Stoffe aus den Ereignissen der Gegenwart nahm. Das Wort R. kam mit dem Amadis (s. d.) in der 2. Hälfte des 16. Jahrh. nach Deutschland, die Sache selbst war auch hier schon viel früher vorhanden, da mit dem Sinken der mittelalterlichen Ritterpoesie seit dem 14. Jahrh. die Stoffe derselben prosaisch bearbeitet wurden u. außerdem die dem R. sehr nahe verwandten Volksbücher (Melusine, Magellone, Kaiser Octavianus u.s.f.) entstanden. Was der R. eigentlich sei, ist noch niemals klar und bündig dargethan worden, zumal fast alle möglichen Formen der Darstellung sich mit ihm verschmelzen u. in ihn einschließen lassen und die Zahl der Arten des R.s sich seit dem vorigen Jahrh. fast ins Unübersehbare vermehrt hat. Im Allgemeinen läßt sich sagen, der R., unbestritten der Kern der Unterhaltungsliteratur, sei ein zwischen dem Epos und Drama unbestimmt schwebendes Erzeugniß der Dichtkunst in Prosa, mit dem Zwecke, den Charakter und das Leben eines bestimmten Individuums (des Helden, der Heldin) in der Form geschichtlicher Erscheinung poetisch zu gestalten. Diese Erklärung stimmt mindestens mit dem Wesen der frühesten R.e überein und paßt zu Jean Pauls Ausspruch, der R. sei ursprünglich episch, aber zuweilen erzähle statt des Autors der Held und zuweilen erzählten alle Mitspieler. Hat der R. in der Geschichte der Dichtkunst eine ziemlich untergeordnete Bedeutung, so erlangte er dagegen eine sehr hohe culturhistorische, denn in der R. enliteratur spricht sich die Denkweise und der gesellschaftliche Zustand eines bestimmten Zeitalters od. Volkes mittelbar und unmittelbar vielseitiger und lebhafter aus als in irgend einem andern Gebiete der Literatur. Bei den alten Griechen und Römern tauch ten R.e erst nach der Blütezeit ihres staatlichen und literarischen Lebens auf (s. Erotik); bei den neuern Völkern war dies mehr oder minder auch der Fall, allein bei diesen hob sich bis jetzt das gesellschaftliche u. literarische Leben immer wieder empor, neben einer Unmasse von mittelmäßigen Köpfen traten zugleich auch die genialsten als R. schreiber auf u. schufen neue Formen u. Gattungen dieser Dichtungsart, so daß dieselbe gegenwärtig die am meisten angebaute und einflußreichste genannt werden darf. In Deutschland gab es im 15. u. 16. Jahrh. vorherrschend Uebersetzungen italienischer, franz. u. span. R.e, mit dem 17. Jahrh. trat die R.enliteratur ganz und gar an die Stelle der Heldensage und des Heldenliedes. Philipp von Zesen lieferte 1645 mit seinem „adriatischen Rosemund” den ersten deutschen R., der zugleich eine Liebesgeschichte u. dabei gräuelhaft abgeschmackter Art war; er ließ diesem die Assenat, eine in Aegypten spielende Staats- und Liebesgeschichte u.a. folgen, fand Leser genug u. hatte Anstoß zu einer endlosen Reihe von langweiligen Helden- und Staats-R.en gegeben, von denen die Aramena (1669) des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig noch 1782 einen Umarbeiter fand, und Lohensteins: Arminius und Thusnelda (1689) der erträglichste war, falls man den Simplicissimus aus der kläglichen Gesellschaft der R.e dieser Zeit ganz heraushebt. Schon 1670 eröffnete Hagdorn mit seinem: Aeyquam od. der große Mogul, den historisch-politischen R., der bis um 1720 außerordentlichen Beifall hatte und gerade so mumisirt u. pedantisch war wie das politische Leben jener Zeit im deutschen Reich. Glücklicherweise drängten ihn die Robinsonaden (s. Robinson Crusoë) u. Aventuriergeschichten aus dem Vordergrund, diesen bereitete der empfindsame R., diesem in der Sturm- u. Drangperiode der Ritter-, Räuber-, Kloster- und Gespenster-R. das gleiche Loos, der noch heute neben den Familien-R.en und zahllosen Uebersetzungen engl. und französ. R.e das hauptsächlichste Lesefutter des großen Haufens ausmacht. Während die R.e von Göthe, Klinger u.s.f. u. die unter engl. Einfluß erwachsenen humoristischen R.e von Hippel, Jean Paul, Bentzel-Sternau, Ulrich Hegner u.s.f. selten gelesen werden, kam seit Walter Scotts Tagen der historische R. und neben ihm der Tendenz-R. zur Ausbildung und zu jener Herrschaft, die er gegenwärtig beim gebildeteren Publikum behauptet.
4388 Zeichen · 86 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    rômânadj., adv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    rômân adj. adv. romanisch, römisch Wolk. 1. 2,6 ;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Romān

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Romān , des -es, plur. die -e, im weitesten Verstande, eine jede erdichtete, wunderbare Geschichte, da denn auch erd…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Roman

    Goethe-Wörterbuch

    Roman Pl auch veraltend -en (nur im Frühwerk u in Briefen); GenSg ‘Roman's’ B10,264,1 sowie ‘R-es’, zB B43,135,14 ; mehr…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Roman

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Roman , altfrz. romant , bezeichnet ursprünglich eine in r.ischer Mundart und in ungebundener Form abgefaßte poetische E…

  5. modern
    Dialekt
    Romanm.

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Roman m. Roman; bei Reut. im gewöhnlichen Sinne: Pl. Romanen 3, 358; 7, 467; auch Erichs. Läusch. 38; Wossidlos Gewährsl…

  6. Sprichwörter
    Roman

    Wander (Sprichwörter)

    Roman 1. Die englischen Romane spielen im Hause, die französischen auf der Strasse, die deutschen im Walde. 2. Romane si…

  7. Spezial
    Romanm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +14 Parallelbelege

    Roman , m роман , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit roman

142 Bildungen · 134 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

roman‑ als Erstglied (30 von 134)

Romanatzi

Meyers

roman·atzi

Romanatzi , Kreis in der Kleinen Walachei (Rumänien), Hauptstadt Karakal.

Romanautor

FiloSlov

roman·autor

Romanautor , m романист , м → FiloSlov Romanschriftsteller, m → FiloSlov Romancier, m

Romanautorin

FiloSlov

roman·autorin

Romanautorin , f романистка , ж → FiloSlov Romanschriftstellerin, f → FiloSlov Romancière, f

romanbauherr

DWB

roman·bauherr

romanbauherr , m. scherzhafte bildung: sie wären leute von verstand, denen ein lebensbeschreiber, ja ein romanbauherr nicht mit dichtertruge…

Romanbedürfnis

GWB

roman·beduerfnis

Romanbedürfnis zu ‘Roman’ 1a [ Kontroverse um die ‘Lehrjahre’, mBez auf die Erzähtechnik ] ich hatte die schönste Gelegenheit, durch einen m…

Romanbeine

RhWB

roman·beine

Roman-beine (s. S.) Daun-Gerolst , Jül-Mersch , Düss-Holthsn Pl. t.: scherzh O-Beine.

Romancēro

Meyers

Romancēro , span. Bezeichnung für Romanzenbuch, wie solche zuerst um die Mitte des 16. Jahrh. aus Licht traten, als die höfisch gebildeten K…

Romanche

Meyers

Romanche (spr. -māngsch'), rechter Nebenfluß des Drac, im südöstlichen Frankreich, entspringt in der Pelvouxgruppe im Depart. Oberalpen, dur…

Roman-Chosch

Meyers

Roman-Chosch , höchster Gipfel des Jailagebirges in der Krim (1540 m).

Romancier

Pfeifer_etym

Roman m. epische Prosagroßform, die durch die Gestaltung ausgeprägter Individuen in ihren vielfältigen Beziehungen zu ihrer gesellschaftlich…

Romancière

FiloSlov

Romancière , f романистка , ж → FiloSlov Romanschriftstellerin, f → FiloSlov Romanautorin, f

Roman de la Rose

Meyers

Roman de la Rose ( Rosenroman ), s. Französische Literatur , S. 6, und Guillaume de Lorris.

Romanen

Meyers

roma·nen

Romanen , Gesamtbezeichnung der Völker, deren Sprachen Töchtersprachen des Latinischen sind (vgl. Romanische Sprachen), also: Italiener, Spa…

Romanenbibliothek

GWB

romane·n·bibliothek

Romanenbibliothek in Titelwiedergabe der frz Anthologie ‘Bibliothèque universelle des romans’ (1775-89) 36,325,4 Zu brüderlAndenkWielands 18…

Romānendichter

Adelung

romane·n·dichter

Der Romānendichter , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher einen Roman dichtet oder verfertiget; der Romanenschreiber.

romanengel

DWB

roman·engel

romanengel , m. von unwahrscheinlich edeln wesen, wie sie nur in den romanen vorkommen: damit sie nur nicht zu tief unter den Klotilden und …

Romanengrille

GWB

romane·n·grille

Romanengrille für einen in Romanen üblichen, bloß erdachten (phantastischen, launenhaften) Einfall; im Bild Ich schäme mich offt vor Shakesp…

Romānenhaft

Adelung

romane·n·haft

Romānenhaft , -er, -este, adj. et adv. einem Romane, einer wunderbaren Erdichtung ähnlich. Eine romanenhafte Erzählung. Romanenhafte Begriff…

Romanenheld

GWB

romane·n·held

Romanenheld in zwei von fünf Belegen ‘Romanheld’ Protagonist, (Haupt-)Figur eines Romans; wiederholt in poetologischer Betrachtung (iUz ‘dra…

Romanenkönig

MeckWB

romane·n·koenig

Romanenkönig m. Sagenkönig: 'n Romanenkönig sall hier vergraben liggen in 'n gollen Sarg (1924) Ma Bas .

Romanenlektüre

GWB

romane·n·lektuere

Romanenlektüre -ct- das Lesen von (zahlreichen) Romanwerken Wie hundertmal besser [ als die Tageszeitungslektüre ] sey die so verschriene Ro…

Romanenleser

GWB

romane·n·leser

Romanenleser Geschäftsmänner als leidenschaftliche R. und Kartenspieler N6,135,17 MetamPfl Nachtr Robert Charlier, Renata Kwaśniak R.C./R.K.

roman als Zweitglied (5 von 5)

ritterroman

DWB

ritter·roman

ritterroman , m. eine art romane oder erzählungen, worin die thaten tapferer und verliebter ritter erzählt werden. Adelung : die schreiber d…

staatsroman

DWB

staats·roman

staatsroman , m. ' ein roman, sofern dessen absicht ist, durch eine erdichtete geschichte regierende herren und staatsminister zu bilden '. …

stroman

DWB

stro·man

stroman , adv. , die strömung hinan, gegen die strömung: bisweilen schwimmet er die starken bach strom an, des fluten voller macht manch brü…

Ableitungen von roman (3 von 3)

romane

DWB

romane , m. plur. Romanen, zusammenfassende bezeichnung der völker, deren sprache vom latein abgeleitet ist.

unroman

DWB

unroman , m. : wenn Wilhelm die Lucinde durchaus als roman oder u. beurtheilen will Caroline 1, 247 W. —

urroman

DWB

urroman , m. ( desgl. ) Jean Paul 49/51, 250 H.,