Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
ragen
ragen
ragen Vb. ‘über Niedrigeres hervorstehen, sich deutlich an Höhe oder Länge abheben’, mhd. mnl. ragen; vgl. auch ahd. bi(h)raget ‘steil’ (8. Jh.) und aengl. oferhrǣgan ‘sich emportürmen’. Herkunft ungewiß. Vielleicht besteht Verwandtschaft mit mhd. rac ‘straff, gespannt, steif’ und ræhe ‘starr, steif’, außergerm. mit griech. króssai Plur. (κρόσσαι, aus *κροκι̯αι) ‘Kragbalken, hervorstehende Zinnen’, prókrossos (πρόκροσσοϛ) ‘stufenweise, staffelförmig aufgestellt’, air. crīch (aus *krēku̯ā) ‘Ende, Grenze, Furche’, lit. krãkė ‘Stock, Stab’, russ. (älter) krókva (кроква) ‘Stange, Knebel, Dachsparren’, tschech. krokev, poln. krokiew ‘Dachsparren’, so daß Anschluß an ie. *krē̌k-, *krok- ‘vorspringender Balken, Pflock’ möglich ist. ragen wird heute meist mit Richtungsbezeichnungen verbunden (in die Höhe ragen, empor-, hervorragen). Älter sind die präfigierten Bildungen aufragen Vb. ‘steil in die Höhe ragen’, mhd. ūfragen, und überragen Vb. ‘über etw., jmdn. herausstehen, größer sein’ (17. Jh.), übertragen ‘übertreffen, besser, stärker sein’, oft im Part. Präs. überragend ‘bedeutend, ausgezeichnet, außerordentlich’ (19. Jh.).