mühselig,
adj. und adv. zu mühsal,
mühe und plage habend. im gegensatze zu seinem substantiv, das nach der mhd. zeit seltener wird, lebt mühselig,
mhd. müejesalic,
in häufigem gebrauche weiter, und bildet ein neues subst. mühseligkeit,
das im 17.
jahrh. fast gänzlich die stelle von mühsal
einnimmt. das adjectiv steht 11)
von menschen, mit mühsal behaftet, beschwert, geplagt: mühselig, vol beschwerd,
aerumnosus. Dasyp.;
in bezug auf arbeit, belastet, überbürdet: das weiblin kondt sichs nit erwehrn, sie must ein kindelein gebern, das männlein sah ubel zun sachen, weil es hatt noch viel häws zu machen, drumb wolts jhm ungelegen sein. er sprach zum weib: ah liebe Krein, .. nicht machs kind jetzt, das bitt ich dich, du sichst dasz wir mühselig sind, .. ah liebe Krein, verzieh die sach ein kleine weil. E. Alberus 46
b;
in bezug auf körperliches befinden, gebrechlich: ein mägdlein, das weder stehen noch gehen können, sondern auf händen und knien gekrochen, dasz jedermann vermaint, es werde zeit lebens ein solches mühseeliges mensch verbleiben.
Bennomirakel von 1697,
bei Schm. 1, 1555
Fromm.; in bezug auf befinden überhaupt, lage, stand: mühsäliger mensch,
homo prostratus, jacens, ad miseriam natus Stieler 1297; warumb ist das liecht gegeben dem müheseligen, und das leben den betrübten herzen?
Hiob 3, 20; kompt her zu mir, alle die jr müheselig und beladen seid, ich wil euch erquicken.
Matth. 11, 28; so haisz ich der Ackertrapp und bin auch ain müesalig lapp (
Ackertrapp zu Adelhait).
fastn. sp. 398, 5,
vergl. dazu: ja, herr Ackertrapp, ich pin auch ain arme lapp (
Adelhait zu Ackertrapp). 398, 12; ich komme, herr, und suche dich, mühselig und beladen. Gellert 2, 170; zum mühseligen staubgeschlecht senk izt freundlich den flug, tönend mit harmonien (
du laute). Voss 3, 176. 22)
aber auch mühsal schaffend, plagend, lästig: mysälig, ein md und unrwig mensch, der kein rächnung keines dings nit hat, weder desz orts, der zeit, oder der person,
importunus, difficilis, morosus, molestus, odiosus, acerbus, incommodus. Maaler 294
b; mysälig sein,
interturbare. ebenda; mysäliger unrwiger mensch, der eim gern unruow machet, der ein ursach und anlasz suocht einen ze beleidigen,
emissarius, homo acerbus. 294
c; auf ein zeit als ein katz einen han gefangen het und sie ursach suchet, wie sie in gelimpflich essen mocht, ward sie in felschlich schuldigen, er wer ein mühseliges thier, und betrübete alle tödtliche menschen des nachts mit seinem geschrei. Steinhöwel
Esop (1569) 76
a. 33)
in bezug auf leben, zeit, zustände, voll mühsal, beschwert, belastet: mühsälige zeiten,
difficilia, luctuosa, tristia, laboriosa tempora. Stieler 1297; mühsäliger stand,
conditio misera, miseranda, improspera. ebenda; ein mühsäliges leben,
vita misera. Steinbach 2, 80; unrwiger mysäliger schlaf, da dʒ gemt mit vil sorgen beladen ist,
suspensus somnus. Maaler 294
c; es ist ein kurz und müheselig ding umb unser leben.
weish. Sal. 2, 1; zu diesen gar mühseligen geldmangelnden zeiten. Schuppius 694; es ist ein standt gleich wie der ander, sie sindt mselig allesander: könig, ritter, burger und kaufman, gleich wol gar kein handtarbeit han, doch unter jrem bracht verborgen stecken sehr grosz müh, angst und sorgen. H. Sachs
fastn. sp. 5, 28, 376; ein mühseliges wort,
was einen solchen zustand bezeichnet: als dann schrye er auf mit dickesten seufzer: ach pedell bin ich, mit welchem mühseligen elenden wort allein, ich viel sage. Schuppius 705. 44)
in bezug auf handlungen, mit mühsal, anstrengung und plage verbunden: mühsäliges amt,
munus grave, difficile, officium laboriosum, molestum. Stieler 1297; als Apollo allbereit den mühseligen lauf des tages hatte vollendet. Schuppius 567; es zerrüttet éin fusztritt die mühseligen gebäude der ameisen. Göthe 16, 76; darum habe ich nun schon so viele mühselige schritte gethan. Tieck 4, 201; etwas ist, fällt mühselig: es ist nichts mühsäliger,
nihil est aerumnosius. Steinbach 2, 80; weil ihm wegen mangel der zähne das kauen mühseelig fällt.
pers. rosenth. 8, 67;
als adverb: das auge hob ich, und ein weib sah ich wie halbgebrochen bücken, das eines mannes wunden leib mühselig trug auf seinem rücken. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 10; mühselig
von einem, der so arbeitet: der mühseligste nachahmer und lehrling. Kant 7, 170; mühselig
als höherer grad von mühsam,
s. unter diesem.