mönch,
m. monachus. 11)
mit der einführung des klosterwesens im 8.
jahrh. ist das wort (
wie nonne th. 7, 881),
aus dem lat., wo es vom griech. μοναχός her, seit dem 4.
jahrh. bürgerrecht gewonnen hatte, zu uns wie in die nordgermanischen sprachen gekommen: ahd. munich Graff 2, 804,
ags. munuc, munec;
altn. munkr.
die ahd. form setzt sich noch bis über das mhd. als munich
fort, gekürzt munch,
und mit eindringen des umlautes münich, münech, münch:
monachus, munich, munch, mynch, minch Dief. 366
b; munch,
monachus. voc. inc. theut. o 2
b; ich han auch ain chindelein, das ist ains münichs gewesen.
Erlauer spiele 2, 341
Kurz; münch
ist die gewöhnliche des 16.
jh. und im 17.
jh. bis gegen ende wenigstens noch häufig, von da ab zieht sie sich in die mundarten zurück, bair. münch, münech Schm. 1, 1620
Fromm., alem. münch Hunziker 186;
auch fränkisch-hennebergisch münich, münch Fromm. 2, 460,
ebenso noch düringisch (münch
hie und da noch als schimpfname für einen geschlechtlich kraftlosen, vergl. Bech in der
Germ. 5, 239),
und selbst niederrheinisch, vergl. von daher münch-allên
ganz allein Fromm. 5, 416, 59.
niederdeutsch ist die nebenform mit o: monek, monik, monk Schiller-Lübben 3, 117
a (
vergl. niederl. monnik, monik,
engl. monk
gegen ags. munuc),
aber auch mitteldeutsch: monch, monche Dief.
a. a. o.; hostu eine swestir, dye eine nunne ist, odir einen bruder, der ein monnich ist.
Magdeb. blume 1, 94;
die bei mitteldeutschen schriftstellern des 16.
jahrh. unsere heutige schriftgemäsze form mönch
entwickelt hat: achtzehen mönch in eim kloster warn. B. Waldis
Esop 3, 90, 1; da sprach der mönch: wolt jr mich hören. 4, 18, 18; die mönch pflegen zu terminieren. 4, 22, 42;
schon zu dieser zeit auch in oberdeutsche quellen vordringend: mönch
Grobian. R 3
b (
s. d. stelle unter 2); kam mein mönch daher getrollt.
Garg. 257
b; hundert und zwenzig mönch.
buch d. liebe 281
c;
gegen: dʒ er ein münch ist worden. 274
d.
im 16.
und 17.
jahrh. auch schwache formen des wortes: die redt mir so süsz zu den sachen, sie möcht ein münchen tanzend machen. H. Sachs
fastn. sp. 5, 80, 360; die hunde liefen flux herbei, rissen den münchen ubern haufen, lieszen den wolf im fried hinlaufen, haben damit bezeuget fein, dasz die münchen schädlicher sein als die wölf. L. Sandrub
kurzweil (1618) 141; das solcher verstand ... unter aller stinkenden, lausigen, pfaffen und münchen und bettler füszen hat müssen sich drücken und tretten lassen. Luther 6, 8
b;
vergl.mönchenhandel,
mönchenschrift. 22) mönch,
in eigentlicher bedeutung, der christliche klostergeistliche. unterschieden nach der kleidung werden schwarze, graue, weisze mönche,
Benedictiner, Cisterzienser, Prämonstratenser: weis munich,
praemonstratensis, grab munich,
cisterciensis Schm. 1, 1620
Fromm. (15.
jahrh.); wan her (
der heilige Gregorius) was ein swarz munich.
d. mystiker 1, 105, 9; als grâwer munche recht stât.
Sachsensp. 1, 25, 3; dâ (
in Esthland) wonet ouch grâwer münche leben.
livl. reimchron. 6709; ein grâwer munich wart in der nôt aldâ vil snellîch getrôst. 11931;
später sind graue mönche
die Franciscaner: ein grawer mönch dasselb mir zeugt. B. Waldis
Esop 4, 21, 153,
vorher: sihe da kam her ein franciscan. 13; ein grawer mönch, ein observant, welch in der welt sind wol bekant, denn jetzt schier nirgend ist ein stadt, da man sie nit für heilgen hat. 4, 69, 1;
mönche anderer orden werden durch zusammensetzungen bezeichnet, vergl. barfüszermönch, bettelmönch, kapuzinermönch
u. a., oder kürzer barfüszer, franciscaner, kapuziner, kartheuser
u. s. w. ihr ordenskleid ist die kutte: ain vasznacht on fraiden, ain messer on schaiden, ain munch on kutten ... die ding seind alle nichts wert. Keller
alte gute schw. 15;
ihr klosterleben, unter abt oder prior: das kloster nennt man zuo allen heiligen; darinn wonen etlich münch. Wickram
rollw. 8, 16
Kurz; man saget, der apt und die münche sind über alle maszen betrübt gewesen, wie sie auf diese fragen antworten sollen. Schuppius 95; darnach er in die kirchen gieng, darin auch mein herr prior war, und andre mönch, auch volks ein schar.
Grobian. R 3
b (
v. 4432); die münche sampt dem abt heraus entgegen gingen Rinaldo für das haus. D. v.
d. Werder
Ariost 4, 55, 1;
ihr wirken: da der christenthumb durch die münche in die insul Rügen gebracht. Micrälius
alt. Pommern 1, 25; wer hat dieses moor zum garten umgeschaffen, dasz in ihm Italien, und Hellas, Asien und Afrika jetzt blühet? war es nicht gottselger mönche arbeitsharte hand? Herder
zur litt. 6, 53;
ihre geistlichen verrichtungen, auch für die seelsorge anderer: man sagt dasz ein italiänischer münch zu Rom gewesen sei, zu welchem viel Schweizer in die beicht kommen sein. Schuppius 280; bald ein mönch ihr mystisch predigt, dasz ihr die besinnung stockt. Uhland
ged. 263; einst gieng der mönch, von dem ich sprach, im münster seinem amte nach. 416;
als beschwörer des teufels und böser geister: selbst ja entschwebt unruhig dem irrwischmoore der kopflos wankende wicht mit gekreisch, den ein mönch hinbannte vom richtplatz. Voss 2, 131;
in bezug auf ihr gelübde der ehelosigkeit, der keuschheit und des heiligen lebens: ob ich zu ser wer auf geleunt und het zu grob ein teil gesponnen, seit ir doch weder munch noch nunnen, doch bit ich mir hie zu verzeihn.
fastn. sp. 388, 21; wolauf du solst je kein münch sein (
der narr zu einem sohne), wir wölln haben ein guts mütlein. H. Sachs
fastn. sp. 1, 78, 294; ich kenne manchen mann, an worten, ist er mönch; an thaten, ist er hahn. Logau 3, 98, 2;
sprichwörter und andere auslassungen gedenken ihrer nicht durchweg freundlich: den münch im bad ergreifen. Luther 1, 367
b; also, das dis sprichwort je und je war gewesen ist, verzweiveln macht einen münch, entweder, das man sich nicht trawet zu erneeren, und umbs bauchs willen ins kloster leuft, wie der grosze hauf gethan hat, oder das man an der welt verzweivelt, und nicht trawet darin from zu bleiben, noch den leuten zu helfen. 5, 354
b; ich musz das sprüchwort erfüllen: was diese welt zu schaffen hat, da musz ein mönch bei sein und sollt man ihn
dazu malen (
äuszerung Luthers). Hase
Lutherbriefe s. 50; ein schwäbisch nonn, ein behmischer mönch, der Teutschen fasten, der mönch studieren, der meerleut gelübd, und welsche andacht, geschicht über macht.
Garg. 243
b; warumb geht kein mönch allein uber die gasz? antwort: wann der teufel den einen holt, das der ander sag, wa er hin sei kommen. 247
a; drei ding können alles tragen, was man jhnen auflade: eins weibsbildts kopf, eins esels ruck, eins münchs gewissen. Zinkgref
apophth. 1, 225; der mönch pantoffelholz .. seien ausz dem feigenbaum gemacht, zu welchem Christus gesagt habe: von nuhn an und ins künftige soltu nimmer keine gute frucht tragen. 251; die fisch sein nirgends besser als im wasser, die dieb als am galgen, und die münch als im kloster, derohalben befehle ich euch diesen mönch. 262; er (
Luther) hab zwo die allergröste sünden begangen, das er hab den päpst- und bischoffen jhre kron, und den münchen und pfaffen jhre bäuch genommen. 263; das kleid macht keinen münch. Pistorius
thes. par. 6, 8; den mönch verlaufen,
cucullum abjicere, vitam monasticam exuere, a suscepto monachismo deficere. Stieler 1225; ein mönch ist nirgends besser als im kloster. der mönch antwortet, wie der abt singt. wer mönch und pfaffen schlagen will, schlage sie nur gar zu tode. die kaputze macht den mönch nicht. der mönch legt die kutte wohl ab, aber nicht den sinn. wenn die mönche bald reisen, so kommt regen. was ein mönch gedenkt, das darf er thun. so wollt ichs haben, sagte der teufel, da sich die mönche rauften. mönch und nonnen gehören zusammen. Simrock
sprichw. 380; es sind viel mönche, aber wenige verschnitten (
vergl. dazu unten nr. 4,
k).
ebenda; die mönche theilen sich in stadt und land. 381; denn mönche, motten, meuse, maden, die scheiden selten one schaden. B. Waldis
Esop 4, 22, 47; lügt das sprichwort wohl: dasz mönch und weib, und weib und mönch des teufels beide krallen sind? Lessing 2, 222; mönch
collectiv, das papstthum versinnbildlichend: denk an die kirche! soll mit dieser Stuart der alte aberglaube wiederkehren? der mönch aufs neu hier herrschen, der legat aus Rom gezogen kommen, unsre kirchen verschlieszen, unsre könige entthronen? Schiller
M. Stuart 4, 9.
eine höhnische gebärde hiesz einem den mönch stechen,
sie war gröber als einem den esel stechen (
th. 3, 1146),
und eigentlich unzüchtig, obschon das nicht mehr gefühlt ward: einem einen mönch stechen, das ist, die faust weisen, dasz der daumen zwischen den vördern fingern heraus sieht, welches andere die feige weisen, nennen. Frisch 1, 668
c (Fischart
bringt die redensart mit einem druckerausdruck in zusammenhang, vergl. unten 4,
m, aber nach seiner gewohnheit ganz willkürlich); als nun
d. Luther auf solche des grafens gute und süsze worte, wiederum will zu hause gehen und ihn gesegnet, konnte er zwar nicht recht zur stuben hinauskommen, so sticht ihme der graf hinterwärts einen münch mit diesen worten, geck, geck, was soll der doktor von diesen sachen verstehen, es gehet mich gleich so viel an, als pfiff mich eine gans
an. aus dem cod. manuscr. Razenbergii, bei Thümmel 2, 360; jetzt hat der teufel dz gesinde also verderbet, dasz sie ausz ihren herrn und frawen eitel gespötte treiben, verlachen sie, stechen inen mönche. P. Glaser
gesindteufel (1564) D 6
b; die giftige stichwörter und die rucklingische verhönung (das mönchstechen) soll man den spottvögeln und lästermäulern lassen.
Comenius sprachenthür von Docemius § 844; indem er (
der bediente seinem herrn) hinterwerts einen mönch sticht. Lessing 1, 271. 33) mönch,
in erweiterter bedeutung; von klosterleuten der Mohamedaner: warumb loben sie selbs alle die jenigen, so bei jnen (den Saracenen) sich solcher lust enthalten? denn sie haben auch etliche münche und geistliche leute, die keusch leben, von welchen sie viel halten. Luther 8, 22
b;
von einem nichtgeistlichen einsiedler: Simplex, der münch, die histori beschleust.
Simpl. 2, 239
Kurz; von einer spukgestalt in mönchsgewande: der meldet, wie er dort und da des tückebolds irrlichtchen sah, der, als ein mönch in haarnem tuch, am moor die blendlaterne trug. Voss 6, 197; selbst ja den neckischen mönch mit dem irrlicht, welcher die seenix unten am moore besucht, wie vordem als nonne des klosters, neckt er (
der kobold), das licht ausblasend.
Luise 1, 767;
in anderem sinne: der wichtel,
daemon metallicus, alias ein bergmännlein
et der mönch. Stieler 2473. 44) mönch,
übertragen auf mancherlei, was nach aussehen oder art einem mönch verglichen wird. 4@aa) mönch,
der kuttengeier, geierkönig, vultur papa, wegen seines einer mönchskutte nicht unähnlichen halsgefieders. 4@bb) mönch,
eine grasmückenart mit einer schwarzen platte auf dem kopfe, motacilla atricapilla. 4@cc)
eine meisenart mit schwarzem kopfe, parus palustris, die mönchmeise. 4@dd)
eine art strandläufer, tringa pugnax, das streithuhn; niederd. mönnik
als name der männchen, die weibchen heiszen beginen. 4@ee) mönch
für eine art von haifischen, squalus squatina, auch engelfisch, meerengel. 4@ff) mönch
die schnecke conus monachus; der graue mönch
conus minimus. 4@gg)
der braungefleckte mönch
ist eine walzenschnecke, voluta pertusa. 4@hh) mönch,
ein verpuppter seidenwurm: die würmer (
seidenwürmer) verändern sich dann in diesen häuszgen in nymphas, die man auch pfäffgen oder münche nennet; ich heisze diese und alle andere püpgen. Hohberg 3, 2, 292
a. 4@ii) mönch,
ein verschnittenes thier (
vgl.nonne 2,
b, th. 7, 882);
namentlich das verschnittene pferd: ein mönch,
equus castratus Frischlin
nomencl. bei Frisch 1, 668
c; ein rosz, dem verschnitten ist, ein münch. Calepin. 1570 200;
cantherius, münch, munch, minch Dief. 96
a;
spado, ein munch,
i. equus castratus, mynch 544
b; so man ein thier verschneiden und einen münch daraus machen wil. Zechendorfer
gebrechen der ross (1571) 2, 47; Avarus sasz auf einen minchen oder wallachen, wie man sie nennet.
Simpl. 2, 160
Kurz; im Zillerthal ist der mönch
ein durch unterbindung der hoden kastrierter ziegenbock. Schm. 1, 1620
Fromm.; im Unterinnthal münch
das männliche hausschwein, nunn
das weibliche. Fromm. 4, 54. 4@kk) mönch,
auch so vom menschen: mönch
abusive et catachrestice vocatur homo caelebs, eunuchus, spado. Stieler 1225; denen .. die es nicht thun wolten (
das kirchgut schirmen) solt man als nicht mannszwerd nicht manszglid ganz lassen, und recht münch ausz jhnen machen.
Garg. 207
b.
vgl.mönchen,
und oben unter 1. 4@ll) mönch,
halm oder pflanze, die zwar blüht, aber keine frucht bringt. Stieler 1225. 4@mm) mönch im weinberge,
blöszen, übelbestellte flecke, vinea calvata. ebenda. 4@nn) mönch
in der druckerei, bleiche stelle des bogens, wo die buchstaben nicht oder nur ganz blasz gekommen sind: mönch einer schrift,
wenn beim auftragen der druckfarbe auf die form an einigen stellen wenig oder gar keine farbe ist, und der drucker seinen gang mit den ballen fehlerhaft genommen, und daher auf dem bogen blasz gedruckte stellen erscheinen. Jacobsson 3, 85
b; haben sie nach der buchtrucker red ein mönch geschlagen, so werden sie es klein ehr tragen. welches auch war gewesen. daher ist noch dʒ sprichwort eim dem mönch schlagen, oder den mönch stechen oder einen mönchen.
Garg. 257
b,
vergl. dazu oben 2
gegen ende. 4@oo) mönch
in den schmelzhütten ein stempel, womit die kapellen fest gestoszen werden, und der in einen ring, die nonne,
paszt. Jacobsson 3, 85
b; schlag den münich mit einem schlag oder viere mit einem hülzern schlägel ins futter .. dann heb den münich ab. Erker (1580)
s. 40
a. 4@pp) mönch,
die senkrechte spindel an einer wendeltreppe; auch die spindel auf dem gipfel eines thurmes oder anderen gebäudes, welche den knopf trägt. ebenda. 4@qq) mönch und nonne
eine art hohlziegel, die in einander greifen, der mönch
mit auswärts gekehrter hohlung, die nonne mit einwärts gekehrter. öcon. lex. 2759. 4@rr) mönch,
bei den büchsenmachern der nuszring. vgl. nonne 2,
d, α. 4@ss)
bei bereitung der schmelztiegel führt die form für die innere seite den namen mönch,
die für die äuszere den namen nonne,
der mönch
wird in die nonne
gedrückt und so geformt. 4@tt) mönch,
bei den uhrgehäusemachern der konvexe theil der form, in welcher die erhitzte schildkrötentafel gestaltet wurde; der konkave theil hiesz die nonne. Jacobsson 6, 581
a. 4@uu) mönch
oder wolf,
eine schlacke, die sich beim schweiszen des stahls hie und da an das geöffnete metall anhängt, und die schweiszung verhindert. ebenda. 4@vv) mönch,
ein brummkreisel, der in einem holzringe sich dreht, die nonne. 4@ww) mönch,
der in die höhe gerichtete spund oder zapfen im ablasz eines teiches; aber auch manchmal der ganze ablasz selbst. Jacobsson 3, 85
b; will man nicht am ende des damms fluthrinnen machen, so setzet man doch etliche münche (das sind hohle breite hölzer an den damm (
bei teichen). Hohberg 3, 2, 296
b; wie in des dammes mönch der strudel saust. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 31. 4@xx)
in Liev- und Esthland heiszt mönch
die bedeckte rinne quer durch die strasze, um das wasser aus dem éinen seitengraben derselben in den andern abzuleiten. Hupel 155. 4@yy) mönch,
in den glashütten ein arzneiglas mit kurzem hals. vergl. nonne 2,
d, γ. 4@zz)
ausgeartete stachelige saflorstöcke (
carthanus tinctorius)
heiszen mönche,
im gegensatz zu den nonnen,
den glatten gepflegten. vergl. nonne 2,
c. 55) mönch,
in Fulda, obst das die kinder im heu verstecken, bis es teig wird; auf dem Grabfeld einen münchen schleppen,
von kindern und gesinde, vorräte heimlich aus dem hause entwenden. Schm. 1, 1620
Fromm.; gehört nicht hierher, sondern zu munken, munkeln (
s. d.)
und der dort anzuführenden wortreihe.