weiblein,
n. ,
selten, mit durchbrechen des nat. geschlechts, f.: sie sei ... zu der alten weibli A. gekommen Gotthelf 1, 101.
mhd. wîbelîn, wîbel
mhd. wb. 3, 720
b; Lexer 3, 814,
deminutiv zu weib
mit obd/md. l-
suffix, älter und verbreiteter als md./nd. weibchen (
s. d.).
die form bewahrt alte dreisilbigk. gelegentl. bis ins 17.
jahrh.: weibelein Alberus
fabeln 49, 74
neudr.; Spangenberg
gansk. 6, 327; Prätorius
anthr. plut. 1, 110; Lindenborn
Diogenes 2, 200.
aus alem. mundart nimmt sie Göthe IV 3, 136
Weim. auf, wenn er Lavater schreibt: grüs dein wibele;
entspr. das. 3, 4. 136.
gerade alem. ist aber auch die verkürzung schon alt: wybly H. R. Manuel
weinsp. 3630,
die in weiblein
allg. gilt. von den dial. abweichungen ist weibel
am häufigsten lit. geworden: sprichw. klugreden (1548) 159
b; J. Böhme 2, 82; Bräker 2, 176; Claudius
Asmus 3, 158; Merck
br. 2, 91; Novalis 1, 269; Tieck 5, 80; Holtei 13, 177. weiblen,
als sing. Luther 10 ii 285
Weim., als plur. Fischart
flöhaz 1281
neudr., hat keine nachfolge gefunden, weible
gilt vorwiegend schwäb.: Guarinonius
grewel d. verw. 114; Schubart
ged. 3, 51; Auerbach 15, 199; Birlinger
schw.-ausgsb. wb. 428
a, weiberl
bair.-östr.: Jahn
Mozart 229,
Hartmanns volksschausp. 48, 218; Meisl
theatr. quodl. 1, 14. 139; Nestroy 1, 75; Ebner-Eschenbach 2, 208,
kärnt. weibile, weibl Lexer 253.
statt der normalen plur.-form weiblein
bieten weiberlein: Ringwalt
evang. Ov
b; Vetter
schutzschr. Pirckheimers (1614) 63; Werder
Roland 234; Hammer
hist. roseng. 8; Dannhawer
cat.-milch 6, 314; Schirmer
Virgils Än. (1668) 198; Treuer
Dädalus 1, 301; Hoffmannswaldau
ged. 3, 348; Zschokke 13, 257; G. Freytag 20, 133.
um eine schicht jünger ist weibleins: Hnr. Müller
leid. Jesus 225
Pasig; Lessing 5, 338; Schubart
br. 2, 264; Schiller
br. 1, 341
Jonas. alem. wibleni
schweiz. volksl. 1, 158
Tobler. bedeutung. 11)
auf menschliche verhältnisse angewendet wird das demin. entweder zum ausdruck der verachtung oder zur schmeichelei. beide richtungen sind in mhd. wîbelîn,
das hierin frouwelin
gleichsteht, schon bei seinem ersten auftreten im 13.
jahrh. vorgedeutet, s. Kotzenberg
man, frouwe, juncfrouwe (1907) 114. 1@aa)
die frau als erwachsenes wesen verliert an würde, wenn im demin. von ihr geredet wird. begünstigt wird die entwicklung durch die d. bibel, die, um stärkere ausdrücke zu meiden, γυναικάριον der griech. und namentlich muliercula
der lat. vorlage mit weiblein
widerzugeben liebt, so 2. Tim. 3, 6: von den sint, di da durprechent di heuser, und furent di weiblein gevangen
cod. Tepl. 2, 89
Huttler. weiter heiszt, ohne griech.-lat. vorbild, weiblein
die Samariterin Joh. 4, 7
ff. von Luther 2, 81
Weim. über Mathesius
Sarepta 5
a bis zu Weise
pol. redner 536,
die gelähmte frau Luc. 13, 11
bei Sachs 6, 305
Keller, Eva bei Alberus
in Wackernagels kirchenl. 3, 890.
echt in diesem an der bibel gebildeten ton sprechen spätere theologen: daher das griechische weiblin aus Syrophenicia Christo zu füszen fiel Nigrinus
v. zäuberern 67; Eusebius schreibt von einem weiblein, so zwölff jahr den blutgang gehabt Dannhawer
cat.-milch 5, 576;
entspr. Schupp 177; Abr. a S. Clara
etw. f. alle 2, 158.
von der sprache der bibel geht auch die formel männlein und weiblein
aus, die ihren eigenen, widerum respectlosen ton daher bekommt, dasz sie für die thierwelt (
1. Mos. 7, 2
ff., s. u.)
geprägt ist. sie umfaszt aber nothwendig die menschen mit: von jedem lebenden geschöpfe hatte er ein paar erschaffen, ein männlein und ein weiblein J.
M. Miller
pred. 3, 215.
die formel gilt weithin, in alter zeit ernsthaft: Alberus
dict. FFiiij
a; Prätorius
saturn. 160; Gueintz
rechtschr. 172,
in neuerem conversationston stets mit leichtem spott: sie bemühte sich, die hochfliegenden männlein und weiblein wieder auf die erde ... herabzuziehen J. G. Jacobi 8, 48; ein halb dutzend lebendiger gestalten, männlein und weiblein Ebner-Eschenbach 1, 166;
entspr. 4, 156; Laube 9, 17; Fontane I 1, 349; 6, 53;
Grillparzerjb. 1, 155; Lamprecht
d. gesch. 5 i 139.
in alledem liegt anlasz genug, weiblein
da zu brauchen, wo man die frau nicht ernst nimmt: wie nun die weiblin eine weil, bisz dasz einer gieng etlich meil, geschwetzet hetten und getruncken Fischart
Eulensp. 31
v. 79
Hauffen; Merck ... spottete über das zudringen der weiblein (
zu Lavater) Göthe I 28, 267
Weim., wo sie geistig nicht für vollwerthig gilt: alle unmittelbare aufforderung zum ideellen ist bedenklich, besonders an die weiblein 42 ii 209; armen und einfältigen herzens sind deine zuhörer, kinder und weiblein Raabe
kinder v. Finkenrode4 270,
bes. aber bei sittlich leichter auffassung: ob ihr wolt seyn die liebste mein, mein weiblein in mein kämmerlein
Venusgärtl. 66
neudr.; die kerls sind vom teufel besessen ... lecken den weiblein die ellenbogen Göthe I 16, 70
Weim.; die weiblein lassen nach lust und belieben den buhlen ihre heimlichkeiten erfahren Bode
Montaigne 2, 85; wenn der bunte vogel (
der fahrende), den vielleicht ein weiblein begleitete ... in die saiten griff Freytag 14, 466,
endlich mit ingrimmiger anerkennung: der mann ist feige vor allem ewig-weiblichen: das wissen die weiblein Nietzsche 8, 13.
das bunte spiel dieser stimmungen wird noch lebendiger in den attributen, die weiblein
erhält: bedauern und lob, das sie ernten, ist nicht ernst gemeint: Amor steckt von schalkheit voll, macht die armen weiblein toll Schlegels
Shakespeare 1, 251; er ... überredt doch seinen beyschlaff und andere guote weiblein, das sie gar mit einander lebendige heiligen sein Nas
antipap. eins u. hundert 3, 94
a; man findt geschrieben, dasz ein frommes einfaltig weiblin war Fischart
bienenk. (1588) 66
b; romantische weiblein Gaudy 22, 84.
um so ehrlicher sind die herabsetzenden beiwörter gemeint: armselig Schaidenreiszer
Od. 85
a; schlecht Federmann
triumph (1578) 101; einfältig Harsdörffer
frauenz.-gespr. 8, 266; elend Rondeau 708
c; hysterisch Arndt
briefe an freunde 74; unbedeutend Spitteler
olymp. frühling 1 (1911) 158.
auch das häufigste beiwort, alt,
ist nie lob: von wannen sind in den spitalen ... so viel alte ... weiblin? Barth
weibersp. N 1
a. altes weiblein
ist in den wb. früh beliebt als übersetzung von vetula Diefenbach
gloss. 616
c,
dabei steht weiblein
in dieser verbindung echter demin. nahe, da hohes alter kleiner erscheinen läszt: ein uraltes, gebücktes, verschrumpftes weiblein ist plötzlich aufgetaucht Raabe
kinder v. Finkenrode4 76. 1@bb)
anderseits gewinnt der name der frau an vertraulichkeit und reiz, wenn er ins demin. gesetzt wird. so kann weiblein
einen bes. zärtlichen, verliebten, lustigen oder liebenswürdigen klang vor weib
voraushaben: ich bin so glücklich, bin so froh: ein weiblein darf ich lieben Schubart
ged. 2, 250; weil die ledigen bursche ihnen am wege aufpaszten vor tag und neckten die weiblein Mörike 1, 256
Göschen; und bring, da hast du meinen dank, mich vor die weiblein ohn gestank Göthe I 4, 194
Weim.; bis er von einem weiblein eingeholt wurde, das in roten strümpfen rüstig daher wanderte Keller 6, 132.
mit alledem ist das wort gut geeignet, intime bez. erst der geliebten, dann der gattin zu werden. normalerweise steht es dabei im sing.: min herzliebs wiblin, din schriben ist mir worden
privatbr. d. mittelalters 2, 65
Steinhausen; so kan ein frischer mann der jugend sich erfreuen, desz weibleins, dasz ihn libt ihr lebenlang mit treuen Rist
Parnasz 165; denn kein kummer nagt den mann, den solch weiblein trösten kann
F. L. Stolberg 1, 29; da hast du, lieber Kestner, ein stück arbeit, das lies deinem weiblein vor Göthe IV 2, 92
Weim.; s wibli
zärtlich für gemahlin Seiler
basl. 314
b.
bei mehrheit der gatten ist auch der plur. möglich: unsere weiblein halten rath Langbein 31, 138.
leicht springt die bed. dann um in die andere '
weibliche angehörige': sei doch so gut und lasz mir von den weiblein eine bordüre zu einer blauen tapete aussuchen Schiller
an Körner 6, 29
Jonas. '
ehefrau'
kann weiblein
auch beim menschlich beseelten thier bedeuten: er führt eins mein weiblein beym wäszrigen see
Reinicke fuchs (1650) 371. —
hier ist nun auch ehrlich lobendes attr. möglich: das geschlachtest weiblin Fischart
ehzuchtb. 193
Hauffen; jung Eyering
prov. 2, 506; schön Ayrer
dram. 4, 2735; vornehm Zimmermann
einsamk. 1, 283; artig Caroline 1, 269
Waitz; hold Voss 3, 230. 22)
von fabelwesen und dämonen weiblicher natur wird weiblein
gebraucht zunächst soweit sie zwergisch gedacht sind: ein weiblein einer elen lang Zeiller
handb. 2, 560,
gern nochmals demin.: nun stand vor wenigen nächten ein weiblein an meinem lager, ganz klein Fouqué
alts. bilders. 2, 66; ward ihm ein kleines weiblein zugeführt (
von zwergen) Grimm
sagen 1, 20.
nachmals auch von hexen Prätorius
blocksb. 96;
beitr. z. anthr. Bayerns 7, 117,
engeln Holtei 40
jahre 1, 145,
feen Schmeller
cimbr. 170,
nebelwesen Laistner
nebels. 256. 33)
das weibliche thier heiszt in alter sprache weib (
s. o. sp. 347).
das demin., das Adelung 5 (1786) 121
hier allein gelten läszt, stellt sich seit etwa 1400
ein: also nu ... worent in die arche gangen ... von allen tieren und gefügele wibelin und mennelin Königshofen
städtechr. 8, 243.
vielleicht nicht zufällig geht der Straszburger chronist voran, als allg. ausdruck über das ganze thierreich hin ist wîbli
gerade in den mundarten des südwestens bes. fest: Martin-Lienhart 2, 781; Seiler
basl. 314; Lenz
vgl. wb. f. Handschuhsheim 76.
die äuszere ursache des sprachgebrauchs erkennt Rondeau 708: die weiblein der thieren sind insgemein kleiner als die männlein —
aber dieser ausdruck scheint nach th. 6, 1596
nicht jünger zu sein als weiblein
und unser wort wird früh auf gattungen angewendet, bei denen der gröszenunterschied nicht ins auge fällt: von schlangen Pauli
schimpf u. ernst 108
Österley; Sachs 16, 489
Keller-Götze, von fischen Stumpf
Schwytzerchr. 134
a; Abr. a S. Clara
etw. f. alle 2, 228,
bienen Luwig (1716) 2420.
dagegen gilt der grund bei der häufigsten anwendung, der auf vögel: vil vögel lasen jre weiblin daheym ... und fligen sie nach speis im feld umb Fischart
ehzuchtb. 186
Hauffen, die vom 16.
jahrh. bis in lebende mundart allgemein ist. früh heiszen gerade die weibchen der groszen vögel so: vom habicht handb. gr. berichts (
Tüb. 1501)
zs. f. d. phil. 13, 368,
adler Heusslin
Gesners vogelb. 3
a,
pfau Herr
feldbau 177
b;
Faustbuch (1587) 22
neudr. die kleineren stellen sich, wohl zufällig, erst später ein: taube Heusslin 240
b,
sperling Guarinonius
grewel d. verw. 1104,
fink Prätorius
winterfl. 9,
schwalbe das. 132,
wachtel allg. haushalt.-lex. 1
c 2
b.
die zahmen (
huhn Aitinger
jagdb. 12;
ente Amaranthes
frauenz.-lex. 464)
sind darum selten, weil hier die geschlechter eigene namen haben. das gleiche gilt unter den säugethieren vom hausvieh, darum ist hier weiblein
zwar als zusammenfassendes fem. beliebt: admissura ... die zeit der zulassung der männlinen zu den weiblinen under dem vieh Calepinus XI
ling. 34
b,
aber von den einzelnen gebraucht bleibt es selten: vom schaf Stumpf
Schwytzerchr. 655
a,
hund Fröreisen
Arist. nubes 666
ff. Dähnhardt, ziege Harsdörffer
frauenz.-gespr. 3, 114,
jedesfalls seltener als vom wild: Ryff
spiegel d. gesundh. 48
b; Ludwig (1716) 2420;
vom reh handb. gr. berichts, zs. f. d. phil. 13, 370,
marder Harsdörffer
t. secr. 1 Jii 8,
kaninchen Ludwig 2420,
wildschwein Döbel
jägerpr. 1, 24.
hier wagt sich das demin. selbst an die gröszten thiere, an den weibl. elefanten Eppendorff
Plinius 8, 43; Xylander
Polybius 149,
die bärin Münster
kosmogr. 407,
das nilpferd Grimmelshausen
vogeln. 2, 602
Keller. 44)
vom weiblein
bei pflanzen ist seit Alberus
dict. Gg 4
a oft die rede. anthropomorphe vorstellungen geben unverkennbar den ausgangspunkt: die andern (
schwämme sind) weich und nicht so dick, welche man ... weiblen nennet Heyden
Plinius 386;
entspr. B. Faber
thes. (1587) 1041
b; das weiblein unter pflantzen und bäumen, dasjenige von zweyen arten, so die schwächere ist Ludwig 2420,
auch symbolismus spielt hinein: der eine baum manlicher art ... der sonnen gehört, der ander aber das weiblein gehört dem mon zu Rollenhagen
ind. reisen 30.
dennoch ist auch die auffassung der wiss. botanik, die die nur stempel tragende blüthe weiblich (
s. d.)
nennt, früh vorhanden: findt er dasz der baum ein mendle ist, straifft er die blüe herab, scheubts ins tuch, schwingt sich wider herab und volgendts an einen andern dattel-baum, so ein weible sein soll, wider hinauff, strewt di blüe aus dem tuoch uff des weibles blüe Krafft
reisen 95
Haszler. widerholt begegnen das weiblein
des waldfarn Sebiz
feldb. 57,
vereinzelt das des eisenkrauts Bock
kreuterb. 43,
ehrenpreis Sebiz 216,
bingelkrauts das. 458,
zungenkrauts Neumark
n. t. palmbaum 288. 55)
wo sachen weiblein
heiszen, ist ein anthropomorpher ausgangspunkt stets erkennbar: die alchymisten nennen gold das männlein,
silber das weiblein
von der verbindung, die sie im schmelztiegel eingehen Paracelsus 2, 136 B; Thurneysser
m. alchymia 7;
körperlich ist gedacht, wenn in Wien (Hügel 187
f.) weibl'n
die haften mit runder öffnung heiszen, in die die zugehörigen schlieszhaken eingreifen, s. mönch und nonne th. 6, 2491. 7, 882;
nach entfernter ähnlichkeit der gestalt (
wie die jungfrau
des Berner Oberlands)
heiszt ein berg bei Lienz in Tirol böses weibele Bädeker
Südbayern 24 348.