Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
MILTE adj.
1. freigebig. largus milde Diefenb. gl. 165. dapsilis mild das. 88. dun sîst niht dankes milte. dir ist niht kunt, wie man mit gâbe erwirbet prîs und êre. denk an den milten Salatîn: der jach daʒ küneges hende dürkel solten sîn Walth. 19,23. diese eigenschaft gehörte im mittelalter zu den standestugenden der vornehmen, und sie giebt für das lob oder den tadel eines solchen im munde der sänger um so mehr den massstab ab, je mehr diese auf die freigebigkeit der vornehmen in betreff ihres lebensunterhaltes angewiesen waren. er gît sô rîche gâbe... sô milten kamerære gewan noch küneginne nie Nib. 486,8. häufiger beiname des Rüdiger, der wegen seiner herzensgüte und freigebigkeit gefeiert wird; doch auch sonst allgemein als enrende bezeichnung von vornehmen gebraucht. die hêrren wâren milte, von arte hôh geborn Nib. 5,1. vil michel genâde, daʒ ir mich ruochet grüeʒen, fürsten tohter milt das. 399,2. dô rief trûreclîchen diu küneginne milt 'wê mir dises leides' das. 953,1. so Alphart der milte Alph. 124,2. 238,1. 378, 4. — si wâren der schilte einander harte milte Iw. 261. si was ir guotes milte Wigal. 9175. milde dînes gutis Lampr. Al. M. 3051. vgl. das. 3581. Myller th. 3. XXXII. 3. mildes herzen muot freigebigkeit, Pass. K. 282,2. du bist mit antwurt nicht zu mild Suchenw. 28,50. bis rechter triu herwider milt Hätzl. 2,36,34. mit aller tugent ist si milt das. 1,94,10. milde am gute Ludw. 8,4. nâch rîcher koste milde ûf helmen und ûf schilde Ludw. kreuzf. 1816. milch und honiges ist daʒ lant milt Hahn ged. 42,8. sît iu selben kleider milde verseht euch reichlich mit kleidern, MS. 2,36. a. Artûs was frouwen milte: sölher gâbe in niht bevilte Parz. 730,11. grôʒer slege wâren si milte Wigam. 317. —
2. gnädig, barmherzig. vgl. Diut. 2, 13 (s. unter milte stf.). alse nu der allir mildeste furste entsub unde erkande Ludw. 60,8. got der miltôste rihter und lœser aller der welt zürch. jahrb. 46,31. so wird schon im glossar S. Galli s. 188 humanus durch milti gegeben. sanft, wohlgesittet. des künigs sun was nu wol gelêrt in aller weisshait und was ain milter knab worden, bei Scherz 1045. der sprachgebrauch der ritterkreise hat, scheint es, die ursprüngliche allgemein ethische bedeutung des wortes nur für eine zeitlang zurückgedrängt. vgl. übermilte, unmilte, milte stf. und miltekeit.