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Legénde

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Meyers
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15 in 14 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Legénde

Bd. 12, Sp. 322
Legénde (v. lat. legenda, »das zu Lesende«), die Lebensgeschichte eines Heiligen, auch die Erzählung einzelner Begebenheiten daraus, sofern sie an gewissen Tagen in der Kirche vorgelesen wurde; im weitern Sinne die poetische Darstellung einer frommen, der kirchlichen Überlieferung angehörigen Handlung, die mit einem wunderbaren Erfolg gekrönt wird; endlich soviel wie kirchliche Sage überhaupt, im Gegensatz zur weltlichen Sage und zur Kirchengeschichte. Mit Vorliebe behandelte die L. das Leben der Jungfrau Maria und der Märtyrer der ersten christlichen Jahrhunderte und gewann dadurch in der Blütezeit des Marien- und Heiligenkultus den außerordentlichen Umfang, der uns in den verschiedenen Legendensammlungen entgegentritt. Das berühmteste unter den mittelalterlichen Werken dieser Art ist die vom Erzbischof von Genua Jacobus de Voragine (s. d.) veranstaltete Sammlung, die den Namen »Legenda aurea« führt; das umfassendste aber sind die »Acta Sanctorum« der Bollandisten (s. d.). Auch in die Poesie der christlichen Völker fand die L. frühzeitig Eingang, zuerst um 400 durch Prudentius. Die älteste hierher gehörige Dichtung in deutscher Sprache ist das im 10. Jahrh. niedergeschriebene Georgslied, das älteste poetische Sammelwerk ein Legendar aus dem Anfang des 12. Jahrh., von dem Bruchstücke erhalten sind (hrsg. von Busch in der »Zeitschrift für deutsche Philologie«, Bd. 10 u. 11, Halle 1879–80). Die L. im Stil der höfischen Poesie eröffnet der »Heilige Gregor auf dem Stein« von Hartmann von Ane; dann folgen unter andern »Barlaam und Josaphat« von Rudolf von Ems, die Legenden »Vom heil. Silvester« und »Vom heil. Alexius« von Konrad von Würzburg; das Leben der heil. Martina von Hugo von Langenstein (hrsg. von A. v. Keller in den Publikationen des Literarischen Vereins in Stuttgart, Bd. 38, 1855); das »Marienleben« des Walter von Rheinau (hrsg. von Keller, Tübing. 1849–55); das Leben der heil. Elisabeth (nach 1297 verfaßt; hrsg. von Rieger für den Literarischen Verein, Bd. 90, 1868) u. a. Eine umfängliche Sammlung von Legenden in drei Büchern enthält das »Passional« aus dem 13. Jahrh. (hrsg. von Köpke, Quedlinb. 1853) und, von demselben Verfasser, das »Buch der Väter«, die Geschichten von Einsiedlern behandelnd (vgl. M. Haupt in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Bd. 69, 1871, und Franke, Das Väterbuch, Paderb. 1880). Auch hat man in Deutschland, obgleich nicht so häufig wie in Frankreich, L. als Dramen verarbeitet, das älteste nachweisbare (St. Katharina) ist in einer Handschrift aus der ersten Hälfte des 14. Jahrh. überliefert. Im 14. und 15. Jahrh. kamen zu den gereimten längern und kürzern Legenden auch prosaische Bearbeitungen, wie in dem »Buch von der Heiligen Leben« von Hermann von Fritzlar (um 1343), hinzu, wodurch jene allmählich verdrängt wurden. Bis 1520 waren in Deutschland 45 Passionale, 18 Altväterbücher und 125 Leben einzelner Heiligen im Druck erschienen. Die Reformation und späterhin die Aufklärung waren der Legendenliteratur wenig günstig. Dann aber hat namentlich Herder in den »Zerstreuten Blättern« und in der »Adrastea« auf den poetischen Gehalt der L. hingewiesen, wie er sie auch durch einige gelungene Versuche wieder in die deutsche Literatur eingeführt hat. Seitdem haben sich namhafte deutsche Dichter (Goethe, A. W. Schlegel, Kosegarten, Pyrker, Rückert, Kerner, Schwab, Simrock u. a.) in der poetischen Bearbeitung legendenartiger Stoffe mit Erfolg versucht. Eine Abart der Legenden sind die Mirakel, die berichten, wie die Heiligen aus dem Jenseits herüber in die Geschicke der Menschen eingreifen. Die Marienmirakel entwickelten sich seit dem 12. Jahrh. zu einem besondern Literaturzweig. – In der Münzkunde bezeichnet L. die Inschrift oder Umschrift der Münzen (s. Münzwesen); auf Landkarten, Stadtplänen etc. die beigedruckten Namensverzeichnisse. – Auch die Inschriften auf Spruchbändern, welche die Kunst des frühen Mittelalters aus dem Munde von Figuren heraushängen ließ oder ihnen in die Hände gab, um ihre Bedeutung oder ihre Handlung zu erläutern, nennt man Legenden. Solche Spruchbänder erhielten sich noch bis zum Ende des 15. Jahrh. namentlich in der Kupferstecherkunst. – In der Musik die Komposition einer Legendendichtung als Einzelgesang oder Chorwerk, auch wie Romanze und Ballade Bezeichnung von Instrumentalwerken »im Erzählerton«.
4342 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    LEGENDEf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    LEGENDE f. legende Mart. 177.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    legéndef.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    legénde , f. , Heiligenerzählung, Legende, de l. sünte N., °iron. Erzählung, Geschichte, sêre lange l. (NS 221).

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Legếnde

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Legếnde , plur. die -n, die Lebensbeschreibung eines Heiligen; aus dem mitllern Lat. Legenda, orum, so fern sie an g…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Legende

    Goethe-Wörterbuch

    Legende 1 erbauliche, (lehrhafte) relig Erzählung, besonders über das Leben eines/einer Heiligen a als Textsorte, (liter…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Legénde

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Legénde (v. lat. legenda , »das zu Lesende«), die Lebensgeschichte eines Heiligen, auch die Erzählung einzelner Begebenh…

  6. modern
    Dialekt
    Legendef.

    Westfälisches Wb.

    Leg e nde f. [ Min Lippe Hal] 1. Legende, erdichtete, unglaubwürdige Erzählung. Heu vertellt wier Legännen ( Det Is ). D…

  7. Spezial
    Legendef

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    Legende , f легенда , ж [lit.; Erläuterung zu einer Grafik]

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit legende

21 Bildungen · 17 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von legende

legenden + -e

legende leitet sich vom Lemma legenden ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von legende 2 Komponenten

leg+ende

legende setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

legende‑ als Erstglied (17 von 17)

legende, legenden

DWBQVZ

legende·legenden

--- legende der stiftung von Frekkenhorst und das leben des heil. Bonifazius in deutscher sprache aus dem drizehnten ( ! ) jahrhundert. in: …

Legendenalmanach

GWB

legenden·almanach

Legendenalmanach ‘Legenden- und Sagenalmanache’: mBez auf das von AvHelvig u Fouqué hg ‘Taschenbuch der Sagen u Legenden’ (2 Bde, 1812—17) a…

legendenartig

GWB

legenden·artig

legendenartig 1 zu Legende 1 Erinnerung an verschiedene l-e Gegenstände, besonders vom heiligen Neri T3,375,10 v 22.8.08 2 wohl iSv sagen-, …

Legendenbuch

GWB

legenden·buch

Legendenbuch Sammlung erbaulicher relig Erzählungen (vgl Legende 1a ) 49 1 ,299,18 Üb:Kupferst nachTizian Martina Eicheldinger M.E.

legendenbōk

KöblerMnd

legenden·bōk

legendenbōk , N. nhd. „Legendenbuch“, Legendensammlung ÜG.: lat. passional, (legenda aurea) E.: s. legénde, bōk (2) W.: s. nhd. Legendenbuch…

Legendenfieber

GWB

legenden·fieber

Legendenfieber ‘Legenden- und Heiligenfieber’: polem für die Rückbesinnung romantischer Künstler auf das christliche MA [ betr Versuch der W…

Legendengott

GWB

legenden·gott

Legendengott wohl zu Legende 1(c) daß mir .. eine merkwürdige Antike in’s Haus gekommen .. ein bärtiger Bacchus .. aus den Zeiten Hadrians .…

legendenmäßig

GWB

legenden·maessig

legendenmäßig zu Legende 1: nach Art der Heiligenvita [ Thüringer Maler u Schnitzer um 1500 ] Welche nach alter Ueberlieferung und vorliegen…

Legendenmasse

GWB

legenden·masse

Legendenmasse zu Legende 2; in bildhaftem Zshg Auf den griechischen Localitäten und auf deren uralter mythologischer Legenden-Masse schifft …

Legendenschreiber

GWB

legenden·schreiber

Legendenschreiber mBez auf die erst in einer hist späten Phase erfolgende schriftliche Fixierung des zuvor vorwiegend mündlich tradierten Er…

Legendentand

GWB

legenden·tand

Legendentand wie Legende 1c; in Zshg mit der persönlichen u künstlerischen Entwicklung der Brüder Riepenhausen zum Katholizismus u zur Roman…

legendenweise

GWB

legenden·weise

legendenweise ‘nur l.’ iSv ohne kanonische Geltung, lediglich den Stellenwert einer frommen Erzählung besitzend Unsere heiligen Bücher liege…

legende als Zweitglied (4 von 4)

pflegende

KöblerMhd

*pflegende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. „pflegend“ Vw.: s. touf- Hw.: vgl. mnd. plēgent* E.: s. pflegen (1) W.: nhd. pflegend, (Part. Präs.=)Ad…

toufpflegende

KöblerMhd

toufpflegende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. christlich Q.: Parz (1200-1210) E.: s. touf, pflegen W.: nhd. DW- L.: Hennig (toufpflegende), LexerH…

toufphlëgende

Lexer

touf-phlëgende part. adj. BMZ das christentum bekennend, getauft Parz. 766,27.

zuolegende

KöblerMhd

zuo·legende

zuolegende , (Part. Präs.=)Adj. nhd. zulegend Q.: RWh (1235-1240), SGPr, EckhII (FB zuolegende) E.: s. zuo, legen W.: nhd. zulegend, Adj., z…