Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Kultur f.
Kultur f.
Kultur f. ‘geistig-sozialer Entwicklungsstand sowie Gesamtheit der Errungenschaften auf geistiger, künstlerischer, humanitärer Ebene’ (häufig bezogen auf eine ethnische Einheit in einem historisch begrenzten Zeitraum, z. B. die Kultur der Griechen), ‘verfeinerte, niveauvolle Lebensqualität’, auch (als Fachwort) ‘planvoller Behandlung und Pflege unterliegende land- bzw. forstwirtschaftliche Anlage, Pflanzung, (bakteriologisches) Präparat’. Der aus lat. cultūra ‘Pflege (des Ackers), Bearbeitung, Bestellung, Anbau, Landbau’, auch ‘geistige Pflege, Ausbildung intellektueller Fähigkeiten, (religiöse, huldigende) Verehrung’ (zu lat. colere, s. Kult) entlehnte Ausdruck wird gegen Ende des 17. Jhs. ins Dt. integriert, nachdem er in lat. flektierter Form bereits vorher in dt. Texten üblich war. Er gewinnt zunächst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. mit dem Aufschwung der Land- und Forstwirtschaft an Verbreitung (s. Agrikultur), erhält sein eigentliches Gewicht jedoch in seiner (ebenfalls im Lat. vorgezeichneten) metaphorischen Verwendung, indem Kultur (seit etwa 1700) auch die Ausbildung und geistige Vervollkommnung des Individuums bezeichnet. Ins Gesellschaftliche ausgeweitet und zu einem Schlagwort der Epoche wird das Wort im philosophischen Denken der deutschen Aufklärung; besonderen Anteil an seiner inhaltlichen Ausformung und Präzisierung haben Herder und Kant. – kulturell Adj. ‘im Hinblick auf die Kultur, die Kultur betreffend’ (19. Jh.), daneben zunächst auch culturlich, cultürlich.