Kultur zumeist C-; gut 300 Belege, überwiegend im literar Werk, gut 20 Prozent in Gespr — Im Anschluß an Herders Historisierung u Relativierung des Kulturbegriffs erscheint das Wort bereits weitgehend in seiner vollen semantischen Pluralität, dh in der materiellen (1), moralischen (2a), sozialen (2a,b,3) u historischen Bedeutung (2c), mit einer überwiegenden Frequenz in Bed 2. Gewichtige mündliche Belege belegen die fortgeschrittene Usualität des pluralistischen Wortgebrauchs iS des Goetheschen Universalismus (vgl auch die entspr Wortbildungsverweise, zB auf ‘Humanitäts-’, ‘Volks-’ od ‘Weltkultur’ sowie die folgende Komposita-Reihe).1) 1 landwirtschaftliche od landschaftliche Erschließung a Urbarmachung, Bebauung des Landes Blick ins mannichfaltige Neckarthal .. gemischte Cultur, Wiese, Wald, Trift, Garten, Weinberg GWBT2,127,23 v 17.9.97 erscheinen drüben steile Felsen und hüben die schönste Cultur GWBT2,152,2 v 18.9.97 GWBN10,109,26 AusTeplitz uö(selten) b Anbau, Aufzucht, Veredelung, vereinzelt iSv Bewirtschaftung; auch ‘K. der Parkpflanzen, Futterkräuter’ ua, einmal ‘K. des Bodens’ für Bodenkultivierung; auch im Bild [nach dem Tode des Hofgärtners Reichert] die Cultur der botanischen Parkpflanzen findet sich in Belvedere schon sehr gesteigert GWBN6,232,7 PflanzenkultWeim Wie aber die Cultur solcher Pflanzen, nach denen sowohl der Botaniker als der Liebhaber ästhetischer Landschaftsbildung sich umsieht, zuerst gefordert und .. weiter ausgebildet worden GWBN6,229,10 PflanzenkultWeim Die Tulpe ist in ihrem wilden Zustand gelb, die Außenseite ihrer Blätter verläugnet das ursprüngliche Grün noch nicht, dieses wird jedoch durch Cultur vertrieben GWBN52,160,14 FlD III Plp GWBN6,232,14 PflanzenkultWeim GWBN6,389,17 BotanStudium [1817] uö 2 Gesittung, Bildung, Lebensart; auch ‘K. haben’ a gesittete Haltung, (höhere) kulturelle Verfassung einer Nation, Gesellschaft od sozialen Gruppe Ein nochmaliger allgemeiner Überblick über alle aus verschiedenen Gegenden Deutschlands eingegangene Concurrenzstücke gewährt uns zugleich den Überblick über Geist, K. und Talent der Nation GWB48,16,25 Preise 1800 Wodurch ist Deutschland groß, als durch eine bewundernswürdige Volks-Kultur, die alle Teile des Reichs gleichmäßig durchdrungen hat. Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze von denen sie ausgeht .. ? Gesetzt, wir hätten in Deutschland seit Jahrhunderten nur die beiden Residenzstädte Wien und Berlin, oder gar nur eine, da möchte ich doch sehen, wie es um die deutsche K. stände? Gespr(FfA II 12,681,37) Eckerm 23.10.28 Die Sachsen, vornehmlich die Ostfriesen, hatten von jeher mehr K. als die südlichern Deutschen Gespr(He32,164) Kanzl Müller 23.8.27 Die Leute, mit denen ich umgeben war, hatten keine Ahnung von Wissenschaften; es waren deutsche Hofleute, und diese Classe hatte damals nicht die mindeste Cultur GWB22,269,13 Lj VI SchöneSeele daß in ihr [der parsischen Religion] die Möglichkeit einer höhern Cultur lag, die sich im westlichen Theile der östlichen Welt verbreitet, ist wohl nicht zu bezweifeln GWB7,24,2 DivNot ÄltPers GWB7,38,11 DivNot Gespr (FfA II 12,608,28) Eckerm 3.5.27 uö(häufiger) in der Fügung ‘K. des Vaterlandes’ auch iSv (geschichtliche) Kulturstufe, wichtige Stufe im Zivilisationsprozeß; iVbdg mit ‘hoch, ungeheuer’ [betr Wirren der Befreiungskriege] Schrecken der feindlichen Überschwemmung .. Kriegsjahre .. die Nothwendigkeit des Zusammenhaltens geprüfter Freunde in einer Zeit wo eine Verwirrung aller Begriffe die hohe Cultur des Vaterlandes zu vernichten [den so hochcultivirten Zustand des Vaterlandes umzuwälzen Var] drohe GWB4,77,13 AufklBem Wenn Paulus sagt: gehorchet der Obrigkeit, denn sie ist Gottes Ordnung, so spricht dies eine ungeheuere K. aus, die wohl auf keinem frühern Wege als dem christlichen erreicht werden konnte Gespr(He2,151) Riemer Nov 06 mit iron Distanzierung iSv Verfeinerung der Sitten [Mephisto zur Hexe:] Auch die Cultur, die alle Welt beleckt, | Hat auf den Teufel sich erstreckt; | Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen; | Wo siehst du Hörner, Schweif und Klauen? GWB14,122 Faust I 2495 b iSv individuelle Kultiviertheit, Bildung, Sittlichkeit; mehrfach mit PossPron Inzwischen war Alma einige Stunden bey mir, betrug sich sehr artig auf dem Wege einer sittlich-socialen Cultur GWBT13,83,17 v 31.5.31 daß derjenige, dessen Geist nach einer moralischen Cultur strebt, alle Ursache hat, seine feinere Sinnlichkeit zugleich mit auszubilden GWB22,338,8 Lj VI SchöneSeele Aussicht auf Cultur. | Ungezogen genug sind schon die Menschen und jeder | Hegt noch mit viel Bedacht seinen verzogenen Hund GWB51,297 XenNachl 190(685) [G/Schiller] Wenn wir dasjenige aussprechen was wir im Augenblick für wahr halten, so bezeichnen wir eine Stufe der allgemeinen Cultur und unserer besondern; ob ich mich selbst, oder durch andere zurechtweisen lasse, ist für die Sache selbst gleichviel, je geschwinder es geschieht desto besser GWBB28,261,13 Schultz 24.9.17 GWB7,316,1 DivNot Plp GWBT3,372,28 v 15.8.08 uö iSv Entwicklung, Erziehung, Bildungsgang; auch individuelle Herausbildung (einer bestimmten Mentalität), wiederholt als Nomen actionis Es ist ganz einerley, in welchem Kreise wir unsere K. beginnen, es ist ganz gleichgültig, von wo aus wir unsere Bildung in’s fernere Leben richten, wenn es nur ein Kreis, wenn es nur ein Wo ist GWBB29,228,8 Schubarth 8.7.18 Ich verdanke den Griechen und Franzosen viel .. Allein damit sind die Quellen meiner K. nicht nachgewiesen Gespr(FfA II 12,293,34) Eckerm 16.12.28 mußte der französische Gelehrte orientalische Worte und Namen der nationellen Aussprache und Hörweise aneignen .. welches dann auch in deutsche Cultur nach und nach herüberging GWB7,253,13 DivNot Gespr(FfA II 12,212,19) Eckerm 18.1.27 uö iSv sozialspezifische Daseinsform, pl; im bildhaften Vergl Die Nationen lassen sich auch mit Pflanzen, ihren Blüten und Früchten vergleichen. Die untern Stände sind die Kotyledonen .. die höhern Stände und die K-en derselben repräsentieren die fernern Blätter, Blüten, Früchte Gespr(He2,169) Riemer 11.12.06 c als tradierter, auch kanonisierter Zusammenhang von intellektuellen Leistungen, kulturellen Errungenschaften (u deren Kenntnis) im Prozeß der Zivilisation; auch iVbdg mit ‘religiös’, ‘philosophisch’, ‘wissenschaflich’ ua; seltener im Rückgriff auf ältere Begriffsantithesen für den Kulturzustand (iUz Naturzustand), vereinzelt neben ‘Barbarei’, ‘Natur’ ua [Mittler:] Die Ehe ist der Anfang und der Gipfel aller K. GWB20,107,7 Wv I 9 Dschami faßt die ganze Ernte der bisherigen Bemühungen zusammen und zieht die Summe der religiosen, philosophischen, wissenschaftlichen, prosaisch-poetischen Cultur GWB7,66,6 DivNot Wir leben in einer Zeit, wo so viele K. verbreitet ist, daß sie sich gleichsam der Atmosphäre mitgeteilt hat, worin ein junger Mensch atmet. Poetische und philosophische Gedanken leben und regen sich in ihm, mit der Luft seiner Umgebung hat er sie eingesogen Gespr(FfA II 12,360,20) Eckerm 15.4.29 [betr den Vorwurf mangelnder dichterischer Parteinahme während der Befreiungskriege] Ich habe in meiner Poesie nie affekiert .. Wie hätte ich nun Lieder des Hasses schreiben können ohne Haß! .. ich haßte die Franzosen nicht .. Wie hätte auch ich, dem nur K. und Barbarei Dinge von Bedeutung sind, eine Nation hassen können, die zu den kultiviertesten der Erde gehört Gespr(FfA II 12,710,34) Eckerm 14.3.30 uö auch ‘höhere K.’ für (das Recht auf) Bildung, Bildungsgüter Dieser Einfluß der Redner und Schöngeister [Fontenelle, Voltaire ua] entspringt aus der Verbreitung der Cultur, weil Jedermann mitreden will, und besonders auch in Frankreich die Frauen GWBN4,469,2 FlH Plp [Therese, Mitteilungen Lotharios wiedergebend:] Man sei ungerecht gegen unser Geschlecht [die Frauen] .. die Männer wollten alle höhere Cultur für sich behalten GWB23,54,7 Lj VII 6 uö auch ‘mathematische, analytische K.’ für eine besonders ausgeprägte u vervollkommnete kulturelle Fertigkeit, wiss Disziplin, speziell im Kontext von Ausbildung, Erziehung uä; auch ‘poetische K.’ ua [Galilei] dessen angebornes eindringendes Genie durch mathematische Cultur in’s Unglaubliche geschärft worden war GWBN3,248,8 FlH V GWBN51,372,1 Fl Nachtr Gespr(FfA II 12,172,11) Eckerm 29.1.26 uö die gesamte Sphäre kultureller Hervorbringungen, insbesondere der Kunst einbegreifend; auch neben ‘Natur’, ‘Poesie’ ua Shakespeare Poesie und Natur, | Calderon Poesie und C. . | von den Mauren Gespr(FfA II 12,830,28) Eckerm Nachl 27.4.29 uö 3 Zivilisation, dh institutionelle (geographische, ethnische, sprachliche, politische, religiöse) Manifestation einer best Kulturform; auch ‘unsere K.’ mBez auf das abendländische Europa, mehrfach ‘(unsere) deutsche K.’ iSv Bildungs-, Geisteswelt Europa .. diese unschätzbare Cultur, seit mehreren tausend Jahren entsprungen, gewachsen, ausgebreitet, gedämpft, gedrückt, nie ganz erdrückt, wieder aufathmend, sich neu belebend und nach wie vor in unendlichen Thätigkeiten hevortretend GWB24,121,12 Wj I 7 Was ist K. anderes als ein höherer Begriff von politischen und militärischen Verhältnissen? Auf die Kunst, sich in der Welt zu betragen und nach Erfordern drein zu schlagen, kommt es bei den Nationen an Gespr(He32,164) Kanzl Müller 23.8.27 Der ganze Gang unserer K., der christlichen Religion selbst führt uns zur Mitteilung, Gemeinmachung, Unterwürfigkeit und zu allen gesellschaftlichen Tugenden, wo man nachgibt, gefällig ist, selbst mit Aufopferung der Gefühle und Empfindungen, ja Rechte, die man im rohen Naturzustand haben kann Gespr(He2, 155) Riemer 18.11.06 Gespr(FfA II 12,243,3) Eckerm 11.4.27 Gespr(FfA II 12,630,28) Ekerm 7.10.27 uö iSv Hochkultur Einführung des Arabischen .. Wirksamkeit des Nationellen .. Sieger durch Überwundene gebildet, vorgefundene Cultur GWB7,306 DivNot Plp GWB7,24,5 DivNot ÄltPers uö → GWBAnanas- GWB*Boden- GWBFeld- GWBForst- GWBGarten- GWBGeistes- GWBHalb- GWBHolz- GWBHumanitäts- GWBLandes- GWBMittellands- GWBNational- GWBObst- GWBPflanzen- GWBUn- GWBVernunft- GWBVerstandes- GWBVolks- GWBWelt- GWBGartenkulturgesellschaft Syn zu 1 GWBKultivation zu 1b GWBAnbau GWBBebauung GWBPflanzenkultur zu 2 GWBBildung GWBBildungsreife Gesittung zu 3 GWBNation GWBZivilisation 1) Zur Orientierung vgl HistWb der Philos, 4(1976),1309—24; FRauhut, Die Herkunft der Worte und Begriffe ‘Kultur’, ‘Civilisation’ u ‘Bildung’. In: German-Roman Monatsschr 34(1953),81—91 sowie (mit Einzelwerkbezug) zB RMeister, Der Ideengehalt der Dichtung Pandora u Goethes Kulturbegriff. In: Almanach der Österr Akad der Wissenschaften 99(1949),358—70 Robert CharlierR.C.