kür,
kur,
chur,
f. subst. zu kiesen. II.
Die formen. I@11)
der ursprüngliche formenvorrat. I@1@aa)
ahd. churi
f. deliberatio, electio Graff 4, 519,
von chiosan,
nhd. kiesen,
mit dem vocal und dem umsatz des s
in r
wie sie dem plur. praet. eigen sind, ahd. churumês,
mhd. wir kurn, kuren (
s. kiesen 4,
a. b sp. 696).
diesz churi
ward mhd. regelrecht zu kür (
mit kurzem vocal),
das denn, nur verlängert, noch jetzt in willkür
lebt. ein alts. kuri
ist nicht bezeugt, aber nicht zu bezweifein, zumal ags. cyre
vorliegt, doch als m., das aber auch bei uns erscheint, s. 2,
a. I@1@bb)
eine eigenthümliche, seltene nebenform ist kurst, gen. und pl. kürste,
österr. im 15.
jh., bei Mich. Beheim
durch den reim zu tage gebracht, er spricht von kaiser Friedrich dem dritten als dem eltesten fürsten nach rehten waln und kürsten.
buch von den Wienern 1, 12; und auch dar zu der eltest fürst nach rehter auszerwelter kürst. 114, 16.
es ist gebildet wie bair. verlurst
m. Schm. 2, 500,
das verbindend in die mitte tritt zwischen verlust
und verlur (
s. 2,
a, γ)
als subst. zu mhd. verliesen,
nhd. verlieren;
ebenso steht kurst
oder kürst
zwischen kur
oder kür
und kust,
gen. küste. I@1@cc)
denn auch kust war da als subst. zu kiesen (
stamm kus):
ahd. chust
f. aestimatio, electio Graff 4, 514 (
wegen 'chust
scientia'
das. s. u. kunst
sp. 2667),
auch chost
arbitrium 518,
das im vocal zu frost
stimmt mit gleicher bildung von frieren,
eig. friesen,
ahd. friosan,
während frust
begreiflicher wäre und wol auch nicht fehlte (
vgl.frustlen
gleich fröstelen
oben 4, 328).
auch mhd. kust
f., altn. kostr
m., ags. cyst
m., mit ganz eigner entwickelung, schon goth. und zwar in doppelter form, gakusts
f. und kustus
m.; s. unter kust. I@22)
auch kür
selber zeigt grosze manigfaltigkeit. I@2@aa)
auch hier ein masc., wie ags. cyre
u. 1,
a (
vgl. die masc. altn. kostr,
ags. cyst,
goth. kustus
neben dem fem. u. 1,
c). I@2@a@aα)
wenigstens md. und nd.: dô leite mîn vrouwe vure den rittern allen einen kure. Haupt 11, 497, 195; der kure sol an im stâ
n. 496, 128; daʒ er ... den kure brêche.
das., 134,
in der hs. kuore, vuore,
sodasz küre
gemeint sein kann, vgl. den kür haben
beim Meisner
MS. 3, 95
a (
hs. kuor?).
bei Berthold v. Holle kur
und kore
m.: ir solt die juncfrowe wîs irn vrîen kur lâʒen hâ
n. Crane 1749; wan ich sol den kore hâ
n. 1682.
diesz kore m. auch sonst mit kure
wechselnd, z. b. im Leipz. Sachsensp.: ein blôz swert in der hant und éin umbegurt oder zwei (
sollen die kämpfer vor gericht haben), daʒ stê an irme kore. I, 63, 4; mit vrîen kure
Iw. 4354
A. I@2@a@bβ)
kore m. ist auch mnd.: van dem kore des rîkes (
d. h. des kaisers).
Magdeb. schöppenchr. 2, 2; bischof Ludolf von Magdeborch was de erste an dem kore (
des kön. Philipp). 123, 29,
hatte die erste stimme; dat koning Segemund .. hadde geven de marke to Brandenborch mit dem kore des rîkes (
an burggr. Friedrich). 342, 15,
mit dem wahlrechte, der kurstimme, [] wie im folg.: die schenke des rîkes, die koning von Bêhemen, die nehevet nênen kore, umme dat he düdesch n'is.
Sachsensp. III, 57, 2.
vgl. noch aus nhd. zeit der köhr
unter kör 2 (
pl. köhre
weisth. 4, 673).
Auch mnl. erscheint neben core
oder cure
fem. ein masc. core (De Vries
gloss. zum lekensp. s. 486, Oudemans 3, 498
fg.),
und nnl. keur,
jetzt f., brauchte noch Vondel
in beiden geschlechtern ohne unterschied (Weiland).
ebenso nrh. kure
m. Hagen
reimchr. von Köln 613,
wo der Kölner erzbischof den eirsten kure
in anspruch nimmt, die erste wahlstimme; den coere hebn,
die wahl haben Teuth. 57
a.
Dasz auch dem hd. das m. bei solcher bildung nicht fremd ist, zeigt verlur
m. verlust Schm. 2, 500 (
vgl. die 2.
ausg.),
mhd. verlor
m. das. und wb. 1, 1033
b. I@2@a@gγ)
selbst das neutr. fehlt nicht, nordisch: norw. kor
n. wahl Aasen
2 380
b,
dän. kaar
n.; daneben isl. kör, kiör
n. Biörn 1, 472
a. 454
b,
altn. kjör
n. Ebenda übrigens auch mit bewahrung des urspr. -s (
wie hd. in kust,
d. i. kus-t)
isl. kos n. wahl Biörn 1, 470
a,
norw. Aasen
2 382
b.
ebenso nl. neben keur
auch keus, keuze
f., bei Kil. keuse
und koose
wahl; es ist wie in nl. gekozen
gekoren, auch oberrh. gekosen
sp. 696
fg. (
und auf der Eifel weisth. 2, 566),
vgl. auch verlies
verlust Sachsensp. III, 6, 2 (
md. und nd., var. verlus),
bair. verlier Schm.
2 1, 1514.
endlich selbst mit der ältesten bed. nrh. und cimbr. kos
m. geschmack, s. II, 1,
a. I@2@bb)
auch schwache form erscheint, wenigstens im pl., doch schon in mhd. zeit: etlich geslehte .. die do küren hettent des rotes.
Straszb. chr. 123, 3,
wahlstimmen für den rat; wir hant ouch versworn die kuren, die wir hettent an dem rat. 933, 17,
v. j. 1334,
vgl. das schwäb. kuren
pl. von heute II, 6,
c. ebenso nrh. im 13.
jh. korin,
s. sp. 1795, plebiscita quae vulg. kuiren appellantur Lacomblet
urk. 2, 883,
v. j. 1210 (
neben kure 2, 264).
auch mrh., z. b. die lesten zwo koren (
königswahlen) Janssen
Frankf. reichscorr. 1, 214 (
neben die zwo lesten kore 213, der kore
pl. 183,
wie nd. köhre
u. a, β).
und md., s. strafen und koren
bei Luther
sp. 1795.
mnl. selbst im sing. schwachformig: dat wi desen coren hebben geset binnen Bruesele. Oudemans 3, 499 (
zu II, 3,
b),
reines schwaches masc., vgl. den nrh. sing. van der kuren
u. II, 1,
b. I@2@cc)
das wechselnde u
und o
oder ü
und ö
vertheilt sich im ganzen über die mundarten wie gewöhnlich. I@2@c@aα)
im oberd. herscht ü (u),
im nd. o
oder ö.
aber auch schwäb. kommt doch ö
vor, z. b. in der Augsb. fechtschulordnung aus d. 16.
jh.: der abgende haubtman soll die erst cöre haben (
bei der bestellung eines neuen hauptmanns). Adrians
mitth. 295,
ebenso die erste köre 285 (
s. u.kör 1),
vgl. Weinhold
al. gr. s. 29. 77;
s. auch hd. verlor
neben verlur
unter a, γ. I@2@c@bβ)
das md. schwankt zwischen dem oberd. und dem nd. vocal, s. schon u. a, α aus mhd. zeit kure
und kore;
ebenso in der Leipz. hs. des Sachsensp., im 15.
jh. z. b. in der reichscorrespondenz von Frankfurt: habe der bischof von Menze .. die andern kurfursten zu der kore eins romischen kunigs gein Frankfurd virbodet. Janssen 1, 180,
v. j. 1410,
wenige zeilen weiter uf das die kure deste einmudeklicher .. zuginge,
bald darauf die kur,
wie das. wechselt koren
und kuren,
wählten, auch kurfurst
und korfurst
s. 225,
wie das. kure
und kore;
auch die küre
s. 535. I@2@c@gγ)
die doppelform erstreckte sich aber auch ins nrh., s. coere
und kure
u. a, β (
vgl. II, 1,
b), koren
und kuiren
pl. unter b, und selbst ins nl., s. mnl. core
und cure
unter a, β; so wird sie auch dem westlichen nd. nicht fremd sein und überhaupt weit über die mhd. zeit zurückreichen. s. übrigens kör, kor
für sich sp. 1794
fg. I@2@dd)
auch das schwanken des umlauts genauer zu prüfen wäre bei dem geschichtlich so wichtigen worte der mühe wert. während er an sich dem worte so natürlich oder nötig ist wie thür, für,
die ebenso zurückgehn auf turi, furi
wie mhd. kür
auf ahd. churi,
und während er auch in willkür
richtig gilt, ist er doch in der gewichtigsten verwendung des wortes völlig unterlegen, in kur, chur
königswahl, kaiserwahl. das ist als hiesze die thür
oder thüre
nhd. vielmehr thur.
Aber die geschichtliche untersuchung wäre hier zu umständlich, zudem fast aussichtslos, da bis ins 16.
jh. hinein über die wahre meinung eines geschriebenen oder gedruckten u
oder uo
oder
vielfach zur zeit noch völlige unsicherheit herscht;
meint keineswegs immer ü, uo
meint oft wahrscheinlich ü,
aber auch u
wahrscheinlich oft ü.
die aussprache musz in derselben landschaft, ja bei demselben manne geschwankt haben (
wie sich das noch heute findet, s. z. b. spalte 1629
unter c),
sodasz man auch im schreiben nichts auf genauigkeit geben konnte, die entscheidung [] dem leser überliesz. So braucht im 15.
jahrhundert z. b. Beheim
im buch v. d. Wienern den reimen nach sowol kür (: für) 141, 29
als auch kur (: swur) 332, 3.
letzteres darf als die österr. form gelten, denn der widerstand gegen den umlaut ü
ist eine eigenheit der bair.-östr. sprache, s. Weinhold
bair. gr. s. 43 (
vgl. 114),
wo schon aus mhd. zeit bair. kur
belegt ist (
krone 26238,
im reim auf fuor);
s. ebenso östr. kuchel
gleich küche.
überhaupt trägt das wort in polit. verwendung das gepräge von dort, s. 3. I@2@ee)
endlich das schwanken der endung, die in kur, chur
ganz beseitigt ist samt ihrer urspr. rückwirkung auf den vocal, welche thür
wenigstens bewahrt, wie mhd. auch kür.
dasz im 15.
jh. im md. und nd. die endung noch lebendig war, zeigen die kure, kore
oben (
gewiss schon mit gleichzeitiger verlängerung des vocals);
aber auch oberrh. im 14.
jh. noch küre: von derselben küre. Closener
Straszb. chr. 16, 10,
von einer papstwahl; der (
papst) satte uf, daʒ ein keiser mit eins bobstes küre nüt sol haben zuo tuonde. 23, 20; kure 123, 7,
aber bei Königshofen
auch kur 508, 3.
s. auch das schwäb. köre
im 16.
jh. u. c, α.
nordd. noch am ende des 16.
jh.: liesz man die groszen glocken, wie zur
kühre gebräuchlich ist, läuten. Henneberger
preusz. landtafel Königsb. 1595
s. 123,
von einer ratswahl; dieses kühre
wäre genau genommen die beste form nach nhd. art. I@33)
am merkwürdigsten aber ist chur mit seinem ahd. ch- (
s. schon 2, 627). I@3@aa)
seit dem 15.
oder 16.
jh. wurde es auf lange vorherschend in churfürst
nebst zubehör (
s. mehr u. kurfürst),
sodasz sich diesz chur-
und kür
sogar neben einander finden, wie zwei verschiedene dinge, z. b. in einem meiszn. spruchgedichte von 1553: herzog Moritz churfürst als bald zu Leipzig ein landtag anstalt ... denn dies eim weisen steht wol an, wenn er sich recht befragen kan und nichts aus seiner eigen kür bald thut was im nur fellet für (
einfällt). Wolffs
hist. volksl. 383.
umgekehrt findet sich das einmal beliebte ch-
selbst auf das zeitwort erstreckt: nun wahren etliche cardinäl zu Avinion, die choren ein bapst.
Limb. chron. 68
Ross., nachher das. kohren. I@3@bb)
diesz ch-
ist aber von haus die bezeichnung der oberd. kehlaspirata, im bair. sprachgebiete bis ins 16. 17.
jh. wechselnd mit kh- (khure
z. b. Schm. 2, 325, 15.
jahrh.),
sodasz auch das alte bair. ch-
nicht anders gemeint sein wird als diesz kh- (
s. unter K 4,
a, vgl. 2,
c).
so auch chure
östr. im 12.
jh. in Diemers
genesis 29, 10, chur 101, 26,
im 14.
jh. von der königswahl, s. II, 7,
b. eigner weise schreibt auch der verfasser des mnl. lekenspiegels im 15.
jh. von der wahl des röm. kaisers chore
m. (II, 49, 76),
sonst core, cure.
Das chur, churfürst
wird nichts als die österr. form sein, die durch polit. einflusz sich festsetzte (
wie kaiser
mit seinem ai),
auch das fehlen des umlautes stimmt dazu (
s. 2,
d zuletzt).
unterstützt wurde sie wol zugleich durch das gelehrte (
griechische)
ansehen des ch-,
das der würde des gegenstandes angemessen schien. findet sich doch die cur
des arztes recht gelehrt chura
geschrieben im 16.
jh. Zimm. chr. 4, 120. 145. I@3@cc)
auch wenn chur
in anderm sinne erscheint, kann das nur eine wirkung des politischen chur
sein, dessen beliebte form sich auf die allgemeine bed. übertrug; z. b.: ich hab euch die chur oder wal gegeben. Keisersb.
oben 2, 627,
wo mehr; wann mir gott verlihe und in mein chur setzte, das ich möcht widerumb von meinem alter zur jugent kummen. S. Frank
chron. 1531 111
b u. ö. (1536 135
b); der siben schön tragt ihr ein chur (
s. II, 5,
b). H. Sachs 1 (1590), 380
b,
in der 1.
ausg. (1558) 507
b noch kur; so klug .. Maria von Bethanien die edle tugendcron gewest in ihrer chur und wahl und das rechte unum necessarium getroffen. Dannhawer
catech. 9, 478 (
vgl. u. kurfrau).
selbst chür erscheint, bei Alberus (II, 4,
a),
das kann rückwärts als zeugnis gelten, dasz ebenso das politische chur
da doch auch noch mit umlaut gesprochen ward. Sonst wird auch der umlautsmangel in kuhr
u. ä. von dem anschlusse an das polit. wort herrühren, z. b. der hat kuhr, hat angst Schottel 1130
a,
wahl macht qual; die khur war auch dem haufen mit. Waldis
Es. 1, 71, 28,
bei der königswahl der vögel, auch die masse durfte mit wählen. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
Die ältesten, sinnlichen bedeutungen. II@1@aa)
zuerst bezeichnete kür
wie kiesen
nicht eine wahl, diese bed., die im nhd. endlich allein übrig blieb, ist vielmehr nur ein einzelnes feld von einem urspr. reichen bedeutungsgebiete. die älteste bed. kosten, schmeckend prüfen, die für kiesen
noch nhd. im [] alem. vorliegt, auch für kust (
s. d.),
kann auch für kür
nicht gefehlt haben, zumal sie für kuren, küren
noch nachweisbar ist; wirklich geben Müller
u. Weitz 122
aus Aachen der kor,
geschmack, geschmacksprobe, in Bonn kos
das., wie in den sette comuni kos
m., s. u. koren 1,
b, wegen des -s
oben I, 2,
a, γ.
vgl. Schottel
u. 4,
d. II@1@bb)
die weitere entwickelung von kiesen
als sehend prüfen, ersehen (
s. dort 2,
c und 1,
e)
zeigt sich im subst. auf nrh. gebiete, denn nichts anderes kann sein cure, warde,
specula Teuth. 63
a (
nebst cueren,
speculari, spectare, circumspicere, cuerwechter
speculator),
unterschieden von coere
m. wahl 57
a,
die beiden formen (
s. I, 2,
c, γ)
hatten sich da schon in die beiden bed. getheilt. diesz kure
musz eig. das spähen selbst sein (
vgl. unter d und küren 3,
a, spähen),
dann übertragen auf den ort zum spähen, wie bei mhd. warte;
es ist fem. und schwachformig (
s. I, 2,
b): des morgens vroe vur vier uren der truw wechter up der kuren sloich die stormclock. Wierstraat
Neusz 2440; 'vill vyand sint binnen muren' rief der wechter van der kuren. 2450.
Auch nl. koer, koertorn
specula, koerwachter
speculator Kil.,
wie nrh. kuirwechter
auf einem thoern Harf
pilg. 78, 9;
auch nd. und weiter in einzelnen spuren, die auf entlehnung deuten: kuorwechter
Braunschw. chron. 1, 244, 30 (
vgl. die anm. das. und Frisch 1, 169
c),
mit der randgl. kuor
in der hs., die sich aus folg. erklärt: 'kur, kuur,
der thurmbläser' (
leider ohne geschlechtsangabe) Dähnert 263
a,
auch altdän. (
d. h. im 15. 16.
jh.) kure
wächter, thurmwächter Molbech
dansk gloss. 1, 461,
d. h. das abstr. kure
warte, wache auf den späher, wächter selbst übertragen, wie gleichfalls mhd. warte
f. wb. 3, 528
b und nhd. wache, schildwache.
bei Molbech
auch altdän. kuretaarn
wartthurm, wie nl. koertorn
vorhin. s. auch kurhaus
specula. daher auch nd., hamb. kurwaken,
vor sorgen nicht schlafen können Richey 367,
eig. wachen oder schlafen wie einer der die kur
hat. II@1@cc)
denselben begriff anders gewendet zeigt in Aachen im 16.
jh. kuer, chur
m., eine haft milder art für bürger, einen in (den) chur gebieten
u. ä., s. bei Haltaus 1121
aus der ordn. des dortigen churgerichts
v. j. 1577.
Dazu aber stimmt nahe genug schweiz. 'kûr
f., zucht, strenge obsorge, er hat ihn in der kur' Stalder 2, 145 (
der an cur,
cura dabei gar nicht denkt);
der form nach müszte es allerdings eingeführt sein, den Rhein aufwärts vom Niederrhein her; daher bei Tobler 127
a kûr (
nicht chur),
strenge aufsicht, auch strenge behandlung, um geständnisse zu erpressen, hier allerdings mit deutlicher einmischung von cur. II@1@dd)
die bed. b noch jetzt weidm., wenigstens westnd.: kur
f., der ansitz auf der jagd. Curtze
Waldeck 480
b,
eig. das spähen, lauern; s. das weidm. kuren, küren 3,
b. c (nach hasen küren).
Im 16.
jh. selbst oberd. nach folg. 'mit kur',
vom jäger auf den hund übertragen: da henget (
d. h. rannte) der eine (
hund) mit kur dem hasen nach, der andre eilet dem hafen zu und frasz. S. Frank .... 20. II@1@ee)
zu kiesen
sehen vielleicht auch folg.: wan wärlich unser beider muot anders nicht wan minnen tuot, daʒ (
l. des) nempt an dem gedicht die kur.
lieders. 1, 114,
überzeugt euch, eig. wol durch augenschein, obwol auch kiesen
prüfen dahinter sein kann, vgl. 4. II@22)
Der entscheidendste fortschritt des wortes war der vom sinnlichen prüfen, spähen, suchen auf denkendes. daher II@2@aa)
mhd. kür
überlegung, erwägung, z. b. mit wîser kür wëgen Ulr.
Trist. 14, ûz wîser kür sprechen
Helbl. 2, 1251.
auch rat, der aus überlegung flieszt, z. b. nâch eines wîsen mannes chür
genesis 101, 26
D.; s. ahd. churi
deliberatio oben, chiosan
cogitare sp. 693
und noch schweiz. chiese
begreifen das. (
mhd. erkiesen
verstehn Rieger
heil. Elis. 372
a). II@2@bb)
die entscheidung, bestimmung, beschlusz, die aus der erwägung flieszen. II@2@b@aα)
so mhd. (
vgl. Lexer 1, 1791),
z. b.: der bischof Albrecht legete vür den liuten dâ des bâbestes kür, waʒ man der (
neuen) lande solde geben an ein geistlîcheʒ leben (
als kirchen- und klostergut).
livl. chron. 619;
von den heidnischen Kuren erzählt dieselbe: beide weich und hart muoste man in legen vür, biʒ daʒ sie vielen ûf die kür (
sich entschlossen), daʒ sie den touf enpfiengen. 2444,
wo zugleich die bed. 3,
a sich einmischt. [] II@2@b@bβ)
von einer gesamtheit hiesz das auch gemeine kür,
gemeinsame erwägung und entscheidung, beschlusz, im 16.
jh. noch in folg. überkommener wendung: mit gemainer chur
einen schiedsrichter nehmen. Schm. 2, 325; die fürsten und die ganze ritterschaft vereinigten sich mit gemeiner chur einer heerfahrt wider den mörder.
buch d. liebe 395
a,
vgl. u. 7,
a. II@2@b@gγ)
auch die entscheidung eines schiedsmannes oder schiedsgerichtes hiesz im besonderen so: keur,
arbitrium, sententia arbitri Kil.,
gewiss auch hd.; in den Magdeburger fragen heiszen solche schiedsleute korlûte (
var. sûnleute,
auch berichteslûte) Behrend
s. 144,
wie kiesemann,
s. d., auch unter kürer.
nl. kierslieden, kiersmannen
arbitri Kil. II@2@b@dδ)
nach folg. auch das schiedsgericht selbst: it. duo man die sunen satte, yder raitzman, die zen koer gehoeren (
erhielt vergütung). Laurent
Aachener stadtrechn. 343
b. II@2@b@eε)
sobald sichs dabei, wie so oft, um eine entscheidung zwischen zwei oder mehr möglichkeiten handelt, stellt sich natürlich auch hier schon der begriff wahl mit ein (
s. 6
und 7); wahl
selbst erscheint sogar zuweilen mit dem begriffe der entscheidung wie kür. II@2@cc)
das wird auch bezeichnet als frîe kür,
freier entschlusz, selbstbestimmung, z. b. Iw. 4354,
Karl 11875, von vrîer kür
freiwillig Haupt 1, 130,
auch als recht der selbstbestimmung Ssp. I, 56; des menschen freie chür. Schm.
2 1, 1284;
daher noch im 16.
jh. freikürlich
Garg. 64
b (
oben 4, 116
unrecht zu kür
wahl gezogen).
Dasselbe ist mhd. selpkür '
arbitrium'
wb. 1, 829
b,
das gleichfalls mit '
wahl'
nichts zu thun hat (
vgl.selpherre),
und heute noch willkür,
mhd. willekür,
entschlusz und entschluszfreiheit aus eignem willen, anfangs auch willige kür,
z. b. von einer änderung in eigenthumssachen heiszt es, sie sei geschehen mit williger kür der undertânen.
schweiz. urk. von 1307,
geschichtsfreund 4, 285.
Ebenso eigen kür,
ein guter fürst thut nichts wichtiges aus seiner eigen kür,
s. die stelle von kurf. Moritz oben I, 3,
a, vgl. dagegen das ligt in unserm furstlichen kore
unter kör 3.
Gleich willkür z. b. im folg., kur 17.
jh.: es ist eine alte streit-frage, ob die wörter von natur oder kur, oder, ob sie willkührlich oder natürlich weren, ihrem uhrsprunge nach. Schottel 64;
vgl. bei Göthe willens-kür 41, 306,
mit denkender auffrischung des kür.
es ward für die turnerei wieder aufgenommen: an turntagen wird der ganze nachmittag in zwei gleiche hälften getheilt. die erste hälfte ist für die freiwillige beschäftigung (turnkühr), die andere hälfte für die vorgeschriebene (turnschule). Jahn
u. Eiselen
turnkunst 222
fg.; daher kürturnen. II@2@dd)
daher auch verfügung, recht oder möglichkeit der freien verfügung über etwas: wann mir gott verlihe und in mein chur setzte, das ich möcht widerumb von meinem alter zur jugent kummen. Frank
chron. 1531 111
b.
auch verstärkt durch gewalt,
einer der aufständischen in Wien i. j. 1463
rühmt ihren erfolg: wir haben praht in unser kur und gewalt Österreiche und Wien die stat des gleiche. Beheim 332, 3; ward dem gemeinen volk der gewalt und kur, ein andern könig zu kiesen zugelassen.
Schöfferlins Livius 8.
ebenso kore und macht,
s.kör 3. II@2@ee)
auch die bed. rücksicht, absicht, die in folg. auftritt, flieszt aus der allg. bed. des erwägens. Beheim
erzählt, wie die aufständischen Wiener bei der belagerung einen brückenkopf (taber)
in brand setzen: daʒ was also genummen für und an gesehen in der kür, ob der taber gewunnen wer, daʒ man dy selben seiten her in dy vorstat wer kummen. 141, 29,
d. h. das war in dem sinne (also)
vorgenommen und in der absicht ins auge gefaszt worden, dasz man nach einnahme des tabers u. s. w.; es stimmt zugleich zu der sinnlichern bed. von kiesen
zielen, visieren (
s. dort 2,
g a. e.),
sodasz kür
vielleicht auch das zielen hiesz, zu 1,
b. Auch mhd. von .. küre
gleich '
von .. wegen',
wie es im folg. scheint, könnte hierher gehören: wie si (
Eva) von des apfels küre vür des paradîses türe got dô warf unde stieʒ. Haupt 1, 128.
auch bei Wolfr.
Wh. 167, 11
scheint diesz von .. kür
mit gen. vorzuliegen, von wegen, von seiten, in folge von. II@33)
Im alten gemeindeleben nahmen wort und begriff eine wichtige stelle ein. II@3@aa)
die kür
als gemeine kür,
zugleich vrîe kür,
gemeinschaftliche und freie erwägung und beschluszfassung aller gleichberechtigten, ausdrücklich auch im gegensatze zu der eigen kür
eines [] einzelnen, eines herren (
s. 2,
b. c),
immer hand in hand mit dem zeitwort kiesen
gleicher bed.; z. b.: item rugen die von Ufhusen von ihrer freiheit, das alle inwoner zu Oberufhusen gesessen mögen fleischhawen, backen, schenken, brewen, und allen veilen kauf zu haben, us ir kur, das wisen sie fur recht.
weisth. 3, 387,
hess. v. j. 1511, ûʒ ir kür,
ungehindert von einem herren oder sonst wem, es heiszt auch ausdrücklich willekür.
im Sachsensp. ist so öfter die rede von der lantlûte kure, der gebûre kore,
auch gegenüber dem herrn, z. b. II, 53,
und dazu denn das sächs. körtag
sp. 1841,
tag wo diese kör, kür
für alle vorliegende fälle von der gemeinde ausgeübt wird, vgl. bei Kil.
nl. keur
plebiscitum. Ein beleg für kiesen
in dieser bed. (
s. dort 1,
f)
aus dem 13.
oder 14.
jh.: kein vleischower insal vinnecht vleisch veile haben nîrgen mê den in den benken, die dazû gekorn sîn von aldere.
Freiberger stadtr. cap. 43,
s. auch u. d. wir denkeu bei kiesen
wie bei kür
immer zu rasch an eine wahl (
wie ich z. b. bei körtag). II@3@bb)
angewandt besonders auch auf das gemeinderecht, die gemeindeverfassung, die man sich selbst gab und die auch kurz kure
oder wieder auch deutlicher willekür
hiesz; so bes. im nordwesten und norden, z. b.: statuta, quae vulgariter (
d. h. deutsch) eininge et kure nuncupantur. Lacomblet
urk. 2, 264,
nrh. 13.
jh., ebend. s. 191 wilkoer sive buerkoer (
gleich der gebûre kore
vorhin).
mnd. köre,
s. bei Haltaus 1119
aus dem privileg der grafen von Holstein für Hamburg, vgl. aus Bremen das brem. wb. 2, 850.
ebenso mnl. cure
f., core
m., s. Oudemans 3, 578. 499 (
s. oben I, 2,
b),
allerdings dann auch von dem rechte das ein herr setzte. daher noch bei Kilian
kurz keur
jurisdictio, jus. anderseits auch ins handwerksleben übertragen gleich innung (
vgl. eininge et kure
vorhin vom gemeinderechte),
dafür zeugt z. b. kurbrief,
innungsbrief, rheinisch. II@3@cc)
das lebt noch, nur leicht verändert, in bergmännischer rede, wie so vieles uralte: kühr,
jene arbeitercompagnie, der die bearbeitung eines gewissen grubentheiles übertragen wird. Scheuchenstuel
österr. bergspr. 149; dasz eine gewisse anzahl häuer .. eine gesellschaft (
gleich compagnie
vorhin, beides urspr. höfische ausdrücke) oder eine sogenannte khür ausmachen, welche zusammen vor einem oder zwei orten arbeiten und den verdienst in gleiche theile unter sich theilen. Veith 303
aus einer österr. bergbaukunst (
wieder auf 'küren
wählen'
bezogen).
es musz urspr. das gesellschaftsrecht, die innung gewesen sein, die sie sich selbst gaben, dann die gesellschaft selber. eine dritte bed. ist zeche, die Veith
aus der ungr. bergordn. v. 1575
belegt, zech oder kühr, neue zechen oder kühr,
übertragen auf die zeche, die eine solche gesellschaft bearbeitet (
auch zeche
selbst ist eig. ein gesellschaftsrecht).
vgl. übrigens auch kiesen 2,
h bergm. dazu kührführer,
vorsteher einer kühr. II@3@dd)
noch mehr im besondern von der strafe, d. i. geldbusze, die eine gemeinde ûʒ ir kure
festsetzte, begreiflich bei der hervorragenden wichtigkeit die diese geldbuszen im alten rechtsleben wie in der verwaltung der gemeinden hatten: die vleischower sullen zû der burger gebote stên an allen sachen (
in allen rechtsfragen) .. alse andere lûte, oder si mûʒen lîden die kure, die die burger darûf setzen unde
kîsen zu rechte.
Freib. stadtr. § 43 (3, 276
Schott),
man bemerke 'setzen unde kîsen',
nach 'willkür'
festsetzen; trîbit ein man sîn vî ûf eine frömde marke .. er lôsit (
löst sich aus) mit der kor, daʒ sint sechs pfenninge.
blume v. Magdeb. II, 2, 280.
Daher auch bûze und kure
verbunden: alliʒ daʒ si (
die zwelf geswornen in Vrîberc,
in vertretung der gesamten bürger) verbieten, daʒ sal ein îklich man halden zu rechte, oder he mûʒ bestên mit der bûʒe und mit der kure, die si darûf setzen. § 48 (
s. 279);
in den Magd. fragen wechselt kore
und busze
in den hss., z. b. I, 1, 13. 14.
bei Luther buszen, strafen und koren,
s.kör 5,
mehr bei Haltaus 1120 (
wo aber kehr 4,
e eingemischt ist)
mit belegen für mnd. köre,
md. 13.
jh. küer,
nrh. coer
m., aus nhd. zeit chur und buesz, die buesz des geldes die da gemeiniglich köhr genannt ist.
dazu nl. keuren, bekeuren,
multam exigere Kil. II@3@ee)
es mischt sich aber da ein andrer begriff ein, kiesen
abschätzen, kür
abschätzung (
als ergebnis fachmäsziger erwägung),
bestimmung der höhe der geldbusze. ebenso z. b. im Sachsensp. II, 53,
wo von einem man
die rede ist, der ein zinsgut verläszt und da alles abebrechen
darf, auszer den zûn
und daʒ hûs
und den mist (
düngerhaufen),
aber daʒ sal der herre lôsen (
lösen, ihm abkaufen) nâh der gebûre kure,
nach abschätzung und festsetzung der gemeinde, ähnlich I, 20, 2;
in den Magdeb. fragen II, 2, 18
ist so die rede von dem werte eines grundstücks nâch der stadt kore (
var. rechte),
vgl. blume v. Magd. II, 2, 217.
[] II@44)
Aus letzterem begreift sich die bedeutung wert (
dann auch art überhaupt. II@4@aa)
von sachen, mhd., z. b. kultern (
polster) von dér kür, daʒ man ir tiure müeʒe jehen Wolfr.
Wh. 244, 14, '
von einer sorte die für kostbar gilt'
wird im wb. 1, 829
a erklärt, genauer '
von so hôher kür' (
s. b),
dasz u. s. w. Im alten leben ist viel von kiesen
die rede auf die güte von mancherlei verbrauchsgegenständen bezogen, in den städten von geschwornen kiesern
ausgeübt, die den wert von wein, bier, brot u. dgl. zu prüfen hatten (
s. kiesen 2,
a);
ihr kiesen,
auch küren, kören
genannt, ist zugleich ein feststellen des wertes, preises, und sicher galt auch kür
als subst. dazu, zuerst von der einzelnen prüfung, dann von dem befunde und der festsetzung der kieser,
endlich von dem einer waare zugesprochnen werte; daher nl. keurbaer goed,
merx legitima, proba Kil.,
waare die die probe, kür
bestanden hat, mhd. kürbære
vortrefflich. es hiesz, ein ding hat
die und die kür (
vgl. u. b fastn. 670, 10),
wie jetzt hat
den und den wert, preis: man sagt, der lachs hab nach dem stür (
stör) ohn widerred die nechste chür. Alberus
Es. 60
b.
Auch vom proben und taxieren von gold, edelsteinen u. ä. galt im geschäftsleben gewiss kiesen, kür,
wie noch nl. keur,
z. b. Amsterdamsche keur (
auch gleich keurteken,
zeichen des keurmeesters,
essayeur, auf gold oder silber Halma 313
c).
daher folg., das zugleich die übertragung auf menschenwert zeigt; von stæten vrouwen
heiszt es: daʒ edel gim und daʒ golt ist gên ir kür ungemâʒ.
lieders. 2, 712,
übertrifft sie an der kür,
läszt sich nicht vergleichen. vgl. unten das adj. kür 2,
auch kürgut. II@4@bb)
von menschen; so mhd. häufig hôhe kür,
auch hœhste kür (
s. die wbb.),
z. b. helt von hôher kür Konr.
troj. kr. 23446, wîp von hôher kür 354, fürste von hôher kür
Engelh. 1322,
diesz hôch
ist eig. dasselbe wie noch heute in hoher wert, preis, hoch taxieren
u. ä.; der begriff geht natürlich von menschenwert überhaupt in den von rang über. So noch im 15. 16.
jh. einzeln; in einem fastnachtspiel sagt der kaiser aus Kriechen: nun hab wir doch die höchsten kür auf alln herrnhöfen und wirtschaft (
hoffesten) sein wir in eeren wol behaft. 670, 10.
geistlich gewendet die höchste kür
von geistlichem leben, klosterleben, zu einer nonne die zweifelt: bis witzig, gaistlichs guotes kind, der teüfel will dich machen plind und fren von der höchsten kür, di du dir erstlich setzest (
l. setztest) für. Schwarzenberg 140
c. II@4@cc)
im gegensatz dazu swache kür,
geringer wert, geringes, wenig, z. b. des lobs hat sie ein swache kür
Hätzl. 68
b,
wenn ichs recht auffasse, vgl. wiht von valscher kür,
bösewicht lieders. 2, 602,
nachher in gleichem sinne von valscher art,
jenes vielleicht urspr. von falschen goldmünzen u. dgl. Daher begriffe sich wol die bed. art überhaupt, die mhd. in einer menge wendungen auftritt (
s. die wbb.),
freilich mit manigfaltigen nebenbeziehungen, die noch viel zu erörtern übrig lassen. auch im 15.
jh. noch: wie hat er herschaft kür, gend im sein knecht nach oder für? Rosenblut,
fastn. 1092,
welche art von herschaft (
mhd. herschefte
gen.); und was des vierden thires kur (
beim proph. Daniel) erschröckenlich in der figur, mit starken groszen eisen zen (
zähnen)
u. s. w. H. Folz
das. 1311;
derselbe erzählt in der lere von den baden
von den warmen heilquellen, dann sweig ich do selbst auch ir natur und meld weiter der andern kür.
das. 1253. II@4@dd)
nachklänge davon noch im 16. 17.
jh. (
vgl. schon u. b): als weiset uns die predig dein (
Joh. 10), wer nit gee durch der warheit thür, hab nit die rechten hirten kür und sei ein dieb, als du in heist. Hutten 3, 521
B. (5, 97
M.).
merkwürdig noch bei Schottel kuhr
in nahverwandtem gebrauche: in den sprichwörteren .. stekket der rechte schmak, rechte kuhr und das eigene der sprache ..
haubtspr. 1111 (
mit vortreffl. ausführung),
vgl. nachher das. teutschschmekkende worte, die in anderer sprache saft und kraft würden verliehren.
oder kuhr
geschmack? vgl. u. 1,
a. II@4@ee)
eigen auch einzelner grad in der wertmessung, geltung; von zwei sich schmähenden sagt einer, er were einer khure fromer
[] dann er, wann sein vater hette kainen ermordt als er getan hette. Schm. 2, 325
aus den mon. boica 25, 535,
v. j. 1495;
aus dem höchste kür, nechste kür
u. ä. konnte sich der begriff stufe, grad entspinnen. II@4@ff)
bemerkenswert ist übrigens, dasz die schwesterbildung kust (
s. I, 1,
c)
wie in anderen auch in dieser bed. sich genau neben kür
hielt, und zwar schon in ahd. chust,
ja goth. kustus
δοκιμή,
probehaltigkeit, auch ags. cyst,
altn. kostr
dem mhd. kür
im ganzen entsprechend, und noch gegen 1500
bei uns kust
virtus. für churi
kann nur zufällig so alte bezeugung fehlen. auch das kürst I, 1,
b in der zweiten stelle zeigt wol diese bed. II@55) Kür
auswahl, wahl, s. kiesen 3. II@5@aa)
so im alten rechtsleben bei erbtheilung: wan beide eltern mit tode abgangen .. sol der elteste setzen und theilen (
taxieren und zwei hälften machen) und der jüngst den kühr behalten. Haltaus 1118
aus dem landr. von Hadeln, vgl. aus dem Ssp. u. kiesen 3,
b und kurerbe.
ebenso das recht des herrn, bei todesfällen aus dem nachlasz das beste oder nächstbeste stück für sich auszuwählen, s. kör 2
und kurmede.
Das hat sich landschaftlich bis heute erhalten, z. b. hessisch ich will dir die kör (kür) lassen,
bei verkäufen, s. Vilmar 219,
auch thür. kör, kür
f., in der Ruhl einem die kühr geben
u. ä., s. Regel 227.
nd. de kör hebben, kör gewen,
bei verkäufen, namentlich bei viehhandel wessel un
kör, wo dem käufer unter mehrern stücken die auswahl gelassen und austausch (
wechsel)
gestattet wird Schambach 109
b. II@5@bb)
das ausgewählte selbst, z. b. das bestehaupt bei todesfällen (
s.kör 2).
den übergang des begriffes sieht man noch in der nd. wendung bei Schambach dat is kör vor mek,
das wähle ich mir, das gefällt mir am besten. auch ruhlisch das is de kür von alln Regel 227,
die auslese, das beste. Daher bildlich, z. b. zum preise einer schönen jungfrau: wann ich sah nie schöner figur, der siben schön tragt ir ein kur, die doch all siben traget ihr. H. Sachs 1, 507
b, 'ein kur' (
mit dem meist noch verkannten ein
als stärkeres der),
d. h. den höchsten grad aller sieben schönheiten; die noch zugesetzte zeile soll den begriff auswahl (
aus den s. sch.)
abhalten; ebenso '
ein kur'
im folg.: Maria, höchste creatur, du edle küngin der natur ... götlicher hantgetat ein kur. Hoffmann v.
F.,
kirchenl. 460,
das höchste, das kleinod der göttlichen schöpfung. übrigens spielt wol zugleich der begriff 4,
b herein, wie im folg. höchste kur
von einer frau
selber: set, höchste kur, meins herzen wun, ir scheint mir lieblich als die sunn.
fastn. sp. 129, 14.
Ebenso nl. keur
f. das beste (
auch mit gen. pl., wie nachher ags.),
und isl. þad væri kör,
exoptatissimum foret Biörn 1, 472
a,
was doch zugleich wie adj. klingt (
s. das adj. kür unten),
und ags. cyst,
z. b. îrena cyst,
das beste der schwerter, s. Grein 1, 181
und oben 4,
f. II@5@cc)
daher eine adverbiale wendung 'zur kür',
aufs beste, vorzüglich, z. b. wol (
d. h. gut) zur kür,
hessisch im 16.
jh.: erwischt ein groben heseln stock, schlug seinen esel wol zur kühr, jagt in in stall
u. s. w. Waldis
Es. 1, 90, 45 (1, 136
Kz.),
den esel der sich als löwe verkleidet. ebenso nl. wel te keure,
exquisite, egregie Kil. 238
b,
mnl. wel
oder goet ter core, ghenoech ter cure,
auch blosz ter cure (
s. bei Oudemans).
es wird auch mhd. nicht fehlen, und mnd.; nnd. erklärt sich wol daher körgood
auserlesen gut Dähnert 247
a,
auch körfett (
z. b. ein ochse) Richey 135,
vgl. gôd kören
approbare, s. auch u. kürbäumen, kürlaken, kürlich, kürgut. II@5@dd)
der begriff auswahl geht in den von hülle und fülle über: so wir doch selbs wein, korn, wolle, flachs, holz und stein in deudschen landen nicht allein die fülle haben zur narung, sondern auch die kur und wahl zu ehren und schmuck (
zur verschönerung des lebens). Luther 2, 474
a;
vgl. der hat kuhr, hat angst Schottel 1130
a,
wahl macht qual. auch nl. keur
überflusz, z. b. von waaren, keur van goed.
vgl.freudenkür,
freudenfülle, oder höchste freude. so ist umgekehrt lat. copia
fülle zur bed. gelegenheit, auswahl gekommen. II@5@ee)
in der schriftsprache hat man das wort im 18.
jh. wieder aufgefrischt, wie kiesen, küren,
zuerst wol Klopstock,
doch ohne erfolg, es war einmal von seinem alten reichen leben zusammengeschrumpft auf die polit. bedeutung (
s. 7): so wird ihm die
[] kühr vorgelegt zweier ding, nämlich: er musz .. oder er darf .. Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 116; widerwärtig gemäkel waltet nimmer alhier (
bei wein und lied): stumpf so wenig wie ekel hält das mädchen die kühr. was das mädchen gekohren
u. s. w. Voss
ged. (1802) 3, 93,
mit der überschr. 'mäkeln und kühren',
v. j. 1794; die thiere üben kür und wahl bei ihren liebschaften. Bode
Montaigne übers. (1793) 3, 388,
vgl. Hippel
u. 6,
a. ähnlich ist schon im 17.
jh. z. b. Schottels
wiederaufnahme des wortes, s. 2,
c a. e. und 4,
d. s. auch Jahn
und Göthe 2,
c a. e. II@66)
Wahl bei besetzung von gemeindeämtern u. ä. II@6@aa)
manigfach im gemeindeleben, theilweis bis in ziemlich neue zeit: dar zu keust man zwene mollere (
müller) ... und wen die kor also geschehen ist ..
Erfurter wasserordn., Michelsen
rechtsd. aus Thür. 111; als die kühre auf Branden, einen vom rath fiel, bat er sich ab. Henneberger
preusz. landt. 124; liesz man die groszen glocken, wie zur kühre gebräuchlich ist, läuten. 123; die glieder des senates halten kur und wahl. Hippel 11, 181,
diese häufung ist alt, s. 7,
c; die kühr des neuen schuldheiszen.
würzb. verordn. v. 1797
bei Schm. 2, 325,
vgl. u. küren. II@6@bb)
auch die einzelne wahlstimme (
vgl. 7,
d)
: suffragium, ein hilf oder chur .. ein stimm. Dasyp. 79
b; chur geben,
adjicere calculum 312
a,
seine stimme abgeben; omne tulit punctum, er hatt alle chur, alle stimmen gehebt. 199
a, alle chur
mit collectivischem sing., wie die meinsten (
meisten) köre haben
weisth. 5, 730
wol auch, vgl. welcher die maist waal hat
unter kör 1, der die meiste körstimme hätte
sp. 1841, die stimme meren
Frankfurts reichscorr. 1, 175, mit einhälliger stimm erwelt Brant
s. 200
b Z. II@6@cc)
noch schwäb., im Schwarzwalde, kur
f. stimme Schmid 334; am vorabend hatte er alle burschen ... zusammenkommen und sie zwei sog. tanzburschen wählen lassen. Constantin und des zimmermanns Valentins Xaver erhielten die meisten 'kuren'. Auerbach
dorfgesch. 1846
s. 436 (1848 371).
dazu ebendort kuren
abstimmen, wählen, und bei Schmid
a. a. o. sogar er gibt keine kur von sich,
keinen laut, kein lebenszeichen. vgl. zur form I, 2,
d. II@77)
In allgemeiner geltung blieb es am längsten von der königs- und kaiserwahl im alten wahlreiche (
vgl. kurreich).
ebenso auch böhm. kur. II@7@aa)
anfangs kür, kur, kore, kure
oder anders, f. oder m., je nach der mundart (
s. I, 2),
z. b.: in des keisers kore sal der êrste sîn der bischof von Megenze
u. s. w. Sachsenspiegel III, 57, 2,
md.; under den leien ist der êrste anme küre (
hs. kuore) der phalanzgrêve vonme Rîne.
das.; die zûme ersten anme kure genant (
bestimmt) sint, die ensuln nicht kiesen nâch irme mûtwillen, wen (
sondern) swen die vürsten alle zu kunge erwelen, den suln sie aller êrst bî namen kiesen.
das., erwelen
deutlich eine art vorwahl, vgl. kiesen 3
und kur und wal
nachher; der bischof von Mênze .. hât die êrsten stimme an der kür.
Schwabensp. § 110
Wack., wechselnd mit kur; das si sim sun Maximilion mit gelicher kür die kron gaben gern und willigklich. Lenz
Schwabenkr. 10
b,
wie mhd. mit gelîcher kür
Lohengr. 3151,
einstimmig (
auch mit gemeiner kür
das. 3240,
wie unter 2,
b, mit gemeiner wal der churfürsten Frank
Germ. chr. 1538 229
a).
mnd. kore
m., nrh. kure
m. s. I, 2,
a, β,
mrh. kure, kore
s. I, 2,
c, β. II@7@bb)
die form chur, die gerade für die kaiserwahl die herschende werden sollte, tritt zuerst im östr. und bair. gebiete auf (
s. I, 3),
doch anfangs wechselnd mit chure,
wol auch chür, kür,
z. b. bair. im 14.
jahrh. (
s. aber wegen der zeichen , uo I, 2,
d): in des chaisers chr sol der erste sein der pischolf von Maenze.
spiegel deutscher leute, landr. § 303; under den laien ist der erste an der chure der pfallenzgrave.
das. (
wie chiesen
das., chunig, Choln
u. a.); in des reiches chure.
lehnr. § 11; teiding .. umb die chr an dem riche.
quellen zur bair. gesch. 6, 336,
abmachungen wegen der wahl oder kurstimme des hauses Baiern, v. j. 1333; so sol der eltiste ... diu wal haben an der chr des reichs.
s. 218,
vom j. 1313,
aber auch 'kuor des ryches' 353,
wie kurfuorsten
daselbst und zwar neben chomen, chein, chrenchen,
auch kur und wal 373. 374.
aus dem anfang des 16.
jh. der abschrift nach das. s. 36: hat er .. gelobt, das er nu dem negsten (
eig. an dem nächsten tage,
daher demnächst) sein chur ... wende und khere an einen man
[] an wen wir wöllen, also das er den khiese zue ainem römischen khunig,
wo man denn auch khur
erwarten dürfte (
vergl.khure I, 3,
b).
Aber chur
muszte eben schon fest sein, vermutlich aus der langen regierung kaiser Friedrichs III. her, und blieb es auch in der hauptsache bis zum ende des wahlreiches. von den wbb. gieng erst Campe
auf kur
zurück, noch Adelung
setzte überhaupt blosz chur
an, ebenso Frisch, Rädlein, Ludwig, Aler, im 17.
jh. Henisch, Schönsl.,
während schon Steinbach 1, 235
das ch-
scharf tadelte (
weil man damit das deutsche wort in ein lateinisches verwandele),
wie Stieler 945 '
scribunt kurfürst
et kur
cum ch,
sed pessime ... verum surdis fabulam'.
im 16.
jh. schreibt selbst nd. chörförste Chytraeus
cap. 24,
wie seine Straszburger vorlage, Golius
c. 25 churfürst,
s. das gleichfalls straszburgische chur
bei Dasypodius
unter 6,
b, bei Brant
unter 7,
c. auch in der Wormser samml. der reichsordnungen vom j. 1539
ist chuorfürst
durchgeführt (
aber auch chammergericht, chammerrichter),
wie im Augsb. druck des reichsabschieds Augsburg 1500 churfurst,
offenbar schon kanzleimäszig. II@7@cc)
es kreuzt sich aber früh mit wal,
wie kiesen
mit welen,
schon im Schwabensp.: ê daʒ die fürsten kiesen, sô suln sie ûf den heiligen sweren, daʒ si durch liebe noch durch leide ... noch durch niht enwelen daʒ geværde heiʒe. 109, 2
Gengl. (
vgl. aus dem Ssp. unter a).
daher kur und wal
verbunden seit dem 14.
jh. oder früher: umb wechselung der kur und wal des romischen richs (
gleich '
des kaisers').
quellen zur bair. gesch. 6, 373,
d. h. wechsel in ausübung des wahlrechtes; an der wal und kur des richs. 374. 371.
selbst mit unterscheidung der bed.: und wir herzog Ruodolf sln diu wal haben an der chr des reiches,
nachher so sol der eltiste .. diu wal haben an der chr des reichs.
das. 218,
v. j. 1313, chur
die gesamte wahlhandlung, wal
die ausübung des einzelnen wahlrechtes, abgabe der stimmen; aber auch wal des richs 305.
So wechselte man mit beiden noch später, oder verband sie, z. b.: dann man die chur noch nit angefangen, sonder rathschlagten erst, wie man die wal anfahen wolt. S. Brant
s. 199
b Z., ebenso 200
a als sie die chur anfahen wolten,
dann also wert die wal,
von der Straszburger bischofswahl 1506.
s. auch oben 2, 627 chur oder wal, wahl und chur,
noch im 18.
jahrh. kur und wahl
unter 6,
a, auch im allgemeinen sinne kür und wahl 5,
e. Aber wal, welen
sollten überwiegen und das vermutlich ältere kiesen, kür
verdrängen; schon in der goldnen bulle ist nur von wal
die rede, wie in einem liede von der wahl Karls V. Soltau 2, 76
ff., Lil. 3, 231
ff. (künig Karl het die wale
heiszt es vom wahlergebnis str. 13),
im 18.
jh. war chur
als wahl eigentlich verfallen und vergessen, wie Adelungs
worte darüber zeigen (
s. e). II@7@dd)
der begriff gieng auch über in den der einzelnen stimme (
vergl. schon 6,
b. c),
schon früh mit stimme
verbunden oder wechselnd: darnach sprach min herre burggrave Friderich 'so bin ich hie von mins herren des konigs wegen von Ungern als eins marggraven zu Brandenburg und korfurst, und gebe desselben mins herren kore und stimme darzu von sinen wegen.
Frankfurts reichscorr. 1, 174,
bericht über die wahl könig Sigmunds 1410 (
von andern stimmabgaben das. blosz stimme); so wil ich geben min stimme und kore. 526,
vom j. 1400; lasz ich uch wissen .. daʒ sie (
Böhmen und Sachsen) ir kure auch an minen herren den konig gewant han. 210,
vgl. u. b dieselbe wendung. ebenso aber wieder wal,
z. b. sein wal geben Soltau 2, 79. 80 (
dazwischen stimme),
der churfürst von Mainz fraget umb die erst wale
u. s. w. 79. II@7@ee)
dann in den des wahlrechts, mit dem vorigen sich oft mischend: der küng von Behemen enhât nicheine kure, umbe daʒ, daʒ her nicht dûsch (
deutsch) enist.
Sachsensp. III, 57, 2;
ein wahlfürst, der sich bestechen läszt, der hât sîne kur verloren unde sol si nimmer mêr gewinnen.
Schwab. 110 (
s. 107)
Wack.; umb die chr an dem riche.
qu. zur bair. g. 6, 336,
das bair. wahlrecht; markgraf Sigmund, der di kr von der Mark het, und der herzog von Sahsen, der der kr (
plur.) auch ein het, und der kaiser, der di kr zu Beheim het. U. Stromer,
Nürnb. chron. 1, 34.
Ebenso wieder auch wal
und stimme,
z. b.: umb die wal und kre der mark ze Brandenburch, einen .. keiser ze welen.
quellen 6, 446; wann eʒ ein recht ist ... daʒ nimmê dan siben kurfursten, die dâ wal und stimme an dem rîche haben, sîn sollen. 372,
und stimme
so noch jetzt. Das ausüben des wahlrechts hiesz auch die kür kiesen (
vgl. die wal .. ze welen
vorhin): wer auch, das sich gebürte zu kisen di kur an dem reich ... von der marke wegen zu Brandenburg.
das. 417,
vgl. mnd. köre kêsen Frisch 1, 168
c,
zuerst wol zu d gehörig. Das ist denn die bed., die [] Adelung
als erste angibt, doch mit staatsrechtlicher erweiterung: »
nicht so wohl diese wahl selbst, als vielmehr das recht, das oberhaupt des reiches wählen zu dürfen, nebst allen dazu gehörigen vorrechten, würden und ländern«,
z. b. mit der chur beliehen werden, die chur haftet auf das (
so) herzogthum Baiern.
so schon im 16.
jh. und früher: herzog Henrich, an den newlich die chur kommen war. S. Frank
Germ. chron. Augsb. 1538 202
a; er (
papst Pius II.) stiesz von der chur und dem erzbistum Menz den Diether von Eisenburg. Fischart
bien. 1588 142
a; bestetigungsbrief der chur und herzogthum zu Sachsen. Albinus
meiszn. chron. (1589) 215; das land und chur der mark zu Brandenburg. 216;
auch die witwe des kurfürsten Moritz läszt ein dichter um ihn klagen: chur und mein eigen leben und alles land damit für in hett ich gegeben ... Liliencron 4, 605
b. II@7@ff)
endlich bei Adelung »
dasjenige land, mit welchem besitze dieses recht verbunden ist, auf welches dieses recht haftet«,
z. b. mit der chur Brandenburg beliehen werden; so thust du auch, o herr! in chur und königreich (
Sachsen und Polen). Gottsched
ged. 1736
s. 561.
in zusammensetzungen Chur-Brandenburg, Chur-Sachsen, Chur-Mainz, Chur-Trier
u. s. f.; »
oft bezeichnen diese ausdrücke auch den fürsten, der ein solches churland besitzet, oder dessen gesandte«,
z. b. Chur-Mainz hat das directorium auf dem reichstage zu Regensburg, Chur-Baiern erklärete,
d. i. der gesandte. II@7@f@aα)
vom lande z. b.: wann es nach deim wunsch gieng daher ... dasz schon Chur-Sachsen ganz dein wär. Opel
u. Cohn
30jähr. kr. 320; in Westphalen .. macht sich landgraf Wilhelm von Hessen .. in Kur-Trier die Franzosen furchtbar. Schiller 937
b; um die .. minder zu fürchtenden fürsten des Kurrheins seine macht empfinden zu lassen. 943
b,
das kurfürstliche Rheinland. die Kurmark,
endlich Kurhessen. II@7@f@bβ)
vom fürsten selber: kam Chur-Sachsen in schneller eil (
zugleich das heer). Opel
u. Cohn
30jähr. kr. 276; dasz Churpfalz (
dat.) die kron des reichs blühe schon. 268; Churbayrn ist seider vergangen mittwoch wider weg (
von einem besuch in Versailles). Elis. Ch. v. Orl. (1871) 143; Kur-Böheim macht den beschlusz (
beim krönungszuge). Krünitz 53, 763; Kur-Köln und Kur-Trier hatten über zwanzig staatswagen, Kur-Mainz allein eben so viel. Göthe 24, 303; die drei geistlichen kurfürsten hatten (
beim krönungsmahle) .. auf einzelnen estraden platz genommen, Kur-Mainz den majestäten gegenüber, Kur-Trier zur rechten und Kur-Köln zur linken. 327. II@7@f@gγ)
dazu auch die adj. kurtrierisch, kurpfälzisch, kursächsisch, kurhessisch
u. s. w., auch subst. der Kurmärker, Kurpfälzer, Kurhesse.
nl. Keurbrandenburg, Keurpalts
u. a. Halma 313
b. II@7@gg)
auch chur
selber kurz für churfürst,
z. b. ein gut katholisches klaglied auf Tilly v. j. 1633
rühmt ihm u. a. nach: ihre (
l. ihr) majestät und churn war er gehorsamb ganz. oft, da vil thäten murren, wart er auf ordinanz. Körners
hist. volksl. 319,
dem kaiser und seinem churfürsten; churen,
wie der reim verlangt, mit -en,
um den dativ auszudrücken, nachklang des alten kure,
vgl. den schwachen pl. I, 2,
b, aber eben darum wol noch als fem. gefühlt, während Kur-Pfalz
z. b. vom kurfürsten schwerlich als f. gebraucht war: ich bin fro vor die arme Pfälzer, dasz Churpfalz sich einmahl resolvirt hat, seine unterthanen besser zu tractiren. Elis. Ch. v. Orl. (1871) 106.
die kürzung war übrigens vermutlich befördert durch die kürzende formel chur- und fürsten (
s. unter kurfürst 3).