Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Kinn n.
Kinn n.
Kinn n. ‘Gesichtsvorsprung am Unterkieferknochen’. Die zum Teil in andere Deklinationsklassen übergetretenen bzw. (im Dt. und Nl. zum ja-Stamm) weitergebildeten germ. Formen ahd. kinni (9. Jh.), mhd. kinne, kin, asächs. kinni, mnd. mnl. kin, kinne, nl. kin, aengl. cin(n), engl. chin und (mit der jüngeren Bedeutung ‘Wange’) anord. kinn, schwed. kind, got. kinnus weisen im Vergleich mit den außergerm. Formen auf einen ie. u-Stamm, der sich im Got. deutlich erhalten hat. (Das doppelte n in germ. *kennu- ist aus einem überall durchgeführten ursprünglichen -nu̯- obliquer Kasus hervorgegangen.) Zusammen mit den germ. Zeugnissen führen griech. génys (γένυς) ‘Kinn, Kinnbacke’, lat. genuīnus ‘Backenzahn’ (neben umgebildetem lat. gena ‘Wange’), kymr. gen ‘Wange, Kinn’, air. gi(u)n ‘Mund’, aind. (mit sekundärem, ie. g̑h- entsprechendem Anlaut) hánuḥ ‘Kinnbacke’ dazu, ein ursprüngliches Femininum ie. *g̑enu- ‘Kinnbacke, Kinn’ zu erschließen. Offen bleibt, wieweit ein Zusammenhang mit den unter Knie (s. d.) behandelten (im wesentlichen in neutralen Substantiven erscheinenden) Ausgangsformen ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ besteht. Semantisch wären die ie. Formen sehr wohl unter einer Grundbedeutung ‘Krümmung’ zu vereinigen. – Kinnbacke f., Kinnbacken m. ‘seitlich ans Kinn anschließender Wangenteil’ (s. 1Backe), ahd. kinnibacko (9. Jh.), mhd. kin(ne)backe. Kinnlade f. ‘(Unter)kiefer’ (18. Jh.), eine anfangs scherzhafte Bezeichnung im Sinne von ‘Zahnbehältnis’ zu Lade ‘Behälter’ (s. d.).