Kaule
Allg. mit Ausnahme der bei
Kaute gen. Geb. im Rhfrk, u. zwar Rhfrk
kaul, –ǫu- [Birkf-Idar
-ō-; Wend hier u. da
--; Saarbr - GrRossel
-u-]; Mosfrk
-ǫ·u.- [Merz-Losh
-·y.-]; Rip
-ū:- [Malm, WMonsch, Aach, Eup
ku·l.]; Berg
kū:l [ö. Ürd.-L.
kūlə; Sol, Mettm, Düss
ku·l.]; SNfrk
ku·l. [Selfk
kū:l, -ū·ə.-], aber Pl.
kūlə, Demin.
ky·l.kə; Klevld
kul [NKlev
-y-]; Pl.
-lə(n) [in Mörs zu
kul Pl.
kūlən], Demin.
kailχə(n), –ęi-, –ę·i.-, –ø·y.-, –ȳ:-, –y·l.-, –kə (ky·l.əkə, ky·l.tjə) f.: 1.a. flache Grube von geringer Tiefe, von Natur oder ohne Absicht entstanden; Vertiefung im Boden, in der Wand, im Bette (Stroh, Heu als Lager), am Körper udgl.; die K. im Boden ohne Wasser oder mit zusammengelaufenem Wasser gefüllt [
en K. Water Wasserlache Emmerich;
en Waterk. Mörs;
fulle K. grösseres Loch mit stehendem Wasser Geld-Kevelaer]. α. im allg. Sinne:
de Wies meht (mäht)
sich net gut, se hot ze viel K.ən Bitb, Allg.;
he mackt Gatter en Külle Klev-Mehr;
dot geht över K.ən on Gater über Stock u. Stein Erk-Elmpt;
de Hohnder (Hühner)
mache K.ə beim Scharren, beim Baden Rip, Allg.;
de micht K.ə beim Pflügen Aden-Engeln;
hei hät K.ən en't Gesech Blatternarben Mörs, Allg.;
der treck (zieht)
sich K.ən en de Backen beim Rauchen MülhRh, Allg.;
en hat K.ən hanner (hinter)
den Ohren ist hinter den Ohren vor Magerkeit eingefallen Trier-Mehring, Allg.;
en K. en et Bett SNfrk, Allg.;
he hät sich en freselich (schreckliche)
K. en der Kopp gefalle Schleid, Allg.;
der wannt (wohnt)
en er K.; dem seng Hus lit en er K. in einer Mulde Rip, Allg.;
den es en de K. gefall, — en en K. gerot (geraten) Saarbg, Allg.;
dat Vogelsnast steht an (in)
em Keilchen Bitb, Allg.;
Külleke Vertiefung im Strassenpflaster Klev;
Hondsk. Hundelager, –hütte Prü
m. RA.:
Steəren (Sterne)
a jen Hömmel, K.ən e jen Steng (Steinen) Aach-Stdt.
Wenn et Kalf versoffen es, küt en Lehn öm de K. Köln-Stdt.
Mach dich an dei K.! geh an deinen Platz am Tische Zell-Trarb.
Der kommt aus käner K. (eraus) er ist im Wachstum zurückgeblieben u. kränkelt Ottw.
Die setten K.ən en de Bänke die zu lange im Wirtshause hocken Gummb-Berghsn. Um einen Junggesellen zu necken:
Bett met twe (2)
K.ən; en K. es luter (immer)
dren, ävver twe, dat es verdächtig! ebd. Sek en Külchen scherren sich im Sande baden, von Hühnern, sich ins Bett schlafen legen Gummb.
Mer secken (seichen)
en e Külchen sind gut freund Rip, Eup;
mir hant als Kenger (Kinder)
all samme en e Küllke gepischt on dann möt e Steckske dren geruhrt (gerührt) wir sind von Kindesbeinen an bekannt u. befreundet MGladb-Rheind, Elbf.
Muff en de K. Zwietracht in der Familie Dür-Gürzenich.
Has sot (sass)
en der K.ən, hatt en Blättschen en der Mulen, sot do on schlep (schlief) NBerg.
Lamet en der K.ə soss on schlef, L. hot der Putekramp (Podagra),
dat he sich net wege kann Dür-Stdt.
Heija, Kengkche (Kindchen),
ech wegen (wiege)
dich, all Gottsengelcher hollen dich en dat defe (tiefe)
Külche usf. Bergh-Blatzh.
Hot (Holz)
schniə (schneiden),
alle die Wiə (Weiden),
Klompe make, dat se krake, Melkske (Milch)
wälle, Geldsche tälle (zählen),
put ch, do leggs de en de K. Geilk-Bauchen. — Rätsel.
Wenn mer jet devan deht, da wiərd et grüəder; wenn mer jet debei deht, wiərd et klender Eusk-Sinzenich, Mörs-Eversael. — β. häufig in FlN, wie
Katzen-, Rüttes-, Pettersch-, Stöckeschküllke MGladb-Giesenk;
Kaneskul Bergh-Elsd;
de häss (heisse)
Käul Merz-Losh;
de K. Stadtteil von Bonn mit der berühmten
Kuler Kirmes. — γ. Gewässer bei Kemp, Niep, Tönnisbg usf., Reste alter Rheinläufe. — δ. die Lochseite des Ziegen- oder Hammelsknöchelchens, beim Bickelsp. gebraucht, heisst
kǫ·u.l Wittl-Cröv;
kȳ:l Schleid-Wollenbg;
kyl Remschd (die andern Seiten
Bock, Ständer, Pöpp);
kȳ:lχərə Aach-Eschw;
ky·l.kə Kemp-UWeiden
(Bückske, Hartsche Herz,
Stöhnerke); ku·l.ā: Monsch
(Büchelche, Röggelche, Bulla);
kyldərt Kemp-Kaldenk;
kyldər(s), -dərkə Geld, Mörs, Klev, Rees;
kylər Rees-Blumenkamp;
γəkyldərkə(s) Geld-Schravelen
(Bücker oder
Bock, Stönder oder
Setter, Göter oder
Blötters). — ε. am menschl. Körper. αα. euphem. Gesäss;
ich dreden der än (eine)
en de K., dät de geckig gescht! Merz, Dür-Frauwüllesh. — ββ. Halsgrube, meist
Hals-, Läusk. Allg. RA.:
Dau kanns mer de Bockel erafkraweln un an der irschter K. Mettich (Mittagessen)
machen! Wittl. — γγ.
kailχə(n) usf. Demin.
n. Grübchen im Kinn u. Wangen;
dat Könd hät grad wie senge Vatter en Külche em Kenn; wann die lach, krig se K. en de rut Backe Rip, Allg. RA.:
E Küllke em Backe (Kenn), ene Schelm em Nacke MGladb, Elbf;
en Küllschen em Kenn hät nen krusen Senn; en K. em Backen hät nen Schelm em Nacken Sol, Köln-Stdt;
Külchen em Kenn, falsche Senn; K. em Backen, falsche Kracken Sol-Burschd.
Et Hetzekülche Herzgrube Rip. — δδ.
kǫ·u.lən Pl. Zahnlücken Bernk-Zeltingen. — εε.
ky·l.əkə die empfindliche Stelle am Ellenbogen Düss-Rating;
geckig Keilche Simm-Schlierschd. — b. von Menschen zu bestimmten Zwecken gegrabene Grube, u. zwar α. euphemist. Totengrab Allg.;
he drift et so lang fort, bes he in der K. lit Waldbr;
mach, da küste en et deuster Käulche! Aden-Liers;
de schwartz K. MüEif;
Pierekull SNfrk, Klevld. — β. grosses Erdloch, meist viereckig, in das man Wurzelgemüse, bes. Kartoffeln, Runkel-, Mohrrüben, Erdkohlrabi, Blätter der Zucker- u. Runkelrübe für den Winter einmietet, indem man sie mit Stroh umgibt u. deckt u. darüber Erde aufschüttet,
Eərpels-, Rummele-, Röbe-, Ronkelröbe-, Muhre-, Speisk.; Engemäcks-, Patschk. für die Blätter (
s. d. W.) Allg.;
et früst (friert)
en de K.ə wenn es so kalt ist, dass die in Gruben aufbewahrten Früchte erfrieren Selfk, Allg.
K.ə haue Löcher graben zum Einsetzen der Weinbergspfähle Ahrw-Rech. — γ. die K., in der der Flachs (Hanf) gebrächt wird,
Flachs-, Brech-, Nickk. Allg. — δ. die K., in der die Mistjauche zusammenläuft, Mistgrube,
Mestk. Allg. — ε. die K. zur Aufnahme der Asche unter dem alten Herd, dem Backofen,
Äschk. Allg.;
Schümmelsk. MGladb. — ζ. Schindkaule Allg. — η. die K., in der der gelöschte Kalk aufbewahrt wird,
Kalkk. Allg. — θ. Gerbergrube Mosfrk. — ι. Kohlenmeilerstelle Eif (veralt.). — κ. Senkgrube für Abwässer,
Senksk. Kemp-Vorst. — λ. Grube zur Gewinnung von Materialien. αα. Steinbruch,
Steink. Rhfrk, Mosfrk. — ββ. Schieferbruch,
Leienk. Rhfrk, Mosfrk. — γγ. Lehmgrube,
Lehmk. Allg. — δδ. Sand-, Kiesgrube,
Sand-, Kisk. Allg. — εε. Gipsgrube,
Gapsk. Saar. — ζζ. Mergelgrube,
Märgelsk. Rip. — ηη. Ziegelgrube,
Zigelsk. Rip. — θθ. Kohlengrube;
heə werkt (schafft, arbeit) op en K., — geəht op de K. Aach, Allg., auch
Kohlk. Saarl, MüEif, Selfk;
Kaulkaul Merz-Mond;
Hüəger Küllke Kohlenzeche von Aach-Höngen. — μ. eine mit der Hand oder dem Schuhabsatz gedrehte halb kugelrunde Grube bei Kindersp. αα. die K., in die beim Klickersp.,
Külchesspell, die Klicker rollen Allg.;
en K. mache (driəhne) Rip, Allg.;
loss mer Külche doəh! Ahrw-Calenborn;
der Kaul spillen Trier;
en de K. spiəle Erk-Örath;
Külche spille Rip;
Keilches duhn (spillen) Rhfrk, Mosfrk. Die allgemeinste Art ist folgende: nachdem die K. gemacht ist, wird in einiger Entfernung davon der Aan gezogen; von hier aus versucht nun jeder Spieler der Reihe nach seinen Spielstein in das
Külche zu schiessen, wobei jeder Stein an der Stelle, wohin er gerollt ist, liegen bleiben muss; gelingt es bereits dem ersten, so darf er von der K. aus irgendwo hin schiessen, damit er nicht von einem Nachfolger getroffen wird; denn wer getroffen wird, muss aus dem Spiel; sind dann alle an der Reihe gewesen, dann darf der erste, der bereits
Külche hät, von seinem Platze aus auf einen Nachbar schiessen, der ihm, wenn er getroffen wird, einen Spielstein als Gewinn geben und aus dem Spiel gehen muss; auf einen Mitspieler darf jedoch nur der schiessen, der im
Külche gewesen ist; von hier aus darf er dann eine Spanne weit vorrücken und schiessen; so suchen also die Spieler sich gegenseitig aus dem Spiele zu drängen und sich ihre Gewinne abzunehmen; der letzte ist dann im Besitz aller Gewinne Dür, Allg., oder der Einsatz wird in eine K. gelegt u. danach von dem
ca. 5 m entfernten Malzeichen aus mit den Schiessklickern geworfen; die aus der K. fliegenden Einsatzklicker gehören dem Treffer Allg.; diese Spiele heissen ausserdem:
Küla Köln-Bickend Ehrenf;
Küllche hü Aach-Bardenbg;
Külche (Küllke) schmiten Nfrk;
Külche schibbele Dür, Wermelsk, Gummb;
Küllke schiefele MGladb-Odenk Geistenbeck, —
räulen Mörs, Ruhrort, —
schete (schesse) (schiessen) SNfrk, Rip, Berg;
Kulls hauen Sol, Wippf;
Külchen h. Sol-Leichl;
Kulen h. Remschd;
Küllke h. Klev;
Külleke hacke Mörs-Birten;
Küllekes buseln Mörs;
Küllke pecke SNfrk;
Küllche becke Aach-Neusen Würselen;
Külche flitsche Schleid, Dür-Poll, Neuw-SKatharinen;
en't Külche precke Dür-Pier;
Küllekes knepsen Rees-Isselbg;
Külche knepse Bo;
Kull uskneppe Aach-Stolbg;
Külleken knickern Dinsl-Gahlen;
Külche tätsche Köln, —
titsche Sieg;
Kulen tetsche Sieg-Süchterschd;
Käulche dippe Aden;
Küllkes tecke Kemp-Boish;
Külches trätsche Sieg-Rhönd;
Külche wippe Sieg-Eudenb;
Külken römmeln Ess-Kupferdreh, —
trummeln Gummb-Dümmlinghsn;
Küllkes drive (treiben) Grevbr-Wickr, MGladb-Rheind;
Küllke hänsele Geld-Walbeck;
Küllche tülle Aach-Brand;
Külleke raubauzele Duisb;
us em Külche haue Bo-Rösbg Waldrf;
en de Kul Köln-Sinthern; derjenige, der die K. macht, ruft:
Küllke min (mein)
! Kemp-Lobberich Lüttelbracht, Geld-Hinsbeck;
ösch (erst)
op Kull! der zuerst das Klickern beginnt,
letz op K. der letzte Eup-Moresnet;
Kuliənt (1), —
twei, — drei! der einmal (2-, 3-) den Gegner trifft Lennep; ein anderes sehr beliebtes Spiel ist folgendes: ein Spieler gibt einem andern eine Anzahl Klicker; dieser legt die gleiche Zahl dazu u. wirft sämtliche Kl. auf einmal in die K.; bleibt eine durch zwei teilbare Anzahl in der K. liegen, so gehören sämtliche Kl. dem Werfer, andernfalls dem Partner
(paar of omp); dies Spiel heisst:
Külchen werpen OBerg, Sieg, MülhRh, Bergh;
en't Külche werpe Malm-Mürring;
Külche pumpen Köln-Morring;
Külche stucke Jül-Gereonsw;
Külleke st. Rees;
Kull st. Eup;
Küllche stecke Jül-Hasselsw;
Külchen stoten Gummb-NSessmar;
Kule preckeln (die K. hat noch dazu zwei Rinnen) Mettm;
Küllke schiefele MGladb-Odenk;
Kaul schlohn Altk-Keschd;
en de Kul Jül-Inden, Koch-Pommern;
Kul-eintchen, –zwettchen usf., je nach der Zahl der beigesteuerten Klicker Sieg-Süchterschd; andere Spiele:
Külleke sette in drei K. je zwei Klicker eingesetzt; vom Mal aus rollt der Spieler nach diesen Kaulen, wenn er den ersten oder zweiten Kl. aus einer der drei Kaulen herausgeschossen hat, darf er nach dem Ausrufe
schött! auch auf die andern zielen Rees;
drei Kulle — sechs Schöss man muss versuchen, den
Dotz (Kl.) schibbelnd nacheinander in die drei Kaulen zu bringen u. gelegentlich den feindlichen
Dotz sechsmal zu treffen Düss-Stdt;
Kul drei Elbf;
Kulhundert Gummb;
den dretten en de Kul Wippf-Hardt. —
Kullefälles (Kaule gefälligst)
! Ausruf beim Klickersp., der den Partner auffordert, seine Klicker in die K. hineinzuschnellen Aach-Stdt. — ββ. die K. beim Sausp. (
s. d.) Allg.;
Keilchesspiel Bernk;
Küllken uttrommeln Mettm-Langenbg;
Kullemulle, Sauskloppe MGladb-Viersen;
Kulkulusspill Schleid; beim Wechseln der Kaulen wird gesungen:
rummel di bumm, wer kein K. hat, der is drum! Bernk:
K. öm, wer ken Loch hät, es dröm! Schleid-Reschd, Neuw-GrMaischd;
alle, balle, bulle, met de Fut (Fuss)
en de Kulle! Mörs-Orsoy; scheidet ein Spieler für einen Augenblick aus, so legt er seinen Stock quer über die K. u. ruft:
K. verbrangt! Sol;
K. verboən! Gummb. — γγ. die K. beim Ballsp.; ein Ball wird in eine K. gelegt; alle Spieler treten darauf im Kreise um die K.; dann sagt einer:
Balle, B., Kule, schnipp-schnapp Schnule, Prümmtebak (Kautabak),
en wat för en Hand; darauf nennt einer der Nächststehenden einen Spieler, der schnell den Ball greift u. den andern Füchtenden ‘
stand!’ zuruft u. dann auf irgendeinen wirft; beim Werfen muss er mit der linken Hand das rechte Ohr fassen Sol-Schlebusch;
Balle, B., Kula MülhRh;
Kule, K., Appelkule, Kontermann, in welch Hangk? Jül-Linnich;
a, ba, Kulen Elbf;
Kulle kull MGladb-Giesenk;
Kaulches Trier-Conz; der Ball wird in Kaulen gerollt,
Külleke(s) rölle Klev;
Külchen töckeln Gummb;
Külleke min mit sechs Löchern Kemp-Lobberich. — δδ.
Kulle kippen Verstecksp., Ruf dabei:
Kulle kipp! Mörs-Binsh Marienbaum. — 2. übertr. a.
kū:l eingemauerter Kessel zum Kochen von Viehfutter;
stoch de K.! Sieg, Sülzt, MülhRh;
bewegliche K. verstellbarer Viehkessel Sieg-ODollend. — b.
kǫ·u.lən Pl. das untere Ende des Sackes May-NMendig. — c.
kęilχə die Luftblasenvertiefung eines gekochten (geschälten) Eies Saarbr-Püttl, Allg.