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kaule

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kaule f.

Bd. 11, Sp. 349
kaule, f. kugel, und kugelförmiges ding, ein gleichfalls und zwar wesentlich oder nur mitteldeutsches wort. 11) sphera, cule. Dief. 546a 14. oder 13. jh., Rothe thür. chron. c. 91; globus, kaule. Dief. 265c 15. jh.; globus ein kugel, kaul, hemisphaerium halbe kaul. Alberus. zuerst im 12. jh. bezeugt durch cûl- in zusammensetzungen, s. kaulhaupt; in Athis und Prophilias C* 87 kûle gleich klôʒ 88, es ist ein bal (94) zum ballspiel, der ist als ein kûle alsô grôʒ. besonders 1@aa) spielkugel (das mag wol die älteste kugel sein): so leuft die kaul, wen man ein christ ist mit dem maul. Ringwald tr. Eck. F 7a (8b), d. i. 'so geht es', eine redensart die vom kegelschube stammt, wie zwischen kaul und kegel kommen Eyering 2, 384, Schottel 1115a, 'zwischen thür und angel', in die klemme; schon die kûle in Athis und Pr. mag eher kegelkugel sein, als garnknäuel (s. c). du solltst ihn sehn wenn er die kaule treibt. Rost schäferg. 141 (122), ausg. 1744 s. 180, s. dazu unter sau. bei Steinbach kegelkaule, eine kaule fort schieben, pl. kaulen; bei Trochus boszkuel (s.boszkugel), ludere spheram der boszkulen (spielen) D 3a, ludus globaris der kueln 2b; daher kulenspeler, kegeler, anz. des germ. mus. 1856 304, 15. jh. Kaule ist noch schles., laus., nordböhm. Frommann 2, 31, in Posen, Sachsen (in Leipzig nur noch kullerkaule in der kindersprache, spielkugel), in Thüringen kûle und kaule (kaul Stieler 907), ferner wetterauisch kaul f. (kegelkugel, nie gewehrkugel), ebenso deutschungr. Schröer 68b, in Sonneberg (kaulbahn kegelbahn u. a.) Schleicher 68, mittelrh. kaul, kul f. Kehrein 250, henneberg. kaul m. Frommann 4, 317 (ein masc. kaul s. auch unter e), in Hessen aber kulle, wie auch schles. kulle besteht Weinh. 49a, sächs. kuller f. und kauler f. (z. b. Oschatz), vgl. u. d und kaulern. s. dazu käulchen und kaulen. 1@bb) bleikugel u. a.: plumbata pila, bleikaul. Alberus. von steinkoilen, steinernen geschützkugeln spricht Wierstraat reimchr. v. Neusz 3154, nrh. koile für kuile? 1@cc) schles., oberlaus. auch garnkaule garnknäuel, kaule zwirn, ferner butterkaule, fleischkaule, käsekaule, klosz als speise. Weinh. 42a. Anton 2, 4, vgl. käulchen. 1@dd) in Sachsen findet sich auch kaule gleich krauthaupt, auch kaulkopf, und sellerikaule oder käule, für die runkelrübe kaulerübe, runkelkaule. auch die samenknoten des flachses heiszen sächs. kaulen (Erzgebirge), die fruchtknoten der kartoffelstaude kaulen, kauler, kaulerte. im Osterlande aber ist kaule auch die kartoffel selbst, wie böhm. kula 'runder erdapfel'. 1@ee) diesem kaule gleich kaulkopf entspricht es, dasz kaule auch gleich dem fisch kaulhaupt vorkommt, deutsch-böhm. kaul m. Nemnich. schon im 15. jh. kule, allota. Dief. 24c, capito 97c, und hier auch mnd. vgl. kauling. 22) in folg. stelle möchte es vielmehr keule sein (ich konnte sie aber nicht selbst nachsehen): er war nicht faul und bracht mit sich ein bleien kaul, hatt noch darzu zwei waffen fein, ein wurfbart und ein schöffelein. Alberus Aesop 1550 s. 58 (andere ausg. 49b). Trochus gibt clava, kuele M 5b (ue meint û, wie in Luthers stuel u. a.), ein md. oder rhein. voc. 15. jh. clavare, mit kulen slan Dief. 126a, andere contus vischekule 148a, Trochus N 4a auch kule cluniculus, 'keule' am thierischen körper, wie die keule mnd. kûle heiszt. sie ist wol nämlich, wie der speer, gêr von der speerspitze als der hauptsache, von dem runden, 'käulichten' ende benannt, das mhd. auch kiule heiszt (Parz. 570, 6), und Albers bleien kaul meint wol nicht keule ganz von blei, sondern eine mit blei im knopfe, wie blîkolbe Eneit 6893. das mhd. kiule aber ist im mitteld. nach dessen lautgesetzen eben kûle, und noch heute heiszt die rohrkolbe, typha bumskeule (Nemnich) und bumskaule Bernd Posen 33, der kaulkopf oberd. keulkopf, der kaularsch fränk. keilarsch. eigen ist dabei nur, dasz das hd. kiule wie das nd. kûle die bed. kugel nicht zeigen, die doch demnach die ursprüngliche ist; da hätte denn einmal die mitteld. sprache allein das alte bewahrt. in zusammensetzungen übrigens greift kaul- mehrfach ins oberd. gebiet hinüber (s. bes. kaulhaupt), bei kaulbarsch auch ins nd. (s. auch u. 1, e), obwol da stets auch 'keule' gemeint sein könnte (s. u.kaulfrosch); überhaupt hat es in der zusammensetzung allein sich schriftmäszig erhalten. 33) dasselbe wort wird sein: lausitzisch kaule beule, geschwulst, käulchen geschwollene halsdrüsen. neues laus. mag. 30, 242; und ebenso in Sachsen, Thüringen, doch unters volk zurückgedrängt, auch überbein, gichtknoten u. ä., und ebenso mit umlaut käule, wie unter 1, d und wie keule urspr. gleich kaule ist. das ist aber wieder rest eines alten gebrauchs: livor (beule), kule, und cambuca, morbus, kule. Dief. 334c. 92b aus rhein. vocc. aus dem anfang des 15. jh.; cancer (geschwür), kewle. 94b, gleichfalls md. 15. jh., auch kolbe (gleich keule) hatte diese bed., sodasz an der einheit des worts kein zweifel ist. Es ist aber noch weit älter, denn es taucht überseeisch auf, nordenglisch coul, caul, cawl geschwulst, geschwür (ags. cûle?), ebenso altn. isl. kûla f., schwed. norw. kula; ferner ebenso altengl. kile Halliw. 494a, das auf ein ags. cŷle raten läszt, und altn. isl. kŷli n. m., norw. kyla f., schwed. dial. kyle m., sie stimmen zu käule, mhd. kiule. Auch engl. choule kropf der vögel ist wol dasselbe wort; ebenso nl. kul testiculus (und penis), kulbalgh scrotum Kil., jenes auch mnd. kulen pl. hor. belg. 7, 29b, nrh. kulleken Dief. 581b 16. jh. (wie kulle u. 1, a), wie die hode auch klosz, d. i. kugel, böhm. kulka 'kügelchen' heiszt. 44) auch in der urspr. bed. kugel nämlich ist es auszer dem deutschen bereich wiederzufinden: schwed. norw. kula, isl. kûla f. Biörn (auch altn.?). böhm. kule, koule f., dem. kulka ist kugel im allgemeinsten sinn; ebenso poln. kula (auch keule), wend. kula, aber nicht russ., südsl., altsl., sodasz man an entlehnung denken darf. ferner litt. kulẽ f., dem. kulkà f. (kule keule), und ehstn. kuhl, finn. kuula schieszkugel, entlehnt, letzteres aber auch beule (ebenso kuhlo), und blase, z. b. fischblase, kuli kugel und walze, wo entlehnung nicht mehr denkbar ist. endlich fern in Asien skr. gula m. und gôla m. kugel (und selbst mit anklang an kaule 3 gulî, kügelchen, von den blattern, s. Pictet in Kuhns zeitschr. 5, 343), womit die form und die bed. 1 als uralt und echt gesichert ist. ersteres namentlich in dem merkwürdigen verhältnis zu kugel, das dem kaule nächstverwandt sein musz (vgl. keil). auch die nebenform kulle erhält danach eine stütze als echt, wo nicht älter als kaule, sie ist auch in kullern, kollern, und es ist erwähnenswert dasz sich da wieder eine form mit h an stelle des k zeigt (s. sp. 306. 349, auch kaupe) in dem md. hullern kollern und 'rund machen' (henneb. Fromm. 3, 133). 55) merkw. ist ein landsch. md. kaule gleich kaute flachs, s. d.
6938 Zeichen · 235 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    KauleDie

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    † Die Kaule , Mz. die — n . 1) Eine Kugel. Dies Wort kömmt in den Zusammensetzungen Kaulbörs, Kaulhaupt, Kaulquappe  vo…

  2. modern
    Dialekt
    Kaule

    Rheinisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Kaule Allg. mit Ausnahme der bei Kaute gen. Geb. im Rhfrk, u. zwar Rhfrk kaul, –ǫu- [ Birkf-Idar -ō- ; Wend hier u. da -…

  3. Sprichwörter
    Kaule

    Wander (Sprichwörter)

    Kaule 1. Die Kaule läuft so. D.h. so geht es. »So leuft die Kaul, wenn man ein Christ ist mit dem Maul.« ( Ringwald. ) 2…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kaule

47 Bildungen · 46 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

kaule‑ als Erstglied (30 von 46)

kaulech

LothWB

kaul·ech

kaulech [khauleχ D. Si. ] adj. mit Vertiefungen versehen: kauleje Bodem; e k. Stek Land. — lux. 215 ebenso; mnd. kulich.

kaulein

DWB

kaul·ein

kaulein , n. kleine kaue: ( so ) wohne man in seiner hütten, bleibe daheime in seinem kawlein. Mathesius Syrach 1, 57 a .

Kaulenauge

RhWBN

kaulen·auge

Kaulen-auge Wuppergeb. n.: Scherenauge, auf dessen Rand K. als Verzierung angebracht sind.

Kaulenaus

RhWBN

kaule·naus

Kaulen-aus ky˙l.yt (grosser Brachvogel) gehört nicht hierher; der Vogel ist nach seinem Ruf benannt.]

Kaulenball

RhWB

kaulen·ball

Kaulen-ball Trier , Eusk-Zülp , Aach-Eschw ; kę·i.lχəs- Prüm ; -ȳ:- Sieg-Eitorf , Grevbr ; ky·l.kə- MGladb-Helenabrunn m.: ein Ballsp.; sovi…

Kaulendopp

RhWB

kaulen·dopp

Kaulen-dopp kȳ:lχəsdǫp Eusk-Rheder Weingarten ; ky·l.əkəs- Düss-Stdt ; kę·i.lχəs (dildǫp) Merz-Saarhölzb m.: Kreisel, der auf der Kopfseite …

Kaulendutz

RhWB

kaulen·dutz

Kaulen-dutz -ǫ- Bergh m.: dicker Klicker aus Stein oder Gips, mit dem nach der Kaule 1 b μ αα geworfen wird.

Kaulenkadett

RhWB

kaulen·kadett

Kaulen-kadett Bo-Stdt m.: einer aus dem berüchtigten Stadtteil Sandkaule, auch K.kerl.

Kaulenkind

RhWBN

kaulen·kind

Kaulen-kind -ki˙ŋ.kə Geilk-Immend n.: Hüllname für noch ungetauftes K.

Kaulenlänger

RhWB

kaulen·laenger

Kaulen-länger kū:lę·ŋ.ər Düss-Elsiepen Serm m.: Schreckgespenst für Kinder, in Kaulen hausend.

Kaulenloch

RhWB

kaulen·loch

Kaulen-loch ku·l.ǫk, –lkskə (s. S.) Grevbr-Hochneuk , Düss , MülhRuhr , Ess-Werden n.: 1. Kaule, bes. zum Stucken beim Klickern. — 2. Grab.

Kaulenmann

RhWB

kaulen·mann

Kaulen-mann m.: 1. Bergmann, Steinbrucharbeiter Mayf. — 2. übertr. a. ku·l.əmę·n.kə, Pl. -kəs Erdgeist, Heinzelmännchen Heinsb-Schalbr . — b…

Kaulenmeister

RhWB

kaulen·meister

Kaulen-meister kū:lmēstər Köln-Kalk Widdersd , Bergh-Hüchelhv (kǫ·u.əl-) m.: dritter im Range der Knechte, der bes. die jungen Pferde anlern…

Kaulenmesser

RhWBN

kaulen·messer

Kaulen-messer (s. S.) Wuppergeb. n.: Buntschälmesser mit länglichen Kaulen in der Klinge.

Kaulenmöpp

RhWB

Kaulen-möpp ku·l.mp Aach-Merkst m.: Neckn. für den Bergmann.

Kaulenmutze

RhWB

kaulen·mutze

Kaulen-mutze kū:lmuts f.: 1. kurze, irdene Tabakpfeife Wurmgeb . — 2. übertr. Neckn. für den Bergmann Jül-Mersch .

Kaulenpack

RhWB

kaulen·pack

Kaulen-pack Bo-Stdt n.: das niedrige Volk, das in dem Stadtteil en der Kul wohnt, Gesindel.

kaule als Zweitglied (1 von 1)

Scheidekaule

DRW

scheide·kaule

Scheidekaule, f. als Grenzmarkierung dienende Kuhle vgl. Kaule (I 1), Scheidezeichen (I) der da, wenn die hiengstweide ausgetheilet ist, übe…

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Cotta, M. (2026). „kaule". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kaule/dwb?formid=K02865
MLA
Cotta, Marcel. „kaule". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kaule/dwb?formid=K02865. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kaule". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kaule/dwb?formid=K02865.
BibTeX
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