hergehen,
verb. incedere, accedere. 11)
mit persönlichem object, in eigentlicher sinnlicher bedeutung: gehe her, ich wil dir den man zeigen, den du süchst.
richt. 4, 22;
gewöhnlich wird das her
durch praepositionen noch näher bestimmt, und seine stellung ist dann nach dem zu her I, 4
sp. 1001
gesagten zu beurtheilen: las alle kriegsmenner rings umb die stad hergehen.
Jos. 6, 3; und alle seine knechte giengen neben im her, .. und alle Gethiter .. giengen fur dem könige her.
2 Sam. 15, 18; ire fürsten sind, wie die wider, die keine weide finden, und matt fur dem treiber her gehen.
klagel. 1, 6; er gienc gein Gâwâne her.
Parz. 570, 7. 22)
unsinnlicher, 2@aa)
von herannahenden und sich zeigenden tages- und jahreszeiten, naturerscheinungen u. ähnl.: da gehet ein new wetter her. Luther 3, 35
b; alle tage der welt werden umb den abend finster, wenn die nacht bergehet. 4, 310
b; da gieng gleich der abend her. Götz v. Berl. 82; eʒ geet ein kalter winter her.
volksl. des 15. jahrh., bei Haupt 5, 417; so sitz die ganze nacht zu saufen, ... bisz das die morgenröth her geh.
grob. (
Frankf. 1568) Jv
a (
b. 2,
cap. 7); dort, wo der morgenstern hergeht, und wo der morgenwind herweht, dort wohnt, nach der mein herz hinfleht. Rückert
ges. ged. 1, 258.
auch von schicksalsschlägen, not, alter: wenn die not her gehet, sprechen sie, auf, und hilf uns.
Jer. 2, 27; wenn die not hergehet, so halten sie sich zum schilde.
Sir. 37, 5.
daran zunächst rührend, von herzukommendem widrigen und feindlichen: du kanst aber nichts denn schelten und lestern, doch las (
lasz es) her gehen lieber bock, es hilft bei dir kein gutes suchen. Luther 1, 361
b; er hat den teufel für sich, so haben wir gottes wort für uns, las frisch hergehen, sterben wir drüber, so leben wir deste herrlicher mit Christo. 8, 236
b; sihe, sie sprechen zu mir, wo ist denn des herrn wort? lieber las her gehen.
Jer. 17, 15; wen schir das alter her will gohn, so hab wir frum zu werden zit. J. Ayrer
fastn. sp. 191
a (3169, 24
Keller). 2@bb)
von dingen die sich nach einer richtung erstrecken (
vgl.her I, 4
sp. 1001): an dem reife der um den bauch des knaufs hergieng.
1 kön. 7, 20; er bawet einen umbgang, ... das er beide umb den tempel und chor her gieng. 6, 5; seine ströme giengen rings umb seinen stam her.
Hes. 31, 4; eine oberhalb jenes buschwerks hergehende uralte vierfache lindenallee. Göthe 31, 162. 33) hergehen (
wie einhergehen,
und hereingehen 2,
oben sp. 1088),
wandeln, mit dem ursprünglichen sinne sich gehend einem vor augen stellen: da aber Ahab solche wort höret, zureis er seine kleider, .. und gieng jemerlich her.
1 kön. 21, 27; eine seele die seer betrübt ist, und gebücket und jamerig hergehet.
Baruch 2, 18; so nu die kinder sich nicht selber regiren können, (wie wir sehen, wenn vater und mutter den kindern empfallen, wie sie so elend und weislos hergehen, niemand sich irer recht annimpt). Luther 4, 523
b; (
Paulus) war ein rechtschaffner gelerter Israelit und phariseer, der in rechtem eiver gegen dem gesetz und seinem vaterlande hergieng. 8, 279
a; der mit ansehnlichen der red waffen hergehende Ambrosius. Schuppius 724; wenn man unartig kinder sicht, die zrissen hergehn und zerhudelt. B. Waldis
Esop 4, 70, 59. 44) hergehen,
eine stetige entfaltung und einen verlauf von handlungen kennzeichnend, die sich einem vor augen stellen: und gehet bei inen unternander her, blut, mord, diebstal.
weish. Sal. 14, 27; liesze darauf die trompeten blasen, und alles in floribus hergehen. Schuppius 612; (
dir) ein grablied jetz zu bringen, geht hart und sauer her, mein spil will niergend klingen. Rompler 75. 55)
daran angeschlossen, gilt unpersönliches es geht her
mit einem bestimmenden zusatze, als bezeichnung einer andauernden weise des lebens oder verfahrens: wie es biszweilen unter den menschen pfleget herzugehn.
Lokmans fab. 29; wie es in menschlichen sachen pfleget herzugehen. Chr. Weise
erzn. 1; wiewol ich nicht bin gesinnet gewesen, den friedliebenden leser mit dieser leichtfertigen reuterpursch in meines knäns haus und hof zu führen, weil es schlimm genug darinn hergehen wird.
Simpl. 1, 20
Kurz; es gehet wunderlich in der welt her,
miranda in hoc seculo accidunt. Stieler 627; es soll in unsrer kirche, so weit diesz nur immer thunlich ist, von ungefähr eben so hergehn wie in einer christenkirche. Klopstock 12, 361; dasz es noch eben so gut in der welt hergehen sollte. Kant 9, 4; es geht alles auf groszem fusze her. Gotter 3, 482; bei ihm musz es grosz hergehen. Klinger 1, 73; so lustig und munter es jedoch bei uns herging. Göthe 23, 102; wenn es nicht immer zum anständigsten herging. 24, 144; wenn es auch drauszen noch so wild und wunderlich herging. 221; zum schlusse ging es am allerlebhaftesten her. 324; als ein symbol des welt- und geschäftslebens wo es auch nicht immer sanft hergeht. 31, 30; in der schlacht gieng es heisz her; wann aber hitze kümmt, müh, sorgen und beschwerden, da geht es schwitzig her. Logau 1, 108, 54; trompet und trab und trommel summt, da gehts wohl lustig her. Göthe 1, 149; müst erst mit eignen augen sehn, wies drinnen thut im haus hergehn. 13, 64; heisa, juchheia! dudeldumdei! das geht ja hoch her. bin auch dabei! Schiller
Wallenst. lager, 8.
auftr.; wenn ich von etwas überzeugt bin, geht es bei mir geschwind her. ich habe schon meinen brief im kopfe zusammengestellt. Göthe 17, 119. 66)
anders es geht her über einen
oder etwas,
in der bedeutung einer oder etwas wird angegriffen, angefallen, wobei man sich an her! (
für geh her)
den ruf der landsknechte zum sammeln vor dem angriffe (
sp. 1001)
erinnert, wenn auch die formel aus dieser zeit nicht zu belegen ist: nun gieng es über das essen her; jetzt geht es über mein geld, meine vorräthe her;
namentlich häufig auf angreifende und kränkende reden bezogen: wenn die schwester eben so unbillig gegen mich gewesen, als sie es gegenwärtig gegen Carln ist, so mag es manchmal artig über mich hergegangen sein. Lessing 12, 459 (
von 1776); gib nur acht! wie die den mund aufthut, wirds wieder über das arme haus hergehen. Göthe 11, 280; sonst ging es über einzelne personen her, jetzt soll es das ganze menschliche geschlecht entgelten. 15, 107; musz ich doch heut erfahren, was jedem vater gedroht ist: dasz den willen des sohns, den heftigen, gerne die mutter allzugelind begünstigt, und jeder nachbar partei nimmt, wenn es über den vater nur hergeht oder den ehmann. 40, 282.