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Heber

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Heber

Bd. 9, Sp. 25
Heber (Schenkelheber, Saugheber), eine gebogene Röhre mit zwei ungleich langen Schenkeln, die dazu dient, eine Flüssigkeit aus einem Gefäß mit Hilfe des Luftdrucks, der sie über den Gefäßrand hebt, ausfließen zu lassen. Taucht nämlich die mit Flüssigkeit gefüllte Röhre (a s b, Fig. 1) mit ihrem kürzern Schenkel s b in die Flüssigkeit, so wirkt der Luftdruck in beiden Schenkeln mit gleicher Stärke nach aufwärts; im kürzern Schenkel aber wirkt ihm der Druck einer Flüssigkeitssäule entgegen, die vom Flüssigkeitsspiegel bis zum höchsten Punkt s der Biegung emporreicht, während im längern Schenkel eine höhere Säule, die sich von der Mündung a bis Biegung erhebt, entgegendrückt. Der noch übrigbleibende aufwärts gerichtete Druck ist demnach im kürzern Schenkel größer als im längern und zwingt die Flüssigkeit, in demselben aufzusteigen und aus der Mündung des längern Schenkels so lange auszufließen, bis entweder die Mündung b des kürzern Schenkels nicht mehr in die Flüssigkeit taucht, oder bis der Flüssigkeitsspiegel ebenso tief liegt wie die Mündung a des längern Schenkels. Die Größe des Luftdrucks ist dabei gleichgültig; die zur Bewegung der Flüssigkeit erforderliche Arbeit wird nur durch den Niveauunterschied des Flüssigkeitsspiegels im Gefäß und der Mündung a des Hebers geleistet. Damit jedoch der H. wirksam sei, darf sein höchster Punkt nicht höher über dem Flüssigkeitsspiegel liegen, als die Höhe der Flüssigkeitssäule beträgt, die dem jeweiligen Luftdruck das Gleichgewicht hält; für Quecksilber darf also bei normalem Luftdruck die Biegung höchstens 760 mm, für Wasser höchstens 10 m über dem Niveau des Gefäßes liegen. Unter der Glocke der Luftpumpe hört deshalb der H. zu fließen auf, sobald der Druck der umgebenden Luft geringer wird als der Druck der Flüssigkeitssäule im kürzern Schenkel. Daß beim H. der Luftdruck in der angegebenen Weise wirkt, kann man auch durch die Vorrichtung Fig. 2 nachweisen. Der H. a b, dessen längerer Schenkel unter dem im Trichter d befindlichen Wasser mündet, ist mittels eines durchbohrten Korkes luftdicht in den Hals einer mit Wasser gefüllten Flasche eingesetzt; durch eine zweite Bohrung des Korkes geht eine Röhre c c, die nahe unter dem Kork endigt. Hält man nun, nachdem der H. zu fließen angefangen hat, die Röhre c c mit dem Finger zu, so wird durch den H. noch etwas Wasser ausfließen, und da durch die verschlossene Röhre keine entsprechende Luftmenge in die Flasche eintreten kann, so muß sich die in der Flasche enthaltene Luft ein wenig ausdehnen, und ihr Druck vermindert sich, bis der. Überdruck der äußern Luft gegen die innere dem Überdruck der längern Wassersäule gegen die kürzere die Wage hält. Der H. hört nun auf zu fließen, weil das in ihm enthaltene Wasser auf diese Weise im Gleichgewicht gehalten wird. Man kann diese Vorrichtung als selbsttätige Waschflasche praktisch verwerten, um beim Auswaschen von Niederschlägen das Filter stets bis zur nämlichen Höhe mit Wasser gefüllt zu erhalten. Läßt man nämlich die abwärts gebogene Röhre c c gerade im Niveau des Wassers im Trichter endigen, so wird, wenn Wasser durch den H. zufließt und das Niveau ein wenig steigt, ihre Mündung durch das Wasser verschlossen und der Zufluß gehemmt; der H. wird aber wieder auf kurze Zeit fließen, sobald der allmählich sinkende Wasserspiegel im Trichter die Mündung der Röhre c c auf einen Augenblick freigegeben und somit der äußern Luft den Zutritt in die Flasche verstattet hat. Man füllt den H. gewöhnlich dadurch, daß man, nachdem sein kürzerer Schenkel in die Flüssigkeit getaucht ist, am Ende a des längern Schenkels mit dem Munde saugt; hierdurch wird die in der Röhre enthaltene Luft verdünnt, ihr Druck wird geringer als der äußere Luftdruck, der, auf die Flüssigkeitsoberfläche im Gefäß drückend, die Flüssigkeit in die Röhre zu steigen zwingt. Bei der Vorrichtung Fig. 2 genügt es, in die Röhre c c hineinzublasen; die Luft in der Flasche wird dadurch verdichtet, ihr Druck größer als der äußere Luftdruck und treibt das Wasser in den H. Um den H. bequem durch Saugen zu füllen, ohne befürchten zu müssen, daß von der abzulassenden ätzenden oder giftigen Flüssigkeit etwas in den Mund gelangt, bringt man an dem längern Schenkel ein seitliches Saugrohr t (Fig. 3) an, an dem man, während die Mündung b´ verschlossen gehalten wird, saugt, bis die Flüssigkeit durch b in die kugelige Anschwellung des Saugrohrs zu steigen beginnt (Giftheber). Steckt man auf die Mündung t des Saugrohrs einen zusammengedrückten Kautschukballon, so saugt derselbe, indem er sich wieder rundet, die Flüssigkeit an. Als H. kann auch jeder Kautschukschlauch bequem gebraucht werden. Will man, was häufig vorkommt, mittels des Hebers Flüssigkeiten von einem Bodensatz klar abziehen, so biegt man vorteilhaft den in die Flüssigkeit tauchenden Schenkel am Ende ein wenig aufwärts, so daß die Strömung den Bodensatz nicht berührt. Auf den Gesetzen des Hebers beruht auch die Einrichtung des von Heron von Alexandria angegebenen sogen. Vexierbechers (Tantalusbechers, Diabetes, Fig. 4). In einer Öffnung des Bodens des Vexierbechers steckt eine Röhre, die an beiden Enden offen ist; über diese Röhre ist eine andre gestülpt, die von größerm Durchmesser, aber von oben verschlossen ist. Der Raum, der sich zwischen diesen beiden Röhren befindet, dient als der kürzere Schenkel eines Hebers, dessen längern Schenkel jene Röhre darstellt. Wenn man nun in das Gefäß so viel Flüssigkeit gießt, daß das Niveau derselben das obere Ende der Röhre erreicht, so ist der H. gefüllt, die Flüssigkeit fließt durch die untere Öffnung ab, und der Becher entleert sich, bevor er noch gefüllt war. Den kürzern Schenkel kann man aber auch in der Wand des Gefäßes, den längern in dem Henkel verbergen (Fig. 5). Ähnlich und im großen hat man den H. bei dem berühmten Kanal von Languedoc (Canal du Midi) angewendet. Dieser Kanal läuft an einigen Stellen am Abhang von Gebirgen fort und muß daher alles von diesen Bergen abfließende Wasser aufnehmen, infolgedessen er häufig austrat u. Überschwemmungen bewirkte. Man brachte, um dies zu verhindern, große gemauerte H. an, deren höchster Punkt sich im Niveau des höchsten Standes, den das Wasser im Kanal erreichen sollte, befand, und deren kürzerer Schenkel bis zum tiefsten Wasserstand des Kanals, der längere aber am Abhang des Gebirges herabhing. Diese H. würden, wenn sie sich einmal gefüllt haben, nicht eher zu fließen aufhören, als bis der ganze Kanal ausgeleert wäre, hätte man nicht die Vorsicht gebraucht, im kürzern Schenkel im gewöhnlichen Niveau der Wasserfläche eine Öffnung anzubringen. Sobald die H. das Wasser so weit abgeführt haben, daß es bis zu dieser Höhe herabgesunken ist, tritt zu dieser Öffnung Luft hinein, und im Augenblick hört die Wirkung des Hebers auf. Wenn man das untere Ende des langen Schenkels eines Hebers umbiegt und dasselbe in eine Spitze auslaufen läßt, so spritzt das Wasser aus dieser Spitze, die möglichst tief unter dem Niveau der Flüssigkeit liegen muß, in die Höhe (Springheber). Anatomischer H. heißt eine Vorrichtung, bei der durch den Druck einer Wassersäule eine biegsame elastische Membran angespannt wird.
7152 Zeichen · 57 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    heber

    Althochdeutsches Wörterbuch

    heber Nr 673,28 s. ebur.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    heberstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    heber stn. derjenige welcher hebt.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Hêber

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Hêber , des -s, plur. ut nom. sing. 1) Eine Person, welche hebet; in welcher Bedeutung es nur in den Zusammensetzung…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Heber

    Goethe-Wörterbuch

    Heber Röhre zum Umfüllen einer Flüssigkeit von einem Gefäß in ein anderes mit Hilfe des Unterdrucks N11,213,19 AtomismDy…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Heber

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Heber (Hihber), Reginald, geb. 1783, gest. 1826 als anglic. Bischof von Calcutta; über seine Missionsthätigkeit erschien…

  6. modern
    Dialekt
    Heber

    Schweizerisches Idiotikon · +3 Parallelbelege

    Heber Band 2, Spalte 938 Heber 2,938

  7. Spezial
    Heber

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    He|ber m. (-s,-) 1 injin da alzé m. 2 (Saugheber) sifon (-s) m. 3 (Wagenheber) crich (-cs) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit heber

72 Bildungen · 36 Erstglied · 34 Zweitglied · 2 Ableitungen

heber‑ als Erstglied (30 von 36)

heberad

DWB

hebe·rad

heberad , n. rad zum heben einer last, am brunnen zum heben des eimers; in schlaguhren rad zur hebung des hammers.

hebereht

KöblerMhd

hebe·reht

hebereht , st. N. nhd. „Heberecht“, Lohn der Eichmeister von Weinfässern in Entnahme einer Quantität Wein Q.: Urk (1334) E.: s. heben (2), r…

heberei

DWB

hebe·rei

heberei , f. wiederholtes heben, in verächtlichem sinne: denn was ist die ganze heberei der gebirge ( d. h. die lehre davon ) zuletzt als ei…

Heberer, Joh. Mich

DWBQVZ

Heberer, Joh. Mich. * 1555 /60 Bretten/Kurpfalz, studierte 1579--82 in Heidelberg †v1633.

heberëht

MWB

heberëht stN. Lohn der Eichmeister von Weinfässern, in Entnahme einer Quantität Wein bestehend? (DRW 5,503): ad rectum hebereth UrkSüdtirol…

Heberförmig

Campe

heber·foermig

Heberförmig , adj . u. adv . die Form, Gestalt eines Hebers habend, in Gestalt eines Hebers, mit welchem Flüssigkeiten aus einem Gefäße geho…

Heberi(g)

Idiotikon

Heberi(g) Band 4, Spalte 1566 Heberi(g) 4,1566

heberiegel

DWB

heber·iegel

heberiegel , m. hebebaum, hebel: ein fuder bucher ( büchener ) hebriegel. Tucher baumeisterbuch 76, 36 .

heberiemen

DWB

heber·iemen

heberiemen , m. riemen der zum heben einer last dient. heberiemen am pfeil, amentum Stieler 1610 .

heberin

DWB

hebe·rin

heberin , f. zu heber ( vgl. heben 15 sp. 731): gottes gnad ist nicht eine hegerin, sondern heberin der sünde. Heinr. Müller erquickst. s. 1…

Hebering

PfWB

hebe·ring

Hebe-ring m. : 'Ring am Pferdegeschirr, durch den der Strang bzw. die Lanne gehalten wird', Hebring [KB-Stauf]. Südhess. III 201 . —

heberlinc

Lexer

heber·linc

heberlinc dass die vischer ainander beschauen, damit nit häberlîng tolben gefangen werden Schöpf 229 ( 1499 ).

heberling

DWB

heber·ling

heberling , m. : iezundt ist man nur zuvil witzig und ist doch selbige witz mit aim rohen heberling versigelt. Zimm. chron. 1, 460, 34. was …

Heberlis

ElsWB

heber·lis

Heberlis [Hêpərlis Rädersd. ] Gen. Syn. Fangspiel der Knaben.

hebĕrnum

AWB

hebĕrnum Gl 2,356,4 s. hæfern.

heberolle

DWB

hebe·rolle

heberolle , f. rolle in der zu erhebende abgaben verzeichnet sind: eine gleichmäszigere vertheilung der steuern und eine verbesserte heberol…

Heberollen

Meyers

heber·ollen

Heberollen ( Steuerrollen, Steuerlisten ), amtliche Steuererhebungslisten, die den Namen des Steuerpflichtigen und die von ihm zu entrichten…

heberstange

DWB

heber·stange

heberstange , f. eiserne stange, über der der klempner die röhren zu einem heber biegt. Jacobsson 2, 241 a .

heber als Zweitglied (30 von 34)

Urheber

RDWB1

Urheber m автор инициатор зачинщик, застрельщик устар.

anheber

DWB

anheber , m. auctor, nnl. aanheffer: es ligt, spricht man, an eim guten anheber, und ein guter anheber ist aller ehren werd. Luther 4, 254 b…

aufheber

DWB

auf·heber

aufheber , m. allevator, abrogator: und dann hebe es ( das bein, den knochen ) auf mit eim aufheber und zeuhe es heraus mit den fingern. Bra…

baumheber

DWB

baum·heber

baumheber , m. werkzeug, um schwere bäume aus der erde und auf den wagen zu heben: er hob mit dem baumheber d. i. mit einem eisenkolben das …

erheber

DWB

erheber , m. exactor, gelderheber, steuererheber.

G(e)radheber

Idiotikon

G(e)radheber Band 2, Spalte 939 G(e)radheber 2,939

Pfandaufheber

DRW

pfand·aufheber

Pfandaufheber, m. pfändender Gläubiger das es nit zů deß gepfendten waal ... stan sölle, dem pfandufheber dise oder jene pfender darzeschlac…

Pflugheber

DRW

pflug·heber

Pflugheber, m. wie Pflughaber einem roß, pflugheber, menitreiber und dem pflug, jedem haupt sammt futter und mal 10 krz. 1652 SchrBodensee 2…

Rentenheber

DRW

renten·heber

Rentenheber, m. I wie Rentner (I) vgl. Rentgeber dat van elcke ses guldens losrenten ... den rent-heffer gekort sal mogen worden achthien st…

Sackūfheber

Idiotikon

Sackūfheber Band 2, Spalte 938 Sackūfheber 2,938

Salzausheber

DRW

salz·ausheber

Salzausheber, m. Bediensteter in einem Salzwerk (I) die salzausheber [sollen] ... den durch die hausknecht geuͤbten unfleiß dem salzverweser…

Schatzheber

DRW

schatz·heber

Schatzheber, m. Amtsperson zur Einnahme von Abgaben sin die schatzheber schuldich ... wan der eitz vorhanden schatzs bezalt ist, das sie dan…

Schlitzverheber

Idiotikon

Schlitzverheber Band 2, Spalte 939 Schlitzverheber 2,939

Spueleⁿheber

Idiotikon

Spueleⁿheber Band 2, Spalte 939 Spueleⁿheber 2,939

stechheber

DWB

stech·heber

stechheber , m. , eine an beiden enden offene, nach der mitte zu verdickte glas- oder metallröhre, deren obere öffnung durch den darauf gedr…

stichheber

DWB

stich·heber

stichheber , m. , vereinzelt für stechheber ( s. teil 10, 2, sp. 1278): Chomel 8, 1655; Adelung 4, 367 ; Krünitz 173, 715 . —

Tranksteueraufheber

DRW

tranksteuer·aufheber

Tranksteueraufheber, m. wie Tranksteuereinnehmer niemandts soll kein wein inlegen oder vom gallmarck heimfüren ohne beywesens des zollners v…

Ume(n)heber

Idiotikon

Ume(n)heber Band 2, Spalte 898 Ume(n)heber 2,898 o.

Ableitungen von heber (2 von 2)

erheber

DWB

erheber , m. exactor, gelderheber, steuererheber.

urheber

DWB

urheber , m. , im anfang des 15. jhs. aus älterm urhab ( s. d. 5) unter einflusz des lat. auctor umgebildet; später hat auch franz. auteur e…

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APA
Cotta, M. (2026). „heber". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/heber/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „heber". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/heber/meyers. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „heber". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/heber/meyers.
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