gürtel,
m. ,
auch f. und n., cingulum, zona. herkunft und form. nomen instrumenti mit suffix -ilo-
zu got. bigairdan '
περιζώσασθαι',
idg. wurzel gherd '
flechten, winden, umfassen, umzäunen, umgürten',
s. Walde-Pokorny 1, 608;
ahd. gurtil,
aisl. gyrðill,
ags. gyrdel,
afr. gerdel,
mnl. gordel,
n., m., mnd. gordel,
n. (
selten m.);
für sich steht got. gairda =
an. gjǫrð,
mnl. gerde. —
wie auch sonst gelegentlich bei gerätenamen auf -il-,
s. Kluge
nom. stammbild. § 90
f., zeigt das ahd. neben der starken männl. starke oder schwache wbl. form: gurdil
Isidor 41
Hench; der gurtel Notker 2, 472
Piper; curtil (11.
jh.) Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 654
a; gurtil 3, 146
a (12.
u. 13.
jh.), 3, 181
a (12.
jh.);
daneben: curtila (10.
jh.)
ebda 3, 654
a; gurtila (11.
jh.) 2, 399
b;
vgl. noch gurtil
aus gurtila
verbessert (11./12.
jh.) 3, 651
b.
dies fem. hält sich neben dem stets überwiegenden masc. bis gegen 1700;
jetzt ist es auch mundartlich so gut wie ausgestorben. in mhd. zeit herrscht es auffällig in den rechtsformeln (
s. 2 a
und 3)
und mit wenigen ausnahmen in den präpositionalverbindungen (
s. 5),
auch bei schriftstellern, die sonst das masc. haben, z. b. Wirnt v. Grafenberg niderhalb der g.
Wig. 178
Pfeiffer; den g. 13; 24; Ottokar als in diu g. umbevienge 10941
Seem.; mit einem g. 7942; 62613;
auch noch frnhd. bei H. Sachs an der g. 14, 32; 17, 173;
aber 2, 142; Stumpf zu halber gürteln
Schweizerchron. (1606) 750
b;
aber (
einen) beschlagnen gürtel 233
b.
darüber hinaus ist das fem. hauptsächlich im umkreis des bair. belegt, z. b. meier Helmbrecht 1121;
weinschwelg 349; H. v. Trimberg
renner 16478
Ehrism.; Dürer
tageb. 49; Spreng
Ilias 43
a u. ö.; Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 1, 340
u. ö.; oft mit dem masc. daneben: gürteln (
schwacher acc. pl.; s. unten)
Parziv. 234, 8;
aber m. 410, 4; 341, 20; 168, 16; an der gurtel H. v. Neustadt
Apoll. 6755
Singer; m. gottes zuk. 317; an ainer gürttel
Fortunat 129
ndr.; m. 116; ein schöne g. Val. Schumann
nachtb. 87
Bolte; m. 160; ein cöstliche girtel (
acc.)
Zimm. chron.1 4, 302
u. ö.; m. 145; 244; 303; Schaidenreiszer
Odyss. 58
b;
m. 21
b.
die nicht sehr häufigen schwach flectierten formen von gürtel
werden sämtlich dem fem. zuzuweisen sein: gürteln (
acc. pl.)
Parziv. 234, 8; 563, 18; könig v. Odenwald 38
Schröder; kein silberin gürteln (
acc. sg.)
Nürnb. polizeiord. 65
lit. ver.; gürteln (
acc. pl.) Johan Barth
weiberspiegel (1565) t 3
b;
deutlich fem. sind: magedcurtelun (
gen. sg.) Notker 1, 815, 19
Piper; mit der gürteln K. v. Megenberg
b. d. nat. 59; die zwuo gürteln
ders. sphaera 25
Matthäi; an der gürteln
erste dt. bibel 1, 36
Kurrelm.; 4, 206 (
aber stark 2, 473); Stumpf
Schweizerchron. (1606) 750
b (
s. o.);
archaisierend G. Keller (1889) 1, 50;
s. auch gürtle,
f. Staub-Tobler 2, 447. gürtel
als neutr. (
nach as. gurdisli ?)
ist vorwiegend nd., s. Schiller-Lübben 2, 133; Diefenbach
gl. 412
c;
Germania 14, 197;
ferner bruder Hans
Marienl. 1183
Minzl.; altd. tischzuchten 12
b Geyer; dann auch das gurtel Luther 12, 282
W.; das gürtel W. Hildebrand
magia natur. (1610) 127;
M. Schneider
Amintas (1632) 113;
M. Schirmer
Virgil (1668) 439; Zesen
Ibrahim (1645) 2, 11;
Assenat (1672) 212; ins gürtel Chr. Reuter
Schelm. (vollst. ausg.) 25
ndr.; vielleicht auch schon, wofern nicht deminutiv, das gurtel H. v. Neustadt
Apoll. 12582
Singer. bedeutung und gebrauch. die grundbedeutung des wortes und deren charakteristische abwandlungen und anwendungen entsprechen den verhältnissen von griech. ζώνη,
lat. zona, auch cingulum, genau; in vielen fällen liegt nicht eigenständige entwicklung, sondern übernahme des antiken gebrauchs vor. 11)
ein nach stoff und form mit der mode wechselndes band, mit dem man die kleidung gürtet: ... der gürtel umb ir lip Ulr. v. Eschenbach
Willeh. v. Wenden v. 1485
Toischer; ich pin ain weibmit gürtel umbevangen Osw. v. Wolkenstein 189
Schatz; unterschiede in stoff, machart, form, farbe sind vielfach durch attribute bezeichnet. fellen, ledern, hären, seiden, wollen, golden, silbern: (
Johannes hatte) ein fellin gurtel umb sein lancken (
Matth. 3, 4)
erste dt. bibel 1, 12; Luther
dafür: einen leddern gürtel umb seine lenden; ein hären gürtel antragen Fr. Spee
tugendb. (1649) 738;
zona serica seiden gürtel Alberus
dict. (1540) B b 2
b;
zona bidentis wullyn gurtel von wollen Diefenbach 635
c;
stropheum gulden gurtel 557
a; begürtet ... mit einem güldnen gürtel
offb. 1, 13; (
Mignon als engel mit) einem goldenen gürtel um die brust Göthe 23, 158
W.; sprichwörtlich: guter ruf ist goldnen gürtel werth
ders. 45, 52 (
Rameaus neffe);
vgl. Krünitz 20, 320; (
kein bürger eine) silberin gürteln mer tragen sol danne die ainer halben mark silbers wert sei (14.
jh.)
Nürnb. polizeiordn. 65
lit. ver.; ein silbern gürtel von 36 loth Schweinichen
denkw. 526
Öst. —
die machart bezeichnen z. b. beschlagen, gewirkt, gestickt: wol beslagen waren in ir gürtel beide samt (
den dörpern) Neidhart 60, 14
Haupt-Wieszner; (
sie sollten) kein ring noch beschlagnen gürtel haben Stumpf
Schweizerchron. (1606) 233
b; mit vier finger breiten und mit gülden blech beschlagenen gürteln Olearius
reisebeschr. (1696)
staat d. kön. Pers. 19;
balteus beschlagner gürtel Diefenbach
gl. 67
b;
zona bullata gespengelt girtel 635
c; ir grtel gewrket in der ram Wernher
marienleb. v. 12913
Päpke; gewirkte gürtel um die lenden v. Droste-Hülshoff 2, 61
Schücking; (
eine schere hing ihr) von blumig gesticktem gürtel herab Göthe 25, 265
W. hinsichtlich der form wird besonders die breite hervorgehoben: des kinderspiels und narrenwerks von ... breiten gürteln Luther 50, 196
W.; die breit und dicke gürtel eben hat mich erhalten bei dem leben Spreng
Ilias (1610) 43
a.
farbbezeichnungen: mit einem feinen schwartzen ledern gürtel Riemer
polit. maulaffe (1679) 139; (
sie) trug einen roten gürtel H. Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 51;
mit rechtlicher bedeutung: einen roten gürtel tuont si im (
dem herzog) umbe
Schwabenspiegel 418
Wackernagel. — den gürtel lösen (
s. auch u. 6 b), aufbinden,
beim entkleiden: nach dem ihm der bischof Clemens erstlich den gürtel aufgelöst hatte ... (
stieg er in das taufwasser) A. U. v. Braunschweig
Octavia 2, 818; (
er) löste ihr dann den gürtel und tat ihr die glänzenden kleider (
ab) Th. v. Scheffer
homer. götterhymnen (1927) 49;
bei tische: swer ob dem tisch des wenet sich, daz er die gürtel witer lat
altdt. tischzuchten (
progr. Altenb. 1882) 11
a Geyer; auch 8
a u. ö.; so dir der gürtel ist zu eng, so lösz in auff nach guter leng Scheit
Grobianus v. 2933
ndr.; wann einer vil essen musz, so spricht man: tue den gürtel uff, dz ist: rüst dich darzu
Terenz (1499) 124
b;
oder einfach: den gürtel auff, lasz dem bauch seinen gang Fischart
Garg. 149
ndr. gelegentlich in specialbedeutungen: '
frauengürtel'
im gegensatz zum '
riemen'
des mannes Kramer
Bistritzer dial. 34. —
ohne besondere kennzeichnung für den '
priestergürtel'
üblich: de vestimentis sacerdotalibus, cingulum gurtil
ahd. gl. 3, 146, 21. 181, 29. 655, 37;
de vestibus sacris. zona gürtel
voc. opt. 27
b Wackernagel; alben, gürtel und humeral
bei Schöpf
tirol. 225; die skapuliere, gürtel und meszgewande Nicolai
reise 5, 17. —
in dem als menschliche gestalt vorgestellten sternbild des Orion: an des curtele sehs sternen michellicho zeichenhafte sint Notker 1, 770
Piper; in der zeichnung, die ... von dem gürtel bis zum anfang des rechten schenkels reicht Humboldt
kosmos (1845) 3, 335;
bildlich von der milchstrasze: wie der sonnenbesäete gürtel der nacht tönend mit himmlischen harmonieen grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 1, 120. 22)
neben dem gürten der kleider dient der gürtel
zum befestigen und tragen von dingen, die bequem zur hand sein sollen; daher besonders in wendungen wie etwas am, im gürtel tragen, aus dem gürtel ziehen, in den gürtel stecken. 2@aa)
besonders von waffen, auch von anderen geräten: succingulum ein gürtel, das schwärdt daran ze hencken Frisius
dict. (1556) 1262
a; (
ein kriegsgötze mit) sieben am gürtel hangenden schwerdtern Micrälius
Pommerl. (1640) 2, 254; doch mild am gürtel trägst du (
kön. Ludwig) das reine schwert Platen 1, 189
Redlich; sprichwörtlich: honig auf der zungen und das scheermesser am gürtel haben P. Winckler 2000
gedanken (1685) d 1
a; ein rosenkranz hängt am gürtel herab Schiller 12, 554
Göd.; den prächtigen dolch, den er im gürtel trägt A. W. Schlegel
sämtl. w. 9, 58; ein oder zwei pistolen im gürtel Fouqué
gefühle (1819) 1, 63; die pistohlen stackte ich ins gürtel Chr. Reuter
Schelm. (vollst. ausg.) 25
ndr.; er soll manchmal einen dolch ... in den gürtel gesteckt (
haben) Göthe 21, 87
W.; er das messer aus dem gürtel ziehet und ganz stille sitzt A. v. Arnim
w. 22, 128
Grimm; ich zog das messer aus seinem gürtel Schiller 4, 76
Göd.; mit verkürztem ausdruck: das rappier aus dem gürtel (
in der hand) Kirchhof
wendunm. 2, 375
Öst. unter dem gürtel tragen (
s. auch 4)
u. ähnl.: wie an dem angriffe 300 oder 400 eydgenossen ... ein tannast under den gürtlen getragen Tschudi
chron. helvet. (1734) 2, 386; (
die geige) die er unter dem gürtel stecken het Lindener
rastbüchl. 20
lit. ver.; als er ein halbes roszeisen gefunden und selbiges undern gürtel gesteckt hatte
grillenvertreiber (1670) 148;
bes. in der redewendung: (
die) hende unter die gürteln stecken und feyern
Boccaccio decam. 154
lit. ver.; vgl. die hände im gürtel haben, müszig sein Frisch
dt.-lat. (1741) 1, 384
b.
schlüssel werden am gürtel
getragen: (
einer lief zu dem toten) die schlüssel zu nemmen, welche an seiner gürtel hiengen
Amadis 208
lit. ver.; (
schlafrock) an dessen gürtel ein groszes bund schlüssel hing J. Kerner
bilderb. 154;
sprichwörtlich: es hangen nicht alle schlüssel an einem gürtel Lehman
florileg. pol. (1662) 2, 916;
übertragen: (
wer heiraten will, soll eine fromme frau nehmen) dasz er ihr nicht dörff hüten oder sie am gürtel tragen
ebda 1, 164. —
daher den gürtel auflösen, recken,
beim concurse soviel wie '
die schlüssel ausliefern': si wolten ir girtel aufflesen (
var. von irem leib abgirten) und von aller ir hab und gut gan und wölten ain aid schweren
dt. städtechron. 23, 222
f. (
Augsb. 4);
gleichbedeutend den gürtel recken: han ich mich des vorgenanten hofs genzlich mit der gürtel verzihen, die ich gerekt han (1343)
monum. boica 1, 443;
vgl. zum letzteren Grimm
rechtsalt.4 1, 624. 2@bb) gürtel
um geld darin zu tragen, geldgurt, wie lat. zona: zona gürtel, seckelgürtel, dareyn man das gelt lägt Frisius
dict. (1556) 1425
b;
cingulum gürtel, der zugleich an statt eines beutels ist, darinn man das geld sicherlich über das land tragen kan A. Corvinus
fons lat. (1646) 194; nit wölt besitzen golt und silber noch müntz an eueren gurteln (
Matth. 10, 9)
erste dt. bibel 1, 36; Luther
dafür: ir solt nicht gold noch silber noch ertz in ewren gürteln haben; seinen solt sol er an der gürtel und nicht im zächhaus haben H. Megiser
annales Carinthiae (1612) 210;
hieran anknüpfend: und der soldat, um rascher sich zu wenden, erleichtert schnell den gürtel seiner lenden (
vom metallgeld) Göthe 15, 1, 64
W. (
Faust v. 6108);
ebenso: er hett sein gürtel verloren, das ist, er ist um hab und gut kommen Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 38
a;
ähnlich 2, 23
b;
im anschlusz an Horaz:
zonam perdidit epist. 2, 2, 40. —
sachlich gleichbedeutend ist die tasche am gürtel: (
das kind) truoc an dem gürtel sin ein mæzigez teschelin
Lanzelot 5807
Hahn; (
sie spann ein netz) das sie wie eine geldtasche nachher am gürtel trug maler Müller
w. (1811) 2, 177;
daher sprichwortartig: das man und frauen wol zusammen fügen reht sam ain gürtel zu einer taschen
fastnachtspiele 694
Keller. 33)
in der mittelalterlichen rechtssprache, bis ins älternhd. lebendig, heiszt was der gürtel umschlieszt
der geringste persönliche besitz, der unpfändbar ist, bei expropriierung zu belassen u. s. w.; besonders in den wendungen als einer mit gürtel umfangen ist; als einen die gürtel umfangen, begriffen, beschlossen hat, umfängt, begreift; was die gürtel begreift, beschlieszt;
vgl. quae cingulum capit (1240)
monum. boica 3, 135;
ähnlich 156.
vielfach in den bedingungen des abzugs von belagerten: (
freier abzug mit) nicht mehr, als was sie unterm gürtel mit sich heraustragen können Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 208; er hiez in bediuten, daz ie der man her uz gienge, als in diu gurtel umbevienge, und sin swert in der hant Ottokar
chron. v. 10941
Seemüller; das man sie plosz, wie sie der gürtel begriff, liesz ziehenn Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 145; muszt all sein kriegszvolck ... wie sie die gürtel beschlosz, abziehen Adam Reiszner
hist. Georg v. Frundsberg (1572) 173
b; es ward ihnen angeboten, sie ohne pferd und gewehr, jedoch mit dem, was der gürtel beschliesse, passieren zu lassen
Simpliziss. 224
ndr.; Loths weib soll haus und hof verlassen, und wie sie der gürtel beschleuszt, ins bittere elend wandern Otho
krankentrost (1671) 705;
ähnlich: (
er hätte aus dem gefängnis) nichts anderes herausgebracht als die girtel (1442)
jhrb. d. hist. ver. Dillingen 19, 106. —
speciell bairisch früh und häufig für die art der auslieferung eines missetäters an den zuständigen richter: (
den totschläger) antwurten, als in die gürtel umbfangen hat
monum. boica 2, 525
f.; auch 509; (
wem die todesstrafe zukommt) den sullen ... dez klosters amptleut ... antwurten, als er mit gürtel umbvangen ist, und waz er hab hat, die sol alle dem gotshous genczlich beleiben (1386)
urk. d. Karthause Aggsbach 50
Fuchs; als er mit gürtl umbfangen ist
österr. weist. 1, 4; 10, 121
und oft; noch im 17.
jh.: überliefern, wie er mit der gürtel umfangen ist v. Hohberg
georgica cur. (1682) 1, 35;
vgl. Grimm
rechtsalt.4 1, 140; 2, 516; Lexer 1, 1126; Schmeller-Fr. 1, 944; Fischer
schwäb. 3, 933;
in anderer wendung: (
hat der verurteilte) ros, harnisch oder gut, das ist des vogtes; was darnach oberhalb gürtels ist, das ist des weibels; und schwert und messer und was unterhalb gürtels ist, das ist des henkers
quelle bei Grimm
rechtsalt.4 2, 517. —
im pfand- und concursrecht: es sol ouch nieman sin gelter (
schuldner) noten an aim bett ... und waz die gürtel begriffet
Memm. ratsb. bei Fischer
schwäb. 3, 933; er habe auch nichts aigens, ja nichts mer, als sein gürtl beschlüeszt (1633)
gesch.-büch. d. wiedertäuf. i. Öst. 453
Beck; von aller irer hab und gütern ... nichtz dan wie sie die girtel umbfacht ... darvon nemen noch haben
dt. städtechron. 23, 230. —
dazu im gegensatz wird das, was der gürtel nicht umschlieszt, als ob, über, auszerhalb der gürtel
bezeichnet: daz kain wirt ... nicht verner weren sol, dan was si ob der gürtl tragent
weist. 6, 120; der da verspilet, mag nimmer verlisen nur das, daz er uber seiner gürtel hat
Altprager stadtrecht 121
Röszler; als er an beraitschaft bei jme hat an dem gwandt auszerhalb der gürtl (1335)
bei Schmeller-Fr. 1, 944. 44)
einen neuen gürtel bekommen '
schwanger werden'.
vielleicht in dem sinne, dasz der alte gürtel dann nicht mehr paszt; kaum anknüpfend an die sitte der brautgürtel: cestus prawtgurtel Diefenbach
nov. gl. 87
b; gürtel der liebe, damit der breutigam seine braut umgürtet H. Decimator
thes. (1615)
s. v. gürtel;
vgl.begürten,
befruchten,
schwanger machen
gravidare, vulgo incingere Henisch 1784;
zu vergleichen ist etwa auch den gürtel lösen
entjung fern (
u. 6 b).
nur älternhd.: es ist eines weibes ruhm, ehre und krone, da sie, wie man pflegt zu sagen in züchten und in ehren, einen newen gürtel bekommen und schwangeres leibs ist H. Braun
kinderspiegel (1610) 46; (
Joseph wollte Maria nicht) beschuldigen, da er an ihr ein newe gürtel spüret Mathesius
hochzeitspred. 241
Lösche; (
Joseph) wolte nicht eine braut haben mit einem frembden gürtel J. Gigas
postilla (1595) 1, 36
b; (
sie hatte) ihr krentzlein verloren und ein unehrlich gürtel bekommen
ebda 52
a.
wohl kaum hierher: ouch was der frouwen da genuoc etsliu den zwelften gürtel truoc ze pfande nach ir minne. es warn niht küneginne: die selben trippaniersen hieszen soldiersen W. v. Eschenbach
Parzival 341, 20
Lachm. in sachlich gleichem bereich ein kind unter dem gürtel tragen,
urspr. griechisch ὑπὸ ζώνης φέρειν,
für unser '
unter dem herzen': unter dem gürtel trag ich (
Aphrodite) ein kind aus sterblichem lager Th. v. Scheffer
homer. götterhymnen (1927) 52; (
sie sprach) den ich unter dem gürtel trage, soll diesen mord an dir ... rächen Grimm
dt. sagen (1891) 1, 51;
ähnlich: ernährte unterm gürtel sie dich nicht? grafen zu Stolberg
w. (1820) 15, 224. 55) gürtel
im sinne der scheidelinie, der mitte zwischen ober- und unterleib; in mancherlei präpositionalverbindungen, über und unter dem gürtel u. ähnl.: (
es) si gegeben iu für eigen min lip, als ich gegürtet bin, niderhalp der gürtel hin oder oberhalp der gürtel min
die heidin I
v. 860
Pfannmüller; domit wir frauen dienst erpieten unter der gurtel und darob
fastnachtspiele 519
Keller; auch 728; 735; oberhalb der gürtel einer frouwen gar gelich
Wolfdietrich B 27
Amelung; (
die eine quelle der unkeuschheit) ist ob der gürtel, vileicht das hertz Berth. v. Chiemsee
theol. 370
Reithm.; niderhalp der gürtel gar het si (
das ungeheuer) eines rosses lip W. v. Grafenberg
Wigalois 178
Pfeiffer; was (
an krankheitserscheinungen) im angesicht oder halsz ist ... was fornen oder hinden am leib ist ... was underhalb der gürtel ist Paracelsus
chirurg. schr. (1618) 90; nimpt er ein weib zuo der ee die under der gürtel wer hungrig und geitig
fastnachtsp. 317
Keller; (
eine miszgeburt hatte) zwen leibe, vier arm, aber unter dem gürtel war es ein mensch Nigrinus
papist. inquisition (1582) 598.
bis in die neuzeit bis an den gürtel; von oben her: für eigen habt (
ihr) gegeben mir unz uf die gürtel iuwern lip
die heidin I
v. 945
Pfannmüller; entblöst bisz an die gürtel unden H. Sachs 2, 241
Keller; (
die rasende hatte ihres mannes) lincken arm und seiten bisz auff den gürtel alsbald gefressen J. B. Carpzov
leichpred. (1698) 122; eine geschwisterte nun, zum gürtel ab griechische schönheit, sittig hinab zum fusz nordisch umhüllt sie das knie Göthe 4, 126
W. besonders oft vom bart gesagt, z. b.: (
ihnen war) der bart snevar nider gewachsen also tief, daz er in uf die gürtel swief H. v. Aue
Erec v. 2083; er trägt einen weissen bart, der ihm bis an den gürtel geht Gottsched
dt. schaubühne (1741) 2, 272.
von unten her: wie gezämi ainer jungfrowen, daz si ainen rok an hetti, der ir untz an den grtel schlügi?
s. Georgener pred. 45
Rieder; er schneit inen die kleider halb ab bis an den gürtel
2. Sam. 10, 4; (
die mauer) dreyer schuch hoch, also das sie einem man ongever bis an die gürtel reych Dürer
befestigung (1527) b 4
a; dann zerrisz sie ihr weiszes kleid vom saum bis an den gürtel Storm
w. (1899) 3, 41.
häufig vom stehen in wasser, schnee u. a.: die landsknechte, bis an den gürtel im wasser Ranke
sämtl. w. (1867) 2, 193; bis zum gürtel in dem schlamm versunken Mommsen
röm. gesch. 2, 257;
bes. mit der präpos. über: (
er ist) bisz schier übern gürtel hindurch gewaten Kirchhof
mil. disciplina (1602) 181; der vorderste ... sasz oft bis über den gürtel (
im schnee) Göthe 19, 291
W. änhd. zu halber gürtel '
halb bis zum gürtel': dem sie sich ... zum gesicht und gefallen bey nahe zu halber gürteln zum fenster ihres hauses herausz liesz Stumpf
Schweizerchron. (1606) 750
b; setzt in zu halber gürtel fein im nechsten feuerofn hinein
satiren u. pasquille 1, 108
Schade. vom gürtel ab: nun waz der elende jüngling von der gürtel hin auff ... nacket
Bocaccio decamerone 354
lit. ver.; alle ding von der gürtel hinauff seyn euch zimlich und erlaubt Henisch 1784; (
ihr leib war) von der gürtel hinab von ainem weiszen decklach verborgen Montanus
schwankb. 239
lit. ver.; von der gürtel bis auf die knie weisze schurtz
unterred. e. Ungarn u. e. dt. cavaliers (1664) f 3
b; man trug das wamms von ... seide, geknöpft vom gürtel bis zum halse Laube
ges. schr. (1875) 4, 224.
ähnlich steht gürtel
auch sonst im sinne von '
gürtelgegend des körpers': sie (
die armen) sint zo deme gurtele also smal, en stat er liph harde wal
könig Rother v. 1371
v. Bahder; du hast am kiertag einer frawen beidt hende mortes abgehawen, das ir stümpff an der gurtel hingen H. Sachs 14, 32
lit. ver.; auch 21, 52; den schwanenarm womit sie um den gürtel ihn umfangen Wieland
Oberon 6.
ges., str. 74. 66)
der gürtel
als symbol und träger hoher eigenschaften. 6@aa)
in mythos und poesie in mannigfachen beziehungen. ungewöhnliche stärke verleihend: dar zuo nam er (
Siegfried) ir gürtel: daz was ein borte guot ... done was ouch si (
Brünhild) niht sterker danne ein ander wip
Nibelunge not 628
f. Lachm.; mit einem gurtel so guot zder zit ich (
der zwerg) dich bewar ... ob er (
der gegner) zweinzic manne sterke phlæge, daz im daz niht gen dir wæge, du werdest an im sigehaft Ottokar
chron. v. 62613
Seemüller; dazu der gürtel Laurins, s. gürtlein;
vgl. den megingjardr
Thors und aus dem klassischen altertum den gürtel der Amazonenkönigin: Hippolyte, die einen gürtel hat, den ihr Ares schenkte. es heiszt, dasz er ... dem, der ihn trägt, eine übermännliche kühnheit verleiht A. Schäffer
griech. heldensagen 1, 104.
den eingesetzten edelsteinen verdankt der wundergürtel im Wigalois seine kraft: (
Gawein) gurte do den gürtel umbe sin isengewant. do het ouch er zehant wol drizec riter manheit Wirnt v. Grafenberg
Wig. 21
Pfeiffer. mit andern ungewöhnlichen eigenschaften: ein gürtel ausz dem wolfsmagen gemacht, umb den blossen leib zu tragen sein lebenlang, so sey eins ... sicher (
vor asthma) Wirsung
arzneib. (1588) 258;
wolfsgestalt verleihend, s. Grimm
myth.4 2, 916.
aus neuerer literatur z. b. hätte die fürstin ... einen gürtel angeboten, vermittelst dessen man sich unsichtbar machen kann: ich wüszte nicht, was ich gewählt hätte Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 60; um den gürtel der unsichtbarkeit ... zu erlangen B. v. Arnim
d. buch gehört d. kön. (1843) 1, 193; diesen magischen gürtel will ich ihnen leihen Pocci
lust. komödienbüchl. 5, 148. — gürtel
von heiligen, bes. Mariens, im kirchlichen brauchtum: die reliquien der muttergottes, deroselben hausz, rock, gürtel, haub Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 156; von unser l. frawen ... gürtel, der auch daselbst ligt, dardurch so viel weiber fruchtbar sind worden, wann man sie einmal darmit umbgürtet hat Fischart
binenkorb (1588) 63
a;
daneben ein Monicagürtel, s. Schmeller-Fr. 1, 944,
und andere, vgl. (
die Pfalzgräfin) hat auch von kinder wegen walfarten gethon und sich mit etlichen hailigen gurtlen umbgurtet
zimm. chron. 4, 145
Barack. in der klassik spielt der gürtel
der Aphrodite als träger der schönheit eine grosze rolle: sprachs, und löste vom busen den wunderköstlichen gürtel, buntgestickt: dort waren des zaubers reize versammelt; dort war schmachtende lieb und sehnsucht, dort das getändel, und die schmeichelnde bitte, die selbst den weisen bethöret Voss
Ilias (1794) 2, 47 (
ges. 14,
v. 214
ff.);
auch schon in ältrer dichtung: sie (
Venus) nam den gürtel auch, darin betrug, list, schimpf, sich selbs vereinigen mit gailheit, lust und glimpf Weckherlin
ged. 2, 352
Fischer; wie die anmuth und die reizungen in den gürtel der Venus eingenäht waren Joh. E. Schlegel (1761) 5, 214.
als sinnbild des liebreizes: (
ein liedchen) worin sie die Venus um ihren gürtel bat S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 38; was ist, ohne liebe, ehre? was Zytherens gürtel ohne sie Schiller 1, 314
Göd.; der gab dir Pallas aug, der Heres arm, der Aphroditens reizdurchwirkten gürtel Grillparzer (1892) 4, 146
Sauer; an den gürtel
der Aphrodite anknüpfend: scheidend reicht eine fürstin der andern den gürtel der anmuth Schiller 14, 60
Göd.; auch 6, 266; der schönheit goldner gürtel webet sich mild (
mit der kunst) in seine lebensbahn
ebda 6, 273;
vgl. 11, 367;
ähnlich: die schönsten reize, die sich in ihrem (
der natur) gürtel der schönheit fanden Herder 13, 53
Suph.; vgl. 15, 318.
hierher, wohl in anlehnung an jungfräulichen gürtel, den gürtel des reizes lösen '
schönheit enthüllen': neige dich lieblich, göttliche Kypris! löse den gürtel jeglichen reizes
deutsches museum (1812) 2, 182; still hebt der mond sein strahlend angesicht, die welt zerschmilzt in ruhig grosze massen, der gürtel ist von jedem reiz gelöst, und alles schöne zeigt sich mir entblöszt Schiller 11, 209
Göd. (
d. erwartung);
ähnlich, im sinne von '
nackt': dem sie zuerst sich ohne gürtel wies Hagedorn
poet. w. (1769) 2, 189;
vgl. 3, 86.
s. auch gürtellos.
in völlig abstractem gebrauch steht gürtel
im sinne von '
schutz und trutz',
auch '
zier': triuuua sindun sinero lendino gurdil
Isidor 41
Hench, s. auch gurt 1 a (
sp. 1169); der glaub wirt seyn ein gürtel seiner nieren (
Jes. 11, 5) Luther 15, 808
W.; es werden viel falsche lerer ... ewern synn verrucken und das gurtel des glawbens aufflöszen
ebda 12, 282; (
wir sollen) stehen umbgürtet mit dem gürtel der warheit
F. Dedekind
christl. ritter (1590) b 5
b; (
nichts kann) den strengen gürtel seiner nüchternheit lösen Schiller 10, 446
Göd.; sein gürtel heiszet milde Schenkendorf
ged. (1815) 4.
vereinzelt in ausgeführtem bilde: der gürtel der bulschaft hab fünf knöpf: gesicht, reden, greiffen, küssen, das werck Keisersberg
narrensch. (1520) 128
b. 6@bb)
der gürtel
als symbol der jungfräulichkeit; schon im Nibelungenlied: (
Kriemhild zu Brunhild) ja was ez niht min bruoderder dinen meituom gewan ... ich erziugez mit dem gürtelden ich umbe han daz ich niht liuge:ja wart Sifrit din man 783, 4; 792, 3
Lachm. den gürtel der jungfrau und braut lösen
im sinne von entjungfern, gr. ζώνην λύειν: (
das lösen des gürtels in der brautnacht war antiker brauch, wie) Catullus spricht, das er die gürttel, die lang verbunden ist gewest, auflöset hab (
irrtümliche auslegung der stelle 2, 13
zonam solvit diu negatam, sc. malum)
M. Tatius Alpinus
Polyd. Vergilius, v. d. erfindern (1537) 8
b; wenn man die erste nacht der braut den gürtel löst Lohenstein
rosen 118 (
reine liebe); auf den obersten söller des hauses schlich das verschämte mädchen (
Astyoche) zum starken Ares. hier löst er ihr heimlich den gürtel Bürger 201
Bohtz (
Ilias 2, 515); des gürtels kunst war über alles lobenswerth. und diesen gürtel hab ich liebend aufgelöst Göthe 50, 327
W. (
Pandora v. 627).
bildlich: wenn Hymen den gürtel der jungfrau lösete, trat die verlobte aus dem dienst der strengen Diana Herder 17, 356
Suph.; du (
deutscher Rhein) bist der jungfräuliche gürtel Deutschlands, den sie nicht lösen sollen mit frevelnder hand Gutzkow (1872) 7, 59;
s. auch unten und 1.
nhd. bes. in der redewendung den jungfräulichen gürtel zerreiszen: ist er dem megdlein umb den halsz gefallen, und ir als bald den jungfräulichen gürtel und das band der keuscheit zurissen und zustöret Joh. Fuglinus
J. Wier, de praestigiis daemonum (1586) 339
b; ... nimm meine tochter. doch zerreiszt du ihr den jungfräulichen gürtel, bevor der heilgen feyrlichkeiten jede nach hehrem brauch verwaltet werden kann, so wird der himmel keinen segensthau auf dieses bündnis sprengen
Shakespeare (1797) 3, 99 (
sturm 4, 1);
auch in anderen wendungen gleichen sinnes: da ging es an ein küssen, er kriegt nicht satt an ihr; fürwahr ihr güldner gürtel wär zu schaden kommen schier Mörike 1, 40
Göschen; ach des lebens schönste feier endigt auch den lebensmai, mit dem gürtel, mit dem schleier reiszt der schöne wahn entzwei Schiller 11, 308
Göd.; (
sie hat durch häszlichkeit) die freyer abgeschreckt, den krantz aus noth gespart, den gürtel trägt sie noch, weil keiner ihn verlanget Günther
ged. (1739) 1003;
in nachahmung der antike: nun widerstrebe nicht mehr; nimm gürtel und kranz, und weihe sie der strengen göttin, an deren ödem altare du dienst Ramler
poet. w. (1800) 1, 8.
gürtel der keuschheit u. ä., s. Kramer
dt.-it. 1, 577
b;
schon alt in übertragenem sinn: wenn wir uns gürten mit der gürteln der käuschait und der rainikait K. v. Megenberg
b. d. nat. 59
Pf.; (
Thomas v. Aquin) mit dem gürtel einer ewigen jungfrauschafft umgeben Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 197;
modern im eigentlichen sinn: den gürtel der keuschheit ihr zu lösen, verstattet sie ihm nicht Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 109; schmeichelnd löst er den gürtel der keuschheit und liesz sie entschlummern (
λῦσε δὲ παρθενίην ζώνην) Voss
Odyssee 11, 245;
ähnlich: den gürtel meiner zucht und tugend (
hat niemand) abgebunden Gryphius
ged. 361
Palm. 6@cc) gürtel
als symbol und ausweis eines amts- oder standescharacters, auch in rechtlichem sinne: wirt en monik oder ene clostervrowe tu biscop oder tu abbatissen gecoren, so mogen si dat gurdel irer gewalt ... hebben van deme rike
Sachsenspiegel (1861) 1, 26
Homeyer; (
der kaiser) schenkte ihm gürtel und ring und belehnte ihn mit vielen gütern vom reich Grimm
dt. sagen (1891) 2, 170.
bes. seit dem 15.
jh. als symbol ritterlichen standes: alda komen die Behem und die Hungern zu ime, in willen die statt Rom, die kaiserlichen bekrönung ... ze schawen und die gürtel der ritterschaft ze verdienen G. Alt
buch d. cronicken (1493) 247
a; (
er erteilte) die ritterwürde, indem er ihm ein purpurnes kleid gab und einen gürtel umschnürte v. Haller
Alfred, kön. d. Angels. (1773) 84;
ritterlich als attribut: (
er fragte ihn) wo er mit dem ritterlichen gürtel angeleit were Seb. Münster
cosmogr. (1550) 151; kein Saracenen mit dem ritterlichen gürtel ... umbgürten noch edel machen
N. Falckner
Nic. Gilles, frantzös. chron. (1572) 1, 313; in den deutschen städten (
wird) noch kein handwerker des ritterlichen gürtels gewürdigt Nitzsch
dt. studien (1879) 176;
vgl. noch: da liez her sich zcu ritter seynen ... mit vel andern ediln jungelingen, dy her alle begabete mit ritters gorteln, pferdin, bunten rogken und ritters geczüge Schoettgen-Kreyszig
dipl. et script. hist. Germ. 1 (1753) 91; rittergürtel Stainhöwel
Bocaccio, de claris mulieribus 76
lit. ver. 77)
auszerhalb des bereiches der menschlichen taille in sonderanwendungen und übertragungen; soviel wie kniegürtel: (
eine perücke soll) das ingenium und poetenkästchen decken, goldne gürtel, seidne strümpfe ziehren das gelehrte bein
Hoffmannswaldau u. anderer ged. (1697) 7, 233
Neukirch. —
am pferdegeschirr für gewöhnliches gurt (3): man mag auch dem pferd für die strenge sail durch den hals stossen ob der gürtel, und sol ain sail von dem andern stan dreyer vinger weitt Mynsinger
v. d. falken, pferden 73
lit. ver.; vgl. cingula ain pfertgirtel Diefenbach
gl. 120
a;
auch cingulum eyn perdesz ader eyns andern diers gortel 120
b;
antela '
brustriemen an einem sattel' gurtel 37
b;
für '
fürbug und hinderbug' Henisch 1784;
s. auch rhein. wb. 2, 1502. —
freier, aber immer unter festhaltung der eigentlichen bedeutung '
womit gegürtet, gebunden wird': der gürtel (
mit dem sich die fenchelraupe vor der verpuppung festheftet) besteht ... aus vielen, aber dickern und stärkern fäden zwischen dem fünften und sechsten ringel Oken
naturgesch. (1839) 5, 1110; (
schlüsselbein u. schulterblatt, ferner das hüftbein bilden je) einen gürtel, welcher die vorderen und hinteren extremitäten an den rumpf heftet Sömmering
bau d. menschl. körp. (1839) 2, 223;
weiterhin 5, 272; 6, 859; wann man einen baum mit eynem bleien gürtel umbgürtet, so laszt er die frucht nicht fallen
M. Herr
feldbau (1551) 137
a;
auch Sebiz (1580) 375;
an der kanone: die ganze carthaun ... zehen schuhe ..., der gürtel stehet fünffthalben schuh von dem mundt Wallhausen
kriegsmanual (1616) 110;
undeutlich: 4 scheibkrappen (
spannhaken für armbrustwinden) mit 4 gurtel Zingerle
inventare 122
a u. ö. 88)
im sinne von '
zone'
; die eigentliche bedeutung '
das, womit man gürtet'
geht völlig verloren zugunsten der neuen rein örtlichen bed. 8@aa)
geographisch und allgemeiner topographisch; am ältesten von den um den globus herum vorgestellten streifen, anknüpfend an griech. ζώνη: gürtel des erdbodens, streifen auf unserer erdkugel, welche durch die besondere lage gegen die ... sonnenbahn ... von einander unterschieden werden
onomatologia curiosa (1764) 809;
schon bei K. v. Megenberg
als übersetzung von zona: die zwu gürteln, die umbslozzen werden von dem pernkraizze (
circulus arcticus) und von dem widerpernkraizz ..., die sint unwonhaft durch der grozzen kelden kraft
sphaera 25
Matthäi; dichterisch: ihr sollet die gürtel der erde wieder mit völkern ergänzen Bodmer
Noah (1752) 288 (9, 660);
mit besonderen beiwörtern: (
die sonne ist beschwerlich) denen nahe an dem mittelsten gürtel der erdkugel liegenden südländern Lohenstein
Armin. 2, 169
a; wie viel landes in der verbrennten gürtel oder zona torrida lige Kepler 5, 519
Frisch; dasz unter dem heiszen gürtel der welt alles brennen müszte Gottsched
anm. gelehrsamk. 9, 651; die wohnorte aller genannten völker ... fallen ... in die subtropischen gürtel O. Peschel
völkerkde (1874) 195;
dichterisch: der engel und Noah ... wandten ihren schlüpfenden gang in die nördlichen gürtel Wieland I 3, 346
ak. —
vom himmel: (der ebennehter,
aequinoctialis) haizt auch dez obersten waltzhimels gürtel (
cingulus primi motus), dar umb daz er dez selben himels lauf ze mittelst umbgreift K. v. Megenberg
sphaera 16
Matthäi; mehr bildlich: der sonnenwagen hatte dreyzehnmahl den gürtel des zodiakus durchrannt Joh. Nik. Götz
vermischte ged. (1785) 1, 84.
in junger zeit von erdgebieten gleichartigen charakters, in flächiger vorstellung: derselbe fette, schwarze, überaus fruchtbare boden ... charakterisiert den ganzen gürtel der Kolla (
tiefland, von wald umschlossen) Ritter
erdk. (1822) 1, 245; (
in dem) gürtel der gebirgsgrasarten Dahlmann
gesch. v. Dänemark 2, 80; den breiten gürtel der deutschen mittelgebirge vom Rhein bis zum Riesengebirge Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 6.
politischgeographisch: (
die behauptung) dasz ein 500 quadratmeilen enthaltender gürtel dem greuel der russischen kriegführung (
gegen die polnischen insurgenten) preisgegeben wäre Bismarck
polit. reden 2, 128
Kohl. —
in stärkerer annäherung an die eigentliche bedeutung des wortes '
ringförmig um einen mittelpunkt herum gelegenes, sich im bogen erstreckendes gebiet'
; besonders von stadt- und speciell von festungsanlagen: das sogenannte suburbano, der durchschnittlich eine meile breite gürtel von villen und vignen Moltke (1892) 1, 184; der gürtel von 10 hauptwerken sollte ... beide Rheinufer umfassen v. Alten
hdb. f. heer u. flotte (1909) 2, 49; bei der anordnung des weit ins vorfeld vorgeschobnen gürtels einer gröszeren festung
ebda 4, 480.
anders: wäre auch irgend ein staat im stande ... wie Frankreich seine grenze mit einem dreifachen gürtel zu umschlieszen Fr. Meinecke
v. Boyen 2, 152. —
in lebhafter schilderung '
teil der landschaft, der sich um den beschauer mehr oder weniger kreisförmig erstreckt': als blaugoldner gürtel schlingt sich das ... meer um den zauber Scheffel (1907) 1, 111; (
es) lag ein ganzer gürtel von pallästen um die schwarze bucht geschlungen Stifter (1901) 3, 70; der Vesuv mit dem grünen gürtel von weinbergen Gaudy (1844) 14, 67;
bes. von gebirgen: die jenseitige grenze der ebene, den kleinen Atlas, sieht man, einen blauen gürtel, herumreichen weithin nach süden Laube (1875) 5, 281; einen purpurrothen gürtel bildete die alpenrose der Cordilleren Humboldt
kosmos (1845) 1, 13.
vgl.gürten 7 b.
auf gröszere erdräume übertragen: mit seinem gürtel hält der ocean, mit ihrer wölbung uns die luft umfangen Hagemeister
bei Fr. L. Jahn
werke (1884) 1, 152. 8@bb)
in anderen bereichen '
sich sichtbar abhebender, etwas umschlieszender streifen'
; vereinzelt schon, etwa im sinne von '
kranz': (
den pflanzen) ein gortel mit miste (
geben)
Petrus de Crescentiis, v. ackerbau (1531) 109
b;
sonst jung, immer in mehr oder weniger technischer sprache: ein edelgestein, welcher ... viel adern hat, die mit milchfarbenen zirckeln oder gürteln um ihn herum gehen
haush.-lex. (1749) 2, 481
b; (
die männchen des flughuhns) sind durch schwarze oder weisze gürtel ... von den weibchen verschieden Naumann
naturgesch. d. vögel (1822) 6, 256;
in der heraldik soviel wie '
quer über den schild laufender balken' Querfurth 57; Schumacher
wapenkunst (1694) 62.
in der architectur, vgl. auch gurt 2,
für das griech. ζώνη '
fries'
Vitruv, de archit. (1800)
anh. 72
Rode; mehr bildlich: die aufmerksamkeit mehr auf den äuszeren
κόσμος der tempel, den gürtel der metopenbilder (
gerichtet) Welcker
alte denkmäler (1849) 1, 174;
anders: '
trennungsglied zwischen dem säulenhals und -schaft',
griech. hypotrachelion Meyer
konv.-lex.6 5, 668
b; (
die sitzreihen des theaters sind durch zwei) absatzstufen (
praecinctiones, διαζώματα) in drei gürtel zerschnitten W. v. Humboldt
aufsätze 76 dld. —
einfach '
streifen',
ohne die vorstellung des ringes: in einem lichten gürtel des himmels, den zwei lange wolkenbänder zwischen sich lieszen Stifter (1901) 1, 14; man entdeckte breite dunkle gürtel auf dem stillen meere H. Steffens
was ich erlebte (1841) 3, 14; buschige gehänge ... von steilwandigen gürteln durchzogen H. v. Barth
nördl. Kalkalpen (1874) 435.
anthropomorphisierend, im sinne von '
gürtelgegend' (
s. 5): (
eine bergwand,) ihr gürtel und ihr fusz belaubt fürst Pückler
briefw. 8, 282.