grabmal,
n. ,
vereinzelt grabesmal (
im vers) Herder 11, 396
S. und (
ebenfalls im vers) gräbermal Storm
ges. w. (1889) 8, 192;
moderne dichterchar. 126
Arent-C.-H.; A. Miegel (
s. u. 1 a).
das wort, als zusammensetzung von grab
mit mal in dessen bedeutung '
zeichen' (
s.mal 2 f,
teil 6,
sp. 1496),
ist zufrühest in Luther
s bibelübersetzung nachzuweisen (
s. u. 1 a)
und scheint sonst im 16.
jh. nur in unmittelbarer anlehnung an diesen gebrauch verwandt zu werden (
s. Mathesius
unter 2 d);
im 17.
jh. jedoch wird es rasch sprachläufig und nun auch lexikalisch verzeichnet. die heute allein übliche schreibung grabmal
ist auch die des 16.
jhs., erst im 17.
jh. erscheint daneben grabmahl,
das zeitweilig überwiegt und noch über die mitte des 19.
jhs. hinaus gelegentlich begegnet: grabmahl Raabe
hungerpastor (1864) 1, 168; Ed. Gerhard
akad. abhandl. (1866) 2, 230.
die schreibung grabmaal
ist vom späten 17.
jh. bis ins frühe 19.
jh. nicht selten und dient wohl auch der abgrenzung gegen mahl '
convivium',
vgl. Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 43.
der pl. grabmale
scheint der ursprüngliche und im 17.
jh. allein übliche, er ist heute der gehobenen sprechweise eigen; im übrigen herrscht vom 18.
jh. bis in den modernen gebrauch der pl. grabmäler
vor, s. auch Paul
nhd. gr. 2, 28.
das nebeneinander beider formen bei einunddemselben autor ist nicht selten, vgl. z. b. Göthe
unter 1 b.
vereinzelt begegnet der pl. grabmahler Olearius
d. itzige stand d. königr. Persien 66
b in: verm. reisebeschr. (1696). 11)
in allgemeinstem sinne und in frühester bezeugung für jedes mal, jedes erinnerungszeichen, mit dem ein grab bezeichnet und der begrabene ausgezeichnet wird; auszerhalb künstlerischer wertung. 1@aa)
von den erdhügeln und steinmalen frühgeschichtlicher oder kulturgeschichtlich primitiver grabstätten: und Jacob richtet ein mal auff uber jrem grab, daselb ist das grabmal Rahel bis auff diesen tag
1. Mose 35, 20;
vgl. 2. kön. 23, 17;
in 2. kön. 23, 17 grabmal
erst seit 1543,
vorher warte
und, zur bibel 1541
berichtigend, grab,
dazu aber folgende randglosse: was aber solche camer oder gazophylatia vnd grabmal oder grabzeichen sind, wirstu in den propheten Jeremia (8, 1) vnd Ezechiel (32, 23) wol finden
bibel 8, 677
W. mit berufung auf 2. kön. 23, 17
in der ältesten lexikalischen verzeichnung des wortes: grabmal
tumulus Henisch (1616) 1721.
hierher wohl auch, wenn nicht zu 4: verschaff, dasz man ein gruben mach, ... welchs sein grab mahl bleib gleicher weisz ... dann ich will gehn verschaffen frey ein grabmal (
dem Aiax) zu sein letzten ehren (
beidemal für lat. tumulum) (1608) Spangenberg
bei Dähnhardt
griech. dramen 2, 125.
jünger: wo nur ein einziger (
altar) ist, ... da ist mehrenteils auch ein grabmaal (
bei hünengräbern) Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 249
lit.-denkm.; häufe mir ... am gestade des ... meeres ein grabmal, dasz die enkel noch hören von mir unglücklichem manne J. H. Voss
Odyssee 194
Bernays; ein niedriger hügel, voll brombeerranken und wilder rosenbüsche, ein grabmal unbekannten volkes, wie hier (
in der heide) viele sind Storm
s. w. (1899) 1, 99; dolmenartige steindenkmäler, zum großen teile offenbar als grabmäler angelegt Ratzel
völkerk. (1885) 2, 224; elch und keiler suhlten im erlenbruch. unterm urwald schliefen ringwall und gräbermal Agnes Miegel
herbstgesang (1933) 24. 1@bb)
innerhalb jüngerer verhältnisse unseres kulturkreises, und besonders in poetischer sprache, auch von den grabsteinen oder anderen merkmalen normaler durchschnittsgräber: weiter hat man auf königl. seiten drei gantzer tage lang, auf den leiterwagen, die leichen zusammen gelesen und eingescharret; kein grabmahl aber machen, sondern der erden gleich schlichten lassen Prätorius
zodiak. merkur. (1667) 141; so sol man sehn nach meinem sterben, hier diese wort auf meinem grabmahl stehn Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 383; die wehmuth weint der menschlichkeit zu ehren ... wenn sie den tod des freundes hört: allein wie wird ihr schmerz vermehrt, wenn sie sich selber auf sein grabmaal lehnet Zachariae
poet. schr. (1763) 3, 214.
wenn heute grabmal (
oder grabdenkmal)
als summarische bezeichnung für gewöhnliche grabsteine, grabkreuze und verwandte plastische gebilde in der sprache des steinmetzenhandwerks und auch sonst gängig ist, so ist diese anwendung auch als nivellierung des unter 2 a
begegnenden speziellen wortgebrauchs zu verstehen. eine solche die grenzen zu diesem gebrauch verwischende anwendung bereitet sich schon im 18.
jh. vor, vgl. z. b. Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1290; Jacobsson
technol. wb. (1793) 5, 724
a: die grabmale (
eines friedhofs mit gräbern aller art) deuten in ihrem zerstörten zustande auf ein mehr als vergangenes; sie sind grabmäler von sich selbst Göthe I 48, 167
W.; die gräber lagen an einem heimlichen platz an der mauer des kirchhofs, und bald waren sie nicht nur durch ein grabmal bezeichnet, sondern auch mit blumen bepflanzt
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 3, 219;
s. auch unten grabmalgeschäft, -künstler; und unter den steinernen gräbermalen (
eines kirchhofs) keuchten schatten
moderne dichtercharaktere 126
Arent-C.-H. 22)
in speziellerem sinne als bezeichnung für die verschiedenen anspruchsvollen kunstformen plastischer oder architektonischer grabgestaltung, wie sie, antiken ursprungs, über das mittelalter bis in die neuzeit sich fortsetzt. zu grab A 2 b—f
und in gleicher bedeutung wie jüngeres, im ganzen ungebräuchlicheres grabmonument (
s. d.).
in dieser engeren anwendung erst seit dem 17.
jh., aber dann rasch zur vorherrschenden entwickelt. 2@aa)
für plastische arbeiten, die an gräbern oder über gräbern ausgeführt sind, bildverzierte grabplatten und sarkophage, denkmäler, plastische symbole, auch architektonisch gegliederte und bildhauerisch verzierte fassadenbauten u. ä., oft ohne dasz in der anwendung des wortes eine dieser spielformen deutlich hervorträte; synonymen gebrauchs mit jüngerem grabdenkmal (
s. d. 1).
zum kunstgeschichtlichen fachbegriff vgl. z. b. Müller-Mothes
archäol. wb. (1877) 1, 485
ff. s. v. grabdenkmal (grabmal): solchem zu folge, ist ihm, bey dem scherbenthor, zum grabmahl eine flammseule aufgerichtet worden Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 5, 335; auf einem grabmahle des bürgermeisters herrn von Beverink zu Goude in den Niederlanden. ein weinender knabe, bey einer urne, ein anderer weist mit der hand gen himmel A. G. Kästner
verm. schr. (1772) 2, 154; auch der jüngling auf den (
antiken) grabmälern ist nicht ein eignes wesen, sondern 'lebensende, letzter schlaf' Herder 5, 664
S. gern mit anspielung auf materialwert und kostbarkeit der arbeit: o was sind doch alle marmorne und goldne grabmäler gegen einen rosenstrauch, den armuth, dankbarkeit und liebe einem redlichen aufs grab pflantzt Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 541; ihren sänger ehrt die herrin durch ein prächtiges begängnisz, und ein grabmal von porphyr lehrt sein trauriges verhängnisz Uhland
ged. (1898) 1, 203.
insbesondere von den grabmonumenten vornehmer oder bedeutender personen in den christlichen kirchen: in der kirche ... gefiel mir ein grabmahl von tyrolischem marmor Nicolai
reise durch Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 2, 617; aus der schönsten zeit des mittelalters herrührend und in einem groszartigen stile gebaut, enthält sie (
die kirche) die grabmäler aller königlichen geschlechter Dänemarks H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 109; lange schon ruhte herr Rüdiger Manesse in der gruft bei den Augustinern zu Zürich und lagen die eltern der Fides unter grabmälern ihrer münsterkirchen, getrennt durch land und wasser G. Keller
ges. w. (1889) 6, 117;
vgl. 3, 228; die altäre, sakramentshäuser, kanzeln, lettner, schranken und chorstühle, grabmäler usw. Dehio
kunsthist aufsätze. (1914) 59.
ungewöhnlicher für ein nicht über einem grab errichtetes ehrenmal zum andenken an einen toten: grabmahl
cenotaphium Reyher
thes. (1686) g 5
c; die jammernde Procne reiszt die prunkgewänder von den schultern und legt trauerkleider an, ein leeres grabmal errichtet sie, und beweint das ... geschick der (
totgeglaubten) schwester Hegel
w. (1832) 10, 2, 32;
vgl. noch Campe 2 (1808) 437
a.
zu der in jüngerer sprache um sich greifenden erweiterung dieses ganzen wortgebrauchs auf den normalen plastischen grabschmuck überhaupt vgl. oben 1 b. 2@bb)
grabbau, mausoleum, erbgruft, für ein als selbständiges gebäude aufgeführtes monument, in dem ein grab oder mehrere gräber sich befinden; von a
im einzelfall nicht immer sicher zu unterscheiden: als nun lange hernach Darius, der Perser könig, solches grabmahl (
der Semiramis) öffnete, fand er darinn kein geld J. Prätorius
wündschelruthen (1667) 374; Mausolens grabmaal trotzt den prächtigsten pallästen Cronegk
schr. (1766) 2, 31; er (
der turm) scheint kein werk der Araber, er ist inwendig mit erde ausgefüllt; von allen seiten gehn stufen hinauf und man hält ihn für ein grabmal W. v. Humboldt
über d. antike theater in Sagunt 109
lit.-denkm.; der Apis (
als ägyptischer gott) hatte prächtige grabmäler, und einige pyramiden waren als solche zu betrachten Hegel
w. (1832) 9, 222; stolze prunksucht türmte dich einst, o grabmal (
die Cestius-pyramide zu Rom) Platen
w. 1, 192
Hempel. an die vorstellung gebunden, dasz man in ein solches gebäude hineingehen, darin sich aufhalten kann u. ä.: so musz Polidor, wenn er aus der schlacht kömmt, und sich wiederum in dem grabmahle verbergen will, der Zelmire den rücken zukehren Lessing 9, 262
L.-M.; was für blut befleckt die steine hier an dieses grabmahls schwelle (
des familienbegräbnisses der Capulets) ('
Romeo u. Julia' V 3)
Shakespeare 1 (1797) 16;
vgl. 165; wir verdanken ihm freilich die todesscene Kleopatras im grabmale G. Freytag
ges. w. 14 (1887) 65. 2@cc)
in der bedeutung a
oder b
häufig mit dem beigefügten namen des begrabenen, in historischer bestimmung: sie sich ... bei den kaiserlichen begräbnissen des Augustus, wo der Octavia grabmal, würden sehen lassen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 379; winde dich, zart gewächs (
weinstock), rings um Anakreons grabmal Eschenburg
beispielsammlg. (1788) 2, 9; in der carthause von Pavia auf dem grabmal der ... Beatrix von Este Göthe I 49, 302
W.; haben sie Kleists grabmal besucht? Fontane
ges. w. (1905) I 2, 202; (
in Ravenna) errichtete er (
Theoderich) das bauwerk, das sein wesen am reinsten und edelsten ausdrückt, sein grabmal, das in anlehnung an ältere römische grabmäler — das grabmal Hadrians in Rom — doch zugleich älteste germanische überlieferungen wieder aufzunehmen scheint Gmelin
Italienfahrten (1940) 38. 2@dd)
in fester verbalverbindung ein grabmal aufrichten, errichten, bauen, setzen
u. ä., im ersten beleg zu 1 a,
sonst zu 2;
oft mit auszeichnendem attribut: Jacob richtet auch seiner lieben Rachel ... ein gedechtnusz vnd grabmal auff Mathesius
ausgew. w. 4, 91
Loesche; sie hat ... ein ... über die mass ... prächtig grabmahl auffgerichtet Dannhawer
catech.-milch (1657) 3, 207; er lieget in der stifftskirche des heil. Ambrosii zu Mayland beerdigt, in welcher ihm zum immerwährenden angedencken ein herrliches grabmahl aufgerichtet worden Hahn
einl. z. d. teutschen staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 1, 206; der kalif läszt ihm ein prächtiges grabmal errichten Scherer
lit.-gesch. 7176; (
Nero:) (
man soll) ihr aus ertzt und stein ein köstlich grabmal baun Lohenstein
Agrippina (1680) 82; dem Hyperanthes erbaut er zu Lesbos ein herrliches grabmahl Bürger
s. w. 274
b Bohtz; (
Turasyll:) hat er (
der könig) bestattet sie (
die gattin) mit würd'ger pracht? (
Prokles:) ein herrlich grabmal hat er ihr gesetzt Immermann
w. 16, 317
Hempel; so einer stürbe, soll ihm von der gesellschaft ein grabmahl gestifftet werden Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 566. 33)
gelegentlich für ein künstlich ausgehauenes felsengrab, enstprechend grab A 2 a: ein ansehnliches in einen lebendigen fels gehauenes grab. welches ihnen so viel mehr wunders werth vorkam, weil ... die steinernen grabmale bey denen Deutschen sehr seltzam waren Lohenstein
Arminius (1689) 1, 29
a.
ähnlich in biblischen verhältnissen, von einer grabhöhle: dasz ich (
Joseph) ihn (
Jakob) im lande Kanaan, in seinem eigenen grabmahle, begraben solte Zesen
Assenat (1679) 535 (536: [
sie] begruben ihn in die zweifache höhle des akkers, den Abraham ... gekauft hatte, mit der höhle, zum erbbegräbnisse).
besonders für das grab Christi, entweder in anlehnung an 2 a
oder unter einflusz des steigernd gehobenen gebrauchs 4: ich begrabe den todten des herrn (
Christus)! dort gegen uns über ist sein grabmaal, und meins Klopstock
Messias (1780) 388;
ders., geistl. lieder (1773) 1, 72; da geht im glanz, den engel nur tragen, der gottmensch aus dem grabmal Wieland
w. 6, 96
Hempel; das grabmal (
des Lazarus), vor das wir ... geführt werden, ist fast wie das nachherige grabmal Jesu beschrieben; es heiszt eine höhle, wie das grab Jesu den synoptikern zufolge in felsen gehauen, mithin gleichfalls eine künstliche höhle war D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 4, 196;
vgl. 6, 25. 44)
in poetischer oder feierlicher rede auch steigernd für einfaches grab,
im 17.
und 18.
jh., vgl. dazu oben 1 b: vergönne, tapffrer freund, alleine mir zu sterben, es soll mein blut allein das düstre grabmahl färben Ziegler
asiat. Banise (1689) 820; wir alle müssen fort, wir alle in ein grabmal Dusch
verm. w. (1754) 45; gerichtsdonner, ach, zu furchtbar tönest du in die grabmahle Klopstock
Messias (1780) 733; schieszt! schieszt! und macht den schosz der erde bersten! der risz soll eurer (
der Schweden) leichen grabmal sein H. v. Kleist
w. 3, 51
E. Schmidt. 55)
in älteren sonderbedeutungen z. t. unsicheren charakters. 5@aa)
leichenbegängnis, vereinzelt im 17.
jh.: womit in jener welt sich mancher gott ergetzt, da man sein (
des helden) grabmal hielt ... die frommen tugenden, des helden preis und zier, ... die hielten disz gepräng' Fleming
dt. ged. 1, 45
lit. ver. hierher vielleicht auch ein noch etwas älterer übersetzungsbeleg, der seine (
griechisch-)
lateinische vorlage entweder falsch versteht oder sie aus der zurüstung eines scheiterhaufens (
rogus)
bewuszt in eine bestattungsfeier umdeutet: eins theils fürwar brachten grünende zweyge dar, eins theils das grabmal ihr zuricht, brachten brennent kertzen (
alii jacentem frondibus consternere, alii supremum sedulo apparant rogum [
gr. πυράν]
taedas ferentes pineas) (1605) Spangenberg
bei Dähnhardt
gr. dramen 1, 221.
vermischung der vorstellungen eines scheiterhaufens und eines grabdenkmals zeigt übrigens ein —
freilich uneigentlicher —
gebrauch bei Herder: kaum liesz er (
der gute geschmack) sich irgendwo auf einer glücklichen städte nieder: so sammlete er sich auch bald brennreiser zu seinem eignen grabmale 5, 599
S. ähnlich wohl auch: ich Teutschland bin ein aass, bin selbst mein todtengräber, schickt mir mein grabmahl zu, zünd meinen holtzstosz an Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 379. 5@bb)
grabschrift, epitaph, gelegentlich im 17.
und frühen 18.
jh., vgl. grabmal significat ... inscriptionem sepulcralem, sive sermonem defuncti ad posteros e sepulcro Wachter
gloss. (1737) 604;
nicht eindeutig hierher grabmal ...
monumento, it(
em)
epitafio M. Kramer
t.-ital. 1 (1700) 553 (
vgl. auch ebda 2 [1702] 16),
da lat. epitaphium lexikalisch für grabmal 2
begegnet, vgl. z. b. Wolff
math. lex. (1747) 598
und noch epitaphium grabschrift, grabmal Kinderling
reinigk. d. dt. spr. (1795) 172.
die wenigen hierher gehörigen belege schlieszen freilich eine deutung nicht aus, in der grabmal
nicht '
grabschrift'
im eigentlichen sinne, sondern, wie unter 6 b,
ein gedenkzeichen geistiger art meinen könnte: entweder würde sie sterben, und da solte er doch der einzige sein, der ihm ein grabmahl schriebe Chr. Weise
d. polit. näscher (1678) 320; itzt gedachter Frantzose setzt hochgedachter princeszin ein schönes grabmahl zu ehren auff, darinnen unter andern diese worte befindlich Sperling
Nicodemus quaerens 1 (1718) 1155; so soll zu deinem ruhm man einst die grabschrifft lesen ... ihr jungfern wollt ihr nicht ein gleiches grabmahl haben, ... so liebt, wie unsre braut Neukirch
anfangsgründe z. t. poesie (1724) 796. 66)
bildlicher und uneigentlicher gebrauch des wortes knüpft vorwiegend an grabmal 2
an, wobei die hierher gehörigen bildhaft konkreten züge meist noch durchschimmern; z. t. ist einwirkung des bildlichen und uneigentlichen gebrauchs von grab (
s. d. B, C)
unverkennbar. 6@aa)
selten begegnet unmittelbarer vergleich: ihre verse sind ein von auszen blendendes grabmahl
neue schauspiele (1771) 12, 115; und sein eignes haus ihm vorkam wie ein düsteres grabmal, in dem er selbst mit allen seinen freuden begraben E. T. A. Hoffmann
s. w. 12, 17.
Gr. 6@bb)
uneigentlich steht grabmal
für ein dem äuszeren denkmal vergleichbares gedenkzeichen anderer, zumal geistigunsinnlicher art, vgl. auch oben 5 b: ich habe deroselben preiszwürdigsten tugenden und thaten einen lorbeerhayn gepflanzet, und einen ehrentempel erbauet: der sich aber, vor seinem völligen aufwachs und ausbau, in einen zypressenhayn und grabmahl verwandelt (
durch den vorzeitigen tod des geehrten) S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 8
a; hier diese arme solln dein leichenhemde, mein herz dein grabmal, süszer junge, sein
Shakespeare 8 (1801) 250; als ein grabmal für Wera Knoop (
die sonette an Orpheus) Rilke
br. 2 (1950) 311.
auch für den ruf und das andenken, die ein verstorbener hinterläszt: geduld und tugend kan ein ewig grabmal stifften Gryphius
trauersp. 604
Palm; sein (
des gefallenen helden) grabmahl baut die ehre maler Müller
w. (1811) 1, 206. 6@cc)
die 2 e
entsprechende gelegentliche verbalverbindung (sich) sein grabmal bauen '(
sich)
ins grab, (
sich)
zum tod und untergang bringen'
gehört zu der unter grab C
stark entwickelten uneigentlichen anwendung: das glück hat ihnen (
meinen gefallenen söhnen) selbst ihr grabmaal aufgebaut. sie haben unsern fall nicht lebend angeschaut Gottsched
dt. schaubühne (1741) 1, 46; so ist es! Deutschland stirbt einen kostbarn tod. mit viel gefahren, leichen und mühe baut es sich sein grabmahl Herder 27, 113
S. 6@dd)
am ausgeprägtesten ist ein grab B
entsprechender bildlicher gebrauch. grabmal
steht hier für den ort oder raum, wo etwas gestorbenes oder untergegangenes liegt, bzw. für spuren und überreste des untergegangenen, vernichteten selbst; die sinnfälligkeit der zum eigentlichen wortgebrauch gehörigen vorstellung behauptet sich hier besonders deutlich: aber ... sind diese so wol mühesame als holdselige wercke (
aus blumen) ... nicht lange bleiblich, und werden bald baufällige grabmahl, und nicht lang daurende mausolaea ihrer blühenden aber verwichenen schönheit Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 692; und wo Corinthus war, da stellet sich von steinen, und morschen todtenbeinen, sein traurigs grabmahl dar Triller
poet. betracht. (1750) 2, 289; dachtest du je, dasz dieses unendliche rund (
der natur) das grabmal deiner ahnen ist, dasz dir die winde, die dir die wohlgerüche der linden herunterbringen, vielleicht die zerstobene kraft des Arminius in die nase blasen Schiller 2, 349
G.; pasteten von ungeheurer grösze, die ganzen vögelschaaren zum grabmahl dienen Archenholz
England u. Italien (1785) 1, 2, 401.
im rahmen solcher vergleichung auch in einseitiger oder beiderseitiger beziehung auf abstraktes: dasz, wenn nunmehr der ring (
ehering) die hand gefesselt hat, das ehbett insgemein der liebe grabmahl zeige J. Chr. Günther
ged. (1739) 444; in jenen traurigen ruinen (
Roms, Athens) sieht sie (
die wissenschaft) das grabmaal ihres ruhms Schwabe
belust. (1741) 6, 101; schöne wiege meiner leiden, schönes grabmal meiner ruh, schöne stadt, wir müssen scheiden H. Heine
s. w. 1, 31
Elster; der jezige augenblik ist das grabmal aller vergangenen Schiller 4, 37
G.; und sie ahnten nicht von ferne, dasz ihr lehrgebäude ihr (
der religion) zum grabmal dienen würde Jung-Stilling
s. schr. (1835) 6, 376. 6@ee)
vereinzelt bleibt unmittelbare übertragung: in grabmälern (
handschriften und folianten) sich belustigen? Klopstock
gramm. gespr. (1794) 69. —