Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gesiht stFN.
1.1 ‘Sehvermögen’
1.2 ‘Blick, Blicken’
1.3 in Verbindung mit Präp. zuo : ‘vor Augen’
2 ‘Erscheinung’
3 ‘Aussehen, Gesicht’
1 ‘Sehen’ (s.a. gesiune ) 1.1 ‘Sehvermögen’ hastu aber bosez gesichte von der vuchte [Feuchtigkeit] di sich gesamenet hat in den ougen SalArz 39,13; der tille [Dill] stetecliche getrunken crenket daz gesichte Macer 59,9; daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen mêr ding denn kain ander auzwendich sin BdN 9,12. 9,31; wie wislich sich gebern / die glest in des gesichtes kern [in den Augen] Mügeln 290,2. 139,7; Lucid 150,2. 151,12 1.2 ‘Blick, Blicken’ an den grâl was er ze sehen blint, / ê der touf het in bedecket: / sît wart im vor enblecket / der grâl mit gesihte Parz 818,23; des strußes ouge heckt / des lebens geist sin blick erweckt [...] wie scharf was sin gesicht / [...] da got sin kint in solcher schicht [durch einen Blick wie der Vogelstrauß] / ließ decken ires [Marias] herzen blat Mügeln 190,5. – wan daz uns der regenpog schein, daz zuo gehœrnt diu dreu: diu sunn ain seit, daz geschickt riseln ander seit und daz gesiht [Blickwinkel] ze mitlist BdN 100,13 1.3 in Verbindung mit Präp. zuo: ‘vor Augen’ do gieng er siner rihte zer aller gesihte AvaLJ 23,5; si chômen al gerihte / zû des chuniges gesihte VAlex 658. 486; kvmest dv aber fvr gerichte / zv Ysengrines gesichte ReinFu K,1808. – si dienent niwan ze gesichte Erinn 208; des habe wir zvͦ einem ewigem vrchvnde vnde ander, di ze gegenwuͦrt vnde ze gesihte waren, dise hantveste [...] gegeben UrkCorp (WMU) 597,30; swer vor gericht bechlagt wirt und ist er da nicht ze gesichte [anwesend] DRW 4,538 (SchwspVar.; a. 1300). – ez wer Symon der verloren. / der wider da ze gesicht lag [zur Schau liegen] : / sich selb er pergens pflag Märt 10971. – ‘unter Aufsicht, in Obhut’ da vunden si den gotesun. / ze des wibes gesihte befulhen AvaLJ 112,2; swer aus den padstuben icht stilt gwant [...] und hât jener daz gewant der gwanthuetterinne enpholhen zu irer gesicht RbRupr 102. – phras. ‘von Angesicht zu Angesicht’ hei, welhe fróde di hant, die den vater vnde den sun vnde den heiligen geist sehent uon gesihte zuͦ gesihte! Lucid 158,26 2 ‘Erscheinung’ – ‘Trugbild’ ein gruwelich gesiht der tiuele vnde der drachen Lucid 128,13; vertreibt diu schedleichen gesiht in dem slâf BdN 449,7; HvHürnh 52,10. – ‘Offenbarung, Vision’ (vgl. gotesgesiht ): der gebreste menslicher vnvollebrahtekeit der erkennet sich niender bas denne in deme liehte gottes erkantnvste vnde in deme spiegil siner gesihte DvAStaff 590; da bi sol man merken, wie wunneclich ist gottis volle gesiht ebd. 425; das machet das gesicht bekant / Ezechielis jüdischer schar Mügeln 95,3 3 ‘Aussehen, Gesicht’ díu uuât den lîchamen zîeret in ménnisken gesíhte Will 66,13; die stimme gelster vnde lut [...] ir gesichte licht vnde clar, / roter mvnt, wizze zane Herb 3256; ir gesihte: / daz was sô rehte minneclîch, / sô süeze und alsô senerîch Tr 16506. 12348; wiser man, gelart, / das du in erkennest von gesichte Mügeln 329,4
MWB 2 567,8; Bearbeiter: Helmich