Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
genuoc
1.1 attr. (flektiert und bes. nachgestellt unflektiert)
1.1.1 vorangestellt
1.1.2 nachgestellt
1.2 präd.
1.2.1 von Sachen und Sachverhalten ‘ausreichend, genug’
1.2.1.1 bei sîn
1.2.1.2 bei einem andren Verb als sîn (vgl. 2 5 Mhd. Gr., § S 38,7)
1.2.2 von Personen zuo etw. ‘ausreichend Kraft haben, (einer Sache) gewachsen sein’
2 subst.
2.1 subst. Indeklinabile (vgl. 2 5 Mhd. Gr., § S 105) ‘eine ausreichende Menge’
2.1.1 oft mit part. Gen.
2.2 in der Funktion eines Indef.-Pron.: eine hinreichend große, ernst zu nehmende Menge ‘manche, viele’
3 adv. ‘ausreichend, genug, viel, sehr, oft’
3.1 meist steigernd zum Adj.
3.1.1 vorangestellt
3.1.2 nachgestellt
3.2 zum Verb
3.2.1 vorangestellt
3.2.2 nachgestellt
1 adj. 1.1 attr. (flektiert und bes. nachgestellt unflektiert) 1.1.1 vorangestellt: mir ratin genoge mine man Roth 969; ez ist genuger lute site Vät 129; Parz 272,11; Tr 350; UrkCorp (WMU) 371,26. – hân ich genuoc rîchiu phant RvEAlex 7812 1.1.2 nachgestellt: jâ habe wir scaz gnuogen Gen 2134; der gutes genunges hat hiut, morgen verliuset er iz PrOberalt 101,26; UrkCorp (WMU) 1192,31; PassIII 79,29. – ichn gebe in rîterschaft genuoc Wig 10155. – zum Pronomen: waz got an in genugen / von genaden wunders hat getriben Vät 228. 24352; die liute begunden nemen war / der grüeze und der âmûr / zwischen Flôren unde Blanscheflûr: / des wunderte sie genuoge [viele von ihnen] Flore(S) 857 1.2 präd. 1.2.1 von Sachen und Sachverhalten ‘ausreichend, genug’ 1.2.1.1 bei sîn: ich ne wart ir so gram nie, / daz ich ire gunde, / daz si zu langer stunde / sulich [härenes] hemede truge. / iz si mir genuge Eilh St,7324. – mit part. Gen.: wirt gesant einem brûdere tûch, des genûge ist zu eime cleide, daz mac er nemen StatDtOrd 109,27. – mit Dat.d.P. und Inf. mit ze ‘jmdm. reichen, zu viel werden’ den wilden getwergen / wære ze stîgen dâ [in jenen Bergen] genuoc, / dâ in sîn ors über truoc Wh 57,25 1.2.1.2 bei einem andren Verb als sîn (vgl. 2 5Mhd. Gr., § S 38,7): dâ mit dûhtes in genuoc / und wold in danne lâzen KvHeimUrst 328; zaichen gescahen da genuͦge Rol 7596; gestaine uͦber gestaine, / [...] / habeten si mere denne genuͦc ebd. 4603 1.2.2 von Personen zuo etw. ‘ausreichend Kraft haben, (einer Sache) gewachsen sein’ des wold er êrst vorsûchin, / ob er darzû [zur Keuschheit] genûge / wêr, daz er sî trûge NvJer 19052 2 subst. 2.1 subst. Indeklinabile (vgl. 2 5Mhd. Gr., § S 105) ‘eine ausreichende Menge’ wir enkvnden von der gezirde / nimmer gesagen vollen gnvc Herb 627; wir mohten immir genuoch haben / unde mohten mit allen eren leben VRechte 16; HagenChr(G) 800 2.1.1 oft mit part. Gen.: sô gewinnet si spünnes genuoch Barth 131,26; goldes furten si genuͦc Rol 3349; daz ir [der Brüder] herze jâmers gnuoc / nâch ir vil lieben vater truoc LvRegFr 4048; da beginc er wunders gnuc mit Herb 2988. – in unpers. Konstr. ohne formales Subj.: hie mite sî der rede gnuoc KvWKlage 30,1. – oft i.S.v. ‘es gibt viele’ wan der steine ist genuoc, / der ich noch nie gewuoc Volmar 709; der snâken ist genuog under den läuten [...], die uns slâfend stechent mit nâchred BdN 299,5; vnd ander, der genuoc ist UrkCorp (WMU) 174,32 2.2 in der Funktion eines Indef.-Pron.: eine hinreichend große, ernst zu nehmende Menge ‘manche, viele’ der kaiser begunde muͦden: / do wanten genuͦge / daz er scolte vallen Rol 8538; genuoger got was ein swîn, / etlîcher got ein schæfelîn, / ein kalp nam etslîcher dâ. / sumelîche nâmen sâ / häbche und ander vederspil RvEBarl 10545; UvZLanz 6096; auch im Sg.: sie waren der sinne also virblant / daz genuges got [der Gott von manch einem] was / beide cruth unde gras, / louch und zwibollen Vät 6725. – mit part. Gen.: wanne der leigen brûdere genûge gelêret sint StatDtOrd 35,5; dô riefen ir genuoge NibB 2132,1 3 adv. ‘ausreichend, genug, viel, sehr, oft’ 3.1 meist steigernd zum Adj. 3.1.1 vorangestellt: ich bin hie genuͦc nahen bi Rol 4624; diu legerstat gnuoc smæhe was LvRegSyon 3099; doch bedurfent wir dirr manung in disen ziten nit, won wir sint alle gnuͦg beschaiden PrGeorg 13,22 3.1.2 nachgestellt: ich hôrte es gerne gnuoc KLD:Kzl 16: 13,8; nâch eines werden fürsten lobe / gezieret was er vaste gnuoc KvWTurn 433. – Binabel [...] was michel unt snel, / starh unt chuͦne, / redehaft genuͦge Rol 8788; daz ir kein ûzerlîchez werk ze swære ist noch grôz genuoge, daz si sich dar ane und dar inne bewîsen müge Eckh 5: 38,5 3.2 zum Verb: 3.2.1 vorangestellt: dô wart sîn leit genuoc geklagt StrAmis 2456; doch noch mynem wone [meiner Meinung nach] so ist is genuk an dem mone [dem Mond] gemerkit Pelzb 139,10; nu lâz wir daz hie bestên, ez ist genuog an daz zil gepolt BdN 197,24 3.2.2 nachgestellt: daz clageten sie dicke vnd gnvͦc Ägidius 11; si beide luste, daz er kuste sî genuoc MF:Wolfr 7: 3,1; genigen unde gesalvieret / wart dâ genuoc LvRegSyon 3215. – hierher (?): unde swôr in [ihnen] des genûge / bî sîner mûter heile, / er wolde mit in teile / sîn lant und sîn rîch SAlex 3915
MWB 2 479,61; Bearbeiterin: Baumgarte