geistreich ,
reich an geist, nl. geestrijk. 11)
zuerst im 16.
jh., bei Luther,
wie auch geistarm
von ihm geprägt scheint, diesz wol veranlaszt durch die worte der bergpredigt Matth. 5, 3,
wo selig gepriesen werden die da
geistlich arm sind (
πτωχοὶ τῷ πνεύματι). 1@aa)
mit bezug auf geistliches oder den heiligen geist (
der auch kurz der geist
heiszt, s. dort 10,
d),
z. b. in der vorrede zur deutschen messe und ordnung gottesdiensts vom j. 1526,
wo von der schwierigkeit eine gute predigt dafür zu gewinnen die rede ist: wo nicht geistlicher verstand und der geist selbs redet durch die prediger (welchem ich nicht wil hiemit ziel setzen, der geist leret wol bas reden denn alle postillen und homelien), so kompts doch endlich dahin, das ein iglicher predigen wird was er wil .. denn auch das der ursachen eine ist, das wir die episteln und evangelia, wie sie in den postillen geordenet stehen, behalten, das der geistreichen prediger wenig sind, die einen ganzen evangelisten oder ander buch gewaltiglich und nützlich handeln mü
gen. Luther 3, 282
a.
ähnlich in dem bekenntnis vom abendmal Christi vom j. 1528,
von gesinnungsgenossen die doch in bezug auf auslegung der einsetzungsworte unsicher sind: warumb solten sie so demütig sein und des Carlstads, Zwingels oder Ecolampads text annemen .. solten sie nicht so wol geistreich sein, einen sonderlichen text zu machen als jene, das were grosze schande. 3, 483
a.
in den vorreden auf das buch Judith und Tobie: etliche wollen, es sei kein geschicht, sondern ein geistlich (
d. h. allegorisch) schön geticht eines heiligen geistreichen mans.
Bindseils bibelausg. 7, 412; ists aber (
das buch Tobie) ein geticht, so ists warlich auch ein recht schön heilsam nützlich geticht und spiel eines geistreichen poeten. 417.
hier blickt doch auch die heutige weltliche bedeutung schon mit heraus, die auch an den vorigen stellen schon ihren antheil hat. denn geist
für geistesgabe, geisteskraft, genie war auch jener zeit schon geläufig, obwol gleichfalls im anschlusz an den heiligen geist, zuerst als rednergabe des predigers (
s. geist 10,
i). 1@bb)
aber auch schon blosz weltlich, vom menschengeiste für sich, in ironischer verwendung: o wie hat
d. Carlstad den spruch gefurcht! und fieng an ein grosz stark gewelb uber sich zu bawen wider dise donneraxt. aber da er nach stein und kalk greif, ergreif er spinweb .. wie wir hören werden, wenn wir auf die zarte glose seines geistreichen und schriftlosen kopfs komen werden. Luther 3, 72
b,
vergl. vorher von seinem eigen thand aus seinem kopf erdichtet on allen grund der schrift, das musz denn der rechte geist heiszen 72
a,
und wie sie (
Carlstad und die seinen) einen eigen innerlichen geist ertichten 61
a,
s. dazu u. geist 10,
h sp. 2646;
freilich war auch mit diesem geist
eigentlich der rechte heil. geist im menschengeiste gemeint. vgl. auch reichtum des geistes
ironisch: sonderlich wenn meister Klügel drüber (
über die propheten) kompt, der die heilige schrift gar auswendig ... kan, der sihet es aus groszem reichthum seines geists fur eitel faul, tod gewesche
an. Bindseil 7, 335. 1@cc)
die vorzugsweis geistliche beziehung wird aber lange fortgeführt, bis ins 18.
jh., ja es erscheint geradezu als ein gesteigertes geistlich,
wie im bewuszten gegensatz zu der verkehrung von geistlich
in geistlos (
s. d. 2): aus den geistreichen büchern des thewren mannes Lutheri. Mich. Neander
bedenken 38; Cyr. Spangenbergs cxiiii schöner geistreicher lieder.
Frankf. a. Main 1582;
ein landsknecht zu Johannes dem täufer, der ihm eine buszpredigt gehalten: die heilige und geistreiche wort, so ich itzt, herr, von euch gehört, gehn mir zu meinem herzen ein. J. Sanders
trag. v. Joh. dem täufer (1588) J 5
b; ich will, herr, die gelübd, die ich gethan, vollbringen, und deines gnadenworts und werks gaistreichen schein (
glanz) in deiner heiligen gemein der ganzen welt fürsingen. Weckherlin 94 (
ps. 22, 27); ohn ablasz suchet got (
acc.), erforschet seinen bund, ersuchet seine gnad, gehorchet seinem mund, geistreich durch ihn zu werden. 230 (
ps. 105, 4),
vergl. geistlich werden
unter geistlich 3,
b; ein andächtiges gebet zusamt zweien geistreichen gesängen. Opel
u. Cohn 30
jähr. kr., vom j. 1631
s. 196,
sie enthalten angstvolle bitte um frieden, in schönstem heiligem ernste und kunstvoller form, was mit geistreich
vielleicht gemeint ist; ja auch bei den allerheiligsten übungen (
beim gottesdienst), an statt dasz ihr (
der jugend), zur ehre gottes, geist- und anmuthreiche psalmen und gesänge erschallen sollen, ihr mit wälschen losen leichtfertigen fugen, fusen, fantastereien und concerten .. uf der orgel aufgespielet (
wird). Moscherosch
Phil. 1, 381; wer kan doch anders sagen, als dasz Opitz, ob er wol wie alle andere menschen gebrechlich, dennoch in seinem leben, am allermeisten aber in seinen letsten jahren desselben eine schöne wohnung des heiligen geistes sei gewesen, angesehen etliche seiner schriften dermaszen geistreich und so voll göttlicher gedanken stecken, dasz ich es schier für unmüglich halte, bei sothanem zustande und christlichen betrachtungen in diesem leben der wahren erkenntnusse gottes fehlen und hernach eines unseligen todes sterben können. Bapt. Armati (J. Rists)
rettung der edlen teutschen hauptsprache D 7
a; alsdann wird er (
der künftige grosze deutsche held) die allergeistreichste, gelährteste und frömmste theologos von allen orten und enden her aus allen religionen zusammen bringen .. und ihnen auflegen, dasz sie .. die strittigkeiten, so sich zwischen ihren religionen erhalten, erstlich beilegen
u. s. w. Simpl. 1, 264
Kz. (III, 5);
d. M. Luthers und anderer vornehmen geistreichen und gelehrten männer geistliche lieder und psalmen.
Berl. 1653; absonderlich ist zu gedenken, dasz Hans Sachsen lied, anfahend: warum betrübst du dich mein herz? in der ganzen evangelischen kirch .. als geistreich und seelenerquickend in denen versammlungen gesungen wird. Wagenseil
de civ. Norib. 518; P. Gerhardts geistreiche haus- und kirchenlieder, ausgefertigt von J. Fr. Feustking.
Zerbst 1707; J. A. Freylinghausens geistreiches gesangbuch.
Halle 1715; geistreiche predigten. Rädlein 343
a; in der menge geistreicher, lieblicher, vortrefflicher gesänge, die wir im Lutherthum vor andern christen haben. Brockes 2, 559 (549); ob es gleich gewisz bleibt, dasz wir viele schöne lieder haben, die in hundert jahren noch eben so verständlich und geistreich sein werden, als sie vor hundert oder zweihundert jahren waren. Gellert
geistl. oden u. lieder (1757) x,
vergl. frostige lieder
u. ä. viii.
von den wbb. kennt es noch Frisch 1, 336
c nur als religione plenus, voller geistlicher, gottseliger gedanken, während es Weber 335
b neben entheus, divini spiritus auch als ingeniosus gibt, wie schon Steinbach 2, 243
neben divinus, auch schon der jesuit Aler 875
a neben divinus, sanctus, divino spiritu tactus et actus, voll geists, ein geistreicher mann
homo religiosus, spiritualis, divino spiritu plenus. s. auch geistvoll 2. 22)
ohne jene geistliche beziehung, zu geist
in erhöhtem sinne als talent, genie, esprit. 2@aa)
auch so schon im 16. 17.
jahrh., zuerst von dichtern und dichtung, wie schon bei Luther geistreicher poet (1,
a a. e.): der hocherlaucht poet Hans Sachs war des gesanges kunst ein schöne zir, er that sie herzlich liben, hat vil gemacht und auch geschriben (
hinterlassen) römisch heidnisch und auch biblisch geschicht aus geistreichem gemüte gar vil schöne gedicht on rum und pracht.
meistergesang Dresdn. hs. M 16
bl. 177; verse können auch was gelten (
vor der welt), sind sie geistreich nur gesetzt. Sim. Dach 74
Öst.; ein ander (
läszt sich nennen) geistreich, der doch geistlose gnung ist.
schelmhechel o. o. 1685
s. 80. geistreich,
geistig, spiritoso M. Krämer
teutsch-it. wb. Nürnb. 1678 522
b,
freilich mit verweisung auf geistlich,
wie Stielers
erklärung mit illustratus, illuminatus 1582
wol die geistliche verwendung meint, ingeniosus ist ihm sinnreich 1583,
das ältere wort für unser geistreich,
mhd. sinne rîch,
und noch im 18.
jh. sinn- und geistreich
verknüpft: seine (
Gleims) sinn- und geistreiche laune. Jacobi
über die lehre des Spinoza 36.
im 17.
jh. trat auch (
nach dem nl.)
einfaches geistig
für geistreich auf, ohne durchzudringen, s. dort 1,
b. 2@bb)
zum durchbruch kommt die heutige bedeutung mit geist
für franz. esprit,
dann für génie (
s. geist 23. 24): geistreich,
voller geist, kräftig, plein d'esprit ou de force, spirituel, ingénieux, eine geistreiche person,
une personne d'esprit Rädlein 343
a; ein gar geistreicher mann,
homo ingeniosissimus. Aler 875
a; eine nachahmung (
ward von den dichtern eingeführt), welche sich auf die natur und die geistreichen schriften der alten Griechen und Römer gründete. König
zu Canitz 1727
s. 238 (1734
s. 383); die geistreichen köpfe in der Schweitz sind noch nicht über das anagramma und das acrostichon hinaus. Bodmer
mahler der sitten 1, 361; gewisse proverbialredensarten .. welche .. durch den täglichen umlauf in dem munde knechtischer leute alles geistreiche und neue von sich verlohren haben.
ders., poet. gem. 91; hört man das lied geistreicher nachtigallen, so kann uns eures nicht gefallen. Gellert 1, 125 (137),
im ausspruch der lerche über den gesangstreit zweier schwalben, mit bezug auf die sänger seiner zeit, insbesondere Hagedorn; man beschäftige nur den verstand des jungen schülers auf eine lebhafte und geistreiche art .. 7, 144 (108); eine geistreiche und verdeckte bewunderung entzückt ihn. 7, 290 (220); der kopf des pferdes kaisers Marcus Aurelius kann in der natur nicht wohlgebildeter und geistreicher sein. Winkelmann 4, 239; besonders hatten die ihrigen (
franz. verse) ein naturell, das sich vor allen andern auszeichnete, eine glückliche wendung ohne eben geistreich zu sein. Göthe 16, 207; mein entzücken an kunstwerken, wenn sie wahr, wenn sie unmittelbar geistreiche aussprüche der natur sind. 209; geistreiche, gefühlte kunstwerke sind es die mich entzücken. 211; ich erstaunte .. über das geistreiche des sinnlichsten gegenstands.
das.; wer einer versammlung frommer menschen, die sich, abgesondert von der kirche, herzlicher und geistreicher zu erbauen glauben, beigewohnt hat. 18, 220 (
lehrj. 2, 13),
wie mit anklang von 1,
c; einen entschiedenen zug des kummers, der ihrem geistreichen gesicht noch ein besonderes interesse gab. 19, 72 (4, 13); so sehr war er gewohnt, den mann (
den harfner) um sich zu sehen und seine geistreichen und herzlichen töne zu vernehmen. 19, 230 (5, 15), geistreich und herzlich
wie vorhin, mit tiefer nahrung für geist und herz; da zeigte sich ... eine kleine seitencapelle von noch geistreichern und leichtern maszen. 17, 209 (
wahlv. 2, 2); ein geistreiches lesen, ein anmuthiges pianospiel, ein lieblicher gesang. 22, 86 (
wand. 2, 4); man war bis in die nacht munter und geistreich zusammen. 22, 48 (2, 3); einem gewissen frei-heitern, um nicht zu sagen geistreichen gespräche. 22, 153 (2, 9); aus guter, mäszig-aufgeregter, geistreich-anmuthiger gesellschaft zurückkehrend. 45, 311; mein ... in deutscher sprache abgedruckter versuch, wie man die gesetze der pflanzenbildung sich geistreich vorzustellen habe. 58, 114; der herrliche kirchengesang veni creator spiritus ist ganz eigentlich ein appel ans genie (
s. u. geist 23,
d), deswegen er auch geist- und kraftreiche menschen gewaltig anspricht. 49, 62 (
spr. in pr. 196); alle gegner einer geistreichen sache schlagen nur in die kohlen, diese springen umher und zünden da wo sie sonst nicht gewirkt hätten. 49, 48 (114); ein geistreich-aufgeschlosznes wort wirkt auf die ewigkeit. 3, 169 (2, 273
H.); ein glücklicher erfolg ist ihr (
der weisheit) gewiss ... sobald sie in ihren geistreichen planen eine rolle für barbarei, habsucht und aberglauben hat und die umstände ihr vergönnen, eigennützige leidenschaften zu vollstreckern ihrer schönen zwecke zu machen. Schiller VIII, 54; setzen wir also, die vorsehung wäre auf dieser stufe mit ihm stillgestanden, so wäre aus dem menschen das glücklichste und geistreichste aller thiere geworden, aber aus der vormundschaft des naturtriebs wär er niemals getreten. IX, 126; umgieb sie (
die zeitgenossen) mit edeln, mit groszen, mit geistreichen formen .. X, 303; auch die geistreichste musik .. 351, 10; eine solche art des ausdrucks, wo das zeichen ganz in dem bezeichneten verschwindet .. ist es, was man in der schreibart vorzugsweis genialisch und geistreich nennt. 439, 27; der dichter einer naiven und geistreichen jugendwelt .. 446, 21; hat ihn (
Kleist) sein dichtungstrieb aus dem einengenden kreis der verhältnisse in die geistreiche einsamkeit der natur geführt. 471, 6; aber zu einer hohen geistreichen wehmuth neigt sich doch überwiegend sein (
Klopstocks) herz. 474, 27; auf dem einen (
bilde) steht sie in einer sehr geistreich gedachten stellung abgewendet. 536, 26; die farbe seines gesichtes, besonders der geistreichen stirn, (
war) fast durchsichtig. Tieck
zu Novalis 1, xxxii.
mit seelenvoll
gepaart, wie vorhin mit herzlich (
vgl. geistvoll): eine uralte, geistreiche und seelenvolle religion, die aus Asien in die wälder Germaniens eingewandert war. Wienbarg
ästh. feldz. 21. 2@cc)
begriff und wort aber, von Schiller
und Göthe
für das höchste verwendet und ausgeprägt, haben nachher ein sinken erfahren, eben indem man die begonnene linie in gerader richtung fortzusetzen wähnte; das geschieht immer von dem punkte an, wo sich das geistreiche vom wahren, der geist vom ernste der tiefern wahrheit trennt, wie denn mehr geistreich als wahr
ein nun geläufiges wort ist. auf diesen punkt deutet schon z. b., in verschiedener weise: das manierirte ist ein verfehltes ideelle, ein subjectivirtes ideelle, daher fehlt ihm das geistreiche nicht leicht. Göthe 22, 233 (
spr. in pr. 669); frecher und gehaltener, geistreicher und verwegener, unsittlich - sittlicher war mir kaum etwas vorgekommen. 31, 183,
von Rameaus neffen von Diderot; dieser geistreiche leichtsinn und flüchtige muthwillen haben etwas was man äther der fröhlichkeit nennen möchte. Fr. Schlegel
Athen. 1
2, 164.
so gewann auch das wort selbst einen misslichen anflug oder anklang, schlug aus hohem in ein zweifelhaftes oder selbst übles lob um, z. b.: dasz ihre kritik (
die der romantischen schule) zu sehr blosz ein geistreiches spiel, zu viel ironie gewesen sei. Vilmar
nat. lit. 2, 333; herr Cousin hat sehr viel geistreiches wischiwaschi, aber keine deutsche philosophie vorgetragen. Heine
die rom. sch. 184; ich war unter allen den geistreichen, eleganten, schillernden und schimmernden gestalten der kreise, die mir durch mein damaliges amt zugewiesen worden (
der diaconus als grafenerzieher), eben so geistreich, halbirt, kritisch und ironisch geworden, wie viele, genial in meinen ansprüchen, wenn auch nicht in dem was ich leistete, unbefriedigt von irgend etwas vorkommendem und immer in eine blaue weite strebend ... hatte weltschmerz
u. s. w. Immermann
Münchh. 1, 212 (2, 10),
vergl. vom hermaphroditismus des geistes und gemüthes
s. 213; der geistreiche erbprinz von Dünkelblasenheim wähle ihn zu seinem gesellschafter und vertrauten. 3, 183 (6, 11); dem vater gegenüber steht nun der erbe ... witzig, phantasievoll, ein geistreicher herr, gleichsam ein genie. 186,
vgl. spirituell 194; die herablassung, mit welcher der herr fürst (
Pückler) uns plebejern seine geistreichen schnitzel zuwirft. Herwegh
ged. u. krit. aufs. 1, 40; Börne war leider nicht geistreich genug, um ... ein überläufer (
auf die aristokratische seite) zu werden.
das.; wenn wir uns nicht durch die freiheit aller und durch vollste hingebung unseres seins erretten, sind wir würdig von den barbaren zermalmt zu werden, die vor unserer schwelle lauern, während wir in geistreichen finessen schwelgen. Auerbach
neues leben 2, 138.
und wenn es sich auch daneben in seinem werte erhalten hat, so ist es doch nie mehr so sicher gegen jenen anklang, wie geistvoll
es zur zeit noch ist. dasz es aber auch im besten gebrauch von seiner alten tiefe doch verloren hat, zeigt z. b. Schillers geistreiche einsamkeit der natur
u. b, noch mehr wenn er die jugendwelt der menschheit zugleich naiv
und geistreich
nennt, begriffe die uns fast durchaus gerade gegensätze geworden sind. übrigens fällt diesz entartete oder ironische geistreich
im grunde zusammen mit der verwendung, die schon Luther
unter 1,
b davon und von reichthum des geistes
machte. zu vergleichen ist auch unter geist 24,
g vom falschen geist, falschem witz, faux esprit,
der im 17. 18.
jh. zu bekämpfen war. 33)
aber auch zu geist
für leben, lebensgeist, kraft, frische u. ä., d. h. zur ursprünglichen bedeutung von geist (
s. d. 2). 3@aa)
schon folgendes geistreich
bei Göthe
gehört wesentlich dieser bedeutung an, wenn er an Leonard da Vincis abendmahl rühmt, wie er das bild durch die bewegung der hände belebte: diesz konnte aber auch nur ein Italiäner finden. bei seiner nation ist der ganze körper geistreich, alle glieder nehmen theil an jedem ausdruck des gefühls, der leidenschaft, ja des gedankens
u. s. w. 39, 96,
reich an lebensgeist oder lebensgeistern, denn es war dafür hauptsächlich der plur. geister
in gebrauch und noch dem ganzen 18.
jh. geläufig (
s. geist 13),
sodasz geisterreich
richtiger schiene, das auch Göthe
noch brauchte, das aber im raschen sprechen sich mit geistreich
mischen muszte. ähnlich heiszt die ganze welt geistreich,
mit geist oder geistern belebt, erfüllt (
s. u. geist 11),
vielleicht gleichfalls für geisterreich: sind dann die geister nur allein vergessen worden? die geister, die da stehn mit gott in einem orden, umb deren willen doch, weil sies verstehn allein, das ganze weltgebäu so geistreich müssen sein. Leibnitz
bei Pertz 4, 111,
Gödeke 11
bücher deutscher dichtung 1, 485
a. 3@bb)
in bezug auf die lebensgeister in der pflanzenwelt u. ähnl. (
s. geist 11,
f und 12,
a ff.): geistreiche sachen
für geistige getränke gibt Curtze
volksüberl. aus Waldeck 466
a aus einem medicinischen werk vom j. 1725; ein geistreicher wein,
der viele wirksame flüchtige theile hat Adelung (
s. geist 12,
c),
und insofern er seine kraft, d. i. lebensgeister dem trinkenden mittheilt: geistreicher, kräftiger trank,
potio multarum virium, vires addens, vires confortans. Aler 875
a,
wie man von geisterreichem blute
sprach, gewiss auch von geistreichem (
vgl. geistlos
a. e.).
nl. geestrijk,
sehr alkoholhaltig u. ähnl. selbst von öl, dessen leuchtkraft man in seinen geistern suchte: steinöl (
quillt da), wie wol nicht so gar geistreich. Olearius
reis. 242
b.
dann auch geistreiches nasz,
befruchtende, belebende feuchtigkeit, eigentlich geistgebende (
vgl. von dünger unter geist 13,
c): ein geistreich nasz, kein schnöder rauch (?) treibt die gestalt an höhern fichten (
läszt sie höher wachsen). Withof
gedichte (1751) 37. 3@cc)
das lebt denn im volke nach, recht im gegensatz zu dem geistreich
der gebildeten, für kräftig, lebensfrisch (
wie geistig
in Tirol).
so hört man es z. b. in der Leipziger gegend, von menschen und pflanzen, geistreich
heiszt z. b. ein kerngesundes kind (
selbst ein geistreicher rücken,
derber, breiter);
die cactus, meinte Hirzels gärtner einmal, dürfe man im winter nicht zu geistreich halten,
ihnen nicht viel wasser geben, also wie bei Withof
vorhin. so gilt auch geist
selbst beim volke noch von leben, kräftiger lebensfülle (
s. dort 2,
d).