geistvoll ,
jüngere nebenform von geistreich;
vergl. doch im 16.
jahrh. voll geistes
unter geist 8,
e, auch geisterfüllt, geistesfülle.
auch nl. geestvol.
ein subst. dazu fehlt noch, wie auch zu geistreich
eigentlich keins geläufig ist. 11)
erst seit dem 18.
jh. (
noch nicht bei Stieler),
zu geist
als esprit, talent, genie, das damals in gang kam, wol durch franz. plein d'esprit
veranlaszt: sammlung critischer, poetischer und anderer geistvoller schriften.
Zürich 1741
ff., von Bodmer; der berühmte Clericus gedenkt seiner bei anlasz der geistvollen überschrift bl. 68. Bodmers
vorber. zu Wernike s. 10; stellet euch einen mann vor, der so die schönen wissenschaften studiret, so die geistvollen werke der alten und neuern liest .. Gellert 5, 82 (62); dasz sie erfahrne, belesne, scharfsinnige, geistvolle (
dichter sind). Rabener 1755 4, 229; sie hat eine melodie, die sie auf dem claviere spielet mit der kraft eines engels, so simpel und so geistvoll! Göthe 16, 54 (
Werther 67),
wie mit einem anflug der 2.
bed.; es gibt wenig menschen, die so unternehmend und biegsam, so geistvoll und fleiszig zugleich sind. 10, 96 (
Clav. 4); Wilhelm hatte sich schon lange mit einer übersetzung Hamlets abgegeben, er hatte sich dabei der geistvollen Wielandschen arbeit bedient. 19, 165 (
lehrj. 5, 5); sollten denn aber geistreiche und talentvolle frauen nicht auch geist- und talentvolle freunde erwerben können, denen sie ihre manuscripte vorlegten .. 33, 239; seine (
Göthes) stimme ist überaus angenehm, seine erzählung flieszend, geistvoll und belebt. Schiller
an Körner 1, 341; man sehe doch nur einmal zu, was eine solche einseitige bildung für staatsdiener geben kann? der philosophische unsinn hat den geist abgestumpft, das juristische formen- und cautelenwesen hat ihn nicht wieder belebt, jetzt werden nichts als schlendrianisten, wortkrämer, maschinen und tabellisten daraus, an eine geistvolle lebendige betreibung des amtes ist gar nicht zu denken.
feuerbrände 11, 99 (1808). 22)
anfangs auch mit der wendung aufs geistliche, die geistreich
damals hatte (
s. dort 1,
c): sechs theile seiner geistvollen und erbaulichen lieder sind bereits in den händen so vieler tausend leser. Zink
zu Brockes
ird. vergn. 7,
vorber. *5
b; er (
mein vater) ruht nun auf dem kirchhofe zu Aalen mitten im schosze seiner beichtkinder, die ihn wie ihren vater liebten, denn manchen schlummernden um ihn hat sein geistvoller zuspruch im tode erquikt. Schubarts
leben und gesinn. 1, 8. 33)
auch mit anklang an geistreich 3 (
s. besonders Leibnitz
dort),
zu geist
im weitesten sinne: in der natur nennen wir jede träge materie todt, je mehrere, je edlere kräfte sich in ihr regen, desto mehr erscheint sie uns geistig, geistvoll. Herder XX, 44; geistvoll ist das, worin sich der geist unaufhörlich offenbart
u. s. w. Novalis 2, 107.