Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gedinc stM.
1.1 allg.
1.2 in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen
1.3 mit Bez. der erhofften Sache;
1.4 ûf gedinge(n) ‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’
1.5 gedinge(n) hân ‘hoffen’
1.5.1 ‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit rechnen’ ;
1.5.2 ‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw. setzen’ , mit Präp. an/gegen/in/ze
2 ‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’
1 ‘Hoffnung, Zuversicht’ 1.1 allg.: gedinge ist aller werlde trôst, / daz sie von sorgen werde erlôst. / gedinge fröuwet manegen man, / der doch nie herzeliep gewan Freid 134,24; dem armen ist niht mê gegeben / wan guot gedinge und übel leben ebd. 43,13; ain zuversicht unt ain minne, / aín geloube unt ain gedinge, / ain truͦwe was in allen Rol 3460; sein gedinge was ze gote guot Serv 1634; die fürsten [...] sâhen wol daz er [Alexander] was frô, / daz was ir guot gedinge dô [gab ihnen Zuversicht, freute sie] , / wann sie in vorhten sêre UvEtzAlex 19150. – ez heizet eteswâ gedinge, eteswâ zuoversiht, eteswâ hoffenunge, ez heizet in latîne spes PrBerth 1:46,14. 1:165,20; der hat rethen gedingen oder reht hofenvmb SpitEich 43,16. – unterschieden von wân (s.a. Götz, Leitwörter S. 164ff.): mîn gedinge ist, der ich bin / holt mit rehten triuwen, daz si ouch mir daz selbe sî. / triuget dar an mich mîn sin, / sô ist mînem wâne leider lützel fröiden bî Walth 14,14 (s.a. 1.3); ichn hân gedingen noch wân Iw 7864; guot gedinge der ist vil guot, / lieber wân noch sanfter tuot UvLFrd 340,25; daz dû des solt gedingen hân / sunder zwîvellîchen wân RvEBarl 3981 (s.a. 1.5); Freid 134,23; KLD:GvN 35:2,7; KLD:Obernb 4:2,2 1.2 in best. Verbverbindungen bzw. Wendungen: di fursten uon Karlingen / fluren allen ir gedingen Rol 8880; unser gedinge der ist hin Tr 9395; RvEBarl 4849. 13315. – [David zu Goliath:] din gedinge ist an der sterchke din, / so lit der gedinge min / an gotis namen RvEWchr 24207; Erinn 4; man sol allen gedingen an got legen SpitEich 39,24; óbe dú dîn gedínge ánne míh sezzest Will 43,16; Spec 51,13; Wernh D 4141; RvEAlex 5120 1.3 mit Bez. der erhofften Sache; mit Gen.: unsir herri Crist [...] hat uns erzeigit den gedingin der hêrn urstende Spec 72,30; die hilig schrift [...] geringet alle werltlich angest mit dem gedingen der ewigen genaden PrOberalt 40,8; SuTheol 190. – mit präp. Attr.: mich fröit gedinge ûf lieben trôst KLD:Obernb 4:2,7; von sînem hazze ich nâch versanc, / und ouch versunken wære, / des half mir, daz ich niht ertranc, / gedinge ûf liebiu mære HartmKlage 1718; SEzzo 72. – mit abh. Satz: dô was er des gedingen niht gar in herzen vrî, / im müese von ir schulden liebes vil geschehen NibB 625,2; wan daz si der trôst labete / und der gedinge ûf habete [aufrecht hielt] , / daz sin binamen wolte sehen, / swie sôz möhte geschehen Tr 1188; HvFreibTr 6542; Walth 14,14; KLD:UvL 19:2,4; SM:KvL 17:3,1 1.4 ûf gedinge(n) ‘auf die Hoffnung hin; aufgrund der Hoffnung’ ach ungelückes âkust, / wie dû dich erzeigen muost; / wan dû dicke liebe tuost / manegem ûf gedinge, / swenn im dar nâch misselinge, / daz sîn clage sî deste merre Flore 1173; ich wil aber singen / der lieben ûf gedingen KLD:GvN 20: 2,6; doch bin ich ûf gedinge frô: / unz ich gedinge, so lebe ich hô SM:Gl 1: 14,1; KvHeimUrst 576; SM:HvStr 2:5,4. – ûf den gedingen/daʒ gedinge, daʒ/obe ... ‘in der Hoffnung, dass ...’ und suohte her unde hin / ûf den gedingen, ob er in / iender hæte vunden Tr 9178. 19060; ûf den gedingen kom er dar / daz si im würde âne strît Wig 7328; RvEWh 4306; RvEBarl 16075; Ottok 22118; Seuse 47,19; ähnl.: ûf solhen gedingen ich her ze hove reit, / daz du mir holt wærest NibB 2102,2 1.5 gedinge(n) hân ‘hoffen’ 1.5.1 ‘etw. (selten jmdn.) erhoffen, erwarten, damit rechnen’; mit Gen.d.S.: wir hân des niht gedingen NibB 115,1; ir sult iz lâzen stân / des ir dâ habet gedingen, ja’n mag es niht ergân ebd. 635,2 u.ö.; RvEBarl 3981. – mit Präp. ze: sône hete er ze sîner genist / dehein gedingen [Hss. gedinge ] mêre AHeinr 241; sît wir ze herverte haben guot gedinge Kudr 945,3; wand vns got erben hat beroubet vnd zvͦ andern erben niht gedingen haben UrkCorp (WMU) N377,23; SM:KvL 19:3,1. – mit abh. Satz: sô haben wir doh gedinge / daz wir ze jungest ernern unser sêle Kchr 984. 8547; ich hân gedingen daz mir werde ein süezer umbevanc KLD:GvN 15: 1,9 u.ö.; sô heter gedingen unde wân, / im möhte niemer missegân Eracl 1905; Will 53,5; HvNstAp 15860; Dalimil 32,33; Seuse 377,28 1.5.2 ‘seine Hoffnung (im Bezug auf etw.) in jmdn./sich/etw. setzen’, mit Präp. an/gegen/in/ze: dîe guoton sêla, dîe der [...] nechêin gedínge ne hând an ín sélbon [...], neuuâre ókkeret in gótes gnâdon Will 52,42; daz der mensche verzwîvel unde daz gedinge lâze, daz ein ieglich mensche gegen gote haben sol PrBerth 1:46,10; daz er ze got gedingen het Ottok 15713; diu Minne wol gevüegen kan / liep unde leit, die [denen, die] zuo ir habent gedingen RvZw 30,12; SuTheol 261; PrLpz 134,36. – mit gedinge erläuterndem abh. Satz: íh uuíl ióh dén gedíngon an ín [ihn (Christus)] hában. daz íh mîne mûoter Synagogam [...] ze sînemo gelôuben brínge Will 48,39; nû haben wir alle ze gote gedingen, / ir [Seele] werde ze jungest guot rât Kchr 6080 2 ‘Anwartschaft (auf ein Lehen)’ daz kint [...] bricht [hebt auf, setzt außer Kraft] al gedinge [anderer möglicher Erben] in des vater lêne, wan [wenn] ez lebete nâh des vater tôde SSp(W) 1:33; SpdtL 115,17; lên bî ires mannes lîbe ist ir gedinge; nâh ires mannes tôde ist ez ir rechte lên SSp(W) 3:75,2
MWB 2 209,33; Bearbeiter: Bohnert