gebäu,
n. ältere nebenform von gebäude,
ahd. einmal gebiuwe
habitatio Graff 3, 18,
d. h. schon in mhd. gestalt, die reine form wäre gibûwi,
über die bildung s. sp. 1616;
mhd. gebiuwe
Greg. 2795 (
von feldbau),
alem. noch im 16.
jahrh. mit dem -w gebeüw Maaler 159
b;
mit md. vocal gebûwe (
s. wb. 1, 289
b, Lexer 1, 756),
wie mnd. gebûwe Sch.
u. L. 1, 25
b,
nnd. gebüw Dähnert 145
b.
nl. ghebouw
aedificium, structura, aedificatio, fabrica Kil.,
nnl. gebouw
n. hd. selten noch mit voller endung, im 15.
jahrh. gebewe Dief. 195
a,
im 18.
jahrh. das gebäue Steinbach 1, 72,
Pierot 2, 305 (
auf derselben seite gebäu).
auch gebeu Stieler 101. 11)
ursprünglich als subst. zu bauen
in dessen ganzem umfange, wovon noch nhd. anfangs spuren; vgl. das ahd. '
habitatio'
und dazu bauen 1
und 4,
d, auch gebäude II, 1.
im himmel haben die frommen ein besonderes gibiuwe,
d. h. wohnort und wohnen zugleich: dâ ist der gotes friundo sundergibiuwe.
himmel und hölle 92. 1@aa)
so auch im 16.
jh. noch vom feldbau, s. feldgebäu, ackergebäu;
auch vom ertrag des feldbaues: si (
die bauern) geben dem künig zuo tribut den fünften teil all ihres gebeüws.
Frank weltb. 193
b,
wie ackergebäu
bei Thurneisser.
der collectivische begriff, den diese ge-
bildungen gewöhnlich haben, ist auch hier deutlich genug, wie beim folgenden. 1@bb)
vom bergbau: daraus bergleut oft zeichen nemen und vermutung machen, wo höfliche gebew anzustellen sein. Mathesius
Sar. 36
b; denn wer sein gebew lest brach ligen oder erhelt es mit fristen und listen ... das fellet billich wider ins frei. 20
b u. o. (
auch gebeude). 1@cc)
von einem schiffe, dichterisch (
vgl. franz. bâtiment): Chryseis auch entstieg dem oceandurchwandelnden gebäu. Bürger 147
b. 22)
vom hausbau u. ä., auch deutlicher häusliches gebäu,
im amtsstil: unsere verordnete häuslicher gebäw und fewr beschawer.
würt. bauordn. 1654 A iij
a (häuslicher baw
s. 29). 2@aa)
ursprünglich auch für das bauen selber, den bau
der vorzunehmen oder im gange ist, bauerei: dô alliʒ daʒ was vorbereit, daʒ man darf zu gebûwe einre vestin nûwe. Jeroschin 8829; (
der) in gepew, kleidung lebt on pracht. H. Sachs 2, 2, 91
a; der alte Doria liesz ein harten felsen zur notturft eines gebewes durchbrechen. Lehman
flor. 2, 282; dasz solche strafbare personen zu vorderst an unsere gebäw .. zu arbeiten und also zu büszen angestellt werden.
würt. ordn. von strafen der wilderer s. 6.
dazu ein gebäu thun: er (
Dietrich von Bern) hat vil köstlicher gebeuw in Welschland gethan. Aventinus 293
a.
s. auch gebäw, eingebäw
unter g. 2@bb)
daher auch von der bauhütte: gebeüw,
fabrica. Maaler 159
b,
in den vocc. steht für das lat. wort pawe
voc. 1482 y 4
a, gebuwe, gebude Dief. 221
b,
bei Melber gebuw
vel gerust i 1
a,
wol zugleich von der ganzen zurüstung der bauarbeit und der letztern selber. 2@cc)
bauwerk aller art, d. h. besonders mit dem collect. sinn, den wir jetzt mit bauwerk
ausdrücken (
vgl. besonders das Eisenacher gebûw
unter dem vor.): wirt ein wîb .. von irme manne gescheiden, sie behelt doch ire lîbzucht .. und ir gebûwe daʒ dâr uffe stêt.
Sachsensp. III, 74; das sie im zeigeten des tempels gebew.
Matth. 24, 1; man findt ein götzenhus .. an das zuo unnützen gebüw und kleinet über hundert mal hundert tusend guldin komen sind .. hatt alles gheiszen unser frowen büw. Zwingli
an Compar O 1
b (
wegen büw
gleich gbüw
s. sp. 1606
fg.); denn wo ist gröszer gut und gelt, schmuck und gebew .. auf erden angewand denn an die messe? Luther 6, 121
b; es (
das geld) were dem geistlichen gebäw und anderen geistlichen gebräuchen aufgeopfert worden. Schuppius 750; was soll ich die gebeu, als kirchen, häuser, pforten, die mühlen, brücken, börs' ... viel setzen zu papier? Rist
Parn. 66. 2@dd)
es gilt nämlich auch von éinem gebäude,
wie wir diesz jetzt verstehen, allerdings besonders von einem groszen, zusammengesetzten, wo sich denn das collectivische versteckt wiederfindet: denn wir sind ja gott lob so grob nicht, das wir gleuben oder sagen .. das die helle ein hülzen oder eisern gebew sei. Luther 6, 77
a; wenn sich etwa ein stein nicht schicken wil in die mauren noch sich mit den andern steinen reimen, sondern verstellet das ganze gebew. 5, 66
a; wo in einem haus oder gebäw fewr ausgienge.
würt. bauordnung 19; das ganze gebäu war 30 ellen lang.
Pierot 2, 305.
später nur noch dichterisch oder im höhern stil, oder auch im spotte mit absichtlich alterthümelnder rede: so solt ein stolz gebäu der zeiten macht vernichten. J. E. Schlegel 1, 11; spitzbögiger zenith erhebt den geist, solch ein gebäu erbaut uns allermeist. Göthe 41, 83,
wechselnd mit gebäude
auf derselben seite; mir dies gebäu, den münster des heilgen Dionysius auszuschmücken. Tieck 1, 193; ausgestorben ganz das gebäu mir deuchtet, eines fensters glanz ist allein erleuchtet. Rückert
ges. ged. 1, 285.
in mundarten herscht es noch vor gebäude
vor, so bair. Schm. 1, 138,
straszb. z. b. das Kardinalsgebäu Arnold 138.
im 16.
jh. selbst von den einzelnen stockwerken, die auch sonst wie verschiedene häuser über einander behandelt werden (
s.gadem 6). 2@ee)
der pl. ist jetzt ganz auszer gebrauch, galt aber ursprünglich eben so gut wie jetzt von gebäude: wie es dann (
in Breslau) ingemein feine gebey von heysern gibt. Kiechel 137; von ghawen stein sein (
in der stadt an der Ostsee) schon gebew sein stetes weisz als wern sie new. Waldis
Es. IV, 59, 11; das schönste schlosz, an gebäuen herrlich und grosz. Ayrer 282
a; von newen gebäwen.
würt. bauordnung 22; wann einer vom grund auf ein alte oder newe hofstatt, ein haus, schewr, stallung oder andere gebäw aufführen will.
das.; von gebäwen an und auf der städt rinkmauren. 70; (
sollen die förster) in beiden dörfern von haus zu haus gehen .. und sehen sich fleiszig um, wo sie einige (
d. h. irgend welche) lücken auf den dächern finden ... und zählen, wie viel solcher lücken auf jederem haus, scheuer, stall und gebäuen sein.
weisth. 1, 605 (
nachher ebenda plur. bäue,
bauten im gange), gebäue
als wort das am ende alles nicht mit genannte zusammennimmt; wächst sonderlich an den mauren und alten gebäuen. Tabernaemont.
kräuterb. 101; meine anschläge wegen der ansehnlichen gebäue, die ich darzu setzen müste, damit die badgäste (
in dem sauerbrunnen) auch rechtschaffen accomodiert sein.
Simpl. 20, 80
Kz.; ansehnliche doch nützliche gebäue. Schuppius 97; viel stattliche gebäu sind also gemacht, dasz man siehet, wie kein geld, sondern nur vernunft daran gesparet worden sei. 55; die verfallene gebäue.
zauberb. Nürnb. 1762
s. 613.
der gen. nimmt gern schwache form an (
wie besonders schweiz., s. unter kind): fundament allerlei gebäwen. Stumpf 694
a; in zierung der gebäuen. Schuppius 760; der feldgebäwen wolerfahrne personen.
würt. bauordnung 7. 2@ff)
im besondern auch von festungsbauten aller art, genauer kriegsgebäu (
s. d., noch bei Göthe): daʒ der ungetrûwe den berc nicht mit gebûwe begriffe unde machte vast. Jeroschin 7804. 17712; das du dich auf deine gebewe verlessest.
Jer. 48, 7,
vulg. in munitionibus tuis; darzuo (
war A. Dürer) anschlägig, bawsinnig, der alle gebäw, pasteien und gewaltige bolwerk von grund wiszte anzugeben aus rechter kunst. S. Frank
chron. 1, 278
b,
auch bastei, bastion
ist eigentlich nichts als gebäu. aus dem kriegswesen auch: specula, ein gebuwe dar me de vigende uppe wardet. Dief.
n. gl. 344
b;
machina, gebuwe
vel blida (
s. bleide). Dief. 342
b. 2@gg)
auch in zusammensetzungen vielfach, z. b. hauptgebäw
würt. bauordn. 39,
wie jetzt hauptgebäude,
aber auch vom bau, aufbau selber: wann einer .. solche .. hauptgebäw nicht vollführt wie ihme auferlegt worden (
vom bauamte). 31. eingebäu,
einbau oder ausbau im inneren: schleiszende gebäw (
d. i. bauarbeit, bauerei), als da seind auswechslung einer wand, balken, pfetten, besserung der tächer und dergleichen geringe eingebäw.
würt. bauordn. 28, ingebeu Schöpf 33,
s. auch Frisch 1, 70
a; wie die mül sei berichtet und ir ingepäw betichtet (
ausgesonnen, angelegt).
Hätzl. 199
b. vorgebäu
Simpl. 4, 60
Kz. (
zu vorbauen
bildlich), hintergebäue Steinbach 1, 72,
er gibt auch untergebäue
substructio. wassergebew
Garg. 187
b,
uferbauten Schöpf 33
aus der tirol. landsordn. s. auch kunstgebäu. 33)
in bildlicher verwendung. 3@aa)
vom vogelneste: die durch reden werden reich, sind denselben vogeln gleich, die im munde tragen zu ein gebäw zu ihrer ruh. Logau 3, 10, 54. 3@bb)
ein lebendes wesen, glied o. ä. als '
organismus': demnach das aug ein uber die maszen schön und künstlich gebew der natur ist. Uffenbach 2, 73; meines leibes gebäw. Weckherlin 268 (
ps. 119, 73); ein jedes thier, gewächs, gemächt (
creatur), gebäw und menschliches geschlecht ist ganz und alles gottes eigen. 102 (
ps. 24, 1); ihr herz ist gleichsam ein gebeu, das sturm und wetter kan ertragen. Rist
Parn. 339; ach, diesz zarte gebäu musz einst in den staub hinsinken und verwesen! Klopstock
Mess. 3, 510; fäulnis und verwesung zerstörten das stolze gebäu eines kriegerischen rosses. Lessing 1, 136.
vom nerven-'
system' (
vgl. unter geäder 4): im zärtlichen gebäu von wunderkleinen schläuchen, die jedem theil von uns die kraft und nahrung reichen. Haller 180 (150). 3@cc)
die ganze welt als gebäu: wann gott hat aller welt gepew auf lon der waren tugent gründt. Schwarzenberg 157
c; so nu diese schöne ordnung in diesem wunderbarlichen gebewe, das gott gemacht hat, eine zeugnis von ihm sein soll .. Melanchthon
corp. doctr. chr. 422; wann du selbst wirst dein gebäu, erd und himmel, machen neu. Joh. Heermann 86; des weltgebäus urbild. Klopstock
Mess. 1, 246. 3@dd)
geistig: denn es ist alles (
die päpstliche lehre) auf einen faulen nichtigen grund gebawet, welcher heiszt gute werk .. darumb ist das gebew eitel lügen und heuchelei, wo es am heiligsten und aller schönsten ist. Luther 6, 518
b;
philosophisches system u. ähnl.: bald hätt er sich in dem finstern gebäu des träumenden Saddok kläglich verloren. Klopstock
Mess. 3, 267; ändernd den bau des staates ward man in Frankreich, in Deutschland ahmte man nach, und ward, ändernd ein lehrgebäu, toll. Klopstock 7, 334 (
epigr. 29).
vom staate und dem ganzen bildungswesen: bis die natur erwacht und mit schweren, ehernen händen an das hohle gebäu rühret die noth und die zeit. Schiller 76
b.