gare,
gar,
f. subst. zu dem adj. gar,
in verschiedener bed., zugleich sich mischend mit einem subst. zu gären (
s. 4). 11)
Rüstung, ausrüstung, gerät u. ä., s. gar II, 3. 1@aa)
mhd. erscheint zuweilen für garwe
f. (
s. das dritte garbe
sp. 1336) găre
und găr,
mit verlust des -w
wie im adj. gar,
z. b.: die fuorten hurnîne gar (: dar) Stricker
Karl 3082,
rüstung von horn, bei Konrad horn unde gar 96, 5,
was mit Bartsch
nach jenem zu berichtigen sein wird, in der hs. A voller gare,
wie in der litanei von Christi leibe, als kleid gedacht: wan du (
Maria) dem gotis sun ein gare ( : schare) gæbe ûʒ dîner wambe.
fundgr. 2, 220. 1@bb)
auch mnd. gare,
im Ssp., wer sich zum gerichtlichen zweikampf rüstet, soll auch führen enen rok sunder ermelen boven der gare. I, 63, 4,
über dem '
etwa ledernen hauptgewand' (Homeyer
im reg.),
mit var. garwe,
auch gegerwe
n., garwât
f., aber auch ghere (
wie vorher umgekehrt für gerwe,
rüste, auch ghere),
völlig berechtigt, entsprechend dem mhd. gerwe
neben garwe (
s.gärben 2,
e, gärkammer).
eine lat. übers. des Ssp. und danach Frisch 1, 319
b verstand das falsch als cubitus, ellenbogen, daher lange ein gare
f. ellenbogen in wbb. spukt. 1@cc)
ein nhd. rest, gar, gerät, in einem überrhein. weisthum vom jahre 1546: und so lange sie (
die herren) in der jagd liegen, musz der arme mann (
unterthan) frue und spat uf sein mit helfen jagen, fischen, gar und wild füren und derogleichen gewönlicher fronen thun.
weisth. 4, 713,
das jagdgerät. dazu, gleichfalls überrhein., collect. geger
n. (
mhd. gegerwe): kelch, buch und ander missgeger.
weisth. 2, 444,
messgerät, auch kurz gegerwe
Ssp. III, 7, 4,
vergl.gärkammer;
s. auch geren
gleich gerwen
unter gärben 3,
c. Noch heute übrigens engl. dial. 'gare,
gear, accoutrements' Halliw. 392
a,
gewöhnlich gear,
das dem nd. ghere
unter b entspricht, kleidung, gerät, zeug u. ähnl., altengl. gare
und gere
kleidung, rüstung Stratm. 255,
ags. gearwe
f. gleich mhd. gerwe, garwe. 22)
Im ackerbau. 2@aa) 'gahre
wird an einigen orten die besserung, so man an ein stücke feld durch düngen und bearbeiten wendet, genennet'.
öcon. lex. 753, gare Frisch 1, 319
a,
die bereitung des ackerbodens, wodurch er gar
wird, fertig, eig. aber dieser zustand des ackers selbst, lockerheit der ackerkrume u. a., s. gar II, 2,
c; es ist hauptsächlich nd., gespr. gâr f.: steinmarg dient das feld zu düngen und die gaar darinn zu bringen. Brockes 9, 80,
deutlich der zustand des gar seins, 'gare,
der dünger, die fettigkeit im acker'
Brem. wb. 2, 484; allen acker gleich zu theilen .. jedoch mit dem vorbehalte, dasz ein jeder die gare und stellung, welche er in dem einem andern zugetheilten acker habe, nach möglichkeit aussäen (
durch säen ausnutzen) und dann den acker in billiger beschaffenheit abgeben möge. Stüve
wesen u. verf. 410,
bei Frisch
in gleichem sinne die gare ausbäuren,
einem die gare bezahlen,
wenn er vor ausnutzung das feld abgeben musz; es (
das land)
unter pflug und gare zu bringen. Bode
Tristr. Sh. 4, 211; in gare setzen. 4, 217.
s. auch garig 3. 2@bb)
besonders gern in der stabreimenden formel geil' und gare,
die das hohe alter des wortes weiter verbürgen hilft: wegen bau und besserung, gail und gare. Möser
phant. 4, 328; die geil und gare betreffend. Curtze
Waldeck 465
b,
vom j. 1533; wer die geile oder gare bezahlen soll. Hommels
pertinenz-register 1750
s. v. mist.
auch geile
f. ist '
fettigkeit des bodens' Schambach 61
a (
vergl. gall 4,
a), dat land in gêr un geile erhâlen (
erhalten)
das., gêr
wie 59
b gêre
neben gâre
f., jenes auf älteres gerwe
weisend, wie diesz auf garwe (
vergl. mhd. unter 1,
b). 2@cc)
die bed. trat aber in die von dünger über, vergl. schon unter a aus dem Brem. wb., bei Schamb. 59
b '
der dünger, die düngung',
daher in der tweiten gâre,
und ebenso erste, zweite, dritte geile 61
a,
doch ist die bed. deutlich erst aus der sache in das wort gekommen, nicht aus diesem selber. auch die jauche soll so genannt werden, eben als düngung. eigen auch norw. gare
mist von kleinvieh, s. Aasen 209
b,
vgl. unter 5,
c. 2@dd)
aber auch aus Schwaben bei Schmid 220 der gar,
mist, dung, und dazu gehört vielleicht bestätigend die hd. gl. um 1100
furca, garcabile,
neben tridens mistcabile Mones
anz. 7, 599
b,
jene vermutlich zweizinkig neben der dreizinkigen andern (
vergl. unter gabel II, 1,
f); Dief. 252
c weist allerdings auf ahd. gartgabela
furcula Graff 4, 127,
dessen -t
in jenem c-
angeglichen stecken könnte. dasz aber auch hd., oberd. gar
und zubehör in alter zeit vom bereiten des ackerbodens galt, verbürgt das tirol. garberin (
s. d.),
die auch besonders mit dung zu thun hat. und trotz der gartgabela
kann garcabile
echt sein, denn umgekehrt kommt für garkoch (
s. d.)
oberd. auch gartkoch
vor. 2@ee)
herzugezogen wird auch schweiz. 'gur, guhr
m. dünger, frischer koth des rindviehs' Stalder 1, 498,
ahd. gor
fimus Graff 4, 236,
ags. gor Ettm. 428,
mnl. gore, goor,
nrh. goir
sumpf Teuth. 40
b,
fries. gere, jere
mistjauche, noch jetzt jere
u. ähnl. Richth. 846
a,
noch weiter entwickelt im engl., nord., s. die reiche, doch wenig gesichtete zusammenstellung bei Rietz 225
a.
aber mit dem stamme gar, garw
hat das eigentlich nichts zu thun, wenn auch berührung damit eingetreten sein sollte. s. weiter 5,
c, vgl. auch garig 3. 33)
Im gewerbsleben vielfältig ähnlich. 3@aa)
beim bäcker z. b. musz der teig seine gehörige gare haben,
ehe er in den ofen kommt, d. h. gehörig '
gegangen'
sein, nachdem er ausgewirkt ist; das brot hat zu viel gahre
Adelung;
ein misratener kuchen hat eine zu kurze gare gehabt,
ist nicht lange genug gegangen, oder eine
kalte gare,
wenn er nicht warm genug stand beim '
gehn'
; brote und kuchen werden zu diesem garen,
gar werden, auf garbreter
gelegt (
thüringisch);
im ofen aber kommt dazu eine zweite gare,
ein zweites aufgehen des brotes (
s. Adelung).
urspr. gewiss ebenso vom fleisch im topfe, vom braten am spiesze u. ä., s. gar II, 1,
das auch vom gebacknen brote vorkommt. Adelung
zieht übrigens die gare
beim bäcker zu gären,
s. 4. 3@bb)
beim gerber, einmal die gare der häute,
das gar werden, gar sein: aber wahrscheinlich ist es, dasz alle häute, wenn sie drei jahre zu ihrer gare und reife haben, unendlich schöner .. werden, als sie im ersten und andern jahre sind. Möser
phant. 1, 37;
s. auch garbrühe, garfasz.
dann auch die behandlung des gar machens: rauchgare felle,
welche gar gemacht werden, ohne die haare zu verlieren, welche in der gare
ihre haare behalten. Krünitz 16, 122.
und bei weiszgerbern auch eine gare häute,
d. h. 24
häute, soviel auf einmal in die gare gebracht, in die garbrühe gesetzt werden ( Adelung). 3@cc)
ebenso dann ein kohlenmeiler hat seine rechte gare,
wenn er genug und richtig gebrannt, geschwelt hat; die gare der soole
im salzwesen, wenn sie gehörig gesotten hat (Frisch 1, 319
b); gare des kalkes,
der gebrannt wird, der glockenspeise, des erzes (
s. garerz), des kupfers
in den schmelzhütten, bei Frisch 1, 319
a das kupfer hat seine
gar, s. zu allem gar II, 2,
b, zum letztern auch gar
n. sp. 1330.
Bildlich: das lied ist fertig (
im kopfe), schon längst, aber es ist noch in der gare. Zelter
an Göthe 2, 344,
in der äuszerlichen herrichtung mit den handwerksmitteln. 3@dd)
eigen auf ein thier übertragen, das da wie durch menschenkunst fertig gemacht, behandelt wird, in der bienenzucht gare des weisels, '
seine mündigkeit, da er zur zeugung geschickt wird',
auch '
das werkzeug, vermittelst dessen er seine eyer leget' Adelung;
ein solcher heiszt dann garig.
zu der zweiten bedeutung stimmt übrigens ein nd. masc. gare,
eierstock beim federvieh, in Fallersleben Fromm. 6, 145. 44)
Zu gären
übertretend. 4@aa)
zustand oder verlauf des gärens, z. b. man musz dem sauerteige die gehörige zeit zur gare lassen Adelung,
der gahre
schreibt, wie gähren,
und es vom vorigen völlig trennt, mit dem es doch unverkennbar verflieszt, in der sache wie im sprachgefühl; das bier, der wein ist in der gare.
wieder auch gar, nordd.: wenn der meth an einem warmen orte stehet, wird er in 8 tagen nicht aufhören zu gähren, darum man das fasz, wenns seine gewisse zeit zur gahr gehabt, in die kälte rücken und von den hefen abziehen kan. Olearius
reise 104.
und selbst wechselnd mit gäre (gehr): wenn die möste in die keller bracht sein, so gib gute achtung auf die
gehr, dasz du .. sie nicht gehren läst, sondern so lang sie in der brunst und
gare sind, so nimm sie immer abe und stille sie. Colerus
hausb. 82.
s. auch gore
unter 5,
a. 4@bb)
der gehörige grad der gare oder gärung (
wie bei der gare
unter 3,
b) Adelung,
der als beleg auszer der gare
beim bäcker 3,
a beibringt der tobak hat eine gute gahre,
nd. göre (
Br. wb. 2, 528),
auch auf den guten geruch übertragen. das bier hat seine gare
u. ä., vergl. gäre 1,
b. dagegen es hat kalte gare,
hat nicht warm genug gestanden beim gären (
vergl.kalte gier Schm. 2, 62),
daher das adj. kaltgärig. 4@cc)
was die gärung bewirkt Adelung,
sauerteig und bierhefen, gibt er an, würde '
im gemeinen leben mehrmals' die gahre
oder gähre genannt, '
in engerem verstande' gahre
oder gohre die oberhefen, spundhefen (
als gärungsmittel für mehlspeisen und weiszgebäck dienend)
zum unterschiede von den unterhefen oder stellhefen. gare
ist nd., im 15.
jh. fex, gare
vel gert
vel geyst Dief. 232
b,
blictrum gare
n. gl. 55
b.
ähnlich ist hefe
selbst gemeint, das was den teig '
hebt',
daher auch der sauerteig hefel, hebel (IV
2, 720),
vgl. erhaben brot,
panis fermentatus Dief.
n. gl. 171
a,
das mit urhab,
sauerteig bereitet ist, noch jetzt heiszt schweiz. teig, der zu stark gesäuert und gegangen ist, überhaben (
das brot im spiegel schweizerdeutscher volksspr. s. 29). 55)
Das frühe verwachsen zweier stämme liegt selten so klar vor. 5@aa)
sicher zu gären
gehört gare
als hefe, genauer gâre
mit dem ablaut des plur. praet. (
s.gären I, 1,
b),
darauf weist Adelungs gohre
vorhin, nnd. gôr
f. gärung Danneil 68
a,
schon um 1500
md. gore: in dem weinehren sal er .. zusehen, das der wein rein ausgekeltert, ingefüllet und desselben in der ghore mit füllen wol gewartet .. werde.
Mainzer hof in Erfurt 22.
Anderseits gehört die gare
des brotes sicher zu gar,
fertig, denn der teig, der seine gare
hat, ist gar,
wie es heiszt. diese gare
aber wird vermittelt durch den gärenden sauerteig, sodasz das gären
und das gar werden (garen)
in der sache da völlig verflieszen und verwachsen, und die wörter muszten der sache folgen, s. z. b. garen 1;
auch beim kohlenmeiler gilt neben der gare (3,
c) durchgähren (
s. d.)
vom feuer des meilers, das also auch gären
musz. schon Henisch
leitete gar
selbst von gären
ab, s. u. gar II, 2,
c. 5@bb)
die spundhefe hat aber auch aus alter zeit her einen namen, der lautlich durchaus zu gar
stimmt: bair. gerben m. Schm. 2, 65,
im 15.
jh. auch garben
vel hefen,
fex Fromm. 4, 298
b,
mhd. gerwe,
was von haus aus nur bedeuten kann die fertigmacherin oder der fertigmacher (
s. u.garbe schafgarbe 3
a. e.),
der den teig fertig macht, vgl. fermentum deisim odir gerwehevin
fundgr. 1, 363
a (Dief. 641
a),
auch deisimgerwe
das., gerwe
noch verbalisch verwendet. Aber das ist wieder vollständig zu gären
hinübergezogen worden in dem tirol. gerben
gären, girbt
gärt, mhd. girt (
s.gärben 3,
a)
; hat sich doch selbst der alte doppelte anlaut von gären
und jären
dort mit geltend gemacht in järm Fromm. 2, 319,
z. b. mähr. 'jerm,
germ, hefe' (
eig. jerben) 5, 462,
wie das. jiern
gären 217,
schon mhd. im 14.
jh. oder früher jerben
f. hefe fundgr. 1, 372
b,
und umgekehrt ist gerben,
gar machen, in die starke form von gären
übergetreten, s. gärben 3,
b. 5@cc)
anklingend ist auch altn. giör
n. bodensatz, hefe Fritzner 206
a (
vgl. u. gäre 3,
b),
das unserm gerwe
nahe genug entspricht (
s.gar I, 3, gärben 3,
e),
aber anderseits mit dem schweiz. gur
u. 2,
e sich berührt, denn gor
n. ist altn. norw. das halbverdaute futter im viehmagen oder den gedärmen (
s. auch giör Egilss. 247
a),
das entsprechende schwed. gorr
aber, dial. auch gr, gör
u. ä., ist auch '
jäst',
gischt, spundhefe, dann unreinigkeit, auswurf überhaupt, auch eiter, weicher schmutz, s. Rietz 225
a,
ganz wie das mhd. gerwe
hefe auch ausgestoszene unreinigkeit überhaupt (Lexer 1, 892),
s. auch gären II, 3,
a von eiter. Zu gor
als halbverdautes futter gehört dann norw. gorvomb
vormagen der wiederkäuer, auch gorsekk, gorbelg
u. a. (
engl. gorbelly),
s. Aasen
2 236
a,
und dazu gora
gierig essen oder fressen 235
b,
schwed. gra Rietz 225
b,
engl. dial. gorle, gorble Halliw.,
bair. gärben (
s. d. 2,
d),
wieder nach dem stamme garw,
vorarlb. aber garmeilen
wiederkauen Fromm. 5, 485, Haupt 11, 174 (
schwerlich richtig zu maul
gezogen),
s. auch u. garn III, 2,
c. Da nun das gärende bier oder met, wein im fasse bestimmt den eindruck eines lebenden wesens macht, könnte die hefe bezeichnet sein als das was wie von einem lebendigen als unreinigkeit ausgestoszen wird, oben und unten, womit sich gärben (2,
d)
als speien und hefe ausgären erklären würde gleich gären
selber auch in der letzten bed. (II, 3,
c),
und gor
als koth und hefe, s. weiter gären I, 3,
b; vgl. dreck 3
und 9
als koth und bodensatz, während in der lautstufe unterschieden sind altn. þrekkr
m. koth und dregg
f. hefe (
engl. dregs).