gärben gleich gar machen,
fertig machen. 11)
Die form. mhd. gärwen, gerwen,
noch im 15.
jh. gerwen
praeparare Mones
anz. 7, 300,
nhd. meist gerben,
obwol die schreibung mit ä
in allen zeiten anhänger hat, um den zusammenhang mit gar (
stamm garw)
auch dem auge festzuhalten; ahd. garwan, garawan,
die volle form wäre garwian
oder garawian, garuwian
u. ä., wie alts. garuwian,
s. unter der nebenform garben,
weiteres unter 3. 22)
Bedeutung und gebrauch; es lebt nur noch, aber vielfach, im gewerbsleben, doch nicht unvermengt mit klang- und sinnverwandten wörtern. 2@aa)
vom gerber, leder gärben,
wie gar machen (
sp. 1314),
mhd. gärwen,
z. b. alem. 14.
jh.: die gärwer sond nu hinfür dehain gärwcz leder nit mer koufen und wider verkoufen, wol gehâr leder (
rohes, noch haariges) mügen si koufen und das gärwen und wider verkoufen. Mones
zeitschr. 13, 157, gärwcz,
d. h. ggärwtʒ, gegärweteʒ,
nachher dehain gärwt leder,
vorher enkain gärwz leder,
was denn dasselbe sein musz; sol .. niemant kain hût noch vel in der statt gärwen noch schaben, won (wan) bî dem selben bach. 21, 156.
nhd.: die heüt gärben, zuorüsten und bereiten,
pelles perficere. Maaler 155
b,
der nach alem. art am ä
gern festhält, während schon Dasypodius gerben
schreibt. Adelung
nahm gärben
wieder auf. s. weiter gerben.
entlehnt dän. garve,
norw. garva,
schw. garfva. 2@bb)
beim müller, korn,
besonders dinkel gerben,
zwischen mühlsteinen aus den bälgen drücken Schm. 2, 65 (
vergl.gärbemühle, gärbgang),
mhd. gerwen,
auch schon gärben: vil cleine malen, gerwen unde grieʒen (
zu gries machen).
Kolm. meist. 531 (151, 22); swär väsen gärbet, der (
wenn er) si ûʒ der mül füeren wil, der ist dem mülner schuldic von drin scheffel kärn eins mätzen.
Augsburger stadtb. 171; dünkel oder fesen gerben,
far deglubere. Henisch 709; wol gegärbte gesottene gersten, so sich mit fingern zerreiben läszet, zu einem teig gestoszen. Pinter
pferdschatz 397.
auch das wird urspr. nichts sein als gar machen,
fertig, d. h. zum essen, obwol dabei früh an das gerben
des gerbers gedacht sein mag. dasz es urspr. auch vom gar machen
der kost galt, zeigt z. b. wiltpræt gegerwet (
var. gegarwet) bî dem viure
Iw. 3337,
ahd. thaʒ muas garewan,
das essen bereiten Otfr. IV, 2, 7,
mhd. sîn eʒʒen gärwen
gen. 154, 11
D. 2@cc)
der begriff hat sich vorzugsweise dem kneten, drücken u. ä. zugewendet, das ja beim gerber wie in der küche das gärben begleitet. so bair. durch drücken, kneten bereiten, allerlei speisen u. a. durcheinander mischen, ein solch gemisch heiszt ein gegärb, gärbet,
s. Schm.
2 1, 934 (zegärben
zerdrücken),
wo auch noch aus mhd. zeit laim (
lehm) in der grub paiʒn und gärbn,
aus neuerer zeit die graphiterde gärben,
mit den füszen abkneten. Ähnlich im hüttenwesen gärben, gerben,
rohstahl zu einer masse zusammenschweiszen Scheuchenstuel 91,
der auch garben gibt (
s. d.),
für den in pakete gelegten rohstahl aber garben
pl., was sich doch an garbe als reisbündel gut anschlieszt, s. garbe 1,
d. e. auch schwed. entlehnt garfva stl,
vgl.gerbestahl.
ähnlich gerben
von metallarbeitern polieren, auch schwed. garfva metall,
deutlich eig. fertig machen (
ahd. gigarawan
expolire Graff 4, 245).
vgl. vom bötticher gärbehobel. 2@dd)
bair. auch von hungrigem vieh, welches das futter nur so hinunter gärbt,
würgt, druckt (
vgl. norw. gora
unter gare 5,
c)
und umgekehrt, beim erbrechen wird etwas heraus, hervor gegärbt.
österr. geradezu garbn '
speien', er garbt wie a ladhund Castelli 137 (
lederershund vermutet Frommann
zu Schm.,
auf gerbershund
verweisend),
schwäb. gerben
sich erbrechen Schmid 228,
auch schles. Weinh. 26
b,
schweiz. gärbern Stalder 1, 424,
kärnt. garben, garbern Lexer 113,
vorarlb. gärbsen
rülpsen Fromm. 5, 481,
wo denn deutlich eine vermischung vorliegt, vergl. norw. garpa, gurpa
rülpsen, schweiz. gorbsen, görbsen Stald. 1, 465,
auch korpsen 2, 124, körbeln
sich erbrechen 122,
vergl. dazu unter korben,
auch kören
und kirbeln, kürbeln
röcheln, s. auch garken,
garzen. 2@ee)
ganz anders gärben
kleiden, schmücken, eig. auch rüsten, wie ahd. garawan (
wegen der bed. s. gar II, 3,
e); einen ritter gerben,
rüsten. fastn. sp. 1136.
von frauen bair. noch um 1400,
in einer klage über die putzsucht: und wie si nu eingärbt sint in ir gewant, daʒ man achten sol wie si geleibt sei! Haupt 1, 415, Schm.
2 1, 934,
zwar wol mit dem nebenbegriff des gezwängten, aber doch zugleich noch das mhd. sich gerwen in die wât
u. ä., gewiss auch sich în gerwen,
gegensatz sich engerwen,
entkleiden, ahd. sih ingárwan.
eigen noch bei Kil. gaerwen, gerwen
praeparare, adornare, conficere, und auch folg. nhd. sich gerben
könnte noch '
sich schmücken'
sein: und was sich thut im leben gerben, das musz allsam des todes sterben. Wolgemut
Es. (1623) 2, 199.
dazu gab es ahd. garawî
f. ornatus, habitus, amictus u. ä., mhd. garwe, gerwe,
und früh ins rom. verpflanzt frz. garbe,
it. sp. garbo,
wo auch im it. garbare
zieren, anmutig machen, sp. garbear
nach anmut streben u. ä. unser altes verbum noch nachlebt; s. u. garbe 2
sp. 1336,
wo auch mnl. garben
kleiden, wol aus dem frz.; das substantiv doch auch bei uns noch nhd. in der form gare,
s. d. 2@ff)
in alter zeit auch von feldarbeit, vom bereiten des ackers, die zeugnisse dafür unter garberin,
vgl.gar II, 2,
c. 2@gg)
schweiz. sich gärben,
sich sehr mühen, sich um etwas stark bearbeiten (sich arben
sich mühen) Stalder 1, 110,
vielleicht vom vorigen, wie sich arbeiten. 33)
Ausweichungen in form und bedeutung. 3@aa)
eigen auch gleich gären, so in Tirol gerben,
und zwar neben gêrn
und starkformig wie gären,
z. b. der wein girbt,
s. Schöpf 187, Fromm. 5, 433 (
aber auch dergarbt
übergoren Frommann 2, 319).
auch in den sog. cimbr. gemeinden gerben Schmeller 124
b (
bei Frisch 1, 321
a auch it. garbare),
dazu im bair. sprachgebiete gerbe
hefe, in mhd. form gerwe (
s.gare 5,
b),
sodasz es völlig in die mitte tritt zwischen gären,
mhd. jësen
und gärben,
mhd. gerwen
und ziemlich alt zu sein scheint; s. u. gären I, 3,
a. 3@bb)
umgekehrt erscheint gerben
in starker form mit dem ablaut von gären, '
einige sagen auch gegorben' Gottsched
sprachk. 1762
s. 323
anm.; aus den Rigaschen anzeigen bringt Gutzeit 1, 74
b neben ausgegerbte lohbrühe
auch aus
gegorbnes kalbfell, ausgegorbene schuppenfelle
bei, und ebenso in Ostpreuszen: wenn unsere .. ludimagister .. überbrausende, vom ideale des lebens, vom starken wein der liebe berauschte .. jünglinge gewesen wären, so würden sie selbst in ihren alten tagen nicht .. so nüchtern und ausgeschalt, so hölzern und ledern, so
abgegorben .. sein. Goltz
jug. 1, 327,
wenn da nicht abgegoren gemeint ist, wofür man nach dem tirol. girbt
auch abgegorben
erwarten musz. 3@cc)
anderseits auch gären gleich gerben,
nd. Dähnert 140
b (
neben garven),
dazu gärhof
gerberhof, diesz auch im Brem. wb. 2, 485,
und s. 483 gären
vom klopfen des stockfisches, was zugleich zu dem gebrauch u. 2,
c stimmt und zu gar
eszbar. jenes schon mnd.: preparare, gheren, alzo de gherwer sine velle,
it. purgare. Dief.
n. gl. 301
b,
und auch md. findet sich geren
für gerwen
einzeln in älterer zeit: bischoff Turpîn wart begeret (: geweret),
mit dem messgewande bekleidet (
s. 2,
e und gärkammer). Bech
Germ. 9, 336.
bei Lexer 1, 893
ist auch ein mhd. geren
vom brauer (
Nürnb. pol. 212)
gleich gerwen
angesetzt, das aber zu gären
gehören wird, s. dort II, 7,
b. So lebte im verbum, wie bei gar
selber, die doppelform des stammes mit und ohne das -w
im bewusztsein ungetrennt, wie z. b. in dem mnd. gherwen
neben gheren
erkennbar ist. 3@dd)
der abfall des -w
geht hd. bis in die zwischenzeit von ahd. und mhd. zurück, im praet. und part. praet.; ahd. zwar noch garota,
genauer garuta,
geschwächt gareta (Graff 4, 246
folg., der danach ein garôn, garên
fälschlich annahm, wie ihm nach andere),
das für garwta
eintritt, neben garwita,
mhd. aber ganz gewöhnlich garte, gegart.
auch alts. neben gerwida
schon gerida (
Hel. 4250
Cott.),
daher denn jenes mnd. geren.
ebenso ags. auch schon girede, gierede, gegerede
u. ä. (Grein 1, 443. 406),
altengl. dann auch im praes. gere, gare
u. ä., s. Stratm. 256,
praet. garde, garte,
und noch nordengl. to gar,
s. Halliw. 391
ff., schott. to ger, gar,
sodasz dort auch das verb. in der stumpfen form endete, wie hd. nur das adj. und adv. 3@ee)
im nordischen dagegen hat das -w
seine spur im umlaut ö
hinterlassen: dän. gjöre
machen, schwed. göra,
norw. gjöra
und gjera,
schon altn. auch giöra, göra
und gera
neben dem vollen giörva, görva
und gerva,
das letzte unmittelbar zu mhd. gerwen
stimmend, wie gera
zu mnd. geren.
dem inhalt nach hat aber das nord. wort seine eigene reiche entwicklung, indem es, mit aufgeben der andern bestimmten bedeutungen, völlig in die allgemeine des machens, thuns einlenkt, die übrigens auch im schott., nordengl. gar
to make (
neben to compel or force)
entwickelt ist, aus der bed. bewirken, fertig machen heraus.