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gärben

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gärben

Bd. 4, Sp. 1338
gärben gleich gar machen, fertig machen. 11) Die form. mhd. gärwen, gerwen, noch im 15. jh. gerwen praeparare Mones anz. 7, 300, nhd. meist gerben, obwol die schreibung mit ä in allen zeiten anhänger hat, um den zusammenhang mit gar (stamm garw) auch dem auge festzuhalten; ahd. garwan, garawan, die volle form wäre garwian oder garawian, garuwian u. ä., wie alts. garuwian, s. unter der nebenform garben, weiteres unter 3. 22) Bedeutung und gebrauch; es lebt nur noch, aber vielfach, im gewerbsleben, doch nicht unvermengt mit klang- und sinnverwandten wörtern. 2@aa) vom gerber, leder gärben, wie gar machen (sp. 1314), mhd. gärwen, z. b. alem. 14. jh.: die gärwer sond nu hinfür dehain gärwcz leder nit mer koufen und wider verkoufen, wol gehâr leder (rohes, noch haariges) mügen si koufen und das gärwen und wider verkoufen. Mones zeitschr. 13, 157, gärwcz, d. h. ggärwtʒ, gegärweteʒ, nachher dehain gärwt leder, vorher enkain gärwz leder, was denn dasselbe sein musz; sol .. niemant kain hût noch vel in der statt gärwen noch schaben, won (wan) bî dem selben bach. 21, 156. nhd.: die heüt gärben, zuorüsten und bereiten, pelles perficere. Maaler 155b, der nach alem. art am ä gern festhält, während schon Dasypodius gerben schreibt. Adelung nahm gärben wieder auf. s. weiter gerben. entlehntn. garve, norw. garva, schw. garfva. 2@bb) beim müller, korn, besonders dinkel gerben, zwischen mühlsteinen aus den bälgen drücken Schm. 2, 65 (vergl.gärbemühle, gärbgang), mhd. gerwen, auch schon gärben: vil cleine malen, gerwen unde grieʒen (zu gries machen). Kolm. meist. 531 (151, 22); swär väsen gärbet, der (wenn er) si ûʒ der mül füeren wil, der ist dem mülner schuldic von drin scheffel kärn eins mätzen. Augsburger stadtb. 171; dünkel oder fesen gerben, far deglubere. Henisch 709; wol gegärbte gesottene gersten, so sich mit fingern zerreiben läszet, zu einem teig gestoszen. Pinter pferdschatz 397. auch das wird urspr. nichts sein als gar machen, fertig, d. h. zum essen, obwol dabei früh an das gerben des gerbers gedacht sein mag. dasz es urspr. auch vom gar machen der kost galt, zeigt z. b. wiltpræt gegerwet (var. gegarwet) bî dem viure Iw. 3337, ahd. thaʒ muas garewan, das essen bereiten Otfr. IV, 2, 7, mhd. sîn eʒʒen gärwen gen. 154, 11 D. 2@cc) der begriff hat sich vorzugsweise dem kneten, drücken u. ä. zugewendet, das ja beim gerber wie in der küche das gärben begleitet. so bair. durch drücken, kneten bereiten, allerlei speisen u. a. durcheinander mischen, ein solch gemisch heiszt ein gegärb, gärbet, s. Schm.2 1, 934 (zegärben zerdrücken), wo auch noch aus mhd. zeit laim (lehm) in der grub paiʒn und gärbn, aus neuerer zeit die graphiterde gärben, mit den füszen abkneten. Ähnlich im hüttenwesen gärben, gerben, rohstahl zu einer masse zusammenschweiszen Scheuchenstuel 91, der auch garben gibt (s. d.), für den in pakete gelegten rohstahl aber garben pl., was sich doch an garbe als reisbündel gut anschlieszt, s. garbe 1, d. e. auch schwed. entlehnt garfva stl, vgl.gerbestahl. ähnlich gerben von metallarbeitern polieren, auch schwed. garfva metall, deutlich eig. fertig machen (ahd. gigarawan expolire Graff 4, 245). vgl. vom bötticher gärbehobel. 2@dd) bair. auch von hungrigem vieh, welches das futter nur so hinunter gärbt, würgt, druckt (vgl. norw. gora unter gare 5, c) und umgekehrt, beim erbrechen wird etwas heraus, hervor gegärbt. österr. geradezu garbn 'speien', er garbt wie a ladhund Castelli 137 (lederershund vermutet Frommann zu Schm., auf gerbershund verweisend), schwäb. gerben sich erbrechen Schmid 228, auch schles. Weinh. 26b, schweiz. gärbern Stalder 1, 424, kärnt. garben, garbern Lexer 113, vorarlb. gärbsen rülpsen Fromm. 5, 481, wo denn deutlich eine vermischung vorliegt, vergl. norw. garpa, gurpa rülpsen, schweiz. gorbsen, görbsen Stald. 1, 465, auch korpsen 2, 124, körbeln sich erbrechen 122, vergl. dazu unter korben, auch kören und kirbeln, kürbeln röcheln, s. auch garken, garzen. 2@ee) ganz anders gärben kleiden, schmücken, eig. auch rüsten, wie ahd. garawan (wegen der bed. s. gar II, 3, e); einen ritter gerben, rüsten. fastn. sp. 1136. von frauen bair. noch um 1400, in einer klage über die putzsucht: und wie si nu eingärbt sint in ir gewant, daʒ man achten sol wie si geleibt sei! Haupt 1, 415, Schm.2 1, 934, zwar wol mit dem nebenbegriff des gezwängten, aber doch zugleich noch das mhd. sich gerwen in die wât u. ä., gewiss auch sich în gerwen, gegensatz sich engerwen, entkleiden, ahd. sih ingárwan. eigen noch bei Kil. gaerwen, gerwen praeparare, adornare, conficere, und auch folg. nhd. sich gerben könnte noch 'sich schmücken' sein: und was sich thut im leben gerben, das musz allsam des todes sterben. Wolgemut Es. (1623) 2, 199. dazu gab es ahd. garawî f. ornatus, habitus, amictus u. ä., mhd. garwe, gerwe, und früh ins rom. verpflanzt frz. garbe, it. sp. garbo, wo auch im it. garbare zieren, anmutig machen, sp. garbear nach anmut streben u. ä. unser altes verbum noch nachlebt; s. u. garbe 2 sp. 1336, wo auch mnl. garben kleiden, wol aus dem frz.; das substantiv doch auch bei uns noch nhd. in der form gare, s. d. 2@ff) in alter zeit auch von feldarbeit, vom bereiten des ackers, die zeugnisse dafür unter garberin, vgl.gar II, 2, c. 2@gg) schweiz. sich gärben, sich sehr mühen, sich um etwas stark bearbeiten (sich arben sich mühen) Stalder 1, 110, vielleicht vom vorigen, wie sich arbeiten. 33) Ausweichungen in form und bedeutung. 3@aa) eigen auch gleich gären, so in Tirol gerben, und zwar neben gêrn und starkformig wie gären, z. b. der wein girbt, s. Schöpf 187, Fromm. 5, 433 (aber auch dergarbt übergoren Frommann 2, 319). auch in den sog. cimbr. gemeinden gerben Schmeller 124b (bei Frisch 1, 321a auch it. garbare), dazu im bair. sprachgebiete gerbe hefe, in mhd. form gerwe (s.gare 5, b), sodasz es völlig in die mitte tritt zwischen gären, mhd. jësen und gärben, mhd. gerwen und ziemlich alt zu sein scheint; s. u. gären I, 3, a. 3@bb) umgekehrt erscheint gerben in starker form mit dem ablaut von gären, 'einige sagen auch gegorben' Gottsched sprachk. 1762 s. 323 anm.; aus den Rigaschen anzeigen bringt Gutzeit 1, 74b neben ausgegerbte lohbrühe auch aus gegorbnes kalbfell, ausgegorbene schuppenfelle bei, und ebenso in Ostpreuszen: wenn unsere .. ludimagister .. überbrausende, vom ideale des lebens, vom starken wein der liebe berauschte .. jünglinge gewesen wären, so würden sie selbst in ihren alten tagen nicht .. so nüchtern und ausgeschalt, so hölzern und ledern, so abgegorben .. sein. Goltz jug. 1, 327, wenn da nicht abgegoren gemeint ist, wofür man nach dem tirol. girbt auch abgegorben erwarten musz. 3@cc) anderseits auch gären gleich gerben, nd. Dähnert 140b (neben garven), dazu gärhof gerberhof, diesz auch im Brem. wb. 2, 485, und s. 483 gären vom klopfen des stockfisches, was zugleich zu dem gebrauch u. 2, c stimmt und zu gar eszbar. jenes schon mnd.: preparare, gheren, alzo de gherwer sine velle, it. purgare. Dief. n. gl. 301b, und auch md. findet sich geren für gerwen einzeln in älterer zeit: bischoff Turpîn wart begeret (: geweret), mit dem messgewande bekleidet (s. 2, e und gärkammer). Bech Germ. 9, 336. bei Lexer 1, 893 ist auch ein mhd. geren vom brauer (Nürnb. pol. 212) gleich gerwen angesetzt, das aber zu gären gehören wird, s. dort II, 7, b. So lebte im verbum, wie bei gar selber, die doppelform des stammes mit und ohne das -w im bewusztsein ungetrennt, wie z. b. in dem mnd. gherwen neben gheren erkennbar ist. 3@dd) der abfall des -w geht hd. bis in die zwischenzeit von ahd. und mhd. zurück, im praet. und part. praet.; ahd. zwar noch garota, genauer garuta, geschwächt gareta (Graff 4, 246 folg., der danach ein garôn, garên fälschlich annahm, wie ihm nach andere), das für garwta eintritt, neben garwita, mhd. aber ganz gewöhnlich garte, gegart. auch alts. neben gerwida schon gerida (Hel. 4250 Cott.), daher denn jenes mnd. geren. ebenso ags. auch schon girede, gierede, gegerede u. ä. (Grein 1, 443. 406), altengl. dann auch im praes. gere, gare u. ä., s. Stratm. 256, praet. garde, garte, und noch nordengl. to gar, s. Halliw. 391 ff., schott. to ger, gar, sodasz dort auch das verb. in der stumpfen form endete, wie hd. nur das adj. und adv. 3@ee) im nordischen dagegen hat das -w seine spur im umlaut ö hinterlassen:n. gjöre machen, schwed. göra, norw. gjöra und gjera, schon altn. auch giöra, göra und gera neben dem vollen giörva, görva und gerva, das letzte unmittelbar zu mhd. gerwen stimmend, wie gera zu mnd. geren. dem inhalt nach hat aber das nord. wort seine eigene reiche entwicklung, indem es, mit aufgeben der andern bestimmten bedeutungen, völlig in die allgemeine des machens, thuns einlenkt, die übrigens auch im schott., nordengl. gar to make (neben to compel or force) entwickelt ist, aus der bed. bewirken, fertig machen heraus.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gärben

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Gärben , verb. reg. act. zubereiten, zurichten; in welcher allgemeinen Bedeutung es im Hochdeutschen veraltet ist, wo ma…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gärben

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gärben ( Gärbstahl ), s. Eisen , S. 486.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gaerben

3 Bildungen · 0 Erstglied · 3 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von gaerben 2 Komponenten

gaer+ben

gaerben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gaerben als Zweitglied (3 von 3)

Abgärben

Adelung

abgar·ben

† Abgärben , verb. reg. act. im niedrigen Scherze, so viel als abprügeln.

Ausgärben

Adelung

aus·gaerben

† Ausgärben , verb. reg. act. für ausprügeln. Jemanden derb ausgärben.

Dúrchgärben

Adelung

durch·gaerben

Dúrchgärben , verb. reg. act. Ich gärbe durch, durchgegärbt; eigentlich, alle Theile einer Haut gehörig gärben; im niedrigen Scherze, durchp…

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Cotta, M. (2026). „gaerben". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gaerben/dwb?formid=G01080
MLA
Cotta, Marcel. „gaerben". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gaerben/dwb?formid=G01080. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gaerben". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gaerben/dwb?formid=G01080.
BibTeX
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