Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gürtel stswMF.
2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.
3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten
3.1 als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55)
3.2 als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der ~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’
3.3 obe/über/ûzerhalp der ~ u.ä. ‘außerhalb des Gürtels: außer dem, was jmd. am Leibe trägt’
3.4 jmd. verzichtet mit der ~ , d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält
4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis; Zone’
1 allg.: der gurtel drier stucke ist [besteht aus drei Teilen] : rinke, senkel, borte JTit 5561,1; ir gürtel was ein rieme smal Neidh SL 21:7,3; den gvͥrtel ob der krenke / vier reif enbor hielten; / dez gvͥrtels si so wielten, / daz er sich niht lie zetal TürlArabel *A 297,26; mit guotin gurtlin langin, / beslagin mit goltspangin Athis C* 67; ainen routten gürtell tuond sy im vmb SchwSp (W) 418,21; vnd svlen brvder vnd swester geistlich gvrtel tragen SpitEich 6,19; daz [ kint ] truoc an dem gürtel sîn / ein mæzigez teschelîn UvZLanz 5807; sît man schuolbuoch in die hant / krumpte und durch die gürtel want Renner 16478; das er [Bauer] [...] haben sol / under sîm gürtel [...] / ein krumbes messer Ammenh 9736; daz er im daz ledelîn / brach von deme gürtel sîn KvWHerzm 394; (bildl.:) wenn [...] wir uns gürten mit der gürteln der käuschait und der rainikait BdN 59,28; NibB 636,2; Helbl 1,316; KvWTroj 980; PrGeorg 8,32. – irn gesâht nie âmeizen, / diu bezzers gelenkes pflac, / dan si was dâ der gürtel lac Parz 410,4; dâ der gürtel iren lîp / bevienc an der krenke UvEtzWh 1644; HvNstAp 15086. – unde sô ez niht mê mac fürbringen ze hôhverte [wenn jmd. seine Hoffart auf keine andere Weise zeigen kann] , sô rücket daz den gürtel hœher, sô krümbet daz den huot ûf PrBerth 1:83,16. 1:527,9. – in Zusammenhang mit üppigem / kargem Essen: daz er die gürtel witer lat TannhHofz 126; des gürt ich drîer loche / an der gürtel mîn hin hinder [schnalle den G. um drei Löcher enger] Helmbr 1121 2 die Taille, Gürtellinie mitbezeichnend, mit Präp.: [jmdm.] daz klaide bi dem gúrtel ab sniden PrGeorg 45,37; sî gegeben iu für eigen / mîn lîp, als ich gegürtet bin, / niderhalp der gürtel hin / oder oberhalp der gürtel mîn Heidin I 860; daz har [...] swang im [...] uber den gurtel hin zu tal WolfdD (H) 8,4; vf den gurtel ginc ime der bart Roth 3508; Er 2083; [Helena] was enmitten cleine / und umb den gürtel wol gedrât KvWTroj 20001; underhalp gurtels er in stach Virg 722,11; ein kint was an sînen liden / krump von der gürtel niden LvRegFr 4448; Roth 1371; Serv 524; Wig 6937 3 in rechtsspr. Wendungen bzw. Kontexten 3.1 als in der ~ bevangen hat, als er mit (der) ~ be-, umbevangen ist u.ä. ‘nur mit dem (vom Gürtel zusammengehaltenen) Hemd bekleidet, notdürftig bekleidet’ (vgl. GrimmRA 1,215; H. Hirsch, Die hohe Gerichtsbarkeit, Prag 1922, S. 55): [freier Abzug der Belagerten:] daz ie der man her ûz gienge, / als in diu gurtel umbevienge, / und sîn swert in der hant Ottok 10941; swenn ein schedelich man in dem hof gevangen wirt, so sol im [dem Marschall von Kärnten] in der hofmarschalch antwurten, als in der gurtel bevangen hat und sol er selb uber in rihten UrkÖsterrErbl 161,38 (a. 1307). – als er mit guͤrtel umbvangen ist [ sicut cingulo est accinctus ] UrkPölt 56 (a. 1243); UrkCorp (WMU) 706,18. 1100AB,41. 3167AB,5. – in gleicher Bed. auch bî der ~ (cingulotenus): StiftStBernh 165 (a. 1294 kopial) 3.2 als diu ~ bevangen hât und daz jmd. under der ~ hât u.ä. ‘was jmd. am Leibe trägt’ ez sol dehein leitgeb cheinem burger [...] iht geben noch hintz im niht weren [bürgen] , niur als diu guͤrtel bevangen habe, er welle im sein danne beiten [ihm dafür Zahlungsaufschub gewähren] ân vanchnuͤzze StRMünch 195,17. 248,3; daz chains mans chint oder knet oder ander gesinde, daz an seim prot ist, icht mer vortopeln mug, den sein gewant, daz er an hat, und sein guertel umvangen hat StRBrünn 360. – swaz er [Schuldner] hinnan fur gewinne uber drizzik phenninge ane daz er under der gurteln habe, daz er ieme [Gläubiger] davon gelte unz im vergolten waerde StRAugsb 224,11. 70,29; kaynes mannes sun, knecht oder frewnt, der sein prot ist oder sein gewant treit, mak nicht mer ym vorspilen, denne was er vnter seinen gurtil beheldet StRIglau 256 3.3 obe/über/ûzerhalp der ~ u.ä. ‘außerhalb des Gürtels: außer dem, was jmd. am Leibe trägt’ der da verspilet, mag nymmer verlisen nvr das, daz er vber seiner gurtel hat StRPrag 12; als er an beraitschaft bei jme hat an dem gwandt außerhalb der gürtl BWB (Sch) 1,944 (a. 1335); das eyn iclich wirt keynen man [...] hoher spilen lase [...], den her ubir den gurtil vorpfenden muge UrkBresl 101 (a. 1324); StRRain 366 3.4 jmd. verzichtet mit der ~ , d.h. unter symbol. Darreichung seines Gürtels, auf einen Besitz (vgl. GrimmRA 1,216), wohl um anzuzeigen, dass er nichts davon für sich oder seine Erben zurückhält: wann ich ze denselben zeiten ains kindleins swanger war, han ich mich des vorgenanten hofs genzlich mit dem [l. der ] gurtel verziechen die ich gerekt [= gerecket ] han, da engegen [zugegen] waren unsere gemægen und auch der [l. des ] kindleins, daz ich ze denselben zeitten unter meinem hertzen trug UrkRott 1,443 (a. 1343) 4 übertr., astronom., ‘die Erd- bzw. Himmelskugel gürtelartig umgebender Kreis; Zone’ [der Äquator] haizt auch dez obersten waltzhimels guͤrtel [ cingulus primi motus ] , daruͤmb, daz er dez selben himels lauf ze mittelst uͤmbgreift KvMSph 20,13; die zwu guͤrteln [ zonae ] , die uͤmbslozzen werden von dem pernkraizze [ a circulo arctico ] und von dem widerpernkraizz [...], die sint unwonhaft durch der grozzen kelden kraft ebd. 33,3
MWB 2 1053,58; Bearbeiter: Bohnert