Fāder m. [verbr.] 1. Vater. Fār un Mäoer (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Al); Fatter un Motter (Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Bh). Gruiß duin’n Va’er van mui (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@DünneDü). Dat Kuind makt den Schaden, un de Vah mott ’n betahlen (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@LöhneLö). He glick mEär op sin Pā (Pate) äs op sin Fā (Kr. LüdinghausenLhs Dr). Dat es seïn Fāders Nlt er kommt ganz nach seinem Vater (Kr. IserlohnIsl Is). Hä hïet sick at Fatter bekannt (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Van Vaders Sit väterlicherseits (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@BoyerBo). Vor suinen oigen Var bange ist jmd. (meist ein Kind), der die Augen schließt, wenn ein anderer einen Schlag gegen die Augen antäuscht (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh || mehrf.). Küttkeblick, min Vaer un ick so wird der Ruf der Wachtel gedeutet (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@EickumEi || mehrf.). — Ra.: Va’ers sihn den Vater lieben, gerne bei ihm sein (Ennepe-Ruhr-KreisEnr HOLTHAUS). Dat es wat füer usen Vah’ sien’ Suohn das möchte ich gerne haben (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr || ähnl. mehrf.). Hai woll suinen Kinnern en ruiken Var vermaken er war sehr sparsam, strebte nach Reichtum (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm). He steck de Fote noch unner Fāders Disk a) er ist wirtschaftlich noch von seinem Vater abhängig (Kr. SteinfurtStf Rh || mehrf.); b) er hat ein gutes Elternhaus (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr). Hei iss van Fah un Muime sagt man von einem unehelichen Kind (Kr. BürenBür Kr. Büren@SalzkottenSk). Dïem suin Vā(r) ïes im Häcksel verdrunken dass. (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf.). Vam Fā de Strīp’n, vanne Mauer de Salwe (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl || mehrf.). Dien Vaar is kin Glaser sagt man, wenn einem jmd. im Licht steht (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe || (ähnl.) mehrf.). Hätt di usse Var ümmer noch nich dat Ächterfenster ingesatt? dass. (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@BochumBo || mehrf. Bch). Hät di inke (euer) Var ümmer noch nich ächtern ’ne Klinke angenagelt? sagt man, wenn Kinder die Tür nicht hinter sich schließen (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@BochumBo || mehrf.). Et wäö beatter, dien Var hädde di in de Nietteln gemiegen sagt man zu einem schlechten Menschen (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LangendreerLd). Tau diem Kinne we’ vi wuohl en Var finnen sagt man, um jmdn. zu beruhigen: Es wird sich schon ein Ausweg finden (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf.). Dat Oller göut vor, Vadder, schiuf diu de Korn (Karre) (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@BellenbergBb || mehrf.). — Sprichw.: As de Fatter, as de Su’n (Kr. OlpeOlp Kr. Olpe@AttendornAt). Bai nit well Vaar un Mömme ehren, dai matt op et Kalffell (Trommel, hier: Werbetrommel für das Militär) hören wer seinen Eltern nicht gehorchen will, lernt das Gehorchen als Soldat (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Wat diar Mouder an’t Hiärte gäiht, gäiht diam Vader blous bit an’t Knei (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü || mehrf.). Biätter ’n rieken Vader to velaisen äs ne arme Moder (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). Oein Va kann lichta sieb’m Kinna aneian (ernähren) osse sieb’m Kinna oein’n Va (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@GohfeldGo || mehrf.). Ne guerre Mutter sütt met einem Äoge mähr ärr de Vatter met beiden (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@DrewerDr). Va’er, slatt nich, ät batt nich (Ennepe-Ruhr-KreisEnr HOLTHAUS || mehrf.). — Sagw.: Jieder in usen Huse dött wat, siä de Junge: Kr. MindenMin Va’er slait mine Mo’er, mine Mo’er slait mi, un ick sloa use Fiärken (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi || ähnl. mehrf.). Et es luter wat, saggte de Junge, schwart (prügelt) mien Vader de Mouder nit, dann schwart he miek (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Wi konnden jä guet os Bröers mitenänner liäwen, siä en Junge to sinen Va’er, män du wullt jä nich (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi || (ähnl.) mehrf.). Bat nicks kosset, douget ouk nicks, saggte de Junge, doa soll me sin Vader taum drüden Moal vam Galgen luoskoupen (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Dat schad’t min Vader nix, wann mi de Hänn verfreist (erfrieren), sïet de Jung, hä söll mi ok Hannschen kopen (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@RecklinghausenRh || ähnl. mehrf.). Dät waß guet druapen, saggte de Junge, do harr hai sejnem Vaaren et Äoge iutschmieten (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Nu es et Tied, sagg de Junge, do flitschen he de Döör rut, as de Va’er de hölterne Hand kreig (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@HerneHe). Dät Aoller geht vüa, sagg de Junge, schmett hä sinn Vader de Trappe haruner (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@PolsumPo || mehrf.). Unse Härguatt harr minem Vader glücklek düar de Mäte holpen; doa hualere ne de Düwel nuach im April, saggte de Junge (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü || ähnl. mehrf.). — Wu sall dat Kind heiten? Män slichtweg Jan, mende de Va’er, os he sin Kind däupen löüt, he sall män achter’n Plog (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). Füar’n üteren Gebruk, saggte de Vader un stak ne Raue ächtern Speigel (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Kümp de Tied, kümp de Raot, sägg Varrer, män nich ümmers up n’ Hochtied ne Hieraot (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). — Rätsel: Ne krumme Vader, ne dicke Moder un dree pickswatte Kinner: Waschkessel auf drei Beinen über dem offenen Herdfeuer (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@BorkenBo). — Reime: Slaop, Kinneken, slaop! / Dien Vader höödt de Schaop, / diene Moder höödt de bunte Koo, / Kinneken, maak de Ogen too! / Slaop, Kinneken, slaop! (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@StadtlohnSt). Sünnken, bist de grat (groß), / Vahr und Möehme, wärest de dat (tot) wenn der Sohn groß, heiratsfähig ist, wünscht er seine Eltern tot (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@BonenburgBb). Aanebrand, lecke Smant, / hiäß deynen Vaer en Ees verbrannt (Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@BrachtBr). Heija, susa Kinneken, / dien Moder hett Katrineken, / de Vader ess ’n Kabbesbur, / wenn he no Hus kömmt, kiekt he sur (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@KirchhellenKh = ROTTMANN 42). Sippe sappe sunne, / muine Mäuer is ne Nunne, / muin Vah, dei is ’n Pape, / dei kann ’n Puipken maken (Kr. SoestSos Kr. Soest@SoestSo). Sippe sappe säune, / de Vah is ne Neune, / de Mömme is en Kaffäbätken, / oh diu olle Hupelsätken (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@HoinkhausenHs). Wänn Oustern es, wänn Oustern es, / dann slachet min Vaa ’n Bock, / dann danzet min Mouer, dann danzet min Mouer, / dann kreyg ’k ’n niggen Rock (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@OestrichÖs || ähnl. mehrf.). Maikabel flieg! / Dien Vader is in’n Krieg, / diene Moder is in Pommerland, / Pommerland is affgebrannt, / Maikabel flieg! (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@BeckumBk || mehrf.). — 2. Großvater [Kr. LübbeckeLüb Min, sonst verstr.]. — 3. Schwiegervater [verstr.]. — 4.1. Hausherr, Herr des Gesindes [nördl.]. — 4.2. Meister (Anrede durch den Gesellen oder Lehrling) (Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@TonnenheideTo). — 5. alter Mann (Kr. SoestSos Kr. Soest@DorfwelverDw). — 6. In festen Wendungen: He kömmet na Vatter Philipp er kommt ins Gefängnis (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@RösebeckRö || mehrf.). He wonnt bi Vader Ratz er sitzt im Gefängnis (Kr. CoesfeldKos Dr || (ähnl.) mehrf.). ⟨›Fāder‹ [Münsterl Kr. WiedenbrückWie Mark], ›Fā(r)‹ [verbr. OWestf SWestf, verstr. Münsterl], Fārer [Ahs]; Fatter [(südl.) OWestf SWestf (KSauerl), verstr. Münsterl], Fadder [nördl. OWestf, sonst verstr.]. — Pl.: ›Feªr‹ (Kr. HerfordHfd Hi = SCHWAGM 37), Fā(de)rs [verstr. Münsterl], Fattern (Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@KollerbeckKb), Fätters (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@MüschedeMü). — Im Verbreitungsgebiet von Fatter gilt Fā(de)r als ältere und nicht mehr gebräuchliche Variante⟩ ¶ Vgl. RHWB 9,90: Vater; NDSWB 4,9: Vāder. Zus.: → Åld~,
Āneke~,
Balken~,
Beste~,
Bichte~,
Brūd~,
Brǖdigames~,
Elder~, God~,
Grō²t~, Oªwer-grō²t~,
Heªr-beªrges~,
Hō¹ner~,
Hūs~,
Immen~, Kinder~, Kram~,
Pleªge~, Plunder-miᵉlek~,
Rāwen~,
Stam~,
Stē¹f~,
Swǟger~,
Ūr-āneke~,
Ūr-grō²t~,
Weisen~. Syn.: →
Abbe, Ålde,
Ätte,
Babe,
Pappa,
Tāte,
Töite.