Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
erwinden stV.
1.1 ‘an einer Stelle enden’ , mit Lokalbest.
1.2 ‘zeitlich enden, aufhören’
1.3 von Personen: ‘(mit etw.) aufhören, (etw.) abbrechen, (von etw.) ablassen’
1.4 ‘zurückkehren, umkehren, sich umwenden’
2 tr.
2.1 ‘etw. überwinden’ , mit Akk. d. S.
2.2 ‘jmdn. einer Tat überführen’
1 intr. ‘enden’ 1.1 ‘an einer Stelle enden’, mit Lokalbest.: dâ aver irwintet der ruke dâ stânt zwô huffe. / von den chliubet sich der lîp in zwei bein gelîch Gen 171; ich wâne aller dinge daz houbet sî anegenge, / unt des lîbes ente dâ diu verse erwinte ebd. 414; dâ der lendenierstric erwant, / etlîchiu het ein semftenier Wh 231,24. 197,9. – ‘bis zu einer Stelle reichen und dort enden’, an/ bi/ ob/ uf etw. ~ , partiell mit possessivem Dat.: ir deckelachen zobelîn / erwant an ir hüffelîn, / daz si durch hitze von ir stiez Parz 130,18; durh den arm und durh den schaft / quam daz swert gedrungen / und irwant ime an der lungen SAlex 1898; daz hâr im [ junkherre ] bî der erde erwant UvZLanz (K) 469; die selben gotes knehte / die truogen an ir schenkelen / lînhosen, die ob ir enkelen / wol einer hende erwunden Tr 2643; ûfem touwe der wâpenroc erwant Parz 122,2; Wh 410,20 1.2 ‘zeitlich enden, aufhören’ er hiez slahen ein lamp / div harmscar sa erwant / mit des lambes bluͦte VMos 41,3; dâ von ger ich bî dirre frist, / daz iuwer bete erwinde KvWTroj 21809; ein viur hât enbrennet sich / sô sêre in mînen sinnen, / daz sîn vil stætez brinnen / an mir niht erwinden wil RvEBarl 1667; wer kan dich [Sommer] volloben iemer? / wan dîn kunft erwindet niemer SM:AvR 3: 1,5; und ist diu naht von hinnen alze balde. / wer hât sî sô kurz gemezzen? / der tac wil niht erwinden MF:Wolfr 7: 2,10; sô nim den belz und decke mich. / lâ nieman în, des bit ich dich, / daz der sweiz nicht erwinde Boner 48,101; daz sî zestund ir strenge ließ erwinden SM: Tu 2: 11,5; lât mir sorge swinden, lât mich fröide vinden, / lât den kriec erwinden KLD:GvN 14: 2,3 1.3 von Personen: ‘(mit etw.) aufhören, (etw.) abbrechen, (von etw.) ablassen’ unt wil du niht erwinden, sprach der künec dô, / so bin ich dînes willen wærlîchen vrô NibB 53,1; sît ir niht welt erwinden, so besendet iuwer man, / die besten, die ir vindet ebd. 1472,1; rât irz, ich erwinde / unt sag iu fürbaz niht mêre Parz 401,28. – mit Temporalsatz: du wilt nit erwinden, e daz du an dez túvels sail wirst gebunden Seuse 369,28; so nemt mih danne bî dem beine. / ir sunt niht erwinden, ob ich weine SM:St 11: 5,8; also erwindent si niht vntz si gevahent den grvnt der diemvͤticheit PrBerthKl 2,89. – mit Gen. d. S.: bit in frowe, daz er irwinde / sulhes zornis Litan 1208; frowe, dort vert ein rîter her / mit ûf gerihtem sper: / der wil suochens niht erwinden Parz 593,25; lâ den muot varn unde erwint / der trügelîchen valscheit, / die dîn herze nâhen treit RvEBarl 8690; StrKD 47,10. – an, von etw. ~ : der wîbe lœn sint süezze und lind. / swer der bevindet, der erwindet / an ir dienste nicht SM:Had 53: 8,8; wir wolden gar erwinden / von dem laster lebene MarLegPass 21,394. – subst.: mangil grôz bevînc / sî und ire luite, / daz sî durre huite / von pferdin unde rindin / mûstin ân irwindin / ezzin vor dî hungirnôt NvJer 12552 1.4 ‘zurückkehren, umkehren, sich umwenden’ er [Parzival] dâhte, ob ich erwinde, / ich gên ungerne in dirre schar Parz 450,12; der gebvre begonde erwinden, / er wante den bachen vinden ReinFu K,475; kæm ich iemer dar, da ich si funde, / niemer ich erwunde SM:Wi 1: 1,8; nv kere vnde erwint! / des bit ich dich durch diz kint Herb 9761 2 tr. 2.1 ‘etw. überwinden’, mit Akk. d. S.: iegelicher ungemuͦete / muͦste schier erwunden sin RvEWh 2679; daz ich [Dacianus] die cristenliche kraft / an im [Georgius] nicht mac erwinden Pass III 261,1 2.2 ‘jmdn. einer Tat überführen’ is dan daz he inheimis is den min biclagit heit, unde incumit he nicht vuri, so is he der clagi irwundin Mühlh 134,24; intuit su des nicht, so is su der clagi urwundin ebd. 168,4
MWB 1 2177,59; Bearbeiter: Pfefferkorn