überwinden,
überwinnen,
v. zur form: überwinden
ist wie unterwinden
und verwinden
auf das hd. gebiet beschränkt, überwinnen
westgerm., zu winnan (
s. gewinnen):
ahd. ubarwinnan Graff 1, 880;
mhd. überwinnen Lexer
handwb. 2, 1681;
mnd. overwinnen Schiller-Lübben 3, 286;
mnl., nld. overwinnen Verwijs-Verdam 5, 2353.
die hd. form mit dental hat schon Adelung 4, 784
von winden,
flectere abgetrennt und zu winnen,
kämpfen gestellt. man betrachtet den dental heute meist als präs. infix, das bereits im 9.
jahrh. ins prät. und part. gedrungen ist, so dasz im hd. ubarwintan — ubarwant — ubarwuntan
mit ubarwinnan, -wann, -wunnan
concurriert. ubarwintan
verdrängt hier schlieszlich die dentallosen formen, die in den keron. u. paris. gloss. noch herschen. der ahd. Tatian belegt nur letztere (ubarwan 176, 5), Otfrid
beide (uberwan
L 50; II 11, 53; ubarwunnan I 1, 76
und ih ubarwintu V 7, 27 wir ubarwinten V 23, 93; ubarwant II 3, 68; V 4, 52; 14, 8; ubarwuntan V 14, 14), Notker
nur die dentalformen. mhd. finden sich dentallose formen nach ausweis der wbb. nur vereinzelt bei md. autoren, bzw. hochd. schreibenden Niederdeutschen. ebenso ist nhd. überwinnen
als wmd. bzw. nd. dialectismus zu werthen. dialectisch greift überwinnen
vom nd. (
z. b. Schmidt - Petersen 11
b; Stürenburg 164
a; Woeste 193
b)
ins mfr., lothring. u. hess. über (Hönig 189
b; Follmann 264
a;
lux. ma. 197
a. Crecelius 2, 833).
die form überwann
bei S. Franck
fällt auf. II.
überwinnen. I@11)
kämpfend besiegen, im eigentl. und bildl. sinne. als er mit seinem schwert und hand ihm den lindwurm half überwinnen Rollenhagen
froschm. I 2, 19, 282
G. ebenso III 3, 12, 28; da der ritter sent Joerigen den draechen oeverwonnen hayt
pilgerf. d. ritt. v. Harff 2; P. v. Aelst
Heymonskinder 53; ind got gaf im geluck, dat he die van Persien overwan
städtechron. 13, 313; er hielte ... dafür, dasz die stadt Utrecht einen guten theil von obbemelter summa bezahlen muste, ob sie gleich bereits überwonnen wäre
französ. Simpl. (1683) 2, 126.
sodann: krankheit ü. J. Bökel
pestordnung d. stadt Hamburg (1597) 80
a; das laster Petri
d. Teutschen weish. (1604/5) 2, O 3
a; sein herz,
s. Rollenhagen
froschm. I 1, 8, 105
G.; seine begierden Kramer
deutsch-holl. wb. (1787) 470
c.
reflex. sich ü.,
sich wozu zwingen, sich bezwingen: (
er) überwann sich mit gütte, dasz sie ausz feinden freund worden S. Franck
Germ. chron. 286
b.
auch absolut Rotman
restitution 97
ndr. 2)
jem. durch reden u. ä. bezwingen, wozu vermögen: (
Ariadne) ward zuletzt durch seine sanfftmütigkeit, freundliche wort und züchtige sitten noch überwonnen
de arte amandi 54. 3)
in der rechtsspr.: jem. (
durch zeugenaussage)
überführen: dewyle he ... unse citation ... versmähet ..., ist he ... mit gerichte, ordel und rechte verfolget, overwunnen (
worden) ..., als man mit rechte eynen morder ... overwynnen und verfolgen schal
städtechron. 16, 530. 4) jem. ü.,
es ihm zuvorthun: du überwinnest mich im schreiben Orsäus
nomencl. (1623) 298; einander mit tanzen und springen ü. Rollenhagen
froschm. I 1, 2, 50
G. IIII.
überwinden. ahd. ubarwintan Graff 1, 751,
mhd. überwinden
mhd. wb. 3, 679
b ff., Lexer
a. a. o. bedeutung: besiegen, überwältigen, überstehen. seit dem 8.
jahrh. in eigentlichem und übertragenem sinne belegt. II@AA.
mit objectergänzung. II@A@11)
mit persönl. subject. II@A@1@aa)
im kampf besiegen: ze boden schlahen oder werffen, überwinden Frisius
dict. (1556) 1082
s. v. prosternere; hie hat der lawe eine maus gefangen und lest sich düncken, er habe den lindwurm uberwunden Luther 19, 604
W.; also überwand Dauid den Philister mit der schleuder und mit dem stein
1 Sam. 17, 50; wie herr Tristrant einen britannischen ritter überwande
buch d. liebe (1587) 94
a; Jacob, der ... mit dem schutzengel ... kämpft und ihn überwindet Herder 12, 29
S. auch vom thiere: zu dem letsten sol er im (
dem falken) günnen, das er den vogel überwind und ertötte Mynsinger
von den falken u. s. w. 19; der streit war so hart ..., dasz der stier zwar das ungeheuer zuletzt überwand, aber der schweisz von seinem leibe heruntertroff Grimm
dtsche sagen 1, 109.
im kriege besiegen: subjugare Calepinus
VII ling3 (1731) 2, 395
b;
ahd. u. mhd., s. Graff
a. a. o.;
mhd. wb. a. a. o.
vgl. noch: (
gott, der) dich schirnde und mahte sigehaft an den vienden, die din hant sluog und mit kreften ubirwant Rud. v. Ems
weltchron. 4311
E. nhd.: Octavianus ... Antonium überwant und Ptolomeum
städtechron. 3, 36; bischoff Wernher ... überwand die Burgunder mit hülff der Alamanniern Tschudi
chron. helv. 1, 11; als er ... die Lacedemonier in der leuctrischen schlacht überwunden hat Xylander
Polybius (1574)
vorr. 1; könig Dietrich ... halff könig Waldreichen überwinden und das gantze Thüringerland könig Hermanfrieden unterthänig machen Binhardus
thür. chron. (1613) 18; nach dem siege Carls
V. bei Mühlberg, nachdem er die Deutschen überwunden hatte Schiller 8, 13
G.; als Israel nach gottes rat die Cananitter überwand Hans Sachs 1, 222
K.; der durch waffen überwunden, hat noch lange nicht gesieget. Logau 239, 56
E. II@A@1@bb)
bildlich und in abgezogener verwendung seit ahd. zeit allgemein: der mîne hende lêret in wîge ze uberwindenne mîne geistlîchen fîenda Notker
ps. 17, 35. damit (
mit den fünf wunden Christi) überwindet der mentsche alle sin vigint
st. Georgener pred. 94, 15
R.; fröw dich o Rom ..., dann durch boszheit der menschen und nit durch din geistlichkeit hast du die welt überwunden Tschudi
chron. helv. 1, 99; ein wiederspenstiges herz ü. Ramler
einleit. (1758) 1, 393. den teufel, den tod, die hölle ü.: daz betütet, daz unser herre des nahtes die helle brach unde den tivel uberwant unde sine holden lidigete
Lucidarius 39, 28
Heidlauf; also dikke wir widerstein getruweliche, also dikke uberwinde wir den thuvel fromecliche
d. heil. regel f. ein vollk. leben 8, 27
Priebsch; du hast den satan überwunden, ach überwind ihn auch in mir! Neukirch
ged. (1744) 68; (
Jesus Christus,) der den tod in seinem todte überwunden Mathesius
leichenreden 4, 108, 13
bibl. dtsch. schr. aus Böhmen; Herder 28, 117
S.; die hölle ü. B. Krüger
aktion ... (1580) A 3
a; das übel ü.: enlant iuch niecht überwunten werden von demo ubele, sunter ir uberwintent mit demo guoten daz ubele
Nortperts tractat bei Piper
schr. Notkers 2,
einl. IV 21
nach Röm. 12, 21
noli vinci a malo, sed vince in bono malum (
auch: Luther: überwinde); sunder sterck uns durch deinen geist, zu überwinden allermeist bestendigklich alle anfechtung Hans Sachs 1, 68
K.; das exempel Christi, welcher ... alle anfechtungen überwindet
volksb. v. dr. Faust 10
ndr. Br.; die andern, die nit die anfechtung uberwinden, ... die faren eyn hyn yn tzorn Luther 2, 124
W.; unsre sünden Mittler
dtsche volksl. (1865) 304.
in der neueren sprache mit abstract. object in breiter verwendung: gefahren ü. Herder 22, 230
S., hindernisse Göthe I 21, 80
W.; den widerstand seiner collegen 25, 1. 53
W.; schwierigkeiten Wieland
Agathon (1766/7) 1, 101; alle bedenklichkeiten Tieck
schr. 4, 42; die naturkräfte durch zauberei Ranke
s. w. 1, 151.
sodann auch: einen berg ü.
trapassare Kramer
teutsch-ital. dict. 2 (1702), 1355
a; Arigo
decam. 18
K.; die flüsz Fischart
glückh. schiff 4, 62
ndr. eine arbeit ü.,
sie vollbringen: superesse labori Frisius
dict. (1556) 1273
a; ich bin mit herz, sinn und gedancken nur an dem roman und will nicht wancken, bisz ich ihn überwunden habe Göthe IV 10, 315
W. eine körperl. oder seelische verfassung, einen trieb, eine gewohnheit
u. ä. bei sich oder anderen ü.,
über sie herr werden, bzw. sie bezwingen, allgemein, z. b. den durst Eppendorf
Plinius (1543) 7, 15; den schlaf Holtei
erz. schr. 4, 113; die bangigkeit Göthe I 25, 1, 265
W.; meine faulheit IV 10, 74; sein misztrauen A. v. Arnim 12, 69; die furcht Deinhardstein
ges. dram. w. 4, 79; die abspannung Fr. Hebbel
tageb. 2, 209
W.; seine antipathie Dahlmann
gesch. d. franz. revol. (1845) 93; dyn hertz muosz dick ersterben, bis das du dyn natur überwindest
d. ew. wiszheit betbüchlin (1518) 6
a; Hippel
über die ehe (1774) 56, 29. Simrock
dtsche volksb. 1, 29. II@A@1@cc)
der bedeutung '
verwinden, überstehen'
sich nähernd: not, schaden, schmerz, krankheit ü.,
schon ahd., s. Otfrid V, 7, 27; 23, 93. daz her alle sîne nôt wol uberwinden solde H. v. Veldeke
Eneit 4109
E.; die raittung (
am jüngsten tag) die precht mir den val, den ich do nymer überwund
pfarrer v. Kalenberg 12, 241
ndr. bei Hans Sachs
spontan mit gen. statt acc.: 4, 150, 30
K.; yhn (=
sibi) selbs haben sie den schaden gethan, den sie schwerlich ... uberwinden werden Luther 15, 71, 23
W.; buch d. liebe (1587) 89
a; Megiser
ann. Car. (1612) 1182. bischof Ulrich den schaden kôs, den er niht mêr überwant Ottokar
steir. chr. 6136; ich wil in peinigen ..., das er den schaden nymemer überwundt
altd. passionssp. 195
W.; die leiden der kriegsjahre ü. Treitschke
dtsche gesch. 4, 8; die seekrankheit Moltke
ges. schr. 6, 528; schmertzen u. kummer ü.,
exurgere supra dolores Frisius
a. a. o. 443
b; euwer hauszfraw ist in ewigem läben, hat alles unglück, angst und not überwunden Wickram 2, 77
B.; der sawre kampff, den ich dort hab in ewrer welt empfunden, der ist durch gottes gnad und gab all glücklich überwunden P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel
ev. kirchenl, 3, 321.
verschmerzen: Tristan, herre, ich enkan noch enmac, getriuwer man, dich überwinden iemer mê
Tristan als mönch 1297.
temporal im sinne von überstehen: ir uberwindet disen tach niemêr mit ûwern êren H. v. Veldeke
Eneit 11 780
E.; die erst tagreisz er überwand Scheit
Grobianus 4793
ndr.; und so wäre denn auch der kürzeste tag (
des jahres) überwunden Göthe IV 28, 349
W., ein ganzer tag war noch zu überwinden, bevor ... Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 216.
überleben: sol er dieser wunden, so er meinetwegen empfangen hat, sterben, so überwinde ich den tag nimmermehr
buch d. liebe (1587) 104
c. II@A@1@dd)
aus a)
verengt: durch gründe im redekampf besiegen: überweisen, überzeugen, s. Frisius
dict. (1556) 330
b; 1159
b s. vv. convinco, revinco; in der neueren sprache veraltet. zu dieser bedeutung führen verwendungen wie: also sol dise welt überwunden werden mit gotis worten, die die lerer sprechint
Lucidarius 40, 22
H. weyl unser bruoder die romanisten ... so dick und oft durch guot gegründt ursachen überwunden Hutten
opera 1, 383
B.; ich wil ... mit schrifft ubirwunden sein, nit mit ungewissen ... leren der menschen Luther 7, 663
W.; ketzerey ..., die uberwinde man ... mit gottis wortt 11, 270
W.; das ich weder mit geschrifften noch mit vernünfftigen ursachen binn überwunden worden Eberlin v. Günzburg 2, 97
ndr. in der älteren rechtsspr. für überführen. seit ahd. zeit, s. Graff 1, 752; Lexer
handwb. 2, 1680
f.; Scherz
gloss. 1709.
mit gen. d. sache oder abh. satz: wirt er des überwunten, so habent die purger vollen gewalt daz si in absetzent
städtechr. 15, 395; so eyn ehemann eynen andern ... umb des ehebruchs willen ... peinlich beklagt und des überwindet, derselbig ...
Carolina 120; swelher ... ainen mainen ait swert ... und daz er des überwunden wirt, ... der ist ...
Nürnberger polizeiordn. 9
B.; der diebe adir roub heldit ..., wirt her des abirwundin, man sal ...
Neumarkter rechtsb. 141; ob ein weib uberwunden würde, das si ... ihres mannes todt suchet ...
sächs. lehenrecht (1589) 84
a; dweil sie ... irer mishandlung so clarlich überwunden sind, ... Sleidanus
reden 202
B.; also warden vil überwunden, das sie meineidig waren Pauli
schimpf und ernst 136
Ö. in etwas: zuo letst ward er verklagt ... und in vil todtswürdigen stucken überwunden S. Franck
chronica (1531) 129
a.
hierzu part.: ein überwundner missethater
Carolina 31; das überwundene unð unrecht befundene theil (=
partei) Herttwig
bergb. (1734) 122
a;
aber auch: so ... ein person einer genugsamen, unzweifelichen, überwundenen ... missethatt halben ... gestrafft werden sollte
Carolina 10; so iemandts zuo ... betzalung seiner überwunden schulden gefäncklich gehalten wurde, ...
d. neu laienspiegel (1518) 133
a.
mit doppeltem acc.: Husz hat den bapst einen widerchrist überwunden und überzeugt Agricola
sprichw. 218.
passiv gewendet: er ward ein zerstörer der ee überwunden Keisersberg
post. 4, 21.
ähnlich: wo er aber ... aufruhrisch überwunden wurde Luther
br. 3, 28
de Wette. II@A@1@ee)
aus a)
abgeleitet: im wettkampf jem. ü.,
sodann allgemein für übertreffen, mit,
bzw. in, an etwas.
α) (
er) mocht mit louffen, springen noch mit ander geradikait von niemant werden überwunden
N. v. Wyle
translat. 17, 26
K.; ein jeglicher den anderen mit freygebigkeit überwinden wolt Kirchhof
wendunmuth 437
a; (
es) erwachsen newe kämpffe, ... dweil ye einer den anderen mit trunckenheit und füllerey zu überwinden untersteht Ambach
vom zusauffen D 1
a; Murner
bei Hutten
op. 5, 457
B.; einander in einer battalia mit sauffen zu überwinden Grimmelshausen
Springinsfeld 2, 26
K.; mit glantz der reichthumb diejenigen ü., die gar grosze graffschaft haben Schupp
schr. (1663) 735; eher ich mich von dem cavalier mit der höflichkeit hätte überwinden lassen, eher würde ich crepirt seyn
ollapatr. 136, 3
Wiener ndr.; Florindo wolte sich in der freudensempfindung von seiner gebieterin nicht überwinden lassen Chr. Weise
die drei klügsten leute (1675) 1; elender, dessen ... weib ... ihn in männIichen tugenden gar überwindet! Herder 13, 321
S.; an wissenschaft ... die gelehrten selber ü. Opitz
Zlatna 1, 126; dafern aber ich euch an wurff (=
im werfen) überwind, so gehört euer rosz mir zu Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 13.
β)
übertreffen: die vorstellung eines kampfes ist verblaszt in wendungen wie: daz iz (
das haus) in scôni die sternen uberwunde Notker 1, 842, 8; will sich ain mensch erheben durch sterck, so wirt er von aim thier überwunden A. v. Eyb
sp. d. sitten (1511) B 3
a; den frischen schnee an weisze überwindet, das elfenbein an glätte die gestalt (
Olimpias) A. W. Schlegel
Athenäum 2, 271. II@A@1@ff)
jem. zu etwas bewegen, überreden, s. mhd. wb. a. a. o. im älteren nhd. nur verengt für bestechen, heute auszer gebrauch. der gezüg ... sol weder dur liep noch dur laid sprechen won die rehten warhait, won lat er sich mit dehaim ding überwinden, so ist er nüt rehter gezüg
die sog. s. Georgener pred. 322, 30
R.; bei dem tier (
tarondus) versten wir die werltlichen läut, die ir pfarrer und ir predigær mit gaben überwindent, daz si ... si ir poshait lâzen treiben Conr. v. Megenberg
buch der natur 133, 23
Pf.; ain hütter, der sich weniger lasz mit mieth und gaben überwinden Schaidenreisser
Odyssea (1537) 73
b. II@A@22)
mit abstractem subject: besiegen, überwältigen. II@A@2@aa) hunger, durst, zorn, schmerz, krankheit überwindet jemanden: mit diser milch euch laben kindt, eh euch der hunger überwindt
Endinger Judenspiel 36
ndr.; mich überwindt ungestümikait
N. v. Wyle
transl. 30, 2
K.; die liebe überwand in Boltz
Terenz (1539) 46
a; Gilhusius
grammatica (1597) 3, 7, 77; des überwandt sie (
die sabinischen frauen) ... der ellendig jammer, das sie ... Carbach
Livius 6
v; der zorn überwandt ihn
buch d. liebe (1587) 2
c. welchs (
das fieber) mich dermassen überwandt, das mir all leibeskrafft verschwandt Ringwaldt
christl. warn. B. 3
a; nieder fiel der greif zur erde, weil der schmerz ihn überwand Tieck
schr. 1, 117; man solte ... sich keine bosheit noch schendlichen undanck uberwinden lassen Luther 32, 401, 18
W.; als sich Noe ... den wyn hatt überwinden lassen H. R. Manuel
weinspiel 4109
ndr.; allein lasz dich nicht überwinden zu hart den zorn Spreng
Ilias (1610) 5
b; also überwand unser frowen hilf ... des bösen feinds krafft
summerteil der heyligen leben (1472) 6
a; es sein ja siben todtsünden ... ergo so müssen auch siben sacrament sein, die diese sünden vertreiben und überwinden Fischart
binenkorb (1588) 179
a; der sonnenschein die finster des nebels überwunden hatte
buch d. liebe (1587) 119
c; vielleicht möchten ewere zähern der feindt hertz überwinden
theatrum amoris (1626/31) 2, 103; die natur ... überwind die kranckheit Guarinonius
grewel d. verwüstung (1610) 16; endlich hat die zeit den kummer überwunden E. v. Kleist 1, 63, 11
S.; die zuversicht auf den himmel überwindet die hölle E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. D. 1, 264; dennoch überwand seine liebe alle schwierigkeit A. v. Arnim
s. w. 1, 277; Leontins heiterkeit und sein guter wein ... überwanden bald alle müdigkeit Eichendorf
s. w. (1864) 3, 202.
sprichwörtlich: liebe überwindet alle ding
N. v. Wyle
transl. 32
K.; das geldt Tappius
adagiorum centuriae 7 (1545) O 7
a. II@BB.
reflexiv: sich überwinden II@B@11)
animum vincere, coercere cupiditates Schönsleder (1632) H h 7
b; sich selbs überwinden (
ist) die gröszt sterck S. Franck
paradoxa (1558) 196
b; sich selbst überwinden ist wider sich selbs streitten Albertinus
zeitkürtzer (1603) 17; ich will mich überwinden und diesen abend alles vergessen, was meine gemüthsruhe stören kann Abbt
verm. w. (1768/81) 6, 3, 33; wer sich nicht kan überwinden, wird ein sklave seiner sünden Neukirch
anfangsgründe (1724) 52. II@B@22)
sich zu etwas mit mühe entschlieszen: Drusus ware zwar schwerlich hierzu zu bereden. doch überwande er sich endlich und besuchete sofort den Tiberius A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 35.
mit abhäng. satz: ich kann mich unmöglich überwinden, die menschen für so bösartig anzusehen Wieland
w. (1794) 7, 47; gestern konnte ich mich ... nicht überwinden, nochmals zu ihnen zu gehen Göthe IV 10, 254
W.; kaum überwand sie sich, ihn nur zu sehen Mörike
w. 3, 54. II@CC.
absolut gebraucht für siegen, die oberhand gewinnen, in eigentl. u. bildl. sinne, wobei das elidierte obj. aus dem zusammenhange sich ergibt als den feind, die versuchung, sich, die enttäuschung, das leben: unser herre manet uns, daʒ wir striten, und hilfet uns, daʒ wir gesigen und überwinden
die heil. regel f. ein vollk. leben 8, 29
P.; also haben mit listen überwunden, die mit waffen nit hetten mögen obsiegen S. Franck
chron. Germ. (1538) 85
a; wer überwindet, des nam wirt ich nit abwischen B. v. Chiemsee
teutsche theol. 132; ach mutter, dich nicht wiedersetz dem, der doch überwind zuletz
gr. dramen 1, 209
Dähnhardt; hilff kämpffen ritterlich, damit wir überwinden P. Gerhard
bei Fischer - Tümpel
ev. kirchenl. 3, 345
b; im dulten will ich noch überwinden! maler Müller
w. (1811) 2, 304; wer überwindet, der gewinnt Göthe I 14, 139 (
Faust I,
v. 2835)
W.; in ihrem alter überwindet man ja noch so leicht! G. Hauptmann
einsame menschen 2, 113.
euphemisch für sterben (
s. oben den beleg aus Wickram). ietz geh ich zur ewigkeit, bald, bald hab ich überwunden
bibl. ält. schr. d. Schweiz I 4, 100; vielleicht hat mein freund bis dahin überwunden (=
ausgerungen) Miller
Siegwart (1777) 1, 44; Marianne hat überwunden ..., sie starb im frühling Pfeffel
pros. vers. (1810) 2, 70.
subst. inf.: dweil unsers ... lebens anfang, mittel und endt, das ist die geburt, das wachssen und überwinden, in gottes wort stehet Hermann
erzbisch. von Cöln reform. (1545) 8
a.
bei unpersönl. subj.: die oberhand gewinnen, behalten: und die wasser überwunden groslich auff der erde
erste dtsche bibel 3, 64 (
vulg. gen. 7, 19:
praevaluerunt; Luther: nam uberhand und wuchs so seer); und ob ihr werdent gifft trincken, es wirt euch nit schaden, so nun das gifft nicht überwindt, sondern gehet ohne schaden, ... Paracelsus
op. (1616) 1, 256
H.; (
eine bähung,) darinnen doch der essig überwinde Sebiz
feldbau (1579) 90; wo boszheit und falschheit überwindet, da hilfft keine freundtschafft
buch d. liebe (1587) 87
c; aber sein vorsatz, fromm zu seyn, überwand doch Grimmelshausen 4, 768
K.; zwey leidenschaften ... zerreiszen ein hertz: welche von beyden wird überwinden? Ramler
einleit. (1758) 2, 284.
heute veraltet. II@DD.
part. präs. überwindend
in adj. function für siegreich ungewöhnlich: victoriosus Stieler 2545; welche ... gottesfürchtig und böser begierden eines überwindenden gemüts seindt Thurneisser
magia A 2
a; auf jeden antrag des Satans folgt eine helle überwindende antwort, gegen welche der Satan nichts mehr zu erwiedern hat Löhe
evangelienpost. 1, 146; ein überwindendes talent ..., sich bey den weibern in gunst zu setzen Wieland
Agathon (1766/7) 2, 88; eine zuvorkommend - überwindende menschenliebe Herder 20, 176
S.; eine verzeihend-überwindende groszmuth 254; wie kommts aber, dasz diese siegesgöttin bisher noch keine überwindende reden gehalten hat? Bettine
dies b. gehört d. könig (1843) 2, 366. II@EE.
part. prät. überwunden
in adject. u. subst. function allgemein: sich gegen den überwundenen barmherzig ... erzeigen
M. I. Schmidt
gesch. d. Dtschen (1778
ff.) 3, 92; also wurden die überwinder zu überwundenen Birken
vermehrter Donaustrand (1684) 82; und wenn der überwundne klug ist, gesellt er sich zum überwinder Göthe I 5, 1, 140
W.; weil des liedes stimmen schweigen von dem überwundnen mann Schiller 11, 394
G.; sich überwunden geben,
s. Weckherlin
ged. 1, 117
F.; Schiller 3, 426
G.; Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 68.
comp. selten: die leidenschaft kämpft desto heftiger, je überwundener sie sich fühlt Baader
s. w. 11 (1850), 188.
formelhaft: ein überwundener standpunkt,
nach Ladendorf
schlagwörterb. 318
seit 1839
üblich; s. auch zs. f. dtsche wortforschung 2, 309; ein längst überwundener standpunkt Mommsen
röm. gesch. 1, 148.
sodann ein überwundener dichter (=
aus der mode gekommen, über den man hinaus ist): K. Bauer
comödiantenfahrten (1875) 53; Gutzkow
ges. w. 3, 165.