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Erhaben

mhd. bis spez. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
24 in 18 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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27

Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Erhaben

Bd. 6, Sp. 39
Erhaben ist ein objektiver ästhetischer Begriff, d. h. ein solcher, durch den eine Eigenschaft des ästhetischen Objekts und nicht des auffassenden Subjekts bezeichnet wird. Während z. B. Pathos und Humor ästhetische Stimmungen sind, die der Auffassende in die Gegenstände hineinlegt, die aber nicht durch bestimmte, ihnen anhaftende Eigenschaften in jedem ästhetisch Auffassenden hervorgerufen werden, besteht dagegen das Erhabene, ebenso wie das Schöne (s. d.), in Eigenschaften des Objekts, die in jedem ästhetisch Auffassenden ein charakteristisches Gefühl erwecken. Das Gefühl des Erhabenen ist ein Mischgefühl, in dem starke Erregung und Spannung über einen unerwartet großen und kräftigen Eindruck das Unlustgefühl überwiegen, das aus dem Bewußtsein der durchschnittlichen Kleinheit der Lebenserscheinungen und insbes. auch unsers Ichs entspringt. Die objektiven Eigenschaften der Dinge, welche die Grundlage dieses Gefühls bilden, werden uns durch eine Grundfunktion unsers Verstandes, durch die Funktion der Vergleichung, zum Bewußtsein gebracht. Das Erhabene ist stets ein Größenbegriff, und e. bedeutet eigentlich soviel wie »erhoben«: E. ist dasjenige, was sich über das zu Erwartende erhebt. Kant unterschied das Erhabene der Kraft oder das dynamisch Erhabene einerseits und das mathematisch Erhabene, d. h. das Erhabene der räumlichen und zeitlichen Ausdehnung, anderseits. So erwecken etwa ein feuerspeiender Berg, ein mächtiger Wasserfall, das weit ausgedehnte Hochgebirge, die unabsehbare Flut des Meeres das Gefühl des Erhabenen. Die Funktion der Vergleichung zeigt uns, daß diese Erscheinungen an Kraft oder Ausdehnung über andre hinausragen. E. sind aber insbes. auch Erscheinungen des Seelenlebens: ungewöhnliche Kraft des Intellekts und namentlich des Willens, wie etwa bei Friedrich d. Gr. und Bismarck, sind e. Das Erhabene macht sich nicht nur geltend im Schaffen, sondern auch in der Zerstörung. Auch in einem Attila, Timur, Richard III. wirkt die Kraft des Erhabenen. Und nicht nur im Einzelbewußtsein, sondern auch im Gesamtbewußtsein macht sich das Erhabene geltend: so war etwa 1813 die deutsche Volksseele zu erhabener Kraftanspannung gesteigert. E. ist weiterhin oft das Walten des Schicksals: in dem Zusammenspiel der Umstände scheint sich eine höhere Macht zu offenbaren, deren eingreifendes Wirken den Eindruck des Erhabenen macht. Ausartungen des Erhabenen sind das Schreckliche, Entsetzliche, Gräßliche: hier ist die wirkende Kraft so groß, daß sie den Auffassenden niederdrückt oder ihm geradezu verderblich wird. Aus den angeführten Beispielen wird deutlich erkennbar, daß die übliche Erklärung des Erhabenen als einer Mischung aus Gefühlen der Lust und Unlust unzulänglich ist; das Wesentliche des Gefühlseindrucks liegt nach einer ganz andern Seite hin: es besteht in der starken Erregung und Spannung, die eine ungewöhnliche und unerwartete Kraftäußerung erweckt. Vgl. über das Erhabene Kants »Kritik der Urteilskraft« und die »Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen« sowie Schillers Aufsatz »Über das Erhabene«; ferner: Burke, Philosophical inquiry into the origin of our ideas of the sublime and beautiful (Lond. 1757; deutsch von Garve, Riga 1773); Vischer, Über das Erhabene und Komische (Stuttg. 1837); endlich die neuern »Ästhetiken« (von R. Zimmermann u. a.).
3326 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    erhabenpartic. adj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    erhaben partic. adj. erhaben. der poben daʒ gesturme dirre werlde irhaben ist myst. 1,149,35.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Erhaben

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Erhaben , -er, -ste, adj. et. adv. welches eigentlich das Participium des Verbi erheben, in die Höhe gehoben, ist, aber …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    erhaben

    Goethe-Wörterbuch

    erhaben oft ‘das E-e’, vereinzelt ‘der, die E-e’; fast ein Drittel der 370 Belege in 2 c, ein Viertel in 2 a; bei den rä…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Erhaben

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Erhaben , ist im ästhetischen Sinn dasjenige, mit welchem verglichen alles Andere klein ist, deßwegen macht es den Eindr…

  5. modern
    Dialekt
    erhaben

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    erhaben Band 2, Spalte 906 erhaben (Ptz.) 2,906

  6. Sprichwörter
    Erhaben

    Wander (Sprichwörter)

    Erhaben Er ist wol erhaben, aber noch nicht begraben. Vor dem Tode, sagt Solon, soll man niemand glücklich preisen. [Zus…

  7. Spezial
    erhaben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    er|ha|ben adj. 1 (erhöht) realzé (-zá, -zada) 2 (edel) nobl (-i, -a) 3 ‹fig› (gehoben) sublim (-s, -a) 4 (feierlich) sol…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erhaben

23 Bildungen · 8 Erstglied · 14 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von erhaben

er- + haben

erhaben leitet sich vom Lemma haben ab mit Präfix er-.

erhaben‑ als Erstglied (8 von 8)

Erhabene Arbeit

Meyers

erhaben·e·arbeit

Erhabene Arbeit , Figuren und Verzierungen, die über die obere Fläche, auf der sie angebracht sind, mehr als im Basrelief hervortreten (vgl.…

erhabengefährlich

GWB

erhaben·gefaehrlich

erhaben-gefährlich [ betr Byrons Teilnahme am griech Unabhängigkeitskampf ] das Gerücht .. der Lord werde seinen großen Sinn, seine mannichf…

erhabenheit

DWB

erhaben·heit

erhabenheit , f. excelsitas, sublimitas: erhabenheit des bildes, des ausdrucks, der rede ( vgl. erhobenheit); er wird, er kann nicht widerst…

erhabenlieblich

GWB

erhaben·lieblich

erhaben-lieblich [ in einem Wallistal ] von .. Bergen beschlossen, die wieder zusammen von eigenem, erhaben lieblichem Charakter sind 19,258…

erhabenpoetisch

GWB

erhaben·poetisch

erhaben-poetisch Achilleus im Kampf mit den Flußgöttern .. an der Gränze des Erhaben-Poetischen und Phantastisch-Wunderbaren 48,67,21 Kunsta…

erhabenschön

GWB

erhaben·schoen

erhaben-schön die herrliche Persönlichkeit .. Faust, von dem Erhaben-Schönen [< der Gestalt der Helena Var ] hingerissen 15 2 ,200 Helena Pl…

erhabenthuend

DWB

erhabenthuend , sublimis speciem prae se ferens: übrigens gehöre ich nicht zu den bewunderern des hohen liedes von Bürger, so wenig, dasz ic…

erhaben als Zweitglied (14 von 14)

halberhaben

DWB

halber·haben

halberhaben , part. : halberhabene arbeit, opus dimidii anaglyphi vel dimidiae frontis. Stieler 1693 .

herniderhaben

KöblerMhd

hernider·haben

herniderhaben , sw. V. nhd. „niederhaben“ (?) Q.: Gund (1290-1300) (FB hernider haben) E.: s. hernider, haben W.: nhd. DW-

Niederhaben

Campe

nieder·haben

Х Niederhaben , v. trs . niedergebracht haben. Er hat ihn nieder , er hat ihn niedergeworfen, er hat es dahin gebracht ihn niederzuwerfen. I…

Selberhaben

Wander

selber·haben

Selberhaben Selberhaben hat weder Bruder noch Schwester. Dän. : Naar selv-have døer, da fødes aldrig hendes mage. ( Prov. dan., 115 a . )

überhaben

DWB

ueber·haben

überhaben , v. , trennbare verbindung. 1 1) anhaben, aufhaben, auf sich haben: sie streichelte ... den schönen mantel, den sie über hatte Au…

underhaben

KöblerMhd

under·haben

underhaben , sw. V. nhd. unterlegen (V.), innehaben, besitzen, unterkriegen Hw.: vgl. mnl. onderhebben, mnd. underhebben Q.: Ot (FB underhab…

unerhaben

DWB

unerhaben , part.-adj. , nicht erhaben th. 3, 822. ungesäuert mit unerhaben prot Schiltberger reisebuch 104, 16 ; Müllenhoff-Scherer denkm. …

unterhaben

DWB

unter·haben

unterhaben , v.; ags. underhebban; mhd. underhaben; mnd. underhebben; mnl. nl. onderhebben. die grenzen zwischen wortcomposition und adverbi…

wider haben

Lexer

wider·haben

wider haben BMZ intr. zurückbleiben Reinh. 325,940 ; refl. sich behaupten gegen, widersetzen Trist. Such. Myst. , mit dat. sie habete nieman…

wi(e)derhaben

DWB

wieder·haben

wi(e)derhaben , vb. , erneut besitzen, zurückbekommen haben; ( s. haben teil 4, 2, 45 ff. ); ahd. widarhabên widerstreben; mhd. widerhaben s…

übererhaben

KöblerMhd

übererhaben , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „übererhaben“ Q.: STheol (nach 1323) (FB übererhaben) E.: s. über (1), erheben W.: nhd. (ält.) übererh…

überhaben

KöblerMhd

überhaben , sw. V. nhd. sich enthalten (V.), sich enthalten (V.) von Q.: Boner (um 1350) E.: s. über (1), haben W.: s. nhd. überhaben, sw. V…

ūferhaben

Idiotikon

ūferhaben Band 2, Spalte 906 ūferhaben 2,906

ūzerhaben

KöblerMhd

ūzerhaben , (Part. Prät.=)Adj. nhd. „auserhaben“ Q.: HvNst (um 1300) (FB ūzerhaben) E.: s. ūz, erhaben (2) L.: FB 399a (ūzerhaben)

Ableitungen von erhaben (1 von 1)

unerhaben

DWB

unerhaben , part.-adj. , nicht erhaben th. 3, 822. ungesäuert mit unerhaben prot Schiltberger reisebuch 104, 16 ; Müllenhoff-Scherer denkm. …