Wossidia
döschen ält. dörschen dreschen: triturare 'dorschen' Chytr. 51; Laur. Schg. 3, 466;
döschen Mi 16
a. 1. Körner aus den Ähren schlagen a. beim Flegeldrusch mußte eine Person zu Beginn der Arbeit int Fack stehen und die Garben herunterwerfen (afsmiten), die auf der Tenne stehenden Leute lösten die Strohseile und breiteten die Garben in langen Reihen auf der Dreschdiele aus (
s. anleggen). Weizen und Roggen wurden in der Breit-, Ligg'-, Sprerr- oder Klapplag' angelegt, bei welcher das Stoppelende nach außen, das Koppenn' nach innen zu liegen kam, so daß die Ähren übereinander lagen. Erbsen und Mengkorn kam in die Decklag' (
s. ob.). Gerste und Hafer wurden meist in der Stuklag' gedroschen,
d. h. die Ähren waren nach der gleichen Seite gerichtet, die erste Garbenreihe wurde schräg gegen die Wand gelehnt und mit der Hand niedergedrückt (stuukt), die Garben der zweiten Reihe wurden auf das Schnittende der ersten gesetzt und so fort. Je nach der Größe der Diele wurden 20 bis 70 Garben angelegt. Beim Dreschen standen die Drescher einander gegenüber und gingen langsam, im Takt schlagend, die Diele herauf und herunter. Dann wurden die Garben mit der Gaffel gewendet
[] (ümsmäten, -kihrt), so daß die bisher untenliegenden nach oben kamen, worauf noch einmal in derselben Weise die Diele herauf und herunter gedroschen wurde. Bei diesem Arbeitsvorgang, an dem zwei bis acht Personen teilnehmen konnten, mußten die Drescher genau Reihenfolge und Takt halten, um mit den hochgeschwungenen Flegeln nicht zusammenzugeraten; die einzelnen Schläge wurden deshalb mit Worten begleitet, die man in singendem Ton dem Takt der Schläge anzupassen suchte. Wenn zwei droschen, hieß es: klipp klapp; tick tack; butt butt! slah tau; hiss Katt; bei dreien: klipp un klapp; klipp klipp klapp; tick tick tack; hiss putt Katt; treck Jack ut; bei vieren: klipper klapper; di sall hei hal'n; dei Bur dei kümmt; hau den Lukas; slah Hamann dot, slah Hamann dot, slah Ha-, slah Ha-, slah Hamann dot; bei fünfen: hal di der Deuwel; nu geiht 't tau Hochtit; putt dei Katt den Kater; lick dei Katt dei Kutt; bei sechsen: dei klipper dei klapper; in dit Hus, in dat Hus, in 'n Schulten (Burvaagt) sin Backhus; von dit Hus nah dat Hus, von 'n Swinhus (Schithus, Spiker) nah 'n Backhus; von 'n Füerhierd nah Grotdäl; di sall dei Deuwel hal'n; zu sieben: Klümp un Backbeern mag ick nich; ick un min Fru, Jung', slah tau; bei achten: di sall dat Dunnerwetter hal'n; büst du dor nich, kam icke doch; nu kam ick, ticke tacke tick; wenn't nu nich schafft, denn weit ick 't nich; wenn ick nich kam, denn ward nicks dan. Die alten Leute pflegten mit dem Bummelslagg (
s. ob.) zu dreschen im Gegensatz zu dem späterhin geübten graden, glatten, snellen oder flinken Slagg. Wenn eine Lage abgedroschen war, wurde das Stroh mit der Gaffel (Schüdd'gaffel) geschüttelt, damit das restliche Korn herausfiel, eingebunden und auf den Sleet- belag getragen, das gedroschene Korn wurde an die Wand geschaufelt (anbankt, -schaben, in de Bank bröcht, ... sett't, an de Riwand bröcht) und eine neue Lage angelegt. Am Ende der Woche wurde ein Reinmakerdag eingelegt, an welchem das gedroschene Korn mit dem Dörchtrecker (
s. ob.) durchgezogen, mit der Burr (
s. ob.) oder dem aus Sandhafer gefertigten Sweeper (Marlbessen) abgefegt und bei geöffneten Türen mit der Worpschüpp gegen den Wind geworfen wurde. Das schwerste Korn, der sog. Vör- oder Ansprang, der beim Wurf am weitesten fliegt, wurde vornehmlich zu Saatgut verwendet, das leichtere Achter- oder Hinnerkuurn diente als Brotkorn, während das in der Entwicklung zurückgebliebene Smachtkuurn an das Vieh verfüttert wurde. Nun ließ man das Korn über ein schräg gestelltes längliches Stahsäw laufen, oder man schüttete es in ein rundes Handsäw, welches man kreisen ließ. Bei dieser Bewegung kamen Halme und Ähren nach oben und wurden mit der Hand abgesammelt, während Unkrautsamen und Sand durch die Maschen des Siebes hindurchfielen.
[] Kleinere Kornmengen wurden nach dem Sichten in eine hölzerne Brettmulde (Stöwmoll) geschüttet und darin hochgeworfen, so daß der Staub fortwehte (utstöwt). Dann ließ man das Korn auf ein Laken fallen, damit der Wind die noch vorhandene Spreu wegblies. In größeren Betrieben geschah diese letzte Reinigung mit der
Rummel, früher mit der Stöwmœhl (Putzmœhl, Klapper, Windfäg' oder Windfäger), einer länglichen, durchlöcherten Trommel, in deren Innerem ein Flügelwerk war, das durch einen außen angebrachten Handgriff (Wrang') bewegt wurde. Das auf diese Weise völlig gereinigte Korn wurde nun mit einer hölzernen Schaufel gegen den Wind aufgemessen, mit dem Scheffel in Säcke gefüllt (inschäpelt, -matt't, -sackt) und auf den Kornboden getragen. Im bäuerlichen Haushalt, wo die Knechte und Mägde das Dreschen neben ihren anderen täglichen Obliegenheiten besorgen mußten, begann die Arbeit um diese Zeit oft schon um drei Uhr morgens. Jung und alt wurden herangezogen: allens wat 'n Flägel böhren künn, müsst mitdöschen. Die erste Lage wurde bereits den Abend vorher angelegt. Ein Kienspan wurde als Beleuchtung in das Kikfinster gestellt. Vor der Morgenkost wurden zwei Lagen abgedroschen. Jeder hatte bei der Arbeit seinen besonderen Stand. Der Grotknecht und die Grotdiern droschen in der Mitte, die jüngeren Dienstboten, die noch nicht recht Takt halten (Slagg hollen) konnten, standen an der Kante. Wenn der Junge, nachdem er einmal die Diele entlang gedroschen hatte, noch flöten konnte, hieß es: denn hest nich dull naug uphaug't. Wer sich beim Dreschen schonte, wurde spöttisch zurechtgewiesen: du döschst jo, as wenn de Kater von de Riwand springt StaStargard@BeseritzBes; oder er erhielt den Rat: man wiss upslahn, Vadder un Mudder sitten dor nich unner SchwSchwerin@GadebuschGad. Ein Mädchen, das beim Dreschen aus dem Takt geriet, wurde von den Knechten getadelt: Diern, du kannst danzen un dorbi nich bet sœben tellen;
vgl. Plattd. Heim. 11, 19
f. Der Flegeldrusch war noch bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrh. üblich. Heute geschieht der Ausdrusch des Getreides meist mit der Dreschmaschine, vielfach in unmittelbarem Anschluß an die Ernte, indem man ihn entweder, wenn die Hocken noch auf dem Felde stehen, vornimmt (ut de Hock döschen) oder zunächst die Mieten, die in der Scheune keinen Platz fanden, ausdrischt. b. sprachliche Belege: 'dorschen (gedroschenes) korn' (1331) UB. 8, 234; 'nemandt schall sin ungedrosket korn undt hoy leggen in ein hauß, datt men bewahnen kan' (Wi 1580) Tech. Bürg. 358; Redewendungen: leddig Stroh döschen unnütze Arbeit verrichten HaHagenow@RedefinRed; Gü Güstrow@SchwaanSchwaan; ähnl. Gry. Lb. 2, C 3
b; von einem pockennarbigen Gesicht sagt man: dor hett de Düwel sin Arwten up döscht Nd. Kbl. 15, 47; Reut. 3, 273; ein kleiner Mensch kann in 'n
[] Backaben döschen HaHagenow@RedefinRed; auf die Frage wo geiht 't? erhält man die Antwort: oh, mi geiht 't bäter as 'n Buern, ick bruk nich tau döschen Wa; von einer großen Brotschnitte: dor kann ein mit nah 'n Döschen gahn Wa; Schnellsprechreim: de dicke Diern döscht, dat de Däl dunnert RoRostock@MönchhagenMönchh; ick döscht den vierteihnten Schäpel bekam den 14. Scheffel als Lohnscheffel Pet; absol.: je düller dat friert, je lichter döscht dat drischt es sich MaMalchin@GalenbeckGal; öft. im Volks- und Kinderreim: De Klock sleiht teihn, Vadder geiht nah 'n Meih'n, Mudder geiht nah 'n Döschen, Verdeinen sick beid' 'n Gröschen Wo. Sa.; Dei döschten dor kort Hawerkaff, Dor brug'ten sei gaud' Bier von af
V. 2, 1511; 1518; Bet an dei Schün, Dor döschen sei in Kamün 1527 u. öft.; Saathafer muß in den Zwölften gedroschen werden, sonst lohnt er nicht Ratz. Mitt. 2, 19. 2. übertr. klopfen, schlagen: Goorn döschen das nach dem Spinnen ausgekochte Garn klopfen allgem.; ick heff em einen döscht ihm einen Schlag versetzt allgem.; 'mit den blaffenden Scheperrödden sick geslagen unde de Hundeköppe gedörschet' Gry. Lb. 2, Ee 1
b; klatschen: he (der Drak) döscht em einen up 'n Arm bescheißt ihn Wa; Koorten döschen Karten spielen Ro; Sta Stargard@Groß QuassowGQuass; WiWismar@NeuklosterNKlost. — Zss.: af-, damp-, nah-, œwer-,
up-,
utdöschen. — Mnd. dörschen. — Br. Wb. 1, 258; Dä. 82
a; Kü. 1, 339; Me. 1, 819; Schu. 25.