dehnen [denen],
auseinander ziehen, extendere, expandere, goth. þanjan,
ahd. denjan (Graff 5, 144),
mhd. denen (Ben. 1, 311),
altsächs. thenjan,
ags. þenjan,
nord. þenja,
schwed. tänja.
es stammt mit dohne, dohnen, dünne
von einem verlorenen starken verbum din dan dânen gedonen
ab, womit sanskr. tan,
griech. τείνω τανύω,
daś lat. tendo
stimmt; vergl. Gramm. 2, 56. 11.
in die länge oder breite ziehen, recken, zerren, spannen, reiszen. wil er mich vil gereizen, sô wirt er gedent durch den tanz bî sîme reiden hâre Neithart 42, 5. in den nagelen er sich spien als ein gedentiu seite
Passional 74, 38
Hahn. hie von ist mir harte nôt daz mich die lewen denen und malen in ir zenen 166, 62
Köpke. ein seil meisterlich gestricket, gedenet und gericket
Liedersaal 1, 184. mache den raum deiner hütten weit und breite aus die teppich deiner wohnung, spare sein nicht, dehne deine seite lang und stecke deine negel feste
Jesaia 54, 2. zu hant kamen die ungehüren wilden lüte und namen und riszen mich von dem galgen und denten und zogen mich mit händen und füszen über dorne und disteln
Altdeutsche blätter 1, 127. sie sprach (
die schusterfrau zu ihrem manne) 'ich bitt dich wolt mit den zänen nit so das stinkend leder denen, denn euch das maul oft stinkt davon' Waldis 258. da sprach die frauw 'ist das die schult, so nim dein weise wider an, zeuch her und dene, reck und span' 259. theten die zöpf einander denen H Sachs 1, 512
c. als der affenkünig bereit sambt sein affen die blosz warheit von dem warhaften gsellen hört, wurden in zorn sie entpört, fielen auf in mit blecketen zänen und theten hart raufen und dänen: und wird zerkratzet und gebissen, sein angesicht mit negeln zerrissen, und jagten in von in blutrünstig 2. 4, 41
c. dehnet schadenfroh die sonne mir zur marter ihren lauf Gotter 3, 448. 22.
uneigentlich und bildlich. er spricht langsam und dehnt seine worte auf unerträgliche weise. weil er die schrift misbraucht und auf ein frembden sinn und meinung dehnet
durch gewaltsame auslegung eine andere bedeutung herausbringt Luther 1, 128
a. wie es mit den ketzern geschieht, da man einerlei sprüche hieher und daher dehnet
bald auf diese, bald auf jene weise versteht 3, 531. rechtsprecher so das recht lenken und dehnen 4, 406
b. ich wolt wol gerne so gleuben und thun, aber der alte schlam henget mir so schweer an und denet mich immer wieder herunter 6, 68. daher auch die Arrianer sich hier verdrehet haben und disen text für sich wollen denen und gedrungen uf das wörtlin allein, das das sprichet 'das du allein warer gott bist' 6, 175
b. sie suchen allein das vocabel sacrificium in concordantiis bibliae und dehnen es hierher, es reime sich oder nicht
Corp. doctr. christ. (
Lps. 1560) 207. diesen spruch haben die Pelagiani viel zu weit gedehnt 452. wie den sachen, wenn die saite am härtesten gedehnet (
angespannt), geholfen sei worden Schweinichen 1, 324. sie fühlt ein stilles sehnen voll neuer ahnungen den mutterbusen dehnen. Wieland
Oberon 9, 29. doch die lieberfüllten sänger dehnten nachts vor meinem fenster ihre süsze melodien: hielten wach die liebe seele Göthe 2, 100. 33.
ausstrecken. sîna hant, den fingar, daz suert denjan Graff 5, 144. mîne hant wil ich denen und slahen der heidene her.
Genes. sîne hende er dô denete, alsô in sîn bruoder manete ze der heidene ungemache uber diu wazzer joch die bache
Exod. 100, 42. er denete sînen schaft: in den strît er wider reit Herbort 5075. 18380. er hete gerne ûf leides val der Kriechen einen dâ gewent, des wart dô wider in gedent geschütze, manec hornboge. Konrads
Trojan. krieg Berlin. hs. 200
b. sîn boge starc von horne der wart ûf einen schuz gewent: er hete in schiere dô gedent und ûf gespannen bî der frist 246
d. er denet sein schwert
Aimon E iiij. mit dem denet er den arm, dasz er Lohern helm und kopf zerspielt B. er denet die faust und gab dem marsteller einen solchen streich O iiij. wer ist der andere der sich nieder an einen sturz des alten baumes lehnt und seine langen feingestalten glieder exstatisch faul nach allen seiten dehnt? Göthe 2, 148. 44.
peinlich martern, foltern: do dennet man im sein hant Uhland
Volksl. 351. gedehnt werden
cruciatu confici Stieler 287. dehnen auf der folterbank
artus funibus distrahere Frisch 1, 189
b. er wird sich wol nicht drüber dehnen lassen
ohne folter bekennen Stieler 287. Steinbach 1, 260.
s. dehner. 55. sich dehnen. die handschuhe dehnen sich
weitern sich. der magen musz sich dänen dasz ers in dscheuren lasz Fischart
Garg. 87
b. wie ein fauler hund sich dehnen
ausstrecken. H. Sachs 4. 3, 68
b. mein seel schwach, schwer, betrübt gähnet, sehnet, dehnet sich. Weckherlin 155. Henisch 645. der weg dehnet sich lang Stieler 287. weiberhaut dehnet sich
ders. wer sich über der arbeit dehnet, wird langsam fertig
ders. was wird dann in meiner brust an dessen stelle treten, die schon verlernt, ohn einen herrschenden wunsch aller wünsche sich zu dehnen? nichts? Lessing 2, 260. wenn ich in meines weibchens arm am abend mich auf meinem sopha dehne. Göckinck 1, 130. und als die schote nun allgemach sich dehnt in die breit und länge Bürger 2, 32. da strömet herbei die unendliche gabe, es füllt sich der speicher mit köstlicher habe, die räume wachsen, es dehnt sich das haus Schiller 78. wilde phantasien haben meinen schlaf aufgeschwelgt, mein ganzes wesen krampfig um meine empfindung gewälzt, ich musz mich im offenen dehnen (er macht die glasthüre auf), in frischer luft mich von dem druck befreien Schiller 162
a. der fürst sprach vom geheimenrath, gesandtschaften, auszerordentlichen gnaden! eine herrliche aussicht dehnt sich vor dir aus 189
b. wie? da noch alles lag in weiter ferne, der weg sich noch unendlich vor dir dehnte, da hattest du entschlusz und mut 365
a. so schlage denn mit starker hand und schmiede mich von neuem und prüfe mich an felsenwand, das herz bricht nicht dem freien, es dehnet sich, wenn du es zwingst: frisch saust die luft, nun du mich schwingst. Arnim
Schaub. 3, 257. im halbmond dehnte reich sich eine stadt Platen 323.