BERUHEN vb. älter auch berugen, berü
gen. mhd. beruowen,
mnd. berouwen.
zu ruhe
1DWB 8,1417 ff. u. ruhen
1DWB 8,1427 ff. 1 ‘
(bei etwas) bleiben’. a
von personen ‘bei etwas bleiben, verharren, auf etwas beharren’: ⟨M13.jh.⟩ ‘verlait vns niht in bechorvnge’, daz ist, gestat des niht, herre, daz wir iht bestechen in den svnden strichen mit des willen nachhengvnge als die in bechorvnge bervwe David v. Augsburg
paternoster 101 MTU. ⟨u1480⟩ was durch sie
(die ratsherren) in diesen dingen sey vorgenommen, das gestehen die part, das sie dem wol getrauen nachzukommen und zu beruhen Spittendorff
denkw. 80 O. 1566 wenn du für das gerichte kömmst und man wird dich hart anklagen, so beruhe drauf, daß du dem wirth das geld gegeben hast Aurifaber
nach Luther
tischreden 6,206 W. 1602 weil also jedes teil vf seiner meinunge beruhete, vnd keines dem andern weichen wolte
eisleber stadt-chr. 79 G./S. 1714 wie nun Boleslaus .. darauff halßstarrig beruhete, Uladislaum nimmermehr wieder anzunehmen Köhler
schles. kernchr (1710)2,76. b
von sachen ‘stillstehen, liegen; bleiben’; häufig phraseol. etwas (auf sich, etwas) beruhen lassen
u. ä. ‘es mit etwas genug, gut sein lassen, es als erledigt betrachten’
; zu ruhen II 2
1DWB 8,1430 ff.: 1485 der ursachen halben sodans
(den streit) wöllen lassen berüwen
privatbr. d. ma. 1,269 S. 1524 dabey soll es entlich und on alle waigerung beruen und dem stracks nachgangen werden
urkb. mansfeld. saigerhandel 29 M. 1548 wann gifftige materi sich in die hoͤle der glider gesetzt hat, daselbst beruͦhet Ryff
confectb. 174a. 1559 soll er alle sorg vnd schwere gedancken hinlegen, vnnd den gantzen last lassen auff ihm beruͦwen Mertz
beschr. 96a. ⟨1579⟩ darnach soll man solch besaͤyet feld den gantzen winter pleiben vn̄ beruhen lassen Sebiz
feldbau (1580)491. 1653 als liesse man es bey seinen gegebenen fürstlichen worten beruhen Chemnitz
schwed. krieg (1648)2,178b. 1669 die grübelsucht, scrupulositas; wan unser verstand nicht beruhen wil bey dem, was klar und deutlich gnug ist Schottel
ethica 344. 1724 mein knecht .. hatte
(ein nest) .. gefunden, es ware aber unmöglich hinaufzukommen, auch noch sehr ungewiß, ob etwas darinnen fürhanden, weswegen es damit beruhete
(‘erledigt war’) Messerschmidt
Sibirien 3,48 W. 1832 der hauptmann .. lenkte ein. ich antwortete darauf wieder in unbestimmten ausdrücken, und so beruhte die sache auf sich Mörike
22,215 M. ⟨1838/9⟩ die in des barons händen beruhenden fonds Immermann
1,19 B. 1839 ich bitte sie also ihren antrag noch beruhen zu lassen, bis die zeit kommt, wo wir etwas annehmen dürfen W. Grimm
br. an Savigny 404 Sch. 1999 ist der verblichene nicht mehr jung und ist auch keine gewalteinwirkung erkennbar, läßt man die sache auf sich beruhen
(verzichtet auf eine obduktion), zeit (7.1.)9. 2 ‘
jmdn., etwas beruhigen, jmdn. in ruhe lassen’,
vor allem beruht
part.adj. ‘unangefochten, unbeanstandet sicher’,
zuerst rechtssprl. ‘etwas schlichten’; zu ruhe II 1
u. 2
1DWB 8,1418 ff.: 1364 das si
(die erben) darbei
(bei ihrem besitz) beleiben sollen, berubt. vnd vnbekhömert
in: Brandis
landeshauptleute (1850)112. 1368 also alse dat beruht sy, dar noghet her Hermen Benneken unn Vorchtenichte ok ane, dar hebben se ok enen vrede overnomen
stadtb. Neuhaldensleben 223 S./P. ⟨1434⟩ dy ain
(frucht) ist, das du darnach
(nach der beichte) jn deiner gewissen pist dester froleicher vnd mer versichert vnd dester berüebter Peuntner
sterben 22 TSM. ⟨1499⟩ der erst und der annder hawffen chumen peruet durch die scharlewt, das warn Vnngern, der warn 3 tausennt Unrest
öst. chr. 19 MGH. M16.jh. wie wir dan sölches
(gut) in beruebter nutz und gwer .. besessen haben
öst. weist. 8,256. 1644 die ruhigen nächte beruhen mich nicht, / dann ich keinen schlaf erwerbe / und in jammer-ängsten sterbe Harsdörffer
gesprächsp. (1641)4,128. 1647 der ölbaum sanftmut deut, sein fett beruht den schmertzen
ebd. 7, )()( 4a. 3 ‘
(sich) auf etwas gründen, stützen, auf etwas basieren, von etwas, jmdm. abhängen, an jmdm., etwas liegen, auf etwas zurückzuführen sein’
; verknüpft mit den präpositionen auf, in, bei, von,
an. meist übertr.; zu ruhen II 2
1DWB 8,1430 ff.: hs.1398 (vnd ob mich beweilen wider meinen willen ein slaf begreiff, so behingen)
var.: werugen (meine durren bein auf der bloszen erd) Johann v. Neumarkt
2,26 K. 1522 das wir vnns keynen vatter oder meyster vff erden rüffen sollen, sonder vff vnnsernn einigen vatter, der in dem hymmel ist, beruhen
in: Luther
brw. 2,498 W. 1531 die
(ratsherren) so wider Caium bewilligt hetten, gebrauchten sich yetzund jrer freydigkeit, .. gleichsam der gmein nutz auff ynen beruͦgte Hedio
Josephus 1,349b. 1602 dieweil aber solcher gesundheit ergätzung und bestand nicht allein in eßen, trincken und wolleben beruhet Kirchhof
wendunmuth 2,266 LV. 1653 als dergleichen macht vnd gewalt, so nicht auf sich selbsten beruhet vnd gegründet ist Chemnitz
schwed. krieg (1648)2,328b. u1690 bey diesem
(dem könig) der verlust und gewinn deß spieles beruhet, und die andere steine mit demselben entweder gewinnen oder verlieren
stein- oder schach-sp. 67 faks. 1705 das capitel-hauß, so .. auf sechs wohl ausgearbeiteten steinern pfeilern beruhet Leuckfeld
Walckenried 1,95. ⟨1774⟩
(die bauerlaubnis darf) nicht .. auf dem ausspruch eines bloßen richters beruhen Möser
2,275 A. 1798 der geist, an dessen heil das leben vieler / beruht und hängt A. W. Schlegel
Shakespeare (1797)3,264. 1851 diese wagen, die uf federn beruhen Glaszbrenner
volksleben (1847)3,65. ⟨1867⟩ geniale naturen .., die auf sich selbst beruhen Heyse
[1924] I 3,380. 1913 da indessen die schwäche dieses wahlrechts .. in der gewaltigen macht der exekutive des reichs wie der einzelstaaten beruht Liebknecht
ges. reden (1958)6,352. ⟨1937⟩ die stille und in sich beruhende Mary G. Hauptmann
ausgew. prosa 3,441 M. 2006 wie unsere letzte publikumsbefragung ergab, beruht das
(die zufriedenheit) auf gegenseitigkeit
yorcker, filmmag. 59,3a. 2009 das mädchen habe verletzungen, die auf fesseln beruhen
berl. ztg. (12.5.)40f. 2012 dass das gemüse
(spinat) besonders viel eisen enthält, ist ein mythos. dieser beruht auf dem tippfehler eines lebensmittelanalytikers, der ein komma eine stelle zu weit rechts notierte
tagesspiegel (4.3.) S 3b. –
vereinzelt trans. ‘etwas auf, in etwas gründen’ ⟨v1624⟩ wo ein quell-geist in der göttlichen kraft berüget wird Böhme
theosophia (1730)1,125 faks.Arbeitsstelle