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barst

mnd. bis Dial. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

MeckWB
Anchors
8 in 7 Wb.
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

barst

Bd. 1, Sp. 634
Wossidia MeckWBNbarst barwst, barfst, barwt barfuß; mnd. barvôt entwickelt sich über barwet ('mit barweden voten' Slagg. 69) durch den Vokalschwund im Grundwort zu barft; kräftiger setzt sich barst als Abkömmling der mnd. Adverbialbildung barvôtes durch; der Weg zu dieser Form geht von dem durch -t (wie in Äxt Axt, œwerst aber u. a.) erweiterten barvôtes aus; darin fällt durch Dissimilation das t des Stammes aus, und nun ergibt sich barvest, barwest und barwst, woraus dann (wie in Harst Herbst) barst; im W durch Abfall des Endungskonsonanten barss. In der Verbreitung der Formen ist keine Regel mehr zu erkennen, doch scheinen die s-Formen im O und in der Mitte vorzuherrschen; barss reicht in verstreuten Vorkommen bis Ro — Wa, nach Sta@ sind ratzeburg. Fälle verschlagen; die Form barwst hält sich fast nur literarisch; vereinigt barft un barss Mantz. Ruh. 15, 23. Beliebt ist die Zwillingsformel barft un bor barfüßig und barhäuptig; in deren Form barst un bor nimmt das zweite Glied als Reimwort gern die Gestalt boorst an. Das Barfußgehen Erwachsener ist seit langem abgekommen, Kindern wird es noch vielfach gestattet; vgl.: dee geiht dorüm barft, dat se keen Schap hebben StaStargard@ConowCon. 1. unflektiert: barft nudipes Niem. Idiot. 2; barwst, barst Mi 6a; bāst Jac. 1, 49; überwiegend mit gahn verbunden: de Jung geiht barft; den Schooster sin Fru un den Smidt sin Pier möten meistens barst gahn Wa; Kindern droht man scherzend: sast barss to Bedd' gahn Ro; du sast barst mit de Näs' to Bedd' gahn Ro Rostock@MüritzMür; oder beruhigt sie, wenn sie von Geschwistern belästigt worden sind, durch eine gleiche den Schuldigen treffende Strafandrohung: dee (der Bruder) sall hüt abend barst to Bedd' gahn und morgen früh in 'n Hemd wedder upstahn mehrf.; dee sall morgen den ganzen Dag barst in de Strümp gahn WiWismar@Niendorf im Klützer WinkelNiendKl; beliebt ist die Feststellung, daß die Tiere barfuß gehn; von Gänsen ausgesagt, hat sie den Zweck, ihre Selbstverständlichkeit oder Nichtigkeit zu betonen: 'willen ... uns vele weiniger hirumme bekümmeren, alse umb de nichtige Frage, worumme de Göse barvoth ghan' Gry. Paw. Y 1a; sprichwörtlich: de Gös' gahn allerwegs barst Schill. Kr. 3, 10; Gäus' gahn allerwäägt barwst SchwSchwerin@PampowPamp; im Ortsreim: to Garws (PaParchim@GarwitzGarw) gahn de Gäus' barws Lu Ludwigslust@EldenaEld; Dienstboten, die ihre Stelle wechseln wollen, bescheidet man: dor gahn de Gäus' ok barst, d. h. da ist es so wie hier, ist es auch nicht besser RoRostock@RibnitzRibn; WaWaren@Klein LuckowKLuck; in Hamborg gahn de Gäus' ok barst HaHagenow@LankLank; scherzhafte Bezeichnung alter Zeit: dat wir noch to Tiden, as de Gös' barst güngen Wa; SchwSchwerin@GadebuschGad; dat wir donn, as de Gös' barst güngen un de Poggen Schoh drögen Wa Waren@PenzlinPenzl; auch von den Hühnern: ... as de Höhner barst güngen Wa. Auf Pferde bezogen, drückt barst aus, daß diese nicht mit Hufeisen beschlagen sind: dat Buerpierd geiht jo barst PaParchim@GoldbergGoldb; den Sommer über gahn de Pier barss HaHagenow@RedefinRed; dat Pierd geht barst Jeppe 11. Weiter greift die Entfernung von dem ursprünglichen Sinn, wenn die Fischer beim Fischen Steine, die nicht mit Stroh umwickelt sind, barst nennen: willn man een'n üm 'n annern barst gahn laten StaStargard@GrammertinGramm; so väl Steen gahn barst Wa; oder in dem obszönen Ausdruck: ick mak dat (coire) ümmer barst, d. h. ohne Gummischutz StaStargard@HerzwoldeHerzw; den ganzen Körper erfaßt: barwst bet unner de Arm N. Gött. 27; den Kopf, wobei barft für bor eintritt: he is so ganz barss up den Kopp Lu Ludwigslust@BrunowBrun; de Böm stahn barft in Horen H. Schröd. Krä. 85. Beträchtlichen Umfang hat der Gebrauch der Zwillingsformel barft un bor (s. ob.): so barwst un bor GüGüstrow@Groß LantowGLant; barft un bor SchöSchönberg@DemernDem; wi güngen barft un bor Ha Hagenow@LübtheenLübth; durch die Zusammensetzung mit -beent erhält das zweite Glied die Bedeutung des ersten und verstärkt somit dieses: barst un borbeent RoRostock@WarnemündeWarn; HaHagenow@RedefinRed. Der enge Zusammenschluß führt zur Formangleichung (s. ob.), und es ist zweifelhaft, ob das zweite Glied dabei seinen eigenen Sinn in allen Fällen wahrt und sich nicht in der Bedeutung mit der des ersten deckt: he sall barst un borst to Bedd' gahn Latend. Agr. 224; Germ. 1876, 63; Mantz. Ruh. 15, 23; barst un boorst gahn GüGüstrow@GülzowGülz; MaMalchin@ChemnitzChemn; Wa; Wa Waren@DamerowDam; StaStargard@MirowdorfMirowd; Seem. And. 33; de Frugens kemen barst un boorst rut ut 'n Hus' PaParchim@ZachowZach; im einheitlichen Sinn nackt und übertr.: denn' kickt de Noors ut de Bücks barst un boorst Wa. 2. flektiert: Slagg. 69 (ob. zitiert); mit barfte Been Jeppe 11; sine barwte Beinings Gad.-Trotsche Frünn' 180; Camm. Tied. 64; dumm as Schultsch ehr Farken, geiht mit de barsten Bein in 'n heiten Drank stahn Wa; wenn ein Kleinkind mit de barssen Fäut auf dem Tisch steht, sall 't stamern (stottern) warden WaWaren@VipperowVipp; Einschub ins Laternenlied: Teihn Äl Bottermelk un nägen Äl Klümp, Un wenn de Buer besapen is, denn danzt he up de Strümp, Un wenn de Strümp sünd kort un klein, Denn danzt he up de barsten Bein Wo. V. 4, 627 a; übertr. auf den Kopf und das Gesicht: mit 'n barwsten Kopp (barhäuptig) Quitz. 1, 38; dee mit 'n barssen Kopp Kahlkopf Schö Schönberg@SchlagsdorfSchlagsd; barst Gesicht bartloses Gesicht ebda; in Rdaa. auf den Hintern bezogen, als Vergleich für ein großes bartloses Gesicht: dat lett grad', as wenn een mit 'n barssen Noors ut 'n Busch kickt StaStargard@GrammertinGramm; dasselbe Bild derb auch von unzulänglicher Kleidung Triepk; in ähnlicher Weise als Androhung von Schlägen: lat di nich mit 'n barssen Noors in de Ogen springen! Oertz; einen dünnen Bart deutet an: süht ut as 'n barssen Gösselnoors Wa; auf den Magen bezogen beim Kartenspiel in dem Zuruf an den Verlierer: dor geiht he hen mit barft Mag' SchöSchönberg@WarnowWarn; kühner vom Hemd als dem alleinigen Kleidungsstück: in barften Hemd' Jeppe 11; 'n barften Kœm ist ein Kümmel ohne Bier Ha. — Zs.: plattbarst. — Bl. 50b; Br. Wb. 1, 54; Da. 11b; Dä. 23a; Me. 1, 232; Ri. 9; Schu. 15; Teu. 1, 61.
5711 Zeichen · 78 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    barstM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    barst , M. nhd. Mangel (M.), Gebrechen, Schade, Schaden (M.), Bruch (M.) (1), Riss, Sprung Hw.: s. berst, breste, borst …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    barst

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    barst , ablaut von bersten.

  3. modern
    Dialekt
    barst

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    barst barwst, barfst, barwt barfuß; mnd. barvôt entwickelt sich über barwet ('mit barweden voten' Slagg. 69) durch den V…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit barst

38 Bildungen · 36 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

barst‑ als Erstglied (30 von 36)

Barstaas

RhWB

barst·aas

Barst-aas baš:s  Sieg-Fussh , Dür-Nöwenich n.: verdammtes Aas, Schimpfw.

Barsta’n

WWB

bars·tan

Barst-a’n. baza’n einer, der wüst drauflos läuft Bek Vh . ¶ Einer, der „heranbirst“? Zu beªrsten ?

barsta’nig

WWB

barst·anig

barst-a’nig Adj. baza’nich wer wüst drauflos geht, z. B. von Pferden, auch von unbedachten Menschen Bek Vh.

barstbeint

MeckWB

barstbeint barfuß: wi güngen barstbeent Ro Warn .

barsterig

RhWB

barst·e·rig

barsterig bašdərəχ Merz-Saarhölzb Adj.: 1. viel essend. — 2. korpulent, fleischig.

Barster(t)

RhWB

barst·ert

Barster(t) bašdər Merz-Rappw ; -dərt Merz , Saarbg , Bernk-Dhron ; batšərt Trier-Schilling Irsch m.: 1. Riss, Barst, z. B. an der Hand, in d…

Barstig

Wander

bars·tig

Barstig Er ist barstig (auch: trotzig) wie ein Kaulbarsch. – Frischbier, I, 53. (Königsberg 1864.)

Barstkalb

RhWBN

barst·kalb

Barst-kalb (s. S.) Grevbr-Wevelinghv n.: mit schlechter Milch gefüttertes K.

Barstkirsche

RhWBN

barst·kirsche

Barst-kirsche f.: Tollkirsche, auch Prüm-Reuth , Schleid verbr. — Dazu 2. Zaunrübe, Bryonia Köln-Brück .

Barstkraut

RhWBN

barst·kraut

Barst-kraut n.: auch Schöllkraut, Chelidonium majus Rheinb-Berschd ; der gelbe Saft dient zur Entfernung von Warzen; Tollkirsche Bergh-Kerpe…

Barstläch

RhWB

barst·laech

Barst-läch barštlęχ, meist Pl. -χə Siegld f.: plötzliches, lautes, herzhaftes Lachen. (Im Siegld ist baršten nur in diesem Ausdr. geläufig).

Barstmanier

RhWB

barst·manier

Barst-manier Aach-Berensbg Merkst , Remschd (bǫštə-) f.: in der Wend.: op B. wirke bis zur Erschöpfung arbeiten.

barstmass

RhWB

barst·mass

barst-mass bašm:s  Sieg-Fussh Eitorf Lohmar ODollend Adj.: präd.: zum Bersten mass, bereit, fertig, erledigt; nicht mehr könnend; nicht m…

barstnoorsig

MeckWB

barstnoorsig mit bloßem Hintern: dor (auf einem stumpfen Messer) kann 'n barssnoorsig up nah Paris riden Wa.

Barsttier

RhWBN

barst·tier

Barst-tier (s. S.) Neuw-Kurtschd Ohlenbg n.: Beerenwanze, bitter schmeckend u. übel riechend.

Ableitungen von barst (2 von 2)

verba(r)sten

PfWB

ver-ba(r)sten schw. : ' bersten '. Der (gefüllte) Sack is vebascht [ KU-Schmittw/O ]. Er verbascht ball, von einem dicken Menschen [ Gal-Dor…

zerbarsten

RhWB

zer-barsten: zerspringen. Dat es zom z. zum tot ärgern. Ech han mech zerborscht on zerschafft Koch-Laub . Der Übermüdete, der frühzeitig dur…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „barst". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/barst/meckwb?formid=B00765
MLA
Cotta, Marcel. „barst". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/barst/meckwb?formid=B00765. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „barst". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/barst/meckwb?formid=B00765.
BibTeX
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