AUSBLASEN vb. ahd. ûzblâsan,
mhd. ûzblâsen,
mnd. ût- blâsen. 1
blasen. a
etwas blasend, pustend ausstoßen, etwas durch blasen ausspeien, absolut ‘
pustend ausatmen’; früh vereinzelt auch mit sachsubjekt i. s. v. ‘
ausdünsten’; geläufig in der wendung die seele, den geist, den (letzten) atem ausblasen ‘
sterben’
; auch bildl.: 10.jh.
exalabat uz blies
ahd. gl. 2,621,12 S./S. 11.jh.
efflans uzplasantar
ebd. 426,6. ⟨u1180/90⟩ ein dir eslich .. / di ulamme sof iz in den munt / vn̄ blis si wider uz groz zu aller stund
Tundalus 408 K. 1350 do er
(Jesus) ditz gesprochen het. do plies er vz vnd sprach zv in
(den jüngern), (insufflavit; et dixit eis, Joh. 20,22), augsb. bibelhs. 272 D. 1491 ver .. von bedern, offen, mistgruͦben und andern unrainikaitten, die da scharpfen grúsenlichen geschmack ussblaͮsend Oesterreicher
Columella 1,39 LV. 1497 der lufft wyrt in vn̄ vß geblasen zuͦr lungē Brunschwig
cirurgia 265a faks. E15.jh. so got auß blest die engel, so sein die selben geist von der substantz und natur gots Folz
meisterlieder 381,343 DTM. ⟨1534⟩ doch bald er nach bleset er die seele aus
(nachschr.) Luther
w. 37,329 W. 1565 ward aber einer auß dē kriegsknechten .. vonn einem strom wassers ertrencket, welchen der fisch .. gegen jhm außbließ Heyden
Plinius 313. 1657 euch ist nicht unbewusst, / wie Alovas den geist durch gifft ausblasen musst! Gryphius
trauersp. 210 LV. 1680 bläset man ihn
(den atem) aber mit gewalt aus; so kühlet er Francisci
uberzug 990. 1704 ein landsknecht raucht, ein höfling schnubt toback. / doch dünckt mich jener hat noch mehr, als dieser, sinn, / denn jener blässt ihn aus, und dieser zieht ihn in Wernicke
epigr. 321 P. ⟨v1794⟩ die kleinen pausbackigen jungen, die auf allen geschmacklosen tapeten oder in den ecken der landkarten dicke ströme von winden ausblasen Bürger
3,111 W. ⟨1888⟩ Sepp blies von seiner pfeife rasch nacheinander rauch aus Rosegger
ges. w. 12(1925)60. 1962 er müht sich redlich, die worte die er hört .. zu verstehen. denn ihr mund bläst sie aus
M. W. Schulz
wir 354. 1995 „so“, sagte er, nachdem er den rauch ausgeblasen hatte, „dann beobachtet mal“ Brussig
helden 174. b
selten, aufblasen, durch blasen etwas in form bringen, auch bildl.: 15.jh.
inflare aus plasen
in: Diefenbach
gl. 297b. 1525 Carlstad? ja wol, die wort kan er feyn sagen und mit schrifften ausblasen Luther
w. 18,88 W. 1729 nichts .. / es sey stein oder stahl, hält den verwegnen lauff / der ausgeblaßnen
(‘angeschwollenen’) fluth und deren wachsthum auf Abel
sat. ged. 1,397. 1847 während .. der bläser .. die nöthige menge glas an seiner pfeife ansammelt und diese zu einer sehr massiven hohlkugel von möglichst gleicher wanddicke .. ausbläst Knapp
chem. technol. 1,415. 1910 wird in einer vorform und in einer endform die flasche ausgeblasen
in: A. Weber
kampf 8. c
etwas fort- oder wegblasen, mit objektwechsel ‘etwas blasend reinigen’
; etwas aus etwas herausblasen, leerblasen, häufig bildl.; zu der phraseolog. verwendungsweise jmd. kann mir den hobel (aus)blasen
i. s. v. ‘jmd. ist mir gleichgültig’ vgl. Röhrich
lex. redensarten (1994)2,723b f. u. Küpper
wb. umgangsspr. (1993)352c f.; zuerst bildl. i. s. v. ‘
etwas in den wind schlagen’ u1466 sich von der arbeit: vnd ir habt daz ausgeblasen spricht der herr
1. dt. bibel 10,136 LV. ⟨1534⟩ zwen bresten hat ich an mir an demselben ort, mein armut und mein frombkeit. die armut wart mir ausgeblasen durch iren burgermeister Paracelsus
I 9,562 S. 1571 gibs
(die heilkräuter) einem gaull .. vnder das futer, doch soll man es zuuor netzen, damit ers nit vßblase
pferdearzneib. Friedrich v. Württemberg 58 K. 1715 nehmet eyer, und blaset sie aus in eine schüssel oder ander gefäß, das weisse und den dotter alles zusammen Amaranthes
frauenzimmer-lex. 506. 1745 sie künen mir .. alle mit einander mit sal veni zredn den hobel außblasn Schwabe
tintenfäßl B 8b. 1850 alte uhrmacher, kleine vertrocknete männchen, die .. in die häuser kamen und die wanduhren ausbliesen und vom staube putzten Gutzkow
ritter 2,337. 1879 und Bennigsen wiederum hohl wie ein ausgeblasenes ei Yorck
brw. 13 Sch. 1885 Spörenwagen, seinen hobel ausblasend, deutete auf seine arbeit Raabe
16,244 H. 1903 aber jetzt – er kann mir den hobel ausblasen. – hab’ ihn nicht nötig Lauff
Pittjewitt 78. ⟨1956⟩ und flott, sonst blasen wir ihnen
(anrede) die ohren aus, sie blindschleiche
(bedienung) Remarque
obelisk (1968)28. ⟨1958⟩ Schmitz bläst seinen kamm aus Frisch
stücke (1966) 183. 1986 zum vollständigen entleeren der .. kapillarpipetten sind diese .. auszublasen und durch dreimaliges ansaugen und ausblasen .. zu spülen Lorenz
biochemie 18. 2
etwas (nach ankündigung durch ein blasinstrument) öffentlich ausrufen oder verkünden, häufig bildl. oder i. s. v. ‘
etwas (übertrieben) laut kundtun’: 1376 item den weichteren duͦ si die ballinge
(die verbannten) uisbliessen 3 sx.
dt. reichstagsakten 1,180. ⟨z.j.1476⟩ vil großes guͦt ließ er
(herzog Karl) uns do, / .. man bließ uß, in recht buͤt welt mans keren
hist. volkslieder 2,102 L. 1521 was ist schandlichers, dan̄ das aigen lob mit busaunen auß blasen Oekolampadius
beicht O 3b. 1582/1612 ritten .. seine gesellen sampt einem trommetter undt haben umb undt außgeblasen, daß alle burger .. solten erscheinen
(Mainz) chr. dt. städte 18,1,62. 1625 sol der feldmarschall .. durch ausblasen und trommelschlag ihn
(den deserteur) für einen feldflüchtigen erklären
in: Frauenholz
heerwesen (1935)3,1,302. 1650 die burgtrompette bläst ietzt aus die sechste stunden Gryphius
trauersp. 76 LV. 1781 daher hielt er manchen, den zeitungen und volk als groß aus blasen, gar oft für einen unnützen windbeutel J. G. Müller
Lindenberg 2,12. 1866 die trompeten, welche diese glorreiche viktoria von Turnhout in den gassen des Haags ausbliesen Raabe
9,2,16 H. 1929 da meinst du, der hat sich verlaufen, und die
(polizei) sollen ihn ausblasen
(‘ausrufen’) Döblin
Alexanderplatz 130. 1962 der oberbefehl bleibt bei Basmanow! die trompeter blasen es aus, und in den wäldern hallt es wider Marg
Demetrius 1,641. 3
etwas brennendes durch blasen löschen, auspusten, häufig bildl. u. in der wendung jmdm. das (lebens)licht ausblasen
jmdn. töten (mit objektwechsel jmdm. das leben ausblasen,
jünger auch jmdn. ausblasen): A15.jh. welicher der licht in sinem busem hait, / ich
(die hoffart) yme daz ußblasen mit disem balg
(der eitelkeit), pilgerfahrt d. mönchs 7744 DTM. 1534 he blest en ut der kertzen lecht
in: Schiller/L.
mnd. wb. 5,142a. ⟨1537⟩ ich hab jhrer viel auffgerieben, abgethan, gemetzigt, auffgeackert, schlaffen geleucht vnnd wil noch .. vielen .. das liecht außblasen Lorichius
paedagogia (1595)329. 1657 der mörder .. bließ / diß lebenslichtlein aus, eh’ es die zeit verhangen Gryphius
trauersp. 197 LV. 1661
(schw. flektiert:) und blaste warlich Perezius Escovedo (im beygebrachten gifft) das licht auß Schütz
vberlegungen 331. u1673 von der salve, .. die mir gar das leben außblasen möchte Grimmelshausen
Simplicissimus 2,677 LV. 1768 eine alte frau, der am ende der brücke ihre papierne laterne ausgeblasen, hatte von dem soldaten die lunte geborgt, um sie wieder anzustecken Bode
Yorick 2,110. 1843 ich will in dir .. keine hoffnungen anfachen, dann braucht der wind keine auszublasen Hebbel
III 2,174 W. 1972 sie .. zürnten der widerlichen unvernunft, die auch in diesem tode steckte, gerade in diesem, denn hier hatte es einen ausgeblasen, der dem leben vertraute wie kaum einer sonst Kant
impressum 438. 2000 bei dem jedes jahr stattfindenden allerheiligenbesuch .. blieben wir .. hinter den erwachsenen zurück und bliesen die kerzen auf den gräbern aus Ohms
abschied 25. —
im hüttenwesen ‘einen hochofen stilllegen’: 1693 ausblasen, den ofen nach verrichteten schmeltzen durchs gebläse abkühlen Schönberg
berginformation 2,115. 1712 ausblasen, heist auf bergwercken den ofen nach verrichteten schmeltzen abkühlen Marperger
natur-lex. 146. 1899 zeiten, da hochöfen ausgeblasen werden und große arbeiterentlassungen erfolgen mußten Luxemburg
(1970)1,1,638. 1956 die .. stahlgesellschaften lehnten das angebot der gewerkschaften ab .. und bliesen statt dessen ihre öfen aus
berl. ztg. (25.7.)2b. 4
selten, von wind oder sturm ‘aufhören zu wehen’ 1840 aber, wo der sturm am lautesten, bläst er zum ehesten aus Alexis
Roland 2,2. ⟨1948⟩ die luft war kalt und klar. die sintflut hatte aufgehört. der mistral hatte ausgeblasen Seghers
transit (1951)94. 1955
(refl.:) zwei tage hindurch lagen wir hinter Macinaggio vor anker, aber der mistral hatte sich noch immer nicht ausgeblasen
in: frankf. allg. ztg. (2.5.)2b. —
singulär ‘
aufhören auf blasinstrumenten zu spielen’: ⟨v1605⟩ ietzt blöst man auff vnd so man außgeblasen hat, so kompt der könig Ayrer
d. ä.
3,2062 LV. 1860
(trans.:) der flötenspieler hatte das stück kaum ausgeblasen, als man die wiederholung begehrte Sanders
wb. 1,151b.Grimm