zutragen,
v. ,
nicht im mhd. wb. und Lexer,
aber mindestens frühnhd., s. Diefenbach 43
a.
das part. perf. im früheren südwestd. zutragen: die sach hat sich hauffachtig zuotragen Frisius 14
a u. ö. einzeln zutreit
s. u. 2 d Jos. Simler 33
a.
ggs. abtragen: zu hof trägt jederman zu, und jederman trägt ab Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 422; ich mag allein aufn acker gehn und mein getreide da besehn, ob es auch schadn erlitten hab, obs werde zutragn oder ab
Berliner Pyramus u. Thisbesp. 46
Sch. 11)
etwas an die person oder den ort, wozu es bestimmt ist, tragen. 1@aa)
vom anschaulichen tragen sich zum rein gedachten zubringen abstufend: also wurden die Moabiter David unterthenig, das sie geschenck zutrugen
1. Sam. 8, 2; zancke nicht mit einem schwetzer, das du nicht holz zutragest zu seinem feur
Jes. Sir. 8, 4; zugetragener grund, ein ort oder platz, dahin man allen wuost oder ungesäubers einer statt tragt, schütt oder fürt, ein gemeine schütte Frisius 296
a; man sol nit stro zutragen, wenn einem das feur zum dach auszbricht Petri Oo 5
b; öl zum leschen z. Kramer; wenn der helferknecht dem schmeltzer den zusatz ... zuträgt Schönberg
berginformation 2, 121; ich beobachtete ..., wie oft in der minute der vogel seinen jungen eine raupe oder anderes ungeziefer zutrug Bismarck
ged. u. er. 1, 368
volksausg.; die Schwarzach, die ... ihr wasser ... dem Rhein zuträgt Scheffel
ges. w. 3, 115.
geld und gut z.: jeder ... groschen ... wird ... dem wirth und kleinhändler zugetragen Droste-Hülshoff 2, 355.
von gedachten: allem dem, das mit den sinnen zugetragen wirt Tauler
pred. 144
V.; unszern eigenen evangelischen pfarrer, der uns das reine ... wort gottes zugetragen ... hat
acta publ. 2, 330
P.; mein hertz trägt mirs eigentlich zu, er sey eben derselbe Buchholtz
Herkules (1665) 33; (
einen freund) dem ich meine aufkeimenden ideen ... mittheilen kann, nicht aber durch briefe oder lange besuche erst z. musz Schiller
br. 1, 238
J.; eine durch die zeitungen dem publikum ... zugetragene und aufgeredete einbildung Lagarde
dtsche schr. 195. 1@bb)
auch ohne obj.: er trägt seinen eltern alles heimlich zu; er trägt zu wie eine biene Kramer; wir churfürsten sollen yetzt thun wie die bienen, welche yhrem könig z. und yhn neren Agricola
t. sprüchw. (1534) v 6
b; alle ir ding allein dafür gerichtet ist gewesen, das in alle welt gnug zutruge Luther 32, 122
W.; knecht und hantreicher, die inen z. Tucher
baumeisterb. d. st. Nürnberg 54
lit. ver.; das deutsche land ist arm, die sprache kan es sagen, die jetzt so mager ist, dasz ihr man zu musz tragen aus Frankreich was sie darf Logau 68
E. 1@cc)
früh entwickelt '
einem eine nachricht z.',
zunächst einfach: wann man mir neuzeitungen darvon zutrüge, wirde ich deren nicht sonders achten Fischart
discours (1589) a 2
a; ich ... wünsche ..., dasz ... alle winde ihr angenehme zeitungen z. mögen Lohenstein
Armin. 2 (1690), 526
a; neue mähren z. Kramer.
mehr und mehr persönliches oder geheimes andern überbringen: von aigenschaft ... der schmaichler und schmaichlerin mit zutragen pöser falscher rede Albr. v. Eyb
dtsche schr. 2, xvii
H.; manch ohrenblaser kan also eim herren etwas tragen zu B. Krüger
Clawerts werckl. hist. 25
ndr.; dasz ich klätscherei und zutragen überhaupt auf den tod hasse Kretschmann
s. w. 3, 167; der könig bereichert mich ... der herzog thut das gleiche, damit ich ihm des königs thun und reden wieder zutrage Klinger
n. th. 1, 192; dasz ihr ... alles ... dem alten baron zutrugt Tieck
schr. 17, 254; einem etwas brühwarm zutragen; nun hast du einen kundschafter gewonnen, er trägt dir zu, du darfst um ihn nicht sorgen, du lehrtest ihn an allen wänden horchen Brentano 6, 122. 1@dd)
einen irgendwohin tragen, auch bildlich: M. ... bewirthete ihn auf etlichen seiner lusthäuser, wohin ihn die reise zutrug Lohenstein
Armin. (1689) 1, 13
a; welchem lande trug mich der zorn des wellengottes zu? Göthe 10, 101
W. 1@ee)
einem gewinn, vortheil zutragen,
s. einträglich
und zuträglich 2:
commodare seu prodesse nützen, frummen, batten, helffen, dienen, zutragen Schöpper
syn. )( 7
d; unrecht thun das vorterbet die sele, ob es gleich aller welt gut zutrug Luther 6, 259
W.; eisenlanischer (
galmei) ... tregt nicht so vil zu (
beim messing herstellen) Mathesius
Sarepta (1571) 71
b; mein gütchen trägt mir jährlich mein leidlich einkommen zu
mediz. maulaffe (1719) 103; das dem stärkeren als ihm zuträglicher erscheinende, es mag ihm nun wirklich z. oder nicht Schleiermacher
Platon 6, 95.
anders, wie eintragen: andeutungen, ..., trugen mir eine sehr scharfe zurückweisung zu Bismarck
ged. u. er. 1, 144
volksausg. 1@ff)
nur in früherer spr. ein ziel erreichen und so ähnlich sein, passen, übereinstimmen, vgl. zuthun: die edel angelica hat blätter, die sich mit der feigen z.
F. Schnattenberg
experimenta (1552) 5
b; als es sich im noch gezimete und solches das alter zuogetragen hat,
amavit dum licitum ei, dumque aetas tulit Boltz
Terenz (1539) 14
a; dieweyl doch clar und offenbar ist, wie das bapstlich regiment gantz mit dem ewangelio nit zutregt H. v. Cronberg
schr. 84
ndr.; vil löblicher fürsten und stende des reichs ... nichts höhers begern, dann das e.
m. ... auch in dieser groswichtigen sachen nit inen zutrag Sleidanus
reden 249
Böhmer. 1@gg)
auch die reine richtungsbedeutung von zu
zeigt sich zuweilen: in dem eck, das auf Neuenheim ... zuträgt
M. Quad
teutscher nation herligkeit (1609) 140; jede schnure hatte dreiszig ellen und hat zugetragen in die stadt Tr. ... an die saul und in der burggassen drei ellen unders pflaster S. Hüttel
chr. d. st. Trautenau 115. 22)
refl. 2@aa)
nur selten als hinzutragen gedacht, am deutlichsten in der verbindung mit darzu:
aliud malum accedit noch ein unfal oder unglück trägt sich darzuo Frisius 13
b.
mit betonung des übeln, das hinzukommt: suppurare sich zum geschwer ziehen, zutragen Bas. Faber (1537) 663
b. 2@bb)
ebenso früh und jetzt allgemein unpers., mit betonung des wann, wie und unter welchen umständen: wenn es sich also zuotruge und begäbe, dasz Frisius 269
a; alsbald es sich komlichen schicke oder zuotragen wirt 1056
a; das wider den lauf der natur begegnet oder sich zuotregt 1065
a; aber yetzt tregt es sich in vilerley weg anders zuo dann die alten gemeynt haben Eppendorf
Plinius (1543) 7, 11; doch soll sichs einsmahls zugetragen haben, dasz ihn die hunde übermannet Prätorius
saturnalia (1663) 11; es hat sich schon mehr als einmal zugetragen, dasz der esel meinte, er könne die laute schlagen W. Raabe
hungerpastor 1, 128.
selten es paszt sich: mehr nach Rom reiten, trägt sich nicht zu, und wenn es sich auch zutrüge ... Heinse 3, 554
Sch. 2@cc)
ebenso mit pronominalem subj.: was sich hab weiter zuogetragen, das werden andre bücher sagen K. Scheit
fröhl. heimfart c 2
b; was könnte sich betrübteres z.? Kramer; was sich weiter mit mir zugetragen, erzähle ich mündlich Lichtenberg
br. 1, 17; noch hat sich nichts zugetragen, das mich an ausführung meines planes hindern könnte Göthe IV 8, 2
W.; aber dies alles hat sich wirklich zugetragen A. v. Droste-Hülshoff 2, 290; auf dem rückwege trug sich nichts merkwürdiges zu Stifter
s. w. 1, 60. 2@dd)
mit allgemeinem subj. wie ding, vorfall, geschichte, unfall usw.: nun hat sich zutreit neuwer anlasz zu zwitracht Jos. Simler
regiment g. l. eydtgenossensch. 33
a; geschichten, die sich bei unsern gezeitten ... zugetragen Schaidenreiszer
Od. vorr. 6; von der allerschrecklichsten begebenheit, die sich in neuern zeiten zugetragen hat Gottsched
schaubühne 6, 9; in der gegend, in welcher sich die vorgedachte szene zutrug J. G. Forster
s. schr. 1, 130; den sonnenuntergang ... welches die einzige glänzende und pomphafte begebenheit war, welche für ihn sich zutrug G. Keller 4, 14. 2@ee)
dagegen nicht mehr oder kaum übl. mit solchen worten als subj., die die art des geschehens irgendwie besonders bezeichnen: denn das ist unmüglich, das man auf alle felle solt gesetze stellen, so sich teglich neue felle zutragen Luther 30, 3, 484
W.; wann sich unwillen oder zänklin unter eheleuten zutragen Fischart
philos. ehezuchtb. 195
H.; dasz sich da kein schaden zuotrage Frisius 375
a; aller händlen, die sich dann verlauffend oder zuotragend 2
b; allerley krankheit, die sich leichtlich mit den kindbetterin z. Ruoff
hebammenb. (1580)
titel; sich, wie tag und nacht sich jagen, wie ungleich sie sich zutragen! Wickram 8, 231
B.; als sich bei den stetten Zürich und anderen etwas enderung der religion zutruog Stumpf
Schweizerchr. (1608) 411
b; alle zeiten ..., in welchen sich eine veränderung zuträgt Chr. Wolf
vern. ged. v. gott (1720) 39; wenn sich ein unfall zuträgt
handelsgesetzb. § 319. 2@ff)
ebenfalls nicht mehr üblich ist das part. präs. in diesem sinne: von gefall sich zutragende ursach Orsäus
nomencl. meth. (1623) 215; die sich zutragende fälle Kramer.
seltener das part. perf.: sie wagen sich nicht leicht in von ungefehr sich zugetragenen scharmützeln und treffen Prätorius
vom Katzenveite (1665) a 7.