zähre,
f. ,
lacrima. II.
formales. I@11)
das wort lautet ahd. zahar,
mhd. zaher, zeher,
md. auch zâr;
afries. târ;
ags. tæhher, téar
und mit grammatischem wechsel teagor,
engl. tear;
anord. târ,
norw. dän. taar, taare,
schwed. tr;
got. mit grammatischem wechsel tagr.
schon Adelung
stellt es richtig mit griech. δάκρυ,
lat. lacrima,
älter dacruma,
bretonisch welsch daigr
zusammen. vgl. auch Wachter 1943 /4
und Morhof
unterricht v. d. teutschen sprache u. p. (1682) 122.
weiter entspricht irisch dér Falk-Torp
wortschatz d. germ. spracheinheit 154.
vielleicht ist innerhalb des germanischen thräne
verwandt, dessen veraltete nebenform traher, träher
diesem worte sehr nahe steht Kluge
etym. wb.7 462.
vgl.thräne I, 2
oben theil 11, 407. I@22)
im ostgerm. ist das wort wie griech. δάκρυ n., im westgerm. m. die ältere nhd. schriftsprache kennt es noch als m.: ein valscher zeher (
der frau) ... überwindet
den zoren des mannes Eyb 1, 30, 10
Herrmann; dem zehren hangt gemeinlich ain gute lere an, aber dem lachen gailhait G. Frölich
Stob. 389; und als man diesen menschen hat bracht vor den landpfleger, ... der ihn auch mit geiszeln hart, bis aufs blut, stäupen und peitschen liesz, hat er ... nicht einen zähren oder thränen gelassen Liscow (1739) 16; ich weinte, dasz ein zähren den andern schlug
Pierot 4, 162; ein zäher dem andern nit entran Uhland
volksl. 148, 10; nun ist und bleibt entwendet, ... nach wem ich abgesendet so manch — und manchen zähr Spee
trutznacht. (1649) 66; an statt der dinte fällt ein zähren auf das blat Menantes
allerneueste art 103.
oberdeutsche mundarten bieten noch heute zácher,
m. Schmeller
2 2, 1100, zâcher,
m. Schöpf 823, zâher,
m Lexer
kärnt. wb. 262. I@33)
schon in vornhd. zeit erscheint es bisweilen als f.: sîn antlutze er gar begôʒ aldâ mit maniger vreudenzâr
pass. 477, 7
Köpke. dies geschlecht setzt sich wie bei thräne,
begünstigt durch den häufigen gebrauch des plurals, zumal bei secundärer schwacher flexion, so: in ordnung stehen der zehren viel, das sie weint allweg wann sie wil Joh. Barth
weiberspiegel (1565) F V
a,
allmählich in der schriftsprache fest und verdrängt das m. völlig daraus. Harsdörfer
verzeichnet: in der eintzigen zahl heisset es die zehre
teutscher secret. (1656) 1, 552
ebenso bucht Schottel zähr,
f. 1446, Stieler zär
und zäre, die 2602, Rädlein zähre,
f. 1, 1082
a, Steinbach 2, 1071, Adelung
und Campe zähre, die. I@44)
als männlicher i-
stamm hat das wort seit dem ende der althochdeutschen zeit im plur. umlaut, doch dringt der umlaut schon früh gelegentlich auch in den sing. des m: dâ (
in der hölle) wil dir got reht ainen ainegen zeher ferzihen (
versagen) Grieshaber
pred. 2, 121; der weinreben zäher, der darauʒ tropfet, wenn man si besneidet, vertreibt die räudichait und die schebichait Megenberg 350, 19.
in frühnhd. quellen erscheint es auch als m. meistens im sing. wie im plur. umgelautet. daneben finden sich hier freilich formen ohne umlaut: mit czahern der augen, do er vor im knyet, in aufhube Arigo
decam. 140, 31
Keller; (
gott) schaffet die zween edelsten zahr, wein und öle, zur freude, gesundheit, narung und zu allerley notturft auf erden Mathesius
hochzeitpred. 312, 22
Lösche. umlautloser sing. und plur. bleibt in oberdeutschen mundarten dem m. bis heute erhalten. vgl. oben 2.
früh zeigt sich weiter ein hinüberschwanken des plur. in die schwache declination: daʒ er tegelîche ein tuoch bî ime hete, dâ er sîne zehern mite abe wischte
myst. 2, 362, 2
Pf. er greift im älteren nhd. sogar auf den sing. des m. über. belege unter 2.
die flexion des f. lenkt in die der ja-klasse ein und ist somit bei durchgehendem umlaut im sing. stark, im plur. schwach. I@55)
vereinzelt begegnen obd. in älterer sprache als secundäre erscheinung oder als rest von fällen, wo die spirans im silbenschlusz stand (
*zahrin
u. ähnl.),
formen mit ch: dich wundert der fremden freuntschaft, die ich dir beweyst han mit meinen zächern und weinenden augen Arigo
decam. 80, 35
Keller; usz übriger gütikait gegen uns flieszen im die zächer von synen ougen Steinhöwel
Äsop 180
Österley; der hailig vater ... suchet seine brüder haim, sprach inen zuo nit mit wenig auszgüeszung der zecher Knebel
chronik v. Kaisheim 21.
sie setzen sich in heutigen oberdeutschen mundarten fort. vgl. oben 2.
media statt der spirans zeigt mundartliches zegara
cimbr. wb. 243. I@66)
anderseits bieten md. quellen schon in vornhd. zeit contrahierte formen, in denen das h
geschwunden ist: ein brun entspringet in dem herzen dîn, sündære, kumt des ein zâr durch dîn ougen, der ist gote so mære, daʒ er dir vergît dîne sünde gar
minnes. 3, 86
a Hagen; und swaʒ der zêre im bequam, die im die ougen mahten vol, dâ mite was im sêre wol
pass. 424, 94
Köpke. sie erscheinen auch im älteren nhd. (
in dem zeher, zäher
noch lebendig ist: der gienge hernach ... die zäher in die augen Abraham a S. Clara
etw. f. alle 2, 54; zele mein flucht und fasse auch meine zeher in deinen schlauch H. Sachs 22, 122, 22 (
ps. 56)
Keller-Götze)
bisweilen ohne h:
une larme, ein trehn oder zeer Duez
nomencl. (1652) 103; wen wundern wolt, ob ich schon hett mein augen gantz mit zärn genetzt Gengenbach 302
Göd. aber das h
dringt hier als längezeichen wieder ein oder bleibt bei erneuter contraction als solches bestehen: lachryma, ein tzehr oder thraen Trochus N 2
b bei Müller-Fraureuth 2, 690
a; mein speisz und trank mir sollen sein die zähr, so (
ich) werd vergieszen Spee
trutzn. 64, 144
Balke. zähre
ist zuerst bei Harsdörfer
bezeugt. vgl. oben 3.
die verbalform zährend
begegnet aber schon H. Sachs 17, 116, 14.
vgl.zähren,
verb., unten. I@77)
die mhd. schreibung mit e
erscheint neben der mit ä
auch noch im älteren nhd.: wie er ... sahe ... das angesicht (
des mädchens) gantz tülschig und schmutzig von zehern
buch d. liebe (1587) 205, 3; zähren in übereintziger zahl, oder zehren, seind thränen, mit dem äh und eh, in der eintzigen zahl heisset es die zehre Gueintz
rechtschreibung 168; denn ich vor deinen (
der Venus) thron musz schütten meine zehren Opitz
teutsche poem. 39, 45
neudruck. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@11)
die gewöhnliche bedeutung ist thräne. II@1@aa)
so erscheint es bis zum ende des 17.
jahrh. in allgemeiner anwendung, zumal in süddeutschen quellen, wird aber dann durch den einflusz Norddeutscher, denen es fremd ist, als schriftwort auf die gehobene sprache eingeschränkt ( Adelung)
und besonders gebraucht in hinblick auf die seelische ursache der thränen, lebt aber in mundarten noch ohne alle einschränkung des gebrauchs fort, so in Bayern, Tirol, Kärnten (
vgl. oben I, 2)
und Schlesien, wo es volksthümlicher ist als thräne Drechsler
Scherffer 275: die zeher reinigent den sunder Leyser
pred. 16, 27; wann ich schreib euch ausz vil trübsale und durch vil zäher
Augsburger bibel v. 1475
2 Kor. 2, 4
Kurrelmeyer; die taldmudisten sagen, gott waine all tag ainmal, und zwen zäher fallen ins grosz meer; wänen wir, die stern fallen vom himmel Eck
bei Schmeller
2 2, 1100; Fileno, welcher ... sein allerliebste so lang mit weynen und seüfftzen klaget, bisz er sich gantz von vile seiner zeher in einen brunnen verkeret Wickram 1, 84, 36
Bolte; ich hab auch etlich erkant, welche die weiber ... mit kainen zähern von irem ungeschickten leben bringen mochten Herold 162
a; die zeher im leiden bedeuten ein mitleyden S. Franck
kriegs-büchlein d. f. 71; (
ein heilmittel) wie ein pflaster über die augen aufgeleget, trucknet aus das rinnen und die zäher derselben Tabernämont. (1664) 396; sie aber verrieth ihr miszvergnügen durch häuffige zähren Ziegler
Banise (1689) 201; (
er) umarmte ... mich mit einer zähre in seinem auge Herder 15, 178
Suphan; doch weine nur. ich verstehe den ganzen sinn dieser zähre Gerstenberg
Ugol. 5; wen der händedruck eines treuen freundes und sein blick, der in einer zerflossnen zähre schwimmt, nicht rührt Lavater
physiogn. fragm. 1, 173; die letzte zähre für einen unglücklichen bleibt unbezahlbar Jahn 2, 410
Euler; sih zaharin er ninthabêtathâr man then bruader klagôta Otfrid 3, 24, 58; daʒ kint geviel dem vater sô wol, daʒ im diu ougen wurden vol zäher, und sûfte sêre
Mai 213, 5; wer wunder nit, ob ich schon hett myn ougen gantz der zähern voll, das man so schmächlich sehen soll den krysten glouben nemen ab. Brant
narrensch. 99, 5
Zarncke; ach, wer gibt unsern augen zäher, das wir mögen beweinen näher unser kleine seugende kind H. Sachs 11, 195, 6
Keller; und wenn man drucket auff ein aug, so gehn die zäher daraus-werts 19, 92, 23
Keller-Götze; eh sie den brieff halb auszgelasz, wardt das papeir von zähern nasz Scheit
frölich heimfart G II
a; was unser wundsch und zähren ihn bitten überein Fleming 1, 238, 83; weil sie (
die herrlichkeit) nach diesen kurtzen zehren sol ewig wehren
Königsb. dicht. 38 (Dach)
neudruck; (
gott) zehlt all ihre zähren P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 433
a; (
gott) reicht uns ein maasz voll zähren Schmolck
schriften 1, 94; ihr (
weintropfen) alle werdet mir zu zähren Hagedorn 3, 185; wer zeigt bei seiner braut ein auge voller zähren Schwabe
belust. 1, 141; du zürnest. ist nun diesz die wirkung meiner zähren? J. E. Schlegel 1, 248; räch' an den Danaern meine zähren mit deinen geschossen! Bürger 185
b (
Il. 1, 42)
Bohtz; nehmt unsern dank in dieser zähre! Gotter 1, 279; zähren? zähren in des würgers blicken? Schiller 1, 230 G.; heilge wehmut! ewig währen meine schmerzen, meine zähren Novalis 1, 73
Minor; diese rose wuchs aus zähren Freiligrath 1, 8.
bei thieren: Alexander spricht, daʒ diu edeln pfärrt irr herren tôt vor künden mit iren grôʒen zähern Megenberg 137, 12; ach, wie das ewer hündlein weint, dasz im die zäher herabfallen! H. Sachs 17, 120, 27
Keller-Götze (
weil es fleischbrühe mit senf bekommen hat; es wird aber als ein verwandelter mensch ausgegeben); dir weihe ich (
kater Murr) diese zähren, o! schönes vaterland, dir dies wehmütig jauchzende miau! E. T. A. Hoffmann 10, 19
Grisebach. II@1@bb)
verbale fügungen, in denen zähre
subject ist: II@1@b@aα) zähren schieszen, steigen in die augen: als Gandales sahe, dasz es dem könig ernst war, schossen im zähern in die augen
Amadis 1, 40
Keller; Artaphernes stiegen die zehern in die augen Buchholtz
Herkulisk. 473. II@1@b@bβ) zähren glänzen im auge: eine zähre glänzte in seinem auge Pfeffel
pros. vers. 5, 118. II@1@b@gγ) zähren dringen, drängen sich aus den augen
u. ähnl.: eine helle zähre drang aus ihrem auge Miller
briefw. 1, 298; schau her, wie aus geschlossner wimper drängen sich die zurückgehaltne zähre will Droste 2, 198
Schücking. nur in älterer sprache: der iamir in dwanchdaʒ im der zahir ûʒ spranch
Milst. gen. 91, 4; wie perlen klar aus orient mir zähr von augen schieszen Spee
trutzn. (1649) 5, 3. II@1@b@dδ) zähren rollen: dasz ihm helle zähren aus den augen rollten Miller
Sigw. 1, 45; zähren rollten über seine wangen Iffland
reue versöhnt 1, 2. zähren rinnen: so häufig ronnen ihm die zähren herab aus seinen augen Moscherosch
Phil. (1650) 1, 346; weil ich an den zähren schuld bin, die aus so schönen augen rinnen Fouqué
zauberring 1, 15; die zäher runnen im langeubir sîniu wange
Milst. gen. 94, 30
Diemer; wenn die zähren heimlich rinnen, bringt der schmertz zufriedenheit Günther 208; die zähre rinnt vor wuth die wang' hinab! Heinse 1, 10
Schüddekopf; als die erste unsrer zähren auf der mutter busen rann Gökingk
ged. 1, (1780) 155; anbetend fühl' ich meine zähren rinnen Chamisso 4 (1836), 38. zähren flieszen: als dieses gesagt, flossen der schönen Florigunda die zähren mildiglich über die backen
volksb. v. h. Siegfried 83
neudruck; diser edelman frasz uber tisch dermaszen andächtiglich, dasz ihm jedesmahls die zäher aus den augen flossen Albertinus
Lucifer 188, 30
Liliencron; noch jetzt flieszen zähren, gerechte zähren, die ich ihrem andenken weyhe frau Gottsched
br. 1, 108; thie muater thie ruʒun,joh zahari ûʒfluʒun Otfrid 1, 20, 9; manc zaher im den arm begôʒ, der von ir liehten ougen vlôʒ Wolfram
Parz. 396, 30; für schmertzen so viel zäher flossen, das im sein angsicht nasz begossen Waldis
Es. 2, 250
Kurz; und zähr' auf zähre fleuszt Ramler
lyr. ged. (1772) 309; und manche zähr' aufs grab ihm flosz Herder 25, 293
Suphan. ähnlich, emphatischer: die reisende jedoch netzte die kissen ihrer lohnkutsche mit reichlich strömenden zähren Holtei
erz. schr. 2, 218. zähren laufen über die wangen herab
u. ähnl.: und lieffen ihm die zäher uber seine wangen herab Schumann
nachtbüchl. 143
Bolte; hie liefen ihr nun die zähren mit solcher heftigkeit über das angesicht
vernünft. tadl. (1725) 1, 252; das in die zeher die packen ablaufen
fastnsp. 1, 267, 21
Keller. zähren schleichen ab, herab,
veraltet: jede von diesen sanft abschleichenden zähren verdiente in eine perle verwandelt zu werden Hippel
lebensl. 1, 275; eine zähre schlich von seiner wang' herab Gökingk
l. zw. l. 76. II@1@b@eε) zähren fallen: dasz sie aus einem halsstarrigen und vertrackten bösen sinne ... keine zähren fallen lassen Prätorius
Blockes-berges verrichtung 195; kostbare zähren fallen Abbt 1, 242; einige zähren, die auf mein gesicht fielen Laroche
Sternh. 2, 37; als ich ... las, fielen mir zähren über dem gedanken J. v. Müller 3, 377; vor freuden er die zäher lie ûf sîne wât vallen Wirnt
Wigal. 9603.
in gleichem sinne: da tropften meine wilden zähren auf dieses kästchens deckel Holtei
erz. schr. 7, 83. II@1@b@zζ) Wolfram
sagt, um heftiges weinen zu bezeichnen: al weinde si die hende want, daʒ manec zaher den andern sluoc
Parz. 318, 7.
die wendung wird im 17.
jahrh. als sprichwörtlich bezeichnet: das, wie man zu sagen pfleget, ein zehren den andern slage Butschky
kanzlei 868
und begegnet noch im 18.
jahrh. Pierot 4, 162 (
die stelle sieh unter I, 2). II@1@b@hη) zähren trocknen,
sprichwörtlich: hitzige zäher trücknen bald S. Franck
sprichw. 1, 162
a. II@1@b@thθ)
dichterisch: doch schnell verbot ich meinem zu leisen ohr zurück zu horchen! die zähre schwieg Klopstock
oden 1, 119, 14
Muncker-Pawel. II@1@cc)
verbale fügungen, in denen zähre
object ist. II@1@c@aα) zähren weinen: sie weinet heisze zehern
de generibus ebr. 136, 28
Zarncke; alle guten geister ... weinten eine zähre über den verdammten Klinger
theater 1, 190; wenne manigiu wirt leider ûʒ gefüert, diu manigen heiʒen zaher weint, swenne si kummer und ellende rüert Hugo v. Trimberg
Renner 12768
Ehrismann; rufe, dasz die felsen beben, weine tausend bittre zähren Brentano
Godwi 1, 218; ich zuerst durchschnitt die wasserwüste, über der du deine zähren weinst Platen 1, 4
Hempel. II@1@c@bβ) zähren vergieszen: er sol sein zäher vergieszen Eyb
spiegel d. sitten (1511) D 2
a; kayser Julius hätte Alexandern selbst die ober-stelle enträumet, da er bey seinem bilde zu Gades bittere zähren vergossen Lohenstein
Arm. 1, 134
b; todt? ... unmenschlichkeit wäre es, hier keine zähre zu vergieszen Lavater
verm. schr. 2, 424; dasz ... ihr auge nicht selten die spuren vergossener zähren trägt Kotzebue
edle lüge 8; vergosz vil zäher ausz erbarmen Spreng
Äneis 223
a; ein paar, durch reu vergoszne zähren Brockes
ird. vergn. 8, 233; zähren, die ein patriot um die freyheit musz vergieszen
n. a. d. anmuth. gelehrsamk. 3, 301;
veraltet dafür auch zähren gieszen: Logau 228,
nr. 13
Eitner (
s. unten II 2
a); das aug, so zähren gieszt, bleibt doch der Griechen feind Petrasch
lustsp. 2, 467.
mundartlich schütten zegarn,
versar lagrime cimbr. wb. 243.
in gleichem sinne auch: manigen zahir er lie,dô er von in gie
Milst. genes. 76, 26; dem pilgrîn ouch daʒ weinen brach, daʒ er die zeher rêrte
gesamtabent. 2, 423, 57; da wolt ich mich gegn dem könig gantz traurig stellen, seuftzen sencken und zeher fellen H. Sachs 12, 246, 31
Keller. II@1@c@gγ) zären auspressen,
elicere et educere lacrymas Stieler 2602
u. ähnl.: und stellet sich, als ob er wainet, und zwang die zeher usz synen ougen in truriger gestalt Stainhöwel
Äsop 282
Österley; der psalm beweget auch ausz ainem stainin hertzen die zäher Luther 1, 689, 25
Weim.; Luitpold ... bat kläglich umb gnad: damit trib er dem vater die zeher ausz S. Franck
chron. Germ. 89
b; zerstoszt die stirn, erzwinget zähren, zerpeitscht den leib, dem heiligen zur lust; er wird sich schon geneigt erklären Gottsched
ged. (1751) 1, 298.
als gegensatz: verhaltene, eingezwungene zären,
lachrymae cohibitae Stieler 2602; der ihm die hand küszt und die zähre zurück zwingt Meiszner
Alc. 1, 55. die zähren hemmen
u. ähnl.: als sie weder den lauff ihrer seufftzen noch den flusz ihrer übermäszigen zähren hemmen konte Grimmelshausen 4, 575, 28
Keller; niemand kann die zähren hemmen Gottsched
ged. (1751) 1, 225. II@1@c@dδ) seine zähren trocknen: und wiederum kniete sie vor seinem bildnisz, ... schluchzte, erhob sich dann, trocknete ihre zähren Holtei
erz. schr. 5, 100; (
die mutter gottes) und trocknet ihre zähren, wie sie einst die zähren eurer väter trocknete
Z. Werner
Luther 67;
freier: und der wehmuth zähre trocknet nur der liebe sonnenschein Gaudy 3, 35. zähren abwischen: gott wird die zäher abwischen Albertinus
landstörzer (1615) 721.
ähnlich: wische dem jüngling die zähren vom antlitz Klopstock
Mess. 2 (1748), 234,
später dafür: trockne dem knaben die zähren vom aug
vgl. Lessing 8, 50, 34
Lachmann-Muncker (19.
lit.-brief). II@1@dd) zähre
in präpositionalen verbindungen. II@1@d@aα) mit zähren netzen: disz weyb hat mein (
Christi) füesz mit zähern genetzt Berthold v. Chiemsee
t. theol. (1852) 17; dasz ich allbereit ganzer vier wochen in meinem trauerzimmer täglich eine stunde umb dich meinen schosz mit zehren genetzet
pol. stockf. 332; und netze mit den zähern mein bett H. Sachs 18, 41, 20
Keller-Götze; er netzt das horn mit zähren O. Ludwig 1, 127;
vom regen (
vgl. 2,
a): dasz sich der himmel selbst hierüber so entsetzt und die verboste welt mit vielen zähren netzt Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. 2, 12.
dafür in älterer sprache auch mit zähren begieszen: ich begosz den entseelten cörper mit meinen zähren
Simpl. 35
neudruck; mit zaharin si thie (
füsze Christi) bigôʒ Otfrid 3, 24, 48; o, ich wil in nun alle morgen mit mein eygen zehern begieszen H. Sachs 8, 382, 13
Keller. im anschlusz an solche fügungen dichterisch: vielleicht schmückt sich dein auge jetzt mit zähren Th. Körner 2, 126
Hempel. entsprechend den obigen verbindungen intransitiv: Aschalon der ritter und seine gesellen das liebliche angesicht der edlen frauen mit heiszen zehern flieszen sahen
buch d. liebe (1587) 122
c.
ähnlich: mit zähern wurden ire wänglin nas Hätzlerin 23. II@1@d@bβ)
anders, nicht instrumental, sondern begleitung bezeichnend mit zähern sprechen
u. ähnl.: arruofenti thes cnehtes fater mit zaharin quad: giloubu, trohtin
Tatian 92, 5; also Cyma mit etlichen czähern seiner augen ... seiner rede ende gabe Arigo
decam. 191, 25; wie Esau ... mit zähern von seinem vatter den segen zuo empfahen gepeten Berthold v. Chiemsee
theol. (1852) 27; bat gott mit heiszen zähren
Felsenb. 2 (1772), 28; niemant mich mit zähern beklag Schwarzenberg
t. Cic. 151
b; und nannt' er sie, so war es oft mit zähren Geibel 1, 178;
ausnahmsweise instrumental: das sage mir mit worten, statt mit zähren Rückert 3, 169. mit zähren
zur bezeichnung des begleitenden umstands auch bei andern verben: fall' an sein herz, o königin! mit zähren der freude Ramler
lyr. ged. (1772) 100.
in gleichem sinne: er ... konnte das nicht ohne zähren sehen Hagedorn 2 (1769), 202. II@1@d@gγ) in zähren vergehen,
fondre en larmes Rädlein 1, 1082
a, zerflieszen, ausflieszen: Adam zerflieszt über dem anblick in zähren Bodmer
v. d. wunderbaren 418; aber, ach! das that ich nicht! und fliesze nun in zähren drüber aus! Bürger 153
Bohtz. in zähren baden: mir treulich hilf zu dieser fahrt, dann ich in zähren bade Spee
trutzn. 15, 24
Balke. im anschlusz an solche verbindungen erscheint in zähren
auch unmittelbar neben der bezeichnung einer person: doch was bringt Priscus uns, ganz traurig und in zähren? J. U.
V. König 431; betracht aus dem maale der ehren ... dein ganzes volk in zähren Ayrenhoff 1, 267. II@1@d@dδ) befeuchtet, feucht von zähren: ja, manches auge, feucht von zähren, blickt aus der winternacht des lebens hoffend zu den sternen Grabbe
Theod. v. Gothland 1, 2; ihr gesicht wird befeuchtet schon von zähren Heine 1, 355
Elster. II@1@d@eε) bis zu zähren rühren: ihr rührt mich, freund, bis zu den zähren Pfeffel
tobakspfeife. II@1@ee)
in verbindung mit adjectiven: II@1@e@aα) starke zären,
lachrymae ubertim manantes Stieler 2602. grosze zähren: darnach stuond er auff und bat mit groszen zähern
heiligenleben sommerteil LIIII
b; da flossen im grosze zähern seine backen herab
buch d. liebe 336
a. II@1@e@bβ) helle zähren: dasz ... ihr die hellen zäher in die augen schossen
Amadis 1, 92
Keller; die hellen zähren flossen ihm über die blühenden wangen Chph. v. Schmid 1, 92; mein crucifix hat helle zähren über mich geweint Schubart
ged. (1825) 2, 41; wäre ... die perlenhelle zähre mir, o liebe, mir geweint Miller
ged. (1783) 3, 7.
in gleichem sinne: die Gred hub an zu weynen, der unmut der was grosz, das ir die liechten zeher uber ihr wenglein flosz Forster
frische t. liedlein 155
neudruck; sanft fliesze mein lied, wie die schimmernde zähre Schubart
ged. 2 (1825), 311. II@1@e@gγ) heisze zähren: als die schon Magelona hette ires liebsten Peters rede vernommen, ... begunten die heiszen zeher ir das schone angesicht nasz zuo machen Warbeck 36
Bolte; das schnuptüchlein, so sie in der hand gehabt, mit rother seiden genähet, habe von den häyszen zähren die farb verlohren und seye gantz weisz worden Moscherosch
Phil. 2, 277; mit was heiszen zehren die bejammerten augen ihres liebhabers sie befeuchtet Harsdörfer
frauenz. gesprechsp. 2, 91; der herr der schöpfung trauert, ihm flieszen heisze zähren maler Müller 1, 86; nu sâhen im die grîsen diu ougen über wallen, die heiʒen zäher vallen über sînen grâwen bart Hartmann v. Aue
Greg. 3348
Paul; ich (
ein marodeur) sah nicht an die heiszen zährn, die in den gülden bechern warn Opel-Cohn 343; solches das kind so sehr erschröckte, das es bald seine wängelein mit haiszen zehern überdöckte Weckherlin 1, 157, 27
Fischer; schaff, herr, dasz ich mit zähren heisz den grimmen dein vergüte Spee
trutzn. 62, 61
Balke; allein der himmel spielt mit meinen heiszen zähren Besser 1, 218; er (
Christus) kennt die seinen an den heiszen zähren Tieck
schr. 2, 149.
ähnlich: hitzige zäher S. Franck
sprichw. 1, 162
a (
sieh oben 1, b,
η); o eher kann der droben ... gedenken der glühenden zähre, die unsere zerfallnen wangen zerfriszt maler Müller 2, 171; die einsamkeit allein soll meine klagen hören; sie berge meine wuth und die erhitzten zähren! Cronegk 2, 5; heisz vordringende zähren vermischten sich Voss
ged. (1802) 1, 141. II@1@e@dδ)
hyperbolisch blutige zähren: o wyr elenden menschen, das wyr ... also sicher und frey leben und lachen, weynen nicht blutige tzeher, das die kinder unsers volcks so grawsamlich ermordt werden Luther 8, 560
Weim.; denn gott über euch sehr erzürnet ist, das er auf seinem stuel blutige zähren weinen thut Prätorius
anthropodem. 3, 72; o wol blutige zäher wären vonnöthen, manche betrübte begebenheit zu beweinen Abraham a S. Clara
mercks Wien 110; o ir christen, weinet und vergieszet blutige zern
sat. u. pasq. 1, 2, 25
Schade. II@1@e@eε) bittre zähren,
vereinzelt bitterliche (
vom adverbialen gebrauch aus, vgl. zähren,
verb.): dyn bitterlich zähern müssen myn hertes hertz erweichen
d. ew. wish. betb. 91
a; da stund der hausknecht und weinte bittere zähren Weise
erzn. 96
neudr.; sie klagt dich an mit bittren heiszen zähren Neumark
lustw. 5; ich will mit bitt'ren zähren almosen-opfer gott iedweden tag gewehren Lohenstein
Ibr. sult. (1701) 28, 19; der ritter, ... dem jede bittre zähre, die seine grausamkeit Amandens aug entzwang, auf seinem herzen brennt Wieland
Ob. 7, 12.
collectivisch: so sind oft meine augen trübe von heiszer bittrer zähre maler Müller 1, 336.
so können die zähren
heiszen, weil sie bitter, salzig schmecken, aber auch in übertragenem sinne mit bezug auf den anlasz. nur in letzterem sinne ist der gegensatz süsze zähren
zu verstehen: und milde, süsze zähren thauten aus augen wonneüberthan Immermann 13, 238
Boxberger. ebenso frühnhd. harte, weiche zähren: frawen lieb ze haben und ze sechen die kleglichen weichen zäher Arigo
decam. 82, 11
Keller; darnach (
sie) mit groszer forcht die grausamen finstern nacht mit weinen und manchem herten zäher überwunden het 92, 20. milde zähren: Christi braut ist denn erst schön, wenn die perlen milder zähren ihrer krone glanz verklären Stoppe
Parn. 455; thaust (
o mitleid), wie balsam, milde zähren Salis
ged. (1798) 10.
ähnlich: dem starren aug' entfiel der wehmuth sanfte zähre Weisze
bei Adelung.
als gegensatz dazu: leidenschaftliche anklagen, von wilden zähren unterbrochen, stürmten auf das arme weib ein Holtei
erz. schr. 13, 163. II@1@e@zζ) laute, stille zähren,
mit bezug auf begleitendes oder fehlendes schluchzen: sie vergosz stille zähren Rabener 4, 107; sie aber weisz es, ist erfreut, betrübt, in einem überselig: dasz sie liebt, und wieder traurig bis zu lauten zähren Grillparzer 3, 19
Sauer (
Cotta). heimliche zähren: seine menschliche seele beweint mit heimlichen zähren den sieg J. v. Müller
werke 11, 182; fragt, gespielen, o fragt mich nicht ... nach ... der heimlichen zähre! Voss 2 (1802), 10. klägliche zähren: do der elende leybe mit kläglichen zächern seiner kraft und stercke ein teile wider enpfangen het Arigo
decam. 92, 12
Keller; die elende jungfraw mit kläglichen zehern ire augen bedeckt hett
buch d. liebe 135
d; meine augen mit iren kläglichen zehern deinen brieff empfangen und verlesen 145
a.
ähnlich: ihr, die ihr euer land mit mir schaut gantz verheeren, die ihr mit angst und ach und jammer-reichen zähren altar und herd beweint A. Gryphius
Cath. v. Georg. 1, 594. II@1@e@hη)
auch mit beiwörtern, die den anlasz bestimmt bezeichnen: die klunsen ..., durch die sie (
Pyramus und Thisbe) krankhait ieres gemütes, begirlikait, anfechtung, lyden, sünfczen, etwan ǒch ynbrünstige zeher ain ander bas erzögen möchten Stainhöwel
de claris mul. 55, 16
Drescher; die thorheiten der menschen, die wichtige folgen haben, erregen mitleidige zähren Mendelssohn
ges. schr. 1, 256; hat die würde des menschlichen geistes nicht allen empfindlichen lesern eine frohe bewundernde zähre entlockt?
schlesw. literaturbr. 88, 20
Weilen; hier ... starb der held ... bey strömen dankbarer zähren Ayrenhoff 1, 218; die riuwigen zäheregebent uns die toufe widere
Milst. genesis 30, 22
Diemer; mein auge füllt sich leicht mit freundschaftlichen zähren Hagedorn 1, 150; ein strom schamhafter zähren flosz von des alten angesicht Gellert 1, 152; ihr auge läszt vergnügte zähren fallen 218; ha, dir träuft die wonnetrunkne zähre Hölderlin 1, 97, 33
Litzmann; collectivisch: wonnevolle zähre flieszt von meinem trüben auge nieder Göthe 38, 59, 134
Weim. II@1@e@thθ)
manche adjective geben werthurtheile. fromme zähren: Carl liest, und eine fromme zähre flieszt von des helden angesicht Gellert 1, 241; weint helle fromme zähren den ruhenden zu ehren maler Müller 1, 252. getreue zähren: schenke deiner Liosua eine getreue zähre Haller
Usong 267; wie magst du, gute seele! wohl Leanders angedenken, mit lautem schluchzen, einen zoll getreuer zähren schenken! Hölty 29, 36
Halm. gerechte zähren: die gerechte zähre des rechtschaffenen mannes bey dem tod einer mutter Lichtenberg
verm. schr. 1, 135; du weinst und die gerechten zähren kann dir die weisheit selbst nicht wehren Gottsched
ged. (1751) 114.
tadelnd weibische, unrühmliche zähren: die thoren, so euch wiederstehn, und die sich nicht so gleich bekehren, verdamm' ich unter euer joch zur arbeit und zu weib'schen zähren Günther
bei Steinbach 2, 1071; doch verschont, unrühmliche zähren, die geweihte gruft zu entehren! Voss
ged. (1802) 5, 179. falsche zähren Kramer-Moerbeek
deutsch-holld. wb. (1768) 429
b;
in gleichem sinne: der heuchlerischen zähre — wenn ich ihr widersteh', ist's nur durch ihre lehre Müllner
zweiflerin sc. 5. II@1@e@iι)
zur bezeichnung der art des weinenden weibliche zähren: der landtgraffe, durch die weibliche zähern bewegt, sagte Kirchhof
wendunm. 1, 418
Österley; also wüszte ich nicht, dasz eine weibliche zähre um mich geflossen sei Musäus
volksm. 3 (1866), 11.
anders, tadelnd weibische zähren,
sieh η. mütterliche zähren: weihen sie meinem andenken zuweilen eine mütterliche zähre Schubart
briefe 2, 64
Strausz; o zürne nicht der mütterlichen zähre! Zach. Werner 24.
febr. 3.
auftritt. andre derartige fügungen: sie (
Maria) bringet an den tag die jungfräwliche zehren Opitz
teutsche poem. 183
neudruck; wenn ein Agamemnon über den verlust der Griechen ... weinet; so liebe ich seine königlichen zähren Herder 3, 38
Suphan. II@1@ff) zähre
mit substantivischen attributen verbunden: II@1@f@aα) der augen zähren: nun gee hin mit den weyben zeweynen und mit in vergeusz die zäher deiner augen Arigo
decam. 253, 36
Keller; meiner augen zehren wusch sie (
Venus) ab mit eigner handt
Königsb. 124, 8 (Dach)
neudruck. II@1@f@bβ)
zur bezeichnung des weinenden: der (
ein quell) macht die stimm hel und guot und bedäut die zäher der unschuldigen, wan der stimm und klag ist gar süeʒ vor got Megenberg 484, 1; threntöpflin, darin man der weinenden zeher gefasset habe Mathesius
Sar. 196
a; alle mürrischen gesichter wurden freundlich, und die zähre der betrübten fing an zu stocken Heinse 3, 129
Schüddekopf; laszt jenen stattlich gehn von armer leute zähren Rachel 47
neudruck; hingegen trocknet jener mann ... bedrängter wittwen zähren Stephanie
d. j.
singsp. 75;
im bilde: wo sich ... die blume seines edeln lebens schlosz, und selbst erhabner fürsten zähre auf ihre welken blätter flosz Gotter 1, 272;
sprichwörtlich: der erben zeher sind under der klagkappen ein gelechter S. Franck
sprichw. 1, 47
b; huorn zäher, seckelzieher 48
b. II@1@f@gγ)
zur bezeichnung des anlasses: ih habo daʒ stuppe dero irdiscon gedanko abe mir mit uuirdegero ruiuuon zaheren geflôʒʒet Williram 78, 9
Seemüller; die mutter sieht den sohn mit wärmerer wallung an, ... auf den ihre meisten zähren des kummers flossen Herder 5, 115
Suphan; das ... keine fallende zähre der trennung mehr entweiht Schubart
leben 1, 38; die zähre der freude rinnet darüber maler Müller 1, 78; zähren des tiefsten gefühls rannen unaufhaltbar hervor Heinse 4, 335
Schüddekopf; er fand nur mitleidige liebesworte, von zähren der dankbarkeit halb erstickt Holtei
erz. schr. 18, 155; und deinen (
gottes) zorn entwaffnet oft ... eine zähre wahrer reue Hagedorn 1 (1769), 12; ach, um einen könig, von dem der waise, des dankes zähren im aug', oft kam Klopstock
od. 1, 177, 8
Muncker-Pawel; wo auf todtengrüfte nie der sehnsucht bittre zähre fleuszt! Matthisson 1 (1825), 6; o, nennt mir meinen vater, dasz mit zähren der lieb' ich an mein herz ihn drücken könne!
Z. Werner
söhne d. thales II
s. 164; ich kann durch meiner rührung zähren nicht deine züge deutlich sehn Rückert 1, 116.
statt des gen. erscheint hier vereinzelt von
mit dat.: eine zähre von empfindsamer blödigkeit — eine andre von dankbarkeit gegen meinen oncle Toby — und eine zähre von betrübnisz über seines bruders unglück stürzte ihm ins auge Bode
Tr. Schandi 9, 21 (
nach dem engl. of). II@1@gg) zähre
als genetiv-attribut. II@1@g@aα) bach, flusz, strom der zähren, von zähren: dises feuer (
des zorns) hat ... so groszen schaden verursachet, dasz es auch gantze flüsz der zäher nit gnugsam können beweinen Abraham a S. Clara
Judas 1, 57; vermocht' sie nicht länger den ausbrechenden strom ihrer zähren ... zurückzuhalten A. G. Meiszner
skizzen 1, 79; so feuchtet meine brunst der zehren bach Opitz
poet. 45
neudruck; nicht deiner zähren strom zu wehren, naht sich zu dir die muse Zachariae
poet. schr. 3, 188; welche ströme von zähren hat nicht Iris seit dem tage des tods um ihn (
den hund) vorgossen? Götz
verm. ged. 1, 61. II@1@g@bβ) flut der, von zähren: schnell strömet aus den augen eine fluth von zehren Lessing 6, 218
Lachmann-Muncker; dasz ich nicht in der se aufgäbe meinen geist, und si in eigner fluht der zähren folge leist, Zesen
Rosem. 16
neudr.; nimm, werter, eine flut von tausend, tausend zähren zu einem denkmahl an Drollinger 113. II@1@g@gγ)
ähnliche verbindungen: liebste! können diese augen, schwimmend in dem thau der zähren dir nicht mehr als blumen taugen, meine liebe zu erklären? Rückert 1, 386; lasz tönend deiner zähren nasz an die metallne wölbung (
des kelchs) klopfen Freiligrath 1, 150. II@1@hh) das thal der zähren,
die erde und das irdische leben in theologischer auffassung, nach ps. 84, 7,
wo der urtext als thränenthal oder thal mit bakasträuchern erklärt wird (
vgl. den commentar von Kautzsch),
wo die vulgata vallis lacrimarum hat und Luther jamertal
übersetzt. vgl. oben jammerthal theil IV, 2, 2260, thränenthal
theil XI, 423
und unten zährenthal: von disen sprach wol der prophet im psalter. er hat gesetzt sein stat in das tal der zäher Tauler (1508) LVI
b; wie wird es uns so lang in diesem thal der zäher! Spee
tugendb. 286; gott hat diese welt zu einem tahl der zähren gesäzt Butschky
Pathm. 249; denn was ist die welt anders als vallis lacrymarum, ein thal der zäher!
n. büchersaal d. schönen wissensch. u. fr. künste (1745
ff.) 10, 287; wir fuarun leidor thanana fon paradîses hentiin suâraʒ elilenti; ... in thiʒ dal zaharo Otfrid 5, 23, 103; sîn vater hat iʒ (
das lamm, sc. Christus) her gesant in ditze ellente lant, in ditze zehere tal durch Adâmes val
fundgr. 2, 141, 4; im thal der zäher seufftzen wir o herre gott gar offt zuo dir Schwartzenberg
t. Cic. 115
b; dasz, wenn ich einst zu höhern sphären auf deinem (
der sonne) lichtweg übergeh', der fruchtstaub vieler guten ähren noch in dem thal der zähren um meinen hügel weh Thümmel
reise 7, 235. II@1@ii) zähre
mit sinnverwandten ausdrücken verbunden. II@1@i@aα) zähre
und thräne
werden seit alter zeit zur wiederaufnahme oder verstärkung des gleichen begriffs zusammengestellt, ohne dasz irgend ein beideutungsunterschied erkennbar wäre: die trehen sêre vluʒʒen, sîn antlit si beguʒʒen, die zäher vluʒʒen über al
schausp. d. ma. 1, 244
Mone; werd ich denn auch für freud in solcher gnadenzeit den augen ihre zähren und thränen können wehren ...? P. Gerhardt 143, 27
Göd.; lieb' und schweigen ist der bund. aber meine zähren kann ich nicht ersticken. lasz, o lasz sie flieszen! thränen brechen nicht den bund Gotter 1, 65.
in der classischen zeit versucht man zähre
als den engeren begriff zu kennzeichnen: die zähre flieszt nämlich nur aus der quelle des wohlwollens, die thräne ist auch der ausdruck des schmerzes über eigenes weh Eberhard
bei Campe.
dazu paszt die folgende stelle einigermaszen: wir hätten vergebens unter die thränen unseres jammers einige zähren trüber freude gemischt? Klopstock
Mess. 14, 312.
wie wenig solche unterscheidung aber gegenüber der lebendigen sprache stand hält, zeigt der folgende beleg: aus den zähren einsamen schmerzes wurden thränen des liebevollsten mitgefühls Holtei
erz. schr. 16, 6.
im reimspiel wird die veraltete nebenform zu thräne: träher
mit der vorstufe von zähre: zäher
sprichwörtlich als gleichbedeutend verbunden: wiewol sie es heut gebessert haben, wie hie der zäher dort der träher Fischart
Garg. 172
ndr., d. h. es ist das gleiche geblieben. II@1@i@bβ) zähre
mit seufzer
verbunden: gott ... hat endlich durch so viele heisze seufftzer und zähren frommer und mit unnachlässigen beten anhaltender christen ... sein zorniges hertz lassen erweichen Rist
friedej. Teutschl. vorrede 8; will ich die zäher und seüfftzer innhalten, mit welchen ich ... mein vatter bewaint habe Schuppius 769: so gehn sie fort mit seufzern und mit zähren Gries
Ariost 2, 21. II@1@i@gγ) weh und zähren: Ceres voll von weh und zehren leget ihren krantz von ähren und die sichel hinter sich Opitz
poet. 53
neudruck; mein vermögen ist ein liedt, und für allen weh und zehren Dach 761
Österley. II@1@i@dδ) blut und zähren: und nicht die ernte soll von blut und zähren, vom thau des friedens soll sie überflieszen Rückert 1, 27. II@1@kk)
frei in der renaissancezeit von versen, der art der neulateiner entsprechend: die lieder, die gelehrten zehren, ... die werden reichlich jetzt belohnt Opitz
poet. 50
neudruck. das wirkt noch bis ins 18.
jahrh. nach: kein dichter mahlt mit kunsterfüllten zähren, wie tief dein tod in so viel seelen dringt Kästner
verm. schr. 1 (1755), 141. II@22)
allgemeiner von tropfen, tropfenweise hervorquellender, sich gestaltender flüssigkeit und tropfenähnlichem. II@2@aa)
regen- und thautropfen. in ausgeführten bildern deutlich als '
thräne'
gefaszt: was meint der himmel doch mit so gehäufftem regen? ... mich dünckt, er traure so und giesze milde zehren um das, was sicherheit der welt wil noch gewehren, die friede brauchen wil, den himmel zu gefähren Logau 228 (2.
tausend),
nr. 13
Eitner; schau, die wolken weinen sehr. ach, die sonn sich gar verbirget, löscht in zähren alles licht Spee
trutzn. 207, 142
Balke; weiches moos am felsgesteine, schwellend scheint es zu begehren: komm, o wolke, weine, weine mir zu die geheimen zähren Lenau 31
Barthel. aber auch einfach des regens, des thaues zähre: doch müese er manegen zaphen tragn, der des regens zaher besunder verschübe: daʒ wære ein wunder Wolfram
Willeh. 399, 21; still der himmel, still im meere, schimmernd rings des thaues zähre Eichendorf 1, 633.
und ohne zusatz in gleichem sinne: alsô stuont eʒ lange sît, swie daʒ münster wære wît unt diu mûre wære blôʒ, swie vaste der regen nider gôʒ, daʒ nie kein zaher dar în gereis
Servatius 1855
Haupt; wenne waʒʒer schier von himel flôʒ, des vihe und liute über al genôʒ, wenne eʒ beide berge und tal begôʒ, ûf die sehs mânen und driu jâr nie zaher was kumen, daʒ ist wâr Hugo v. Trimberg
Renner 15002
Ehrismann. II@2@bb)
mhd. bluotes zaher,
blutstropfen: ûʒ ir wunden ûfen snê vieln drî bluotes zäher rôt, die Parzivâle fuogten nôt Wolfram
Parz. 282, 21; er det als Parzifal, der wenig weisheit wielt und unversunnen hielt ob bluotes zehern dri Altswert 205, 37.
in gleichem sinne: die wurfen unde schuʒʒen, daʒ die zäher fluʒʒen bluotec durch daʒ îsengewant Wirnt
Wigal. 10831; Wate galt mit zorneden grimmen verchslac, daʒ bluotiger zeheresô vil ûf im lac
Kudrun 519, 2. II@2@cc)
vom wein. ganz im sinne von 1
lacrimae Christi: dem tranck, so ir nachfragen, sind unsers herrgotts zeher Wickram 3, 82, 12
Bolte. aber auch sonst mit dem gen. von wein
wie tropfen und collectivisch wie saft, trank: bitet ein armer dürftige eins munt vollen brôtes oder eins zaher wînes Berthold v. Regensburg 1, 431, 9; mit dem zahr des weins erfrewet er (
gott) unsere hertzen Mathesius
Syr. 3, 10
a;
in gleichem sinne: bei unsrer reben gold'ner zähre sprech' ich den alten hochzeitsspruch Immermann 19, 194
Boxberger. ebenso ohne zusatz: ein lustiger und lieblicher weinstock ... darausz der edle zahr gedistilirt wirdt, der das hertz erfrewet, erquicket und unmut vertreybet Mathesius
hochzeitpred. 243, 6
Lösche. II@2@dd)
von andern pflanzensäften, pech, harz, gummi, öl u. dgl., auch collectivisch, vgl. Schmeller
2 2, 1100: sein (
des ölbaums) êrster zäher ist gar süeʒ Megenberg 335, 8; der weinreben zäher, der dar auʒ tropfet, wenn man sie besneidet, vertreibt die räudichait und die schebichait 350, 19; diadragantum ... ist ain harz oder ain zaher, der fleuʒt auʒ ainem paum gegen der sunnen aufganch 366, 23; gummi arabicum haiʒt ain arabischer zaher 369, 6; macis ist ain paum, ... von dem vleuʒt ain zaher, der haiʒt mastix 371, 13; bdellium (welches ein baumhartz, gummi oder zähr sein sol, wie myrrhen und weyrauch) Mathesius
Sarepta 56
a. II@2@ee)
auch von anderm, was tropft, mit deutlicher beziehung auf 1: und immer tropften thränen, wächserne zähren der hohen kerzen auf harte, dunkle fliesen Kahlenberg
Eva Sehring 36. II@2@ff)
freier von funken, gleichsam tropfen feuers: mit krache gap der doner duʒ: brinnde zäher was sîn guʒ Wolfram
Parz. 104, 6; ûf in vil zähere wirt gerêret (der funken), die ûʒ helmen und ekenspringent dâ fiurîn regen sich gemêret
Tit. 129, 3.