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weifen

mhd. bis Dial. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
11 in 11 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weifen v.

Bd. 28, Sp. 632
weifen, v. zu einer verbalwurzel idg. wib in lat. vibrare 'zittern', lit. vỹburiu 'wedle', lett. vëbt 'sich drehen, verdrehen', germ. wip in got. weipan 'bekränzen', waips, wipja 'kranz' gehört das starke verb. ahd. wîfan Graff 1, 784, mhd. wîfen 'schwingen, winden' mhd. wb. 3, 625a; Lexer 3, 879. factitivum dazu (wie mhd. beizen zu ahd. bîʒan, 2weichen zu wîchan) ist das schwache trans. mhd. weifen 'schwingen machen, haspeln' mhd. wb. 3, 625a; Lexer 3, 742. 11) das starke verb. ist zu allen zeiten selten. ahd. tritt es relativ spät und nur in abgeleiteter bed. (part. praet. beuuiffener condemnatus Notker) auf. es lebt obd. (Heinrich v. Neustadt Apoll. 20275 Singer) und md. (Heinrich v. Meissen 366, 17 Ettmüller) in der bed. 'schwingen' fort. anfang des 14. jahrh. stirbt die starke form aus. 22) bei dem schwachen verb. ist von trans. gebrauch auszugehen. 2@aa) nur indem ein vorauszusetzendes acc.-object in andere rection umbiegt oder unausgesprochen bleibt, kommt intrans. gebrauch zustande, etwa im sinn von 'fuchteln': so soltu mit dem messer bayffen als dy frawen, wan sy das garn abhaspeln hsl. fechtbuch bei Schmeller 2, 863, 'schwenken': will jemand brennbare stoffe wie reisig schnell in helle flamme setzen ... so weift er damit Schambach gött. 292b, dazu die redensart: ek hebbe mîn weifen edân 'ich habe das meine gethan' dass., 'sich schwingen': fäden kommen, fäden weifen, jeden lenk' ich seine bahn Göthe I 15, 33 Weim. 2@bb) trans. gebrauch wiegt durchaus vor. die bed. kommt dann 2@b@aα) allgemein der von trans. schwingen, schwenken am nächsten: der ingewunden chunchlich van der wart do wol begreifet und für daʒ here geweifet Wernher Marienl., fundgr. 2, 148, 26; waifen 'im bogen schwingen' Liesenberg Stieger ma. 216. wie schwingen th. 9, 2699 gelangt auch weifen zur bed. 'schlagen': den hebb' ek eweifet Schambach 292b. vom gebrauch der nordharz. mundart geht weifen '(waffen und kleider) putzen' als Braunschweiger soldatenwort aus: Horn soldatenspr. 77. 2@b@bβ) viel häufiger ist die specialisierung auf das haspeln des gespulten fadens um ein im kreis geschwungenes geräth, das danach weife heiszt (s. d.). wie das abgeleitete subst., so ist auch das verb. seit anfang des 15. jahrh. bezeugt: cathelo waiffen vel winden voc. von 1429 bei Schmeller 2, 863. wie jenes ist es nach spärlichen anfängen: ein gezwirnten faden des weyffens erste deutsche bibel, richt. 16, 9; girgillare weyffen Diefenbach mlat.-hd.-böhm. wb. (1470) 140; garn weifen Stieler 2451, erst in der lit. des 18. jahrh. breit entfaltet: auf gurgeln (der gänse) pflegt man zwirn zu weiffen Amaranthes proben d. poesie 2, 460; weil keine parce nicht die dünnen fäden weift Triller poet. betr. 1, 120; wie der faden einmal gesponnen ist, wird er geweift und verwoben Göthe I 13 i 232 Weim. das object kann umspringen: die mutter weift spulen B. v. Arnim dies buch geh. d. könig 2, 534, oder unausgesprochen bleiben: es ist eine lust, die kleinen buben mit unter ihnen sitzen, und weifen und spulen ... zu sehen Gleim briefw. 1, 426 Körte. mundartlich ist das verb. im gleichen kreis lebendig, wie das subst.: Vilmar kurhess. 444; Schambach gött. 292b; waifə Hentrich eichsf. 66; weife Hertel thür. 255 aus der vogtei und Salzungen; wf zs. f. d. mundarten 1914, 157 aus dem erzgeb.; dort auch beim strohflechten Müller - Fraureuth obersächs. 2, 650a; wêfen Frischbier preusz. 2, 461. auszerhalb dieses gebiets ist das fehlen des worts theils ausdrücklich bezeugt: haspeln gilt statt seiner nach Campe 5, 641a nd., nach Lenz vgl. wb. 76b im rheinpfälz. Handschuhsheim, nach Heilig zs. f. d. mundarten 1914, 340 im niederalem. Ottersdorf, theils geht es aus schiefer anwendung z. b. bei östr. dichtern hervor: [] lohn wollt ihr und genusz — und auch daneben mit flücht'ger hand des ruhmes purpur weifen Saar 2, 61. in techn. sprache zeigt sich haspeln aus den unter weife angedeuteten gründen überlegen: haspeln, weifen, das garn, sowohl vom flachs und hanf, als auch von wolle, um einen haspel oder weife wickeln und solches hiedurch in gebinde und strehnen eintheilen Jacobsson technol. wb. 2, 226b. 2@cc) übertragungen, die sämtlich von der bed. 'haspeln' ausgehen, können das wort mit s. ganzen umgebung bildlich fassen: wr fîl špįnt, tr mųs fîl wêf zs. f. d. mundarten 6, 318 aus Zwickau, meist ist jedoch weifen als einzelwort übertragen. 2@c@aα) es wird intrans., soweit die übertragungen in der sinnlichen sphäre bleiben. mit der bewegung des weifenden webers wird die des pferdes verglichen, das kopf und vorderleib ständig hin und her wiegt: ein pferd weift, leinewebert J. E. L. Falke univ.-lex. d. thierarzneik. 2, 432b. auch schneller wiegender gang des menschen heiszt in weberbezirken so: der weefte aber's dorf runger Müller-Fraureuth aus Ölsen. von einer begleiterscheinung des weifens als frauenarbeit geht, wie bei waschen, die bed. 'schwatzen' aus, die ders. fürs obersächs. bezeugt. 2@c@bβ) die übertragungen bleiben trans., sofern sie vom 'haspeln' zum spinnen (s. d.) von gedanken und entwürfen führen: von mir ... kann's nicht wunder nehmen, dasz ich ... ganze zaspeln von anfängen im voraus geweifet und gezwirnt habe Jean Paul 7/10, 457 Hempel. die vorstellung vom thun der parzen erleichtert die übertragung auf das walten des schicksals und der gottheit: zum heil der menschen ward das werk begonnen, zu ihrem heil in deine hand gelegt; du wirst es dann der schwester übergeben, sie weif' es aus zum wirkungsreichen leben Göthe I 13 i 98 Weim., den rechten lebensfaden spinnt einer, der lebt und leben läszt, er drille zu, er zwirne fest, der liebe gott wird weifen I 3, 109.
5703 Zeichen · 155 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    weifenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    weifen swv. BMZ haspeln, girgillare Dfg. 263 c ; entfalten, schwingen Mar. 148,26. mit ûf;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Weifen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Weifen , verb. regul. vermittelst der Weife abwinden; am häufigsten in den Zusammensetzungen abweifen und aufweifen, wof…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    weifen

    Goethe-Wörterbuch

    weifen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    weifen

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Wossidia weifen in der Zs. MeckWB afweifen .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weifen

66 Bildungen · 1 Erstglied · 62 Zweitglied · 3 Ableitungen

weifen‑ als Erstglied (1 von 1)

weifenstab

DWB

weifen·stab

weifenstab , m. die achse der garnhaspel: die Bergmännin ergriff sodann mit rascher hand den weifenstab; der arm der weife schwoll hoch an, …

weifen als Zweitglied (30 von 62)

*pardunzsweifen

KöblerMnd

*pardunzsweifen , sw. V. nhd. wie ein Reifrock schwingen Hw.: s. pardunzsweifent E.: s. pardunz, sweifen

*sweifen?

KöblerMhd

*sweifen? , st. N. Vw.: s. ūz- E.: s. sweifen (1) W.: nhd. Schweifen, N., Schweifen

Úmschweifen

Campe

Úmschweifen , v. ntr. intrs . u. trs . ich schweife um, umgeschweift, umzuschweifen . I) ntr . mit haben u. intrs . mit sein . Einen Umschwe…

abschweifen

DWB

abschweifen , aberrare, mhd. abe swîfen, ἀφαμαρτάνειν : vom weg abschweifen, vom pfade der tugend, vom glauben, von der wahrheit; von der re…

abweifen

DWB

abweifen , spiram filorum in baculis transversis facere: das garn von der spule, spindel abweifen, die spule, spindel abweifen.

afweifen

MeckWB

Wossidia afweifen verprügeln Wa; jem. im Kartenspiel Verluste beibringen: denn' hebben wi ornlich afweift Wa.

ane sweifen

MWB

ane sweifen stV. ‘etw. (ein Kleidungsstück) überwerfen’ den mantel siu doch an swief. / dô wart er ir alsô tief, / daz er ir verre nâch gien…

anschweifen

DWB

anschweifen , attexere, assuere limbos. aber auch in andern bedeutungen des schweifens.

answeifen

KöblerMhd

ans·weifen

answeifen , st. M., st. F., sw. M., sw. F. Vw.: s. anesweifen

anweifen

DWB

anweifen , fila in glomerum ducere, agglomerare, anhaspeln, gegensatz von DWB abweifen , abhaspeln.

ausschweifen

DWB

aus·schweifen

ausschweifen , evagari, ausbiegen, dispalari. 1 1) von flusz und gewässer, sinuari: alle ströme haben vor alters ( vor bildung der flutbette…

beschweifen

DWB

beschweifen , cauda instruere: so zieht die last der bomben durch die luft, mit feuer beschweift. Kleist 1, 134 ; als sie der wallenden mond…

beweifen

DWB

beweifen , harpedonem filis convolvere, umweifen. Stieler 2451 .

durchschweifen

DWB

durch·schweifen

durchschweifen , durchstreichen mit heftiger bewegung, durchirren, pervagari, percurrere Fries 977 b . Henisch 775 . Rädlein 208 . hin und h…

einschweifen

DWB

ein·schweifen

einschweifen , involvere, einwinden, altn. sveipa, schw. insvepa, dän. indsvöbe, doch mehr gefolgert nach dem transitiven ausschweifen 1, 96…

entschweifen

DWB

ent·schweifen

entschweifen , evagari, effugere: dem, der rosen prangen hiesz und den most der traube reifet, dasz durch ihn der kümmernis die bedrängte se…

erweifen

DWB

erweifen , glomerare fila. Stieler 2451 , der auch victum quaerere glomerando ansetzt.

gisweifen

KöblerAhd

gis·weifen

gisweifen , sw. V. (1a)? nhd. stürzen, fegen, wegfegen ne. turn (V.), sweep (V.) ÜG.: lat. verrere Gl Q.: Gl (11. Jh.) I.: Lbd. lat. verrere…

heranschweifen

GWB

heran·schweifen

heranschweifen ‘zu etw h.’: in irritierendem Hin und Her an einen best (höhergelegenen) Ort gelangen [ König zum Hzg: ] Das flücht’ge Ziel .…

Ableitungen von weifen (3 von 3)

beweifen

DWB

beweifen , harpedonem filis convolvere, umweifen. Stieler 2451 .

erweifen

DWB

erweifen , glomerare fila. Stieler 2451 , der auch victum quaerere glomerando ansetzt.

verweifen

DWB

verweifen , v. , zu weifen 2 b β ( th. 14, 1, 632). ohne unmittelbaren zusammenhang mit got. faúrwaipjan, dessen bedeutung weit absteht: v.,…