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ausschweifen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ausschweifen

Bd. 1, Sp. 964
ausschweifen , evagari, ausbiegen, dispalari. 11) von flusz und gewässer, sinuari: alle ströme haben vor alters (vor bildung der flutbette) so ausgeschweift (sich so weit ausgebogen). Kant 6, 88. 22) von fläche und ebene: die ebene schweift hier aus, ist ungleich ausgeschweift, biegt sich aus; ausschweifende linie; die umschreibung der figur in geraden und wenig ausschweifenden linien. Winkelmann 3, 77; die wenig ausschweifenden umrisse ihrer figuren. 3, 79. 33) von dach, fach, geräth: das dach ist oben ausgeschweift; ausgeschweifte giebel; der becher ist am rande ausgeschweift. 44) von gliedmaszen: mit völligen und ausschweifenden hüften des weiblichen geschlechts. Winkelmann 4, 89; die waden (der Venus) sind straf und voll bis an die kniekehlen, ohne auszuschweifen. Ardinghello 2, 214. 55) persönliche bezüge: wir schweiften heute aus durch wald und gebirge; meine augen schweifen aus in die ferne und erblicken den geliebten nicht; freund, schweif aus mit deinen blicken, lasz dich die natur entzücken, die dir sonst gelacht. Gotter 1, 14; er schweift rechts und links, nach allen richtungen aus, in alle ecken. 66) zumal gilt es vom ungetreuen ehmann (s.auslatschen), vom jüngling, der abseits ausschweift, die bahn der tugend verläszt, nebenher geht. schon Maaler 46a ein paur, der ausschweifend und nit gern daheimen bei seiner frauwen ist, aversus contubernio suo villicus. eine ausschweifende, wollüstige frau; vil irrige, arme, weit ausgeschweifte mädlen. Wirsung Calistus e; wollte sie ausschweifen, sie könnte den werth der seele herunter bringen und die tugend mit der wollust verfälschen. Schiller 202a. ein ausschweifendes leben führen, der wollust nachhängen. 77) aber auch sonst übertreiben, modum excedere: im essen, trinken, im aufwand, in der liebe, freude, trauer ausschweifen, im lobe ausschweifen, unmäszig loben; in oder von der rede ausschweifen, abschweifen, digredi; wer hätte je so weit im argwohn ausgeschweift? Wieland 10, 333; so musz ich wider willen in exempel ausschweifen. Herder 1, 176; die kritik des verstandes erlaubt es nicht, in intelligible welten, ja nicht einmal in ihren begrif auszuschweifen. Kant 2, 273; es ist schwer in einer materie, die von so weitem umfange ist, nicht auszuschweifen. 8, 23; mit der einbildungskraft in den raum des chaos ausschweifen. 8, 325; das blosz zum privatvortheile meines ausschweifens gebaute filialbändchen. J. Paul Tit. 1, 61. Das partic. ausschweifend bedeutet als adj. oder adv. häufig unmäszig, übertrieben: diese seine weisheit machte er in zwei verschiednen vorlesungen bekannt, von denen die erste gewis nicht wolfeil und die zweite ausschweifend theuer war. Klopstock 12, 297; wenn es auch die allerausschweifendste sache von der welt wäre. J. E. Schlegel 2, 387; es ist etwas bekanntes, dasz im wirklichen leben oft weit unwahrscheinlichere dinge begegnen, als der ausschweifendste kopf zu erdichten sich getrauen würde. Wieland 1, xiv; kurz ich wollte das ausschweifendste, was man in der verzweiflung wollen kann. 2, 61; so ausschweifend dieser wahn war, so wahrscheinlich schien er meinen gönnern aus der untersten klasse. 2, 99; dürfte man einer ausschweifenden angabe aus jenen zeiten trauen. Schiller 915; mit ausschweifendem lobe. Klinger 5, 342; die ausschweifende stärke eines gefühls. Kant 12, 425. 88) transitiv, etwas bogenförmig ausarbeiten: den giebel, den becher ausschweifen, altn. sveipa silfri; ein hemd am hals ausschweifen, emarginare; auch ein gefäsz ausschweifen, ausspülen, gleichviel mit abschweifen, abspülen (sp. 112).
3578 Zeichen · 44 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ausschweifen

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Ausschweifen , verb. reg. welches in doppelter Gattung üblich ist. I. Als ein Activum. 1) Durch Schweifen, oder Schwänke…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    ausschweifen

    Goethe-Wörterbuch

    ausschweifen A das rechte Maß überschreiten, von der Norm abweichen 1 PartPräs(attr), auch subst a phantastisch, übertri…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ausschweifen

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Ausschweifen , eigentlich von der geraden Richtung abgehen, daher gebraucht von fließenden Gewässern, Flächen, Geräthen,…

  4. Spezial
    ausschweifen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    aus|schwei|fen vb.tr. 1 (abschweifen) jí incëria, tó na ota 2 (maßlos sein) esageré (-rëia), n’avëi degöna mosöra 3 (sit…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ausschweifen

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Zerlegung von ausschweifen 3 Komponenten

aus+(sch+weifen)

ausschweifen setzt sich aus 3 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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APA
Cotta, M. (2026). „ausschweifen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ausschweifen/dwb?formid=A08967
MLA
Cotta, Marcel. „ausschweifen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ausschweifen/dwb?formid=A08967. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ausschweifen". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ausschweifen/dwb?formid=A08967.
BibTeX
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  title        = {„ausschweifen"},
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