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weidmann

nhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weidmann m.

Bd. 28, Sp. 611
weidmann, m. mhd. mnd. weideman mhd. wb. 2, 48a; Lexer 3, 739 f.; Schiller-Lübben 5, 654b. belegt seit 1070: Esau was ein weideman Wiener genesis 22, 4 Diemer, lex. seit anf. d. 15. jahrh.: Diefenbach n. gloss. unter agamus, indagator, venator. das wort ist zu allen zeiten im ganzen sprachgebiet möglich, häufig braucht es von namhaften schriftstellern nur Sachs 2, 174. 4, 288. 7, 191. 447. 9, 157 Keller. Luther hat es nur einmal in der bibel an einer schon in der hs. geänderten stelle: wie eyn vogel aus der hand des weydemans spr. 6, 5, von den classikern bieten es je einmal Klopstock gel.-rep. 127; Schiller 14, 395; H. v. Kleist 1, 415, den andern fehlt es. darum wol hat in nhd. schriftsprache jäger gesiegt, zumal weidmann nirgends mundartl. rückhalt hat. den mittelpunkt seines gebrauchs hat es seit Hadamar v. Laber jagd 390 in der kunstsprache der jäger: edler weydmann ist das älteste prädicat eines edlen hirschgerechten jägers Heppe aufr. lehrpr. 3; waidmann ist die alte benennung des jägers, und auch noch jetzt bedient man sich dieses ausdrucks, um einen jäger vom fach damit zu bezeichnen Hartig lex. f. jäger (1861) 587; Kehrein weidmannsspr. 320. von da bringt es den biederen, herzhaften klang mit, um deswillen es im 19. jahrh. dichter wie Fouqué zauberr. 1, 137; E. Th. A. Hoffmann 2, 111 Grisebach; Uhland ged. 2303; Scheffel avent. 147. 150; Geibel 4, 4 bevorzugen. die dreisilbige form gilt als einzige im nd., als regel im mhd., zweisilbiges weidman erscheint obd. zuerst bei Heinrich v. d. Türlin krone 4158, ostfränk. nicht vor Konrad v. Megenberg 169, 30 Pfeiffer. seit ende des 15. jahrh. ist die zweisilbige form regel, die dreisilbige behält boden im ostmd.: B. Faber thes. (1587) 1049a; Opitz 3, 312; Logau 2. taus., zug. 53; Fleming t. jäger 60; Henrici 3, 359; Göchhausen not. ven. (1741) 27. Döbel (1754) schwankt: weidmann n. jägerpract. 1, 7; weide-mann 4, 26. Adelung setzt weidemann an, Campe weidmann, Heinsius hält es noch 1822 für nöthig, von weidemann auf weidmann zu verweisen. der plural lautet mhd. weideman: Ägidius hg. v. Rödiger zs. f. d. alt. 21, 341 v. 361; Eneit 130, 34 Ettmüller; Parz. 397, 27. vor mitte des 15. jahrh. tritt weidleute (s. o.) an die stelle, daneben weidmänner erst 1762: feinde genug, ihr herren weydmänner Stahl gewehrger. jäger 15, 17, und auch seitdem als ausnahme: Hippel lebensl. 1, 510; Bode Th. Jones 1, 246; Arndt mährchen 1, 36; Scheffel Ekkeh. 457; Brehm thierl. 2, 470; kronpr. Wilhelm jagdtageb. 143. Adelungs bemerkung, der plur. weideleute stehe von geringen personen, findet in den belegen keine stütze. die bedeutung hirt ist nur gelehrte construction: weidemann, vieheweider, viehehirt pastore, pâtre Rädlein 1, 1040. so bleibt die bez. auf 2weide II A 'gang des menschen auf fang', zunächst im umfassendsten sinn: ein wol werbende weideman, der vische, vogel, wilt sô meisterlîchen vâhen kan Reinmar v. Zweter 216 Röthe; ich pin ain waidman ringer hant paide zu wasser und zu lant Sachs 23, 274 Keller-Götze. bald spalten sich zwei gebrauchsweisen wie bei weidleute. 11) fischer: er kom des âbents an einen sê, dâ heten geankert weideman. den was daʒ waʒʒer undertân Parz. 225, 3, später auch nd.: 4 kr. Henneken weydemanne to vischetüghe braunschw.-lüneb. urk.-b. (Münden 1397) 8, 240 Sudendorf, vor allem aber am Oberrhein: ein weidman, der da fert uf dem wasser weisth. (Rastatt 1370) 1, 439 Grimm; (Auenheim b. Kehl 1442) 4, 514; Straszb. zunftordn. 226 Brucker; Zürcher stadtb. 1, 306 Zeller- Werdmüller, in der Schweiz bis ins 18. jahrh.: schweiz. id. 4, 283. 22) jäger: do gesach er den weideman der die drûhe dar het geleit Reinh. Fuchs 362 Grimm. 2@aa) früh und oft ist es der forstbeamte im herrendienst: ein des koninges weideman Eilhart v. Oberge Tristr. 4595 Lichtenstein; ich (ein hund) habe zehen jahr meim junckern jagen helffen, jetzt hat er seinem weidmann befohlen, er soll mich an ein weiden hencken Schupp 836. er versorgt den tisch des herrn: to holdende ... 1 weydeman mit 1 perde, de uns honere, hasen und soden weydewarck fa und utrichte na unser lust urk.-b. d. st. Göttingen (1435) 2, 120 Schmidt, und wird dafür besoldet: du hast doch weder zinsz noch rendt, als einem weydmann zuogebürt Wickram 5, 143 Bolte. so wird weidmann feste amtsbezeichnung: weydman Theysz am pfälz. hof (1549) Forster fr. t. liedlein 163 neudr.; were auch sach, das der inwoner einer oder mehr zu dem weidwerk von dem weidmann oder jegermeister und sunst vom wagenberieder ersucht wurde weist. d. Rheinprov. (1556) 1 i 172; Pfaff, Hansz, weidtmann 'kurfürstl. jäger' n. arch. f. gesch. d. st. Heidelberg (1588) 1, 122. von da aus ist weidmann familienname geworden wie weidner, jäger, schütz, förster. berufsbildung wird vorausgesetzt: seid du bist auch ain waidman, sag etwas von dem wildpan Hätzlerin liederb. 237; der kerl wollte ein weidmann seyn, und verdiente nicht einmal noch die hornfesseln (hifthornriemen th. 4 ii 1825) zu tragen Petrasch lustsp. 2, 564; als Dietegen sechszehn jahre zählte, war er bereits ein junger weidmann G. Keller 5, 206, ja geradezu in die begriffsbest. aufgenommen: weidmann ist einer, der die eigenschaft allerley wildes und weydwercks kennet, demselben geschicklich nachzustellen, und solches zu fällen oder zu fangen weisz Chomel öcon. lex. 8, 2326. seine äuszere erscheinung fällt in die augen: da kam ein weydman her gezogen, der trug ein köcher und ein bogen Waldis Esopus 1, 153 Kurz, ein weidmann ohne hund Grob dicht. vers. 92 ist nicht zu denken. das gewerbe des voglers wird gel. ausgeschlossen: vor warst ein fischer, ietzt bist du ein weidman und vogler darzu Sachs 21, 295 Keller-Götze, öfter inbegriffen: ein weidmann anders locket den wachteln, anders den grammetsvögeln Schupp 273; Hohberg 2, 543b; Treitschke hist. u. pol. aufs. 52, 42. unter den synonymen steht jäger am nächsten: ein weidmann und ein jäger, ein fauler und ein träger ... ein ochs und ein rind, sind all gschwister-kind Moscherosch ges. 465; der jäger wird von einem älteren weidmann auf das ewige verwiesen Scherer lit.-gesch. 193, doch gilt weidmann für edler und sammelt alle lobenden attribute um sich: biderb d. texte d. mittelalt. 17, 144; guet Osw. v. Wolkenstein 45, 57 Schatz; getrüw privatbr. d. mittelalt. 1, 61 Steinhausen; der aller best fastnachtsp. 651 Keller; fürtrefflich Hedio Josephus 23b; edel Ayrer 1633 Keller; ehrlich Ch. v. Schmidt 2, 136; echt Sanders wb. d. d. syn. 527; emsig Holtei 27, 67; erfahren Schwappach handb. d. forstgesch. 1, 299. als zunft halten die weidmänner auf sich und stehen zusammen, sie entwickeln eine eigne sprache: ich schreibe dieses wort nicht aus; der weidmann braucht es Pfeffel poet. vers. 2, 190. sie fühlen sich geistig verbunden durch zwingende jagdbegier: dasz er dem gestirn musz nachgehen, wie der weydman dem gewild Paracelsus 1, 910b Huser, durch ein leben in gefahr: Gries Ariosts Roland 2, 64, doch in unmittelbarer nähe und frischem genusz der freien natur: das grosze buch der herrlichen gottesnatur öffnet sich willig und ganz von selbst dem echten weidmann kronpr. Wilhelm jagdtageb. 144. auszenstehende sind früh geneigt, das lob zu bestreiten, das die jägerzunft sich selber gönnt: Esaw was ain sünder, wann er was ain waidman Stainhöwel Äsop 346 Keller. sie finden, dasz das jägerlatein an aufschneiderei grenzt: mancher weidmann kann aus den erzählungen seiner vorfahren angeben, wie ungeheuer der eber in ungestörtem wachsthum werden kann Welcker alte denkm. 2, 310. spott der auszenstehenden enthält wol auch das sprichwort: zu solchem waldt gehört ein solcher weydman Lehman flor. pol. 1, 351. 2@bb) ein besonderer sprachgebrauch erwächst aus dem vorwurf des aberglaubens, den der weidmann dulden musz: weidmann etiam dicitur incantatio venatoria, qua efficitur, ut licet quis sclopo feriat avem vel feram, ea tamen potiri non possit, hinc: einem einen weidmann setzen sive machen: sclopum incantare Stieler 1237. im 17. jahrh. bleibt die vorstellung, dasz das wild zwar getroffen aber nicht erreicht wird: in diesen spiel bin ich der hund. ich heisze mit nahmen Tucks, und beisze den haasen und den fuchs. so nehm ich mein ampt wol in acht, bisz mir iemand den weidmann macht Weise Tobias (Zittauer theatr. 1699) 338. weiterhin wird unklar gelassen, worin der jagdverdrusz liegt: es widerfährt den hetzern offt ein kleiner weidmann, wann das frauenzimmer die schürzen umkehrt, oder die handschuh verkehrt anzieht Frisch 2, 432b, und so kann sich die vorstellung verschieben: weidemann setzen heiszen die jäger einem schützen einen possen thun, dasz er nicht treffen kann allg. haush.-lex. 3, 677. in dieser gestalt ist der aberglaube allbekannt geworden: es hat dir jemand einen waidmann gesetzt, und den muszt du lösen, oder du triffst keine klaue Kind freischütz 1, 4. die jäger selbst haben ihn inzwischen überwunden: einem einen waidmann setzen d. h. ihn durch übernatürliche mittel in ausübung seines geschäfts hindern, galt bei dem aberglauben früherer zeiten für eine möglichkeit und für das werk eines mit dem bösen feind vertrauten menschen Train waidm. pract. 1 (1838) 310.
9161 Zeichen · 218 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    WeidmannDer

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Der Weidmann , — es, Mz. — männer , und Х — leute , bei den Jägern. 1) Ein gelernter Jäger. 2) Bei den abergläubigen Jä=…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weidmann

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Weidmann , Georg Moritz , Begründer der Weidmannschen Buchhandlung (jetzt in Berlin), geb. 13. März 1658 in Speyer, gest…

  3. modern
    Dialekt
    Weidmann

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    Weidmann Band 4, Spalte 283 Weidmann 4,283

  4. Sprichwörter
    Weidmann

    Wander (Sprichwörter)

    Weidmann 1. Ein guter Weidmann schiesst keinen Hasen auf seinem Lager. Es wäre dies ein Verstoss gegen die Jagdgesetze. …

  5. Spezial
    Weidmann

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Weid|mann m. (-[e]s, ...männer) (Jäger) iagher (-gri) m. , ciaciaciadú (-dus) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weidmann

42 Bildungen · 42 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von weidmann 2 Komponenten

weid+mann

weidmann setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

weidmann‑ als Erstglied (30 von 42)

weidmannsart

DWB

weidmann·sart

weidmannsart , f. stets in der formel auf weidmannsart Ch. v. Schmid 2, 137 ; Viebig kreuz im Venn 105 . —

weidmannsbrauch

DWB

weidmanns·brauch

weidmannsbrauch , m. zunächst in der formel nach weidmannsbrauch churf. Pfalz forst- und waldordnung (1709) 147; Fouqué zauberr. 3, 117 ; da…

weidmannschaft

DWB

weidmann·schaft

weidmannschaft , f. zuerst 1455: ain armbst ... das ... zu eur waidmanschaft fugsam wer privatbr. d. mittelalt. 1, 58 Steinhausen, lex. von …

weidmannsgeschick

DWB

weidmanns·geschick

weidmannsgeschick , n. : schlieszlich wurde die geschossene ricke mit dem erforderlichen weidmannsgeschick in einen rehbock umgewandelt Boss…

weidmannsheil

DWB

weidmann·sheil

weidmannsheil , n. der gangbare grusz unter jägern, von Kehrein weidmannsspr. 321 seit 1746 belegt, häufiger als glückauf: Döbel n. jägerpra…

weidmannslust

DWB

weidmanns·lust

weidmannslust , f. frohes thun des jägers: Holtei 8, 165 ; Rosegger 1, 11 , frohgefühl des jägers: Brehm thierl. 1, 615 . —