Eintrag · Pfälzisches Wb.
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Weide1 f.: 1. 'Silberweide (Salix alba), Korbweide (Salix viminalis)', beide Arten werden in der Benennung kaum unterschieden, beide können als Kopfweiden zum Schnitt von Weidenruten gezogen werden (im Unterschied zur Salweide Salix caprea), Weid (waid) [verbr. ges. Pf außer lothr. SWPf und mittl. Südpfalz, Krämer Gal 240], Weide m. f. [Lambert Penns 176], Wäid (węid) [HB-Böckw IB-Seelb], Wääd (wEd) [vereinzelt ges. Pf, »vielfach, vor allem VPf« (Wilde 255)], Waad (wād) [KB-Gauh Orb (um 1930 von älteren Leuten)], Widd (wid) [mancherorts lothr. SWPf, GH-Kand (um 1930 von älteren Leuten) Neubg Vogelgesang Bliesmg 176], Wied (wīd) [PS-Schweix]; Pl. Weide (waidə) [vereinzelt], Weire (wairə) [verbr.], Waaire (wāirə) [ZW-Schmitshs], Weiere (waiərə) [ZW-Käshf L'wied Marthh], Widde [IB-Ormh KL-Fischb Kaislt (Wilde 255)], Weede [Umg. von KL-Landstl (Wilde 255)], Werre [Umg. von KL-Landstl (Wilde 255)], Wääre (wErə) [KL-Weilb »Landau Ost, Umg. von KL-Kindsb« (Wilde 255)], Waare (wārə) [KL-Drehthhf Reuschb], Weile (wailə) [KU-Bedb Erdb IB-Wolfh], Wille (wilə) [HB-Nd'gailb IB-Ensh (Glass 131) Vogelgesang Bliesmg 176], Wiere (wīrə) [PS-Schweix]; s. K. 384; vgl. Entennest 2; Zs.: Band-, Trauer-, Gelb-, Korb-, Reißsal-, Salweide 1, Salweidenlaub; Syn.: Bandenbaum, Bandenstock, Bandstumpfen, Kätzelbaum, Rieslingstock, Strunk(en) 1 b, Weidenbaum, -busch, -putsch, Wilge; Zahme Weire [KL-O'arnb (Wilde Notizen)], diese Bezeichnung für angepflanzte Korbweiden steht im Unterschied zu Wilde Weide (Weide1 3 a und b). Bappele un Weire wachse om Wasser [KU-Schmittw/O]. Ich such mer an de Bäch die Weire / un mach die scheenschde Körb devun [Burgey Keschte 58]. Dann han alle Weide ihr Kätzelcher bliehe [Kröher Lyoner 102]. RA.: Er kann sich oon de Weire hewe 'Er bekommt nichts mehr von seiner Geldforderung zurück' [KU-Schmittw/O]. Eine Scherzfrage s. Bruchsal. a. 1482: Wiese by der langen widen [LandsbgZb. Bl. 45 r]. a. 1530: 6 dußet 8 hundert weyden holtz zu houwen [GgHospR]. — 2. Teile der Weide1 1 (Salix). a. 'die geschnittenen Weidenruten', als Flechtmaterial für Körbe, als Bindematerial für Reisig oder Reben, besonders auch im alten Kammertbau (Scharff 187/88), meist im Pl. Weire [verbr., Kamm 68 Wilde 255], Weile [IB-Wolfh], Wiere [PS-Schweix], Wille [Vogelgesang Bliesmg 176]; Dim. Pl. Weidcheʳ (waidχəʳ) [KU-Schmittw/O]; vgl. Band 5 a, Bandwide, Biegband, Trudel1 3, Garbenseil, Gebund 3 b, Gerte 1, Klank, Klang 1, Leimrute, Ring, Rink(en) 1 c κ, Saum, Saumen1 2 b, Schleiße, Schleize 1 b, Schmicke 3, Schneller 1 c, Schnelzer 1 b, Stiefelband, Stockband, Stopfer 4 a, Weidenband, -gerte, -rute, Wiede1; Zs.: Bieg-, Bind-, Busch-, Heft-, Kammert-, Sillen-, Stock-, Wingertsweide(n); dinne Weide [LA-Leinsw (WKW 66, 70)]; Weire schneire [KU-Patb]; Weire butze 'Bindeweiden vorbereiten: säubern, kürzen, sortieren' [BZ-Nd'horb, mancherorts]. Die Weire werre geschless (schleißen, schleizen) 'der Länge nach gespalten oder entrindet' [KU-Schmittw/O]. Ich geh Weire (Pl.) schneide [LU-Opp]. Die Körb vun Weire, Plastik, Droht, / zu allem dun se dauche [Burgey Keschte 46]. RA.: Sie ist zäh wie e Weid [allg. (Wilde 260)], biegt sich wie e Weid [allg. (Wilde 260)]. Der werd noch sei Schuh mit Weire binne 'Es wird ihm noch schlecht gehen' [Krieger 43]. Sie spare an alle Ecke, awwer ehr Schuh brauche se sich net mit Weire ze binne! [Feierowend 5/1953 Nr. 24]. SprW.: Wer in de Weide sitzt, schneid't sich Peife 'Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht' [LU-Opp]. Wann mer en de Weide huckt, muß mer sich Peife schneide 'Man muß die Gelegenheit, Chance nutzen' [LA-Herxh]. Volksgl.: »Für das Hauen, Stechen und Schneiten und Blutstillen: Mit einem Stickchen Weit, Gebraucht In den drey Hechsten Namen darüber gefahr, Bis schweiß daran hengt wieder Zusammengebunden Mit einem Vaten gebunen und in meinem Koth geschmiert und in Babier eingewickelt und in Beth Stroh gelegt oder in den Schanste (Schornstein) gehengt« [NPfGV 11/1926 104 (Montforterhof bei RO-Duchr/O'hs)]. Um Salzflechte loszuwerden, gehe man dreimal vor Aufgang und nach Untergang der Sonne zu einer Weide und lasse sich dort die kranke Hautstelle je dreimal von einer Person des anderen Geschlechtes mit einem jungen Weidenzweig kreuzweise bestreichen. Dazu werden allerlei formelhafte Worte gemurmelt [Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956]. »Weidelein, ich knüpfe dich, ich knüpfe 77erlei Fieber in dich, das kalte und das heiße aus meinem Blut, aus meinem Fleisch, aus meinem Schweiß. Im Namen des +++« [Heeger Vhk. 36]. »Beim abnehmenden Mond darf man keine Weiden und Reben schneiden, kein Kalb abbinden; dies muß im Zeichen des Löwen geschehen« [PfH 1931 Nr. 16, Feierowend 4/1952 Nr. 5 1]. Vieh werd därr oder kriegt Geelwasser 'Wassersucht' wammers mit Weide hagt (haut) [Fogel Beliefs Penns Nr. 765]. Volksmed.: Tee aus abgekochter Weidenrinde lindert Darmkatarrh, Erkältung, Kopfschmerzen, Rheuma, schwärende Wunden [Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956]; vgl. Weidenschabsel, -rinde. Vk.: Zur Bedeutung der Weide in der pfälzischen Volkskunde (insbesondere die Korbflechterei, das Herstellen der Weidenpfeifchen) s. Becker Vk. 133; Schandein Bav. IV,2 356/ 57; Feierowend 8/1956 vom 17. 3. 1956. KR.: Reene, reene, Troppe! / Die Buwe/Mäd muß mer kloppe. / Die Mäd/Buwe muß mer schneide / mit de lange Weide. / Die Buwe/Määd kummen ins Fedderbett, / die Määd/Buwe kummen ins Scheißeck [Gal-Brig]; Var. s. Federbett, Mädchen 1 a, schneiden 1. VR.: Schneid Weire ab, schneid Weire ab unn loß die Stoppel steh'; wenn die Mädcher verheiert sein, sein se net mäi schee [Brandstätter in: PfMHk. 7/8 1925 169, GH-Berg Wilde 259]. Do unne im Dal, wo die Weide sich bie'n, verhaaen zwä Männer sich die Plottköpp, daß die Hoor ewegg flie'n [KL-Trippstdt (Wilde 259)]. Sunn, Sunn, scheine, / fahr mer iwwer de Rheine, / fahr mer iwwers Glockehaus, / gucken drei Buppe raus. / D'erscht spinnt Seire, / zwett spinnt Weire, / dritt spinnt e rorer Rock, / fer unser Vedder Jakob [GH-Vollmw]. Die Eisebahn fahrt iwerzwerch / Vun Mannem bis uff Heidelberg, / Fahrt iwers Gloggehaus, / Gucken drei schöne Bobbe raus. / Die ä' spinnt Seide, / Die anner wiggelt Weide / Die anner spinnt en rode Rock. / Fer unsern liewe Herrgott [VPf (Wilde 259)]. Reire, reire Reßche, / dart owwe steht e Schleßche, / dart owwe steht e Herrehaus, / gucken drei Madamme raus. / Aan wickelt Weire, / die anner spinnt Seire, / die drett macht e rore Rock / far meiⁿ Brurer Jakob [KU-Hefw, Donnersberg-Jahrbuch 1981 165]. Weitere VR. u. Var. s. Madam 1 a, Roß, Schloß 2, Seide 1. Bastlösereime, Weidenklopflieder: Saft, Saft, Seide, / Hur in die Weide, / Hur in das Dindeglas, / Daß de Saft erauslaaft! / Mudder geb mer e' Nodelche! / Was dust de mit 'm Nodelche? / Säckelche flicke, Säckelche flicke, / Stääⁿche lese, Stääⁿche lese. / Was duste mit de Stääⁿcher? / Vö'elcher werfe, Vö'elcher werfe! / Was dust de mit de Vö'elcher? / Brode, brode, / Daß de Saft ganz gut gerode [KU-Wolfst (Wilde 257), Donnersberg-Jahrbuch 1981 168]. Saft, Saft, Seire, / Holler in de Weire, / Holler in de Reggebach / Un do is mei Peif gemacht! [Carl Pfalz im Jahr 74]. Holler, holler Weire, / Saft in de Seire, / Saft in de Hollerbach / Is mei Peifche ausgemach [KU-Körbn]. Weid, geb mer e Peifel! / For was dann e Peifel? / Musik mache, Musik mache. / For was dann Musik mache? / Zum Spiele, zum Spiele [Neustdt (Wilde 257)]. Wuppe, wuppe, Weide / Meiⁿ Messer will net schneide; / Do werf ich's in de Grawe, / Do freß es die Hinkel un die Rawe! ... [PS-Saalstdt (Wilde 258)]. Huppert, Huppert (Huppert), Weire, / Saft, Saft, Seire, / 's Messer leit im Grawe, / Do hole mer's die Rawe, / do hole mer's die Mückeschwänz / Wawapp, wawapp / Meiⁿ Peifche geht aus unn geht ab [KU-Brück]. Männel uff 'm Dach! Peifl krach, krach, krach! [PS-Claus]. Sachkunde und Var. s. Wilde 257 ff. und Huppe, Huppert 1 a, Saft 1 a, Weidenpfeife. Kinderspiel: Ich wasche meine Hände, / Trockene sie ab, steck se in de Sack, / Steck se in die Seite, / Mach wickle, wickle Weide [Umg. von Zweibr (Wilde 260)]. a. 1788: »Das Weidenschneiden vor Martini ist verboten bei 1 fl 30 kr Straf« [Eyselein 123]. — b. 'die Blüte der Salweide (Salix caprea)', Pl. Wille [IB-Ensh]; vgl. Weidenkätzchen. — 3.a. 'Flohknöterich (Polygonum persicaria)', Wille Weide Pl. [LA-Altd Marzell III 942], Wille Weire Pl. [KL-Fischb Umg. von Kus (Wilde 250) Marzell III 942], die Pflanze sei gleich Weiden als Bast verwendbar (Wilde 250); Bezeichnung nach der Form der Blätter (Marzell II 942); vgl. Flohgras, -kraut, Weidenbast-, gras, -kraut, Weiderich 1. — b. 'Blutweiderich (Lythrum salicaria)', Wilde Weire Pl. [KL-Fischb (Wilde 24) Marzell II 1514]; vgl. Blutkraut 1, Blutweiderich, Fuchsschwanz 2 a γ, Rattenschwanz 4 c, Rotschwanz, -schwänzchen 2 a, Spitzweiderich, Weiderich 2. — c. ein nicht näher bezeichnetes (Garten-)Unkraut, wille Weire Pl. [RO-Sippf KB-Kriegsf]. — 4. FlN, amtl. Unter den Weiden [KB-Ilbh]. Zu weiteren Weide-FlN s. Zink FlN 121. um 1300: an den widen [P. Weissenberger: Geschichte des Klosters Kirschgarten in Worms. Worms 1937 57 (FR-O'sülz)]. a. 1477: das felt hynder der wyden [Veld. I 86 (Burg Lichtenberg)]. a. 1587: Item anderthalben morgen an den dicken Weiden [Kurpf. Fasz. 1088 Bl. 14 (LA-Gleisw)]. a. 1599: hinder der weiden [SSp A 14/847e, 6v (KB-Ilbh)]. — 5. weitere Zs. in Trauerweide 2. — F.: Das Wort Weide für den Baum Salix ist zu trennen von Wiede1 'Rute aus Hasel, Eiche, Weide usw.'. — Rhein. IX 369 ff.; Lothr. 541 Wied; Els. II 792/93 Wid(e); Marzell IV 8 ff.; WKW 66, 67, 70.
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