wärme ,
f. mäszig hohe temperatur. von warm gebildetes abstractum, mhd. werme,
ahd. warmî (Notker
ps. 147, 18 warmi)
und wermî (
ps. 18, 7 wermi);
anord. vermi Fritzner 3, 919
ist masc., schwed. värme,
dän. varme;
im engl. und ndl. sind andre ableitungen von warm
gebräuchlich (
s.wärmde, wärmnis).
alem. im 16.
jahrh. unter einflusz des w
auch wörme:
Eulenspiegel 83
neudr. Murner
bei Hutten 5, 437
Böcking. Ryff
anatomie (
Straszb. 1541) A 2
b. Eppendorff
Plinius (
Straszb. 1543) 8, 60;
noch jetzt in S. Gallen wöərmi J. Berger 71.
mhd. werme
ist nur selten belegt; fürs obd. ist daneben wärme
anzusetzen (
noch jetzt an der oberen Isar wárm Schmeller 2, 1000).
häufiger sind in der alten sprache formen mit i,
schon ahd. wirma Graff 1, 977
und wirmina (Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 617, 59
calore, wirmino, 2, 566, 30
fotibus, wirminon),
mhd. wirme
und wirmen, wirmin Lexer 3, 930. Jelinek
mhd. wb. (
aus der Wenzelbibel).
im spätmhd. bis ins 16.
jahrh. finden sich die formen besonders im bair., aber auch im alem. und md.: wirmen
städtechr. 4, 50, 6 (
Augsburg 1377); wirme
voc. inc. teut. D 3
b. Ortolff v. Bayrlandt 19
b.
Decamerone 77, 4
Keller. Keisersberg
schiff der penitentz d 1
d. Mathesius
Sarepta (1571) 24
b u. ö.; wirm
Decamerone 62, 30
u. ö. quellen z. Frankfurter gesch. 2, 11 (1515).
Teuerdank 46, 19. H. Sachs 4, 265, 29
Keller. Aventin 1, 175, 20; wyrm Berthold v. Chiemsee
t. theologey (1852) 169; wierm
script. rer. austr. 1, 1161 (15.
jahrh.). H. Sachs
fab. u. schw. 5, 718, 7; wierem Diefenbach
nov. gl. 362
a (
voc. von 1432).
unter einflusz des w
auch würme (
vgl. jetzt in Appenzell wüərmi Vetsch 100): B. Zink,
städtechr. 5, 182, 8. Ruchamer
newe weldte (1508) d 1
b. H. Sachs 7, 303, 18
Keller. Montanus 43, 25
Bolte. noch jetzt bair. wirm Schmeller 2, 1000, wierm
Bayerns mundarten 2, 446,
kärnt. wirmen Lexer 258,
cimbr. birme Schmeller 171,
südschw. wirm Fischer
karte 3,
oberhess. wirm
e zeitschr. f. hd. mda. 5, 277,
in der Oberlausitz wyrm
beitr. 15, 10;
auch werme, werm
in andern md. mundarten musz wegen der qualität des e
auf wirme
zurückgeführt werden, so im Siegerland B. Schmidt 24
und im Vogtland Gerbet 88.
das i
in ahd. wirmina
ist nach Franck
altfränk. gramm. § 13, 1
aus umlaut-e
entstanden; ein lautgesetzlicher übergang der gruppe er
in ir
oder ier
tritt namentlich in bair.-österr. mundarten hervor (
so z. b. in Pernegg in Kärnten beitr. 28, 67),
musz früher aber auch in vielen alem. und md. mundarten vor sich gegangen sein (
ältere md. belege bei Weinhold
mhd. gramm. § 29),
doch ist er jetzt meist verwischt (
nach Meiche 33
gilt für Sebnitz in der sächs. Schweiz im dorfdialekt noch īr,
im stadtdialekt ār),
so dasz wirme
durch andre formen verdrängt ist (
so auch in Nürnberg). Torp
bei Fick
4 3, 395
sieht dagegen in wirme
eine ablautform, die er zu anord. vermi (
das aber auch aus *varmjan-
entstanden sein kann)
zieht; ein adj. *werm (
das im vocal mit gr. θερμός übereinstimmen würde)
neben warm
tritt aber nirgends auf, mfr. wärm (
o. sp. 2020)
hat jungen umlaut. im schwäb. alem. kommt das ursprüngliche -i -in
der endung bis ins 16.
jahrh. vor: wermi
des teufels netz 11078. Suso 45
Bihlmeyer. Paracelsus (1616) 1, 39. 2, 491 (
daneben 2, 372 wärm); wermy Steinhöwel
Äsop 270; wörmin Murner
badenfahrt 4, 3, 62; wirmin
buch der h. Birgitta (1502) 2, 3. 4, 17; würmi
spiegel der blinden (1522) A 1
b.
über wärmde,
das im folgenden mit herangezogen wird, s. o. bedeutung. 11)
die als wärme
bezeichnete temperatur. 1@aa) wärme
ist eine temperatur, die merkbar höher ist als die wechselnde der haut oder die des blutes, dann auch eine dem menschen zusagende, eine behagliche temperatur (
vgl.warm II 1
c),
während unter hitze
eine dem menschlichen körper unangenehme oder unerträgliche temperatur verstanden wird. steigernde beiwörter wie grosz, stark
werden bei wärme
seltener gebraucht, es wird dafür hitze
vorgezogen: aestus, grosze werme, hitz Calepinus XI
ling. (1598) 49
a; eine sehr grosze wärme Steinbach 2, 943;
häufig aber sind abschwächende: wärmd' und kühle man verspüret, leidlich doch und temperiret. Scherffer
geistl. u. weltl. ged. 98; eine mäszige wärme Steinbach 2, 943; weil von der sonnen mäszigen wärme das erdreich fruchtbar, von übermäsziger hitze unfruchtbar gemacht wird Treuer
deutscher Dädalus 1, 98; feuchtigkeit, mit sanfter wärme verbunden, entfaltet alle keime der natur Ramler
einl. in die schönen wiss. 3, 76; ein unterirdisches feuer anzuschüren, um die saat von unten herauf mit linder wärme zu treiben Musäus
volksmärchen 1, 14
Hempel; wenn ... die milde wärme des alteweibersommers die veilchenzeit nachäffte G. Keller 4, 268. wohlthuende wärme
u. ä.: die lodernden flammen ... streuten angenehme wärme in der hütte umher S. Geszner (1777
f.) 1, 28; ich freue mich der erquickenden duftigen wärme in meinen 4 wänden Caroline 1, 39
Waitz. 1@bb)
auf gleichsetzung mit hitze
deuten aber die entsprechungen (
neben calor)
aestus Dasypodius 457
b,
aestus, fervor, ardor Stieler 2436.
besonders in der technik ist zuweilen wärme
mit hitze
gleichbedeutend (
vgl.warm II 1
b und 9
f): '
bei den schmieden wird die gewöhnliche glühhitze wärme
genannt' Adelung; dem ofen wärme geben '
sagen die schmelzarbeiter, wenn sie das gebläse anlassen und die in dem hochofen aufgetragenen kohlen anzünden' C.
F. Richter
berg- und hüttenlex. (1805) 2, 603. 1@cc)
bei der wärmemessung wird die temperatur über dem gefrierpunkt des wassers als wärme
bezeichnet: die ist im stande und erfriert bei drei grad wärme v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 335.
früher wurde eine über dem gefrierpunkt liegende durchschnittstemperatur, die man weder als wärme
noch kälte
fühlte, als grenze angenommen: aufwerts zehlet man die grade der zunehmenden wärme; hinabwärts die grade der anwachsenden kälte Ch. Wolff
nützliche versuche 2 (1722) 153.
in der physik wird aber wärme
gerade seit Ch. Wolff
in einer weiteren, die kältegrade mit einschlieszenden bedeutung gebraucht: dasz ein körper so lange noch kälter werden kan, als er noch einige wärme bey sich hat ... derowegen kan auch das eis und der schnee kälter werden als er ist, und hat folgends noch einige wärme bey sich
von den würckungen der natur (1723) 113; dasz es auch bei dem höchsten grade der kälte immer noch wärme giebt Muncke
populäre wärmelehre (1847) 4; es ist weiter nichts, als was die physiker mit der wärme thun; sie kennen keine positive kälte und brauchen dies wort nicht, sondern sie kennen nur geringe wärme Keller
bei Bächtold 2, 224. '
temperatur': der zeddel daran (
am wetterglase) nannte die änderungen der wärme Kästner
verm. schriften (1755) 1, 187; isothermen,
d. h. linien gleicher wärme A. v. Humboldt
kosmos 4, 59. 22) wärme
als naturkraft. 2@aa) wärme
in der älteren naturlehre (
s.warm II 2): wie got ... solchen vier uhrwesen auch gleichsam vier mitgehülfen, feuchte, kälte, trükken, und wärme, .. zugeordnet Zesen
rosen-mând (1651) 145; die wirme und die hitze hât der mensch von dem fiure, von dem waʒʒer die fiuhte Pfeiffer
zwei deutsche arzneibücher (
Wiener sitz. - ber. 42) 127;
anklänge noch bei Kant: physiologisch betrachtet, versteht man, wenn vom temperament die rede ist, die körperliche constitution (den starken oder schwachen bau) und complexion (das flüssige, durch die lebenskraft gesetzmäszig bewegliche im körper; worin die wärme oder kälte in bearbeitung dieser säfte mit begriffen ist) 10, 318; so du ein aussatz findest, so sage dasz ist lepra, und lasz darbey bleiben, dann da ist nicht zuachten sein kelthi, hitz, drückni, wermi Paracelsus (1616) 1, 39 B; daʒ daʒ honig warm sei in dem êrsten grâd der wirmen und trucken in dem andern grâd der trücken K. v. Megenberg 293, 14; beide sophienkräuter ... seynd mittelmäsziger wärmde, neben einer kühlenden, trucknenden und zusammenziehenden kraft Tabernaemontanus
kräuterb. (1664) 26; der wein ... richtet sich nach jedermans geblütseigung, mit welchem er seine feuchte und wärme vereinbart Harsdörffer
gesprechspiele 2, 42; (
der schwefel ist eine) substantz, welche das gedeyen des wachsthumbs ... durch sein werme fordert Thurneysser
magna alchymia (1583) 5;
bei J. Böhme: nun ist im blute der urstand des fewers als die wärmbde, das ist ein tinctur 40
fragen von der seele 152 (37, 8); die grimmige galle, als der schröckliche, gifftige fewerblitz, zündet im hertzen die wärmbde oder fewer an
schriften (1620) 3, 159. 2@bb) wärme
als das belebende im all: so war es auch nicht blosz das äuszerlich sichtbare feuer, was Heraklit als das erste in der natur aufstellte, sondern jene verborgene wärme, jenes innere feuer, welches die alten als die eigentliche lebenskraft alles lebenden betrachteten Fr. v. Schlegel (1846) 1, 51; wärme ist nicht allein die unerläszliche bedingung des lebens, sie ist auch der maszstab der gröszern vollkommenheit der vegetabilien v. Schwerz
praktischer ackerbau (1882) 1.
deshalb mit den beiwörtern belebend, befruchtend
u. ä.: mit zunahme der belebenden wärme von den polen zum aequator hin A. v. Humboldt
kosmos 2, 90; sein feuer wird für die welt lauter licht und fruchtbare wärme Haller
Usong (1771) 315; (
das weltmeer) belebte den ball mit sanft befruchtender wärme. Zachariä
poet. schriften (1763
ff.) 8, 33. 2@cc)
das wesen der wärme
ist für die neuere physik '
eine form der energie und als solche dem princip von der erhaltung der energie unterworfen' Lueger 7, 821;
bis in die mitte des 19.
jahrh. wurde ein besonderer wärmestoff (
s. d.)
angenommen: dasz in der natur eine besondere materie ist, in deren bewegung die wärme bestehet Ch. Wolff
nützliche versuche 2 (1722) 321. 2@dd)
es werden mehrere arten der wärme
unterschieden. 2@d@aα)
die den dingen von auszen mitgetheilte wärme
heiszt bei Stieler 2436 euserliche wärme,
externus et adventitius tepor, bei Zedler 52, 442
die einflieszende
im gegensatz zur eigenwärme, der eingepflanzten,
die Paracelsus
die eingeleibte
nennt: dieses tagliecht mit seiner eyngeleibten wermi (1616) 2, 491. natürliche wärme
s. u. 4
b. 2@d@bβ) trockne
und feuchte wärme
der luft: die verschiedene wirkung der trockenen und feuchten wärme A. v Humboldt
kosmos 2, 194. 2@d@gγ) strahlende wärme,
die sich durch strahlung fortbewegt, im gegensatz zur geleiteten Pierer
medic. wb. (anat.) 8, 602. Muncke
popul. wärmelehre (1847) 119: so besteht auch noch jetzt durch licht und strahlende wärme der verkehr mit dieser nahen sonne A. v. Humboldt
kosmos 1, 162. 2@d@dδ) gebundene (latente) wärme
heiszt die wärme, die ein körper beim schmelzen und verdampfen aufnimmt, ohne wärmer zu werden: gebundene, latente, verborgene wärme L. Gmelin
handb. der theor. chemie (1817) 1, 98; bei dem erstarren dieser flüssigkeiten ... ist eine menge latenter wärme frei geworden A. v. Humboldt
kosmos 1, 179.
scherzhaft: Blaustrumpf wollte den reisewagen um zwei uhr vorm gasthof ... anfahren lassen, um mit der ganzen gebundenen wärme und fliegenden hitze eines so interessanten frühstücks in die vier wände des wagens zu kommen Gutzkow
werke 7, 226 (
Blasedow 1).
bildlich für innere, verhaltene erregung: auf's neue tauchte er den pinsel in die zarten aquarellfarben und begann mit jener eigenen gebundenen wärme, aus der allein der künstler und dichter andre erwärmendes schaffen kann, sein bescheidenes, einfaches und sinniges werk weiter fortzuführen
ritter vom geist2 3, 331. 2@d@eε)
die specifische wärme
eines stoffes ist '
diejenige wärmemenge, oder diejenige anzahl von calorien (
wärmeeinheiten),
welche nötig ist, um 1
g (
oder 1
kg)
dieses stoffes zu erwärmen um 1
0' Helmholtz
vorlesungen über theorie der wärme 15;
bei Campe
in allgemeinerer fassung verdeutscht eigenthümliche wärme. 33) wärme
von leblosem. 3@aa)
von jeher üblich ist das wort für warme luft, warmes wetter: apricitas, wärme oder sümmerung, schöne Frisius
dict. (1556) 108
b; nicht lang darnach fiel ein wirm an, darumb das eys begundt zergan.
Teuerdank 46, 19; die wirm ward ausz der erden sprossen. H. Sachs 4, 265, 29
Keller; die wärmde zeucht empor, was vor der frost verdeckte. Logau 1, 9, 10 (
s. 189
Eitner); do kom ain groʒʒ keltin, die belaib also biʒ in den prachmaunat, daʒ nie kain wirmin chom
städtechron. 4, 50, 6 (
Augsburg 1377); (
es) ward gar warm in der vasten, und belaib bey der wierm, also das der wein blühet umb S. Philippi tag
script. rer. austr. 1, 1161
Pez; dises lande ist vast warme ... und sunderlich auff disem flusse was ein würme, vil mere dann auff dem mere Ruchamer
newe weldte (1508) d 1
b; und ist der grosz eisz und schne sonder regen und gewesser zergangen dan allein von eiteler wirm
quellen zur Frankfurter geschichte 2, 11 (1515); auff ein zeit trib ein früer schnee die ameiszen ab, da aber ein witwensummer und grosze wirme wider einfelt, fert die ameisz wider an Mathesius
Sarepta (1571) 24
b; kraut und unkraut alles regt sich eben in der erde, weil es die nahende wärme fühlt Görres
ges. briefe 3, 211; dann trat eine solche wärme ein, dasz die kinder im freien badeten und die kirschen reiften G. Keller 5, 84.
gern verbunden licht und wärme: du, dessen geist der sonne gleichet, die sonder eigennutz und ruh, den menschen licht und wärme reichet. Günther
bei Steinbach 2, 943; und alle freud' ist von uns fern, da wir zum blühen licht und wärme missen. Rückert
werke 3, 112.
mit genetiv, wärme der sonne, eines himmelstrichs: sô strekt er sein plôʒ flügel gegen suden, dar umb, daʒ der sunnen wirm im seineu swaiʒfensterlein öffen K. v. Megenberg 170, 2; wie die sonne alle ding auff erden mit ihrer ... werme erquickt L. Ercker
beschr. aller mineral. ertzt vorr. 3
a; die trauben wachsen von der wärme der sonne Steinbach 2, 943; nur schwärme von kranichen begleiten ihn, die fernhin nach des südens wärme in graulichtem geschwader ziehn. Schiller 11, 240.
in besonderer bedeutung die wärme eines bodens, '
d. h. sein vermögen, die sonnenwärme zu absorbieren und zu leiten, hängt von seiner farbe, bedeckung, feuchtigkeit und lockerheit ab' Fürst
forst- u. jagd-lexikon2 523
a. 3@bb)
von erwärmten räumen, einer stube, dem ofen: die nassen hosen thuo darvon und lasz die werm zu beinen gon. Scheit
Grobianus 4558
neudr.; stelt vür den ofen sich und wermet sich, sprach angefert: die wierm ist hundert guelden wert an meinem leib und leben. H. Sachs
fab. u. schw. 5, 718, 7
Götze; (
das weib hat) von der katzen, das sie gern schlecket, bei der wärme und dem stubenofen gern steckt Fischart
ehzuchtbüchlein 251, 17
Hauffen; Clawert ... steiget auff die hürten, über dem kacheloffen, die nacht in der wärme alda zuschlaffen B. Krüger
Clawerts hist. 9
neudr.; als ich (
der durchnäszte) bereits hier auf dem schlosse in trockener wärme lag v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 45.
schweiz. die wärme '
der warme herd': er solle auf der stelle hineinkommen, es sei ihm essen an die wärme gestellt Gotthelf
schriften 2, 154; sie holte den kaffee herein, den sie vorsorglich an der wärme aufbehalten
Hans Joggeli (
Zürich 1893) 80. 3@cc)
sonst von dingen, die wärme
in sich aufgenommen haben: von der wirm des engen petleins
Decamerone 120, 9
Keller; der magdt thet die würme des inschlit so wol, das sie entschlieffe Montanus 43, 25
Bolte. 44) wärme
von lebenden wesen. 4@aa)
es kann das wärmegefühl sein, das mensch oder thier empfindet von sonne, feuer oder was sonst zur erwärmung dient: si machten bald ein vuwer, di wirme waʒ in tuwer, wande di zit waʒ vil kalt.
Passional 184, 67
Hahn; die ander hêt er unverswigen gelegt an den ruck sîn, daʒ si im wirme tæten schî
n. Enikel
weltchronik 13152
Strauch; eʒ was ouch in der zît wol, daʒ man wirme haben schol ... er sprach: 'brinc mir her an ein zil einen belz, ein kursen'.
fürstenbuch 978
Strauch; so er (
der igel) eingewickelt verborgen ligt, so bald man in legt in ain warm wasser, so tuot er sich auf von lustbarkeit wegen der wirme die er empfindt Keisersberg
schiff der penitentz d 1
d; das sy im vergünnet eyn kleyn sich bei ir ze wermen, dann er von frost tod und aller erkalt wär ... alsbald er sein wirme empfangen hette von ir geen wölt
Decamerone 293, 38
Keller; für eim baum da man schatten hat, pfleget man sich zu neigen und den ofen zu hertzen, darvon man wirme hat Mathesius
hochzeitpred. 239, 26
Lösche. bildlich '
behaglichkeit': in wiefern das alte gothische gebäude der deutschen reichsverfassung seine gute seite habe, wie es seinen insassen ruhe und wärme geben könne G. Forster (1843) 8, 102
bei Mathesius
die reimende formel wirm und schirm '
behaglichkeit und schutz': sol ein weyb ein mann für iren herrn halten, so musz sie wirm und schirm und zimliche unterhaltung von im haben
hochzeitpr. 71, 18
Lösche. in den wendungen der wärme nach, um der wärme willen, der wärme halber
zeigt sich auch die bedeutung '
um warm zu werden': ein löw schlieff in einem wald, da krochen die veldmeusz der wärme nach auff in S. Franck
sprichw. 1, 109
b; er ... in kein stuben ... dur keiner wermi willen nie kam H. Suso 46, 1
Bihlmeyer; sie ... seynd auch gerne umb die graben umb der wärme willen Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 34; am tag ist es (
das krokodil) uff dem land, zu nacht im wasser, beydes der wörme halben v. Eppendorff
Plinius (1543) 8, 60; rasch einsteigend, drückte sie sich, wärme halber, in eine der ecken Fontane I, 5, 112. 4@bb)
auch schon die gewöhnliche, sich ziemlich gleich bleibende temperatur des menschlichen und thierischen körpers wird als wärme
empfunden; bis ins 18.
jahrh. war für diese eigenwärme die bezeichnung natürliche wärme
gebräuchlich: die natürliche wärme widerumb gäben, oder widerumb löblich machen,
in vivum calorem revocare Frisius
dict. (1556) 176
a = Maaler 482
a;
auch bei Krämer 1210. Stieler 2436. Jablonski (1748) 1316
a; wanne swer in umbederbe iʒʒet unde ane begerunge, so en vindet diu spise niht deʒ magen naturliche wermede
Mainauer naturlehre 8
Wackernagel; do er kainer natürlichen wermy an im nit enpfande (
hunc olidum credens cadaver) Steinhöwel
Äsop 270; dem herzen, als des lebens beherscher und könig und aller natürlicher wärm ursprung Fischart
podagr. trostbüchlin 54, 34
Hauffen; wie auch durch die grosze förcht und schröcken wird die natürliche wärme sehr geschwächt Abr. a S. Clara
mercks Wien (1680) 58.
dafür später thierische wärme: es erzeugt sich thierische wärme Lichtenberg
verm. schriften (1800
f.) 2, 27; die wechselwirkung der bestandtheile der speisen und des durch die blutcirculation im körper verbreiteten sauerstoffs ist die quelle der thierischen wärme J. Liebig
chemische briefe 233.
man spricht jetzt wol auch von innerer wärme
im gegensatz zur äuszeren. 4@cc)
die körperwärme ist ein hauptzeichen des lebens: ach! er vergeht! geist, puls und wärmbd ist hin, der brunn der adern steht in todtes eisz verkehrt. Lohenstein
Cleop. 78, 742; o! nimm dem körper wärm' und blut, dem du die seele schon genommen! Lessing 1, 63; er lebt ... des lebens wärme hab' ich verspürt. Göthe 13, II, 5
Weim. ausg.; kein odem, keine wärme zeugt von leben.
Shakespeare, Romeo u. Julia 4, 1. wärme und leben
deshalb häufig verbunden: nämlich alles liebe ding, das sie auch zum erb empfing, wil sie einem freunde geben, weil sie noch fühlt wärmd und leben. Logau 1, 8, 20 (
s. 164
Eitner). lebliche wärme: derwegen sy die jungen läcken, ... und läbliche wärme inen mitteilen
Gesner thierbuch übs. v. Herold
u. Forer (1563) 14
b. 55)
verbalverbindungen mit wärme
in eigentlicher bedeutung. 5@aa) wärme entwickelt sich, nimmt zu, ab, läszt nach, erlischt: wir waren ungemein lustig, obwohl sich in dem engen raume bald eine grosze wärme entwickelte H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 145; das gesetz der zunehmenden und abnehmenden wärme, wenn man ein niedriges flachland mit einem ... gebirgsrücken ... vergleicht A. v. Humboldt
kosmos 4, 243; die wärme verleuret sich,
calor frangit se Stieler 2436; die wärme läszt nach Steinbach 2, 943; die erloschene wärme wieder herstellen Nieremberger. die wärme theilt sich mit, geht über
u. ä.: eine elektrische wärme schien aus der feinen wolle in seinen körper überzugehen Göthe 22, 47
Weim. ausg. die bewegung der wärme
wird gern als ein flieszen aufgefaszt: dann flieszt die wärme der richtung ... entgegen Helmholtz
vorles. über theorie der wärme 36; überschusz der ... einströmenden wärme über die ausströmende 23. 5@bb) wärme machen, erregen, erzeugen, mittheilen, geben, spenden, verbreiten, ausstrahlen
u. ä.: calorificus, das hitz oder werme macht Calepinus XI
ling. (1598) 187
a; dasz die sonnenstrahlen wärme erregen Ch. Wolff
nützliche versuche 2 (1722) 312; die sonn die theilt den elementen mit die wärm Paracelsus (1616) 2, 372; (
die sonne) gibt ihr (
der erde) wärme und krafft J. Böhme (1620) 4, 60; öfen ..., in welche der dampf ... seine wärme abgiebt Muncke
popul. wärmelehre 127; so nennen wir denjenigen körper, welcher wärme abgiebt, den wärmeren; und denjenigen, welcher wärme aufnimmt, den kühleren Helmholtz
vorlesungen über theorie der wärme 5; fähigkeit (
der erdoberfläche) die wärme auszustrahlen A. v. Humboldt
kosmos 4, 35; in dessen wänden verbreiteten zahllose öfen wärme Kerner
bilderbuch (1849) 4.
von warmhaltenden dingen (
vgl. sp. 2042 warm geben): du fühlest wie ein fell dir neue wärmbde giebt. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 47; der korbwagen selbst, mutmaszlich um mehr wärme und bequemlichkeit zu geben, war ... mit stroh gefüllt Fontane I, 1, 4. verschlucken (absorbiren), nehmen, entziehen, binden, freimachen
u. ä.: bei jeder ... verbindung wägbarer stoffe wird bald wärme entwickelt, bald verschluckt L. Gmelin
handb. der theor. chemie (1817) 1, 111; die eigenschaft des wassers, bei der entstehung aus eis ... wärme zu binden und beim übergang zur starrheit wieder frei zu machen Muncke 169 (
vgl. oben 2
d δ); schatten, ... der nicht einem hälmchen die wärme entzieht v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 2, 7. wärme halten,
nicht entweichen lassen: die alten haben den gebrauch gehabt, ihre wohnstuben mit tischler-arbeit ... zu bekleiden, ... dasz sie besser die wärme halten sollen v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 26. leiten, durchlassen: durch die tropfbar flüssigen und festen körper ... verbreitet sich die wärme langsam, kriechend, sie wird von ihnen geleitet L. Gmelin 1, 93; wie denn überhaupt alle körper die wärme so viel schlechter leiten, je lockerer sie sind Muncke 145; hat man diejenigen (
körper), welche die wärme durchlassen, diathermane genannt 121. 5@cc) wärme empfinden, ertragen: und doch kann ich der sonne licht und ihre wärm empfinden. Gellert (1839) 2, 114; die wärmde vertragen Steinbach 2, 943.; man kan die wärme noch mit der hand erleiden
ebenda. 66)
übertragung auf seelische vorgänge und zustände. 6@aa)
sie begegnet bis ins 18.
jahrh. nur selten und mehr in bildlichen wendungen (
vgl.warm II 6);
vom feuer des heil. geistes: unde wâhet siê ana sîn geîst, unde dáranâh rinnent siê ze góte, wanda sie zelâʒen sint fone sînero warmi Notker
psalm 147, 18.
von der lebensfrische, beim pferd '
feuer': so es (
das pferd) in dem lauffen waʒ, daʒ mansz nit erhalten mocht ... durch sein wermbd Braunschweig
chirurgia (1539) 76
a.
vom wein bewirkter wagemut: der gartknecht ... hatt sein mas weins schon getruncken und was yetz gantz auffgefroren; dann im der wein ein werme bracht hat. er fing an und sagt ... 'ich nim den kauff mit euch an und far für euch in die hell' Wickram 3, 106, 32
Bolte. im 17.
jahrh. vereinzelt: die grosze schönheit (
Angelikas) ihm (
dem einsiedler) das hertze brennen machte, und in sein kaltes marck die wärme wieder brachte. D. v.
d. Werder
rasender Roland (1636) 104; was geist und wärmde heist, ist ihr gantz unbekandt, sie weisz mit honigthau mir nicht den mund zu netzen. Hoffmannswaldaus
u. a. ged. (1697
ff.) 2, 72
Neukirch; soll ich ... die eingepflantzte wärme der liebe durch kalten undanck erstecken? Lohenstein
Arminius 1, 78
b. 6@bb)
erst in der zweiten hälfte des 18.
jahrh. beginnt reiche entfaltung der übertragenen bedeutungen '
mut, begeisterung, leidenschaftlichkeit, empfindsamkeit, innigkeit'. 6@b@aα)
ihre entstehung ist darin gegeben, dasz innere erregtheit wirklich als körperliche wärme
empfunden wird, vgl.: er lächelte über die schöne wärme, die das erinnern jenes morgens auf Ernstens wangen zog Klinger 8, 169.
auch bei wärme des händedrucks, des kusses, der umarmung
u. ä. scheint die eigentliche bedeutung durch: aber schöner doch, dem freunde helfend zu nahn, die wärme seines händedrucks zu fühlen. Grabbe 2, 480 (
Heinrich VI. 4, 3)
Blumenthal. 6@b@bβ) über seine (
des jahrhunderts) wärme in ideen und kälte in handlungen ... zu lobjauchzen Herder 5, 524
Suphan; ohne wärme giebt es keine andacht, keine liebe weder gegen gott noch gegen menschen Miller
briefwechsel dreier akad. freunde 1, 26; geduld liebe frau, ach und ein biszgen wärme wenn sie an ihren Gustel dencken Göthe
briefe 3, 18
Weim. ausg. vom dichterischen feuer: Göthe hatte sich seit Schillers tode von der poesie ab und den wissenschaften zugewendet. indem er seine wärme in zu viele richtungen vertheilte, wurde sie schwächer in jeder Grillparzer
2 10, 154; die Lewald hat einen scharfen verstand, aber wenig phantasie und wärme G. Keller
bei Bächtold 2, 112; von dem augenblick aber, wo ihm der reiz und die wärme gekommen sind, deren er zum schaffen bedarf Freytag 14, 16 (
technik des dramas). 6@b@gγ)
mit folgendem genetiv. 6@b@g@11)) wärme des herzens,
innigkeit des gefühls: bey aller wärme meines herzens blieb doch mein kopf kalt genug S. v. Laroche
gesch. des frl. v. Sternheim (1771)
vorr. XII; es spricht durchhin ein mann von wärme des herzens und gesundem menschenverstande Herder 9, 433
Suphan; die tiefe und wärme seines herzens verführte auch ihn, über die schranken der sittlichkeit ... wegzuspringen Gervinus
gesch. d. deutschen dichtung (1853) 5, 29. der empfindung, des gefühls, der liebe
u. ä.; die liebeserklärung ist gleichfalls merkwürdig durch die wärme der empfindungen Göthe 41, II, 261
Weim. ausg.; sie (
die briefe) berührten angenehm durch die wärme des gefühls Bismarck
gedanken u. erinn. 2, 319
volksausg.; an meiner neigung wärme zweifelst du? Göthe 10, 280 (
natürl. tochter 2, 1). 6@b@g@22)) wärme
des wollens: noch im wollustvollen mai des lebens, wo die seele sonst entschlüsse sprüht, fühl' ich in der wärme meines strebens, wie mein lebenselement verglüht. Platen 8 (
lied. u. rom.). 6@b@g@33))
der mündlichen oder schriftlichen äuszerung: ich erkannte den vater an der wärme des gemähldes (
der schilderung des mädchens) Wieland 13, 46; die wärme seines buchs ... verdiene um so gröszeres lob C. Fr. Cramer
Neseggab 2, 36; es wäre lächerlich, wenn mein lob von der wärme seines (
des schauspielers) spiels bis zur feinheit desselben ginge J. Paul
unsichtbare loge 3, 14; in der wärme der unterhaltung O. Ludwig 2, 412. 6@b@dδ) mit wärme,
mit begeisterung, mit herzlichkeit: deutsch ist hier beynah der ganze militärstand, und mit wärme Gleim
briefwechsel 2, 310
Körte; und werde mit den meinigen an dem frohen tage ihrer und des lieben ankömmlings mit wärme gedenken Göthe
briefe 34, 34
Weim. ausg.; Schweizer giebt ihm die hand mit wärme. lieber junge! wir duzen einander Schiller 2, 120 (
räuber, schauspiel 3, 2); wie dieser sich seiner mit wärme annahm H. Grimm
Michelangelo 2, 306; so lang' ich lebe, ist mir noch niemand mit solcher wärme entgegen gekommen! v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 136.
häufig mit wärme sprechen, schildern: wenn er diese vaterländische sache dem kaiser mit wärme vorträgt Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 431; ich wünschte, sie hätten es gehört, mit welcher wärme er noch heute ihre parthey nahm Schiller 14, 246 (
parasit 4, 4); o tränke wieder jeder deutsche mann saure milch — und rauchte dazu seine pfeife tobak — fiel der alte baron mit wärme ein Immermann
Münchh.2 1, 7.
in anweisungen für die schauspieler: Pythagoras habe sie entworfen. (mit wärme) es war doch ein vortreflicher mann, dieser Pythagoras! A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 1, 187;
graf (mit innigster wärme). ich denke nichts als seine erhaltung! Iffland
dramat. werke (1827
f.) 1, 78. ohne wärme: so mit dürrem ernste von sich selbst zu reden, ohne eigenliebe, ohne wärme, ohne kindlichkeit Börne (
Hamb. 1829
f.) 8, 32. 6@b@eε) in wärme,
in wohlwollender stimmung, erhalten (
vgl.warm halten
sp. 2043): man musz sie (
die groszen, die gönner) beständig in wärme erhalten H. Beck
verirrung ohne laster (1793) 1, 4. 6@b@zζ) wärme,
zuneigung, begeisterung, für etwas: blosz durch die wärme fürs vaterland getrieben Lenz
vertheidigung des herrn Wieland (1776) 20; hier ... kommt alles auf den prediger an, auf seine lehrweisheit und seine mittheilende wärme für die sache Schleiermacher I, 5, 132; Friedrichs des Groszen wärme für die allen gleiche gerechtigkeit A. Trendelenburg
bei Flathe
deutsche reden 2, 26. wärme für etwas haben: für die schönen künste dürfte Bünau wenig wärme gehabt haben Justi
Winckelmann 1, 318. 6@b@hη)
von adjectiven und participien, die zu wärme
in der bedeutung '
leidenschaftlichkeit, innigkeit'
treten, seien angeführt: steigende, wachsende wärme: er ergreift der herzogin hand, (
spricht) mit steigender wärme Schiller 12, 103 (
Piccolom. 2, 4); er stockte bei diesen worten, die er mit wachsender wärme gesprochen G. Keller 2, 260. sanfte, milde, stille, laue wärme (
vgl. oben 1
a): er fühlte jetzt, so oft ihr name erwähnt wurde, eine sanfte wärme durch seinen busen wehen J. Paul
Hesperus 2, 164; Jakob Grimm ... dankte mit sichtbarer rührung, die ... über seinen ganzen vortrag eine milde wärme verbreitete Scherer
kl. schriften 1, 3; wie wohl thut menschenangesicht mit seiner stillen wärme! Lenau
ged. (1857) 1, 270; da lob' ich mir die laue wärme der freundschaft. H. Heine 2, 101
Elster. sogar die verbindung kühle wärme
wird gewagt: so ist auch die kühle, belebende wärme eines dichterischen gemüts gerade das widerspiel von jener wilden hitze eines kränklichen herzens Novalis 4, 166
Minor. leidenschaftliche, jugendliche, sinnliche, innere wärme
u. ä.: der verfasser ... verräth auch dabey eine leidenschaftliche wärme Adelung
magazin f. d. d. sprache 2, 4, 154; mit jugendlicher wärme J. G. Jacobi (1807
ff.) 1, 130; bei dem deutschen dichter erscheint das leiden der liebenden ... als ein bild von rührender innigkeit und bezaubernder sinnlicher wärme Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 89; seine augen glühten wie von einem anhaltenden glanze innerer wärme und begeisterung G. Keller 1, 19. theilnehmende, mütterliche, zärtliche wärme
u. ä.: immer spricht er über diese materie mit theilnehmender wärme Herder 23, 473
Suphan; ihr angesicht voll mütterlicher wärme J. Paul
Hesperus 2, 54; durch seine brüderliche wärme
Quintus Fixlein 1, 111; ich weisz nicht auf welcher (
seite beim abschiede) mehr ... zärtliche wärme hervorleuchtete Pfeffel
pros. versuche (1810) 1, 87; eine neigung zu dem traulichen jünglinge machte ihr immer deutlicher zu schaffen, es begann eine zärtliche wärme ihr herz zu beschleichen G. Keller 6, 70. religiöse, sittliche wärme: da gerieth er in eine recht eigentlich religiöse wärme und beschwor mich, den geist gottes nicht von mir zu stoszen Bahrdt
gesch. s. lebens 1, 225; längst verflogen war in diesen tagen kirchlichen haders die religiöse wärme des früheren mittelalters Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 2, 29; er legte ihm (
dem kleinen im leben) vielleicht oft mehr wichtigkeit bei als es verdiente, aber er erfüllte es sich auch mit sittlicher wärme Meinecke
v. Boyen 1, 64. 77)
übertragung auf gesichts- und gehörsempfindungen (
vgl.warm II 7). 7@aa) seine (
van Dyks) farben sind bescheidener und besser verschmelzt, und gränzen näher an italienische wärme G. Forster
ansichten vom Niederrhein 1, 192; eine Magdalena von Guido, welche ... selbst der Fortuna ... vorzuziehen ist, wegen der weichheit und wärme der farbe Schlegels
Europa 2 (1803) 106; das rothgelbe gibt eigentlich dem auge das gefühl von wärme und wonne Göthe
naturwiss. schriften 1, 312
Weim. ausg.; das reizende und doch leere blau (
fordert) die feurige wärme des orangegelben Vischer
ästhetik 2, 48. 7@bb) so hätte ich kürzlich die kritik einer symphonie gelesen, worin nur von der wärme des kolorites, verteilung des lichtes, von dem tiefen schlagschatten der bässe ... die rede sei G. Keller 2, 146; aber (
er) nimmt ein durch die immer gleiche wärme seines satzes Schubart
ästhetik der tonkunst 52; auch die sonstige behandlung (
der quartetts) verräth .... mehr ein streben nach klarheit und eleganz als nach tiefe und wärme O. Jahn
Mozart 4, 92. 88)
bei der zusammenfassung verschiedener arten von wärme,
der wärme
verschiedener körper oder zeiten wird zuweilen der plural wärmen
verwandt: die zwey feindseligen wärmen Stranitzky
Fuchsmundi 209, 3
neudr.; die mittleren jahreswärmen in Canada A. v. Humboldt
kosmos 1, 342; schlüsse, die specifischen wärmen beliebiger körper ... betreffend Helmholtz
vorlesungen über theorie der wärme 223.
in übertragener bedeutung: ich in wunderbaaren kälten und wärmen Göthe
briefe 2, 305
Weim. ausg. 99)
sprichwortartiges: also ist's bey hofe brauch, der hat wärmde, jener rauch. Logau 2, 9, 15 (
s. 381
Eitner).